Gedenken an Sri Aurobindo (2) Sri Aurobindos Botschaft
Sri Aurobindo
In der Natur gibt es eine aufsteigende Evolution vom Stein zur Pflanze, von der Pflanze zum Tier, vom Tier zum Menschen. Da der Mensch zur Zeit die letzte Sprosse am Gipfel der aufsteigenden Evolution ist, betrachtet er sich als die letzte Phase in diesem Anstieg und ist der Meinung, es kann auf Erden nichts geben, was über ihm stünde. Hierin hat er unrecht. In seiner physischen Natur ist er beinahe noch ein Tier, ein denkendes und sprechendes Tier zwar, doch in seinen körperlichen Gewohnheiten und Instinkten nichtsdestoweniger ein Tier. Zweifellos kann die Natur mit einem so unvollkommenen Ergebnis nicht zufrieden sein; sie strebt danach, ein Wesen hervorzubringen, welches für den Menschen das sein wird, was der Mensch für das Tier ist, ein Wesen, das seiner äußeren Form nach ein Mensch bleiben wird, dessen Bewusstsein sich jedoch weit über das Mental und seine Versklavung an die Unwissenheit erhebt.
Sri Aurobindo kam auf die Erde, um den Menschen diese Wahrheit zu lehren. Er sagte ihnen, der Mensch sei nur ein vergängliches Geschöpf, das in einem mentalen Bewusstsein lebe, jedoch die Möglichkeit besitze, ein neues Bewusstsein zu erlangen, das Wahrheitsbewusstsein, und dass er ein Leben zu leben vermag, das vollkommen harmonisch sei, gut und schön, glücklich und voll bewusst. Während seines ganzen Lebens auf Erden widmete sich Sri Aurobindo der Gewinnung jenes Bewusstseins in sich, das er supramental nannte, sowie der Aufgabe, den um ihn versammelten Menschen dabei zu helfen, es zu verwirklichen.
– Die Mutter
Teil 1 ÜBER SCHÖPFUNG
Kapitel 1
Dasein ist keine Illusion
Das Dasein ist kein Glücksfall, keine zufällige Schöpfung von irgendjemandem, ein Ding, das unerklärlicherweise entstanden ist. Es trägt das Wort Gottes in sich, es ist erfüllt von einer verborgenen Göttlichen Gegenwart.
Das Dasein ist keine blinde Maschine, die irgendwie daherkam und eine planlose Bewegung ohne Ziel, Sinn und Zweck in Gang setzte. Das Dasein ist eine Wahrheit der Dinge, die sich durch einen allmählichen Prozess der Manifestation entfaltet, eine Evolution ihrer eigenen innewohnenden Wirklichkeit.
Das Dasein ist keine Illusion, eine Maya, die keinen Grund, keine Bestimmung hat zu existieren, nicht existieren kann, nicht existiert, sondern nur zu sein scheint. Eine mächtige Wirklichkeit manifestiert in sich selbst dieses wunderbare Universum.
Die Manifestation ist keine Episode des Ewigen. Sie ist sein Antlitz und sein Körper der Glorie, der unvergänglich ist, sie ist die Bewegung seiner Freude und seiner Macht...
Das Göttliche, das wir verehren, ist nicht nur eine ferne außerkosmische Wirklichkeit sondern eine halbverhüllte Manifestation, die uns hier im Universum gegenwärtig und nahe ist. Das Leben ist das Feld für eine noch nicht vollendete göttliche Offenbarung: wir sollen hier im Leben, auf der Erde, im Körper, – ihniva1, wie die Upanishaden betonen –, die Gottheit enthüllen; hier müssen wir ihre transzendente Größe, ihr Licht und ihre wunderbare Lieblichkeit unserem Bewusstsein zu etwas Wirklichem machen, es hier besitzen und, soweit das möglich ist, zum Ausdruck bringen.
...der Mensch ist ein sich entwickelnder Geist, der hier versucht, sich in den Formen von Mental, Leben und Körper zu finden und zu verwirklichen...
1 selbst hier.
Kapitel 2
Das Wunder der Geburt
Ich sah meine Seele als Reisende durch die Zeit
Von Leben zu Leben kosmische Wege gehen,
Dunkel in den Tiefen, erhaben auf den Höhen,
Vom Wurm empor sich entfaltend in den Gott.
Eine Funke des ewigen Feuers, kam sie her
In Materie ein Haus für den Ungeborenen zu bauen.
Die nichtbewusste sonnenlose Nacht empfing die Flamme,
In stumm verlorener Dinge roher Saat
Rührte sich Leben, umriss sich schimmernd Denken
Bis auf der unbeseelten starren Erde erschien,
Geboren aus nachtwandlerischer Natur im Schlaf,
Ein denkend Geschöpf, das hoffen und lieben kann.
Weiter geht das Wunder, die schrittweise
Geburt des Unsterblichen zwischen Schlamm und Stein.
O Du, der du stiegst zum Mental aus dem dumpfen Stein,
Wende dich den unerklommenen Wundern zu!