Leben und Yoga Das große Geheimnis
Sri Aurobindo | Die Mutter
Die Fertigkeit in der Arbeit wird kommen, wenn das physische Mental und der Körper sich öffnen. Es gibt keinen Grund, sich jetzt darüber Sorgen zu machen. Gib dein Bestes und mach dir keine Sorgen.
– Sri Aurobindo
Teil 1 DAS GROSSE GEHEIMNIS
Die Mutter
Einleitung
Sechs Monologe und eine Schlussfolgerung
In Zusammenarbeit mit Nolini (Der Schriftsteller), Pavitra (Der Wissenschaftler), André (Der Industrielle), Pranab (Der Sportler)
Sechs weltbekannte Männer wurden durch einen jener Zufälle zusammengeführt, die in Wirklichkeit keine Zufälle sind. Sie sitzen in einem Rettungsboot, in dem sie Zuflucht fanden, nachdem das Schiff, das sie zu einer Welt-Konferenz über menschlichen Fortschritt bringen sollte, in der Mitte des Ozeans gesunken war.
Außerdem befindet sich ein siebter Mann in dem Rettungsboot. Er ist jung, von unbestimmbarem Alter. Er ist in einem Stil gekleidet, der keiner bestimmten Epoche und keinem bestimmten Land angehört und der etwas der bengalischen Art, sich zu kleiden, ähnelt. Er sitzt nahe dem Steuerruder, regungslos und still, hört aber aufmerksam zu, was die anderen sagen. Sie betrachten ihn als unwesentlich, als jemanden, den man nicht zu beachten braucht.
Die Männer sind:
Der Staatsmann
Der Schriftsteller
Der Wissenschaftler
Der Künstler
Der Industrielle
Der Athlet
Der Unbekannte
Der Wasservorrat ist fast verbraucht. Die Lebensmittel neigen sich dem Ende zu. Das physische Leiden beginnt unerträglich zu werden. Kein Hoffnungsschimmer. Der Tod naht. Um die hoffnungslose Lage zu vergessen, erzählt jeder seine Lebensgeschichte.
Der Vorhang öffnet sich.
Kapitel 1
Der Staatsmann
Da ihr mich dazu aufgefordert habt, will ich euch als erster erzählen, wie mein Leben aussah.
Der Sohn eines Politikers, war ich seit meiner Kindheit vertraut mit Regierungsfragen und politischen Problemen. Alle diese Dinge wurden ausgiebig bei Abendessen diskutiert, die meine Eltern für ihre Freunde gaben; Und da ich zwölf war, war ich ebenfalls mit von der Runde. Die Standpunkte der verschiedenen politischen Parteien stellten für mich kein Geheimnis mehr dar, und in meinem kleinen enthusiastischen Kopf fand ich für jede Schwierigkeit eine einfache Lösung.
Mein Studium folgte natürlich der gleichen Richtung, und ich wurde ein glänzender Student der politischen Wissenschaft.
Als schließlich die Zeit kam, wo ich von der Theorie zur Praxis übergehen musste, hatte ich mich den ersten ernsthaften Schwierigkeiten zu stellen, und ich begann zu begreifen, wie beinahe unmöglich es war, Ideen in die Wirklichkeit zu übersetzen. Ich musste mich auf Kompromisse einlassen, und allmählich schwand mein großes Ideal dahin.
Ich entdeckte auch, dass Erfolg nicht Ausdruck des persönlichen Wertes, sondern der Fähigkeit ist, sich an die Umstände anpassen und anderen nach dem Mund reden zu können. Dazu muss man den Schwächen der Leute schmeicheln, statt zu versuchen, ihre Mängel zu korrigieren.
Sicher wisst ihr alle, wie glänzend meine Karriere verlief, und ich brauche mich darüber nicht weiter auszulassen. Aber ich