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  1. ALLES LEBEN IST YOGA
  2. Zwei uralte Lebensgesetze – Erkenne dich selbst und vergiss dich selbst

Zwei uralte Lebensgesetze Erkenne dich selbst und vergiss dich selbst

Sri Aurobindo | Die Mutter

Inhaltsverzeichnis

  1. Zitat
  2. I. ERKENNE DICH SELBST – WORTE SRI AUROBINDOS
    1. 1. Erinnerung
    2. 2. Erkenne, wer Er ist
    3. 3. Erkenne dein Selbst in allen Dingen
    4. 4. Werde dein wahres Selbst
    5. 5. Leben eines gewöhnlichen Menschen und die erste Notwendigkeit
    6. 6. Jenseits des vordergründigen Bewusstseins
    7. 7. Das innere Wesen
    8. 8. Erkenne den inneren Ratgeber
    9. 9. Was der Mensch ist
    10. 10. Der wahre Sinn unserer Geburt
    11. 11. Schritte, um sich aus der Unwissenheit zu lösen
  3. II. VERGISS DICH SELBST – WORTE DER MUTTER
    1. 1. Eine leere Seite, auf die der Göttliche Wille geschrieben werden soll
    2. 2. Oh Herr, befreit mich von mir selbst
    3. 3. Lösche dich selbst aus, damit allein Gott sein kann
    4. 4. Individuelles Bemühen
    5. 5. Warum praktizieren wir Yoga?
    6. 6. Ausdruck des Göttlichen in der Manifestation und Verwendung der Kraft nur für das Göttliche
    7. 7. Kristallisierung und Hingabe
    8. 8. Sich selbst beim Handeln betrachten
    9. 9. Ein Weg, sich selbst zu vergessen
    10. 10. Was man als erstes lernen muss
    11. 11. Wenn das intellektuelle Mental gereinigt und erhellt ist
  4. Bibliographie

Selbstverleugnung ist ein mächtiges Mittel zur Läuterung; es ist weder Selbstzweck noch ein endgültiges Lebensgesetz. Nicht dich zu kasteien, sondern Gott in der Welt zu beglücken sei dein Ziel.

– Sri Aurobindo

Teil 1 ERKENNE DICH SELBST

Worte Sri Aurobindos

Kapitel 1

Erinnerung

Meine Seele erhob sich frühmorgens und vernahm lauschend

Eine ferne Stimme, einen einsamen Vogel,

Ein Lied, nicht Meister seiner Note, einen Schrei,

Der sich fortsetzte in die Ewigkeit.

Meine Seele lehnte sich in den Morgen um zu hören

Ihren gefiederten Gefährten in der Welteinsamkeit

Und lauschend auf des Engels Botschaft

Sah sie einen Schimmer in der Mitternacht,

Und ein geheimer Tag eröffnete sich ihr.

Sie sah die gedankengeborenen Sterne und erkannte,

Wie sich das Sein entwickelt.

Dann erinnerte ich mich, wie ich vom Schlaf erwachte,

Und schuf die Himmel, die Erde, formte das tiefe Meer.

