Kapitel 5

Das Schicksal unseres geplagten menschlichen Daseins

Der Mensch ist ein Übergangswesen, er ist nicht endgültig; denn in ihm und weit über ihm erheben sich die leuchtenden Stufen, die zu einer göttlichen Übermenschheit führen.

Der Schritt vom Menschen zum Übermenschen ist der nächste auf uns zukommende Durchbruch in der terrestrischen Evolution. Darin liegt unser Schicksal und der Schlüssel zur Befreiung unserer emporstrebenden, aber heimgesuchten und begrenzten menschlichen Existenz. Er ist unumgänglich, da er sowohl der Absicht des inneren Geistes als auch der Logik des Vorgehens der Natur entspricht.

Das Erscheinen einer menschlichen Möglichkeit in einer materiellen und nur von Tieren bewohnten Welt war der erste Schimmer eines kommenden göttlichen Lichts, die erste ferne Andeutung einer Gottheit, die aus der Materie geboren werden sollte. Das Erscheinen des Übermenschen in der Welt der Menschen wird die Erfüllung dieses fernen, leuchtenden Versprechens sein...

Der Mensch ist ein in einem prekären und unvollkommenen Leben und in einem bloß unvollkommen bewussten Körper eingekerkertes, verfinstertes und geknebeltes Mental. Der Übermensch wird ein supramentaler Geist sein, der einen bewussten und von spirituellen Kräften formbaren Körper einhüllen und frei verwenden wird. Dieser Körper wird als eine feste Grundlage und als ein geeignetes, leuchtendes Instrument für das göttliche Spiel und das göttliche Werk des Geistes in der Materie dienen...

Das Supramental oder die Gnosis ist von Natur aus zugleich und in ein und derselben Bewegung eine unendliche Weisheit und ein unendlicher Wille. In seinem Ursprung ist es das dynamische Bewusstsein des göttlichen Wissenden und Schöpfers...

Der Übermensch ist nicht der Mensch, der seinen eigenen natürlichen Höhepunkt erreicht hat, nicht ein höherer Grad menschlicher Größe, Erkenntnis, Macht oder Intelligenz, menschlichen Willens oder menschlichen Charakters, menschlicher Genialität, Dynamik, Heiligkeit, Liebe, Reinheit oder Vollkommenheit. Das Supramental ist etwas jenseits des mentalen Menschen und seiner Grenzen, ein größeres Bewusstsein als das höchste, das der menschlichen Natur eigen ist...

Die Größe des Menschen besteht nicht in dem, was er ist, sondern in dem, was er möglich macht. Was ihm zum Ruhme gereicht ist, dass er die exklusive und geheime Werkstatt eines lebenden Wirkens ist, in der das Übermenschentum von einem göttlichen Handwerksmann vorbereitet wird.

Ihm wird sogar eine noch größere Größe zugestanden, nämlich die, im Gegensatz zur niederen Kreatur befugt zu sein, seine göttliche Umwandlung wenigstens zum Teil selbst bewusst auszuführen. Seine freie Zustimmung, seine willentliche Hingabe und Mitwirkung sind nötig, damit in seinen Körper die Herrlichkeit herabkommen kann, die ihn ersetzen wird. Sein aufwärtsgerichtetes Sehnen und Streben ist der Ruf der Erde nach dem supramentalen Schöpfer.

Wenn die Erde ruft und der Höchste antwortet, kann die Stunde für diese ungeheure und glorreiche Transformation schon jetzt gekommen sein.

Die Welt ist eine Bewegung Gottes in Seinem eigenen Sein. Wir sind die Zentren und Knotenpunkte des göttlichen Bewusstseins, die den Ablauf Seiner Bewegung zusammenfassen und tragen. Die Welt ist Sein Spiel mit Seiner eigenen selbstbewussten Freude – das Spiel dessen, der allein ist, der unendlich ist, frei und vollkommen. Wir sind die Selbstvervielfältigungen dieser bewussten Freude, die ins Sein ausgesandt wurden, um Seine Spielgefährten zu sein. Die Welt ist eine Formel, ein Rhythmus, ein System von Symbolen, durch das Gott Sich selbst Seinem eigenen Bewusstsein gegenüber zum Ausdruck bringt. Sie hat kein materielles Dasein, sondern existiert nur in Seinem Bewusstsein und als Sein Selbstausdruck. Gleich Ihm sind wir in unserem inneren Wesen Das, was zum Ausdruck kommt; in unserem äußeren Wesen aber sind wir Glieder jener Formel, Noten aus jenem Rhythmus, Symbole jenes Systems. Lasst uns Gottes Bewegung weiterführen, Sein Spiel zu Ende spielen, Seine Formel ausarbeiten, Seine Harmonie ausführen, Ihn durch uns in Seinem System zum Ausdruck bringen. Dies ist unsere Freude und unsere Erfüllung. Zu diesem Zweck sind wir, die wir über das Universum hinausreichen und es transzendieren, in die kosmische Existenz eingetreten.

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