Kapitel 5
Warum praktizieren wir Yoga?
Süße Mutter, hier steht: „Auch diese Befreiung, Vollkommenheit und Fülle darf nicht für uns selbst gesucht werden, sondern für das Göttliche.“ [– Sri Aurobindo] Aber praktizieren wir Yoga nicht für uns selbst?
Aber er betont doch gerade das. Es soll diesen Punkt gerade unterstreichen. Es bedeutet, dass die ganze Perfektion, die wir erreichen wollen, nicht einem persönlichen und egoistischen Ziel dienen, sondern uns befähigen soll, das Göttliche zu manifestieren. Es wird in den Dienst des Göttlichen gestellt. Wir verfolgen diese Entwicklung nicht mit der selbstsüchtigen Absicht die eigene Vollkommenheit zu erlangen, sondern weil die göttliche Arbeit ausgeführt werden muss.
Aber warum tun wir diese göttliche Arbeit? Ist es, um uns selbst…
Nein, überhaupt nicht! Wir tun sie, weil es der göttliche Wille ist. Es ist überhaupt nicht für einen persönlichen Zweck, das darf es nicht sein. Es ist, weil es der göttliche Wille und die göttliche Arbeit ist.
So lange ein persönliches Streben oder Wünschen, ein egoistischer Wille damit vermengt wird, entsteht daraus immer eine Mixtur und drückt den göttlichen Willen nicht richtig aus. Das einzige, was zählen darf, ist das Göttliche, Sein Wille, Seine Manifestation, Sein Ausdruck. Dafür ist man hier, man ist das und nichts anderes. Und solange ein Gefühl von Selbst, von Ego, von Person hineinkommt, – nun – zeigt sich, dass man noch nicht der ist, der man sein sollte. Das ist alles. Ich sage nicht, dass dies über Nacht erreicht werden kann, aber es ist tatsächlich die Wahrheit.
Es ist so, weil es sogar auf diesem, dem spirituellen Gebiet, viel zu viele Leute gibt (ich könnte sogar sagen, die Mehrheit derer, die sich dem spirituellen Leben zuwenden und Yoga machen), viel zu viele von denen, die es aus persönlichen Gründen, aller Arten von persönlichen Gründen tun: einige, weil das Leben sie anekelt, andere, weil sie unglücklich sind, noch andere, weil sie mehr wissen wollen, andere, weil sie spirituell groß werden wollen, andere, weil sie Dinge lernen wollen, die sie vielleicht anderen beibringen können. Es gibt tatsächlich tausend persönliche Gründe Yoga zu praktizieren. Aber sich einfach dem Göttlichen in aller Reinheit und Beständigkeit hinzugeben, damit das Göttliche dich annimmt und aus dir etwas nach Seinem Willen macht, – nun, da gibt es nicht viele, die das tun, und doch ist es die Wahrheit, und man gelangt damit direkt zum Ziel und riskiert niemals Fehler zu machen. Aber alle anderen Motive sind immer vermischt, egobehaftet, und sie können dich natürlich hierhin und dorthin und auch sehr weit vom Ziel weg führen.
Aber dieses Empfinden, dass du nur einen einzigen Grund zum Leben, ein einziges Ziel, ein einziges Motiv, die perfekte, ganze, vollständige Hingabe an das Göttliche hast bis zu dem Punkt, dich nicht länger von Ihm unterscheiden zu können, ganz das Göttliche bist, vollständig, gänzlich ohne eine persönliche intervenierende Reaktion, – dies ist das einzige Gefühl, welches es dir möglich macht, im Leben und in der Arbeit vorwärts zu kommen. Hier bist du ganz beschützt vor allem und beschützt vor dir selbst, der größten aller Gefahren für dich. – Es gibt keine größere Gefahr als das Selbst (ich nehme „Selbst“ in dem Sinne eines egoistischen Selbstes).