Kapitel 2

Erkenne, wer Er ist

Erhebe deine Augen zur Sonne, Er ist dort in diesem wundervollen Herz des Lebens, Lichtes und der Herrlichkeit. Beobachte nachts die unzähligen Sternbilder, die wie unendlich viele Wachtfeuer des Ewigen in der endlosen Stille glitzern, die keine Leere ist, sondern mit der Gegenwart eines einzigen ruhigen und gewaltigen Seins pocht. Sieh dort Orion mit seinem Schwert und Gürtel leuchten, wie er schon den Arischen Vätern zu Beginn der Arischen Epoche vor zehntausend Jahren geleuchtet hat; Sirius in seinem Glanz und Lyra, die Billionen von Meilen fern im Ozean des Raums segelt. Erinnere dich, dass unzählige Welten, die meisten von ihnen mächtiger als unsere eigene, mit unglaublicher Geschwindigkeit auf den Wink des Alten der Tage hin segeln, wohin – weiß niemand als Er. Und dass sie doch Millionen Mal älter als dein Himalaya sind, beständiger als die Wurzeln deiner Hügel, und dass sie so bleiben, bis Er sie nach seinem Willen wie verwelkte Blätter des ewigen Baumes des Universums abschüttelt. Stelle dir die Endlosigkeit der Zeit vor, erkenne die Grenzenlosigkeit des Raumes; und dann erinnere dich, dass Er – Derselbe wie jetzt – da war, als es diese Welten noch nicht gab, und wenn es diese nicht mehr gibt, Er sein wird, immer noch Derselbe. Erkenne, dass Er jenseits von Lyra ist und dass weit entfernt im Raum, wo die Sterne des Südkreuzes nicht erblickt werden können, Er auch dort ist. Und dann kehre auf die Erde zurück und erkenne, wer dieser Er ist. Er ist ganz nahe bei dir. Siehe dort den alten Mann, welcher zusammengekauert und gebeugt mit seinem Stock nah an dir vorübergeht. Erkennst du, dass es Gott ist, der vorbeigeht? Dort rennt ein Kind lachend im Sonnenlicht. Kannst du Ihn hören in jenem Lachen? Ja, Er ist sogar noch näher bei dir. Er ist in dir. Er ist du. Es bist du selbst, der Millionen von Meilen entfernt in den unendlichen Weiten des Raumes brennt, der mit zuversichtlichen Schritten auf den taumelnden Wellen des himmlischen Meeres geht. Es bist du, der die Sterne an ihren Platz gesetzt und die Halskette der Sonnen geknüpft hat – nicht mit den Händen, sondern durch jenen Yoga, jenen stillen, nicht handelnden unpersönlichen Willen, der dich heute, lauschend auf dich selbst in mir, hierher gesetzt hat. Schau auf, oh Kind des alten Yoga, und sei nicht länger ein Zauderer und Zweifler; fürchte dich nicht, zweifle nicht, trauere nicht; denn in deinem scheinbaren Körper ist Einer, der Welten in einem Atemzug erschaffen und zerstören kann.

Ja, Er ist in allem hier ein grenzenloser Ozean spiritueller Kraft; denn wenn Er nicht wäre, könnten weder das äußere Du noch das äußere Ich noch diese Sonne noch alle diese Welten nicht einmal nur für einen Millionstel Teil der Zeit bestehen, den ein Wimpernschlag braucht. Aber Er ist auch außerhalb davon. Sogar in Seiner Manifestation ist Er außerhalb in dem Sinne, dass Er alles übersteigt, atyatishthaddashangulam [Purushasukta 1.Vers]; in Seinem Unmanifestiertsein ist Er gänzlich von allem getrennt. Diese Wahrheit ist schwerer zu begreifen als die andere, aber es ist notwendig sie zu begreifen. Es gibt eine Art Pantheismus, der das Universum als Gott ansieht und nicht Gott als das Universum; aber wenn das Universum Gott ist, dann ist Gott materiell, teilbar, wandelbar, der bloße Fluss und Rückfluss der Dinge; aber sie alle sind nicht Gott in Sich Selbst, sondern Gott in Seinen Schatten und Erscheinungen. Sie sollen dann unser Bild der Schatten und Erfindungen von Shakespeares Geist wiederholen; Shakespeare ist nicht nur größer als seine ganze Dramen-Welt zusammengenommen, er ist nicht nur in und außerhalb von ihr, sondern von ihr getrennt und anders als sie.

  1. 3. Erkenne dein Selbst in allen Dingen
  2. 4. Werde dein wahres Selbst
  3. 5. Leben eines gewöhnlichen Menschen und die erste Notwendigkeit
  4. 6. Jenseits des vordergründigen Bewusstseins

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