Kapitel 2

Wie die Gesellschaft das Individuum betrachten sollte

Das wahre, vollkommene spirituelle Ziel der Gesellschaft wird den Menschen nicht als Mental, als Leben und Körper betrachten, sondern als Seele, die sich zu göttlicher Erfüllung auf der Erde, nicht nur im jenseitigen Himmel verkörpert. Sie hätte ja den Himmel nicht zu verlassen brauchen, hätte sie nicht eine göttliche Aufgabe hier in der Welt der physischen, vitalen und mentalen Natur zu vollbringen. Das spirituelle Ideal wird deshalb Leben, Mental und Körper nicht an sich als Ziel der eigenen Befriedigung ansehen, auch nicht als sterbliche Glieder, anfällig für Krankheiten, die man nur abzustreifen braucht, um den geretteten Geist in seine eigenen, reinen Bereiche auffliegen zu lassen; sondern sie sind die wichtigsten Werkzeuge der Seele, im Augenblick noch unvollkommene Werkzeuge für noch nicht erkannte göttliche Zwecke. Das spirituelle Ziel aber glaubt an ihre Bestimmung und wird ihnen helfen, an sich selbst zu glauben, eben um dieser ihrer höheren und nicht wegen der niedersten oder niederen Möglichkeiten willen. Seiner Auffassung nach ist es ihre Bestimmung, sich zu spiritualisieren und damit sichtbare Glieder des Geistes zu werden, erleuchtete Mittel seiner Offenbarung, selbst spirituell, erleuchtet, immer bewusster und vollkommener. Denn wenn die Gesellschaft die menschliche Seele als etwas vollkommen Göttliches, als Wahrheit annimmt, wird sie auch die Möglichkeit bejahen, dass das ganze menschliche Wesen trotz der zunächst bestehenden offensichtlichen Widersprüche der Natur gegen diese Möglichkeit, trotz ihrer Leugnung dieser höchsten Gewissheit göttlich zu werden vermag, sogar mit diesen Hemmnissen als dem notwendigen irdischen Ausgangspunkt. Und so wie sie den Menschen als Individuum betrachtet, wird sie ihn auch im Kollektiv als eine Seelenform des Unendlichen, als eine in Millionenzahl auf Erden verkörperte Kollektivseele ansehen, bestimmt zur Erfüllung des Göttlichen in seinen mannigfachen Beziehungen und Handlungen. Darum wird sie all die verschiedenen Teile des menschlichen Lebens, die den Teilen seines Wesens entsprechen, all seine physische, vitale, dynamische, gefühlsmäßige, ästhetische, ethische, intellektuelle und seelische Entfaltung heilig halten und in ihnen Werkzeuge zum Wachstum des göttlicheren Lebens sehen. Vom gleichen Standpunkt aus werden für sie jede menschliche Gesellschaft, Nation, Volk oder jedes andere organische Gefüge sozusagen Unter-Seelen bedeuten, Mittel zu einer Gesamtoffenbarung und Selbsterfüllung des Geistes, göttliche Wirklichkeit, das bewusste Unendliche im irdischen Menschen. Da der Mensch innerlich eins ist mit Gott, wird die Möglichkeit seiner Göttlichkeit sein einziger Glaube, sein einziges Dogma sein.

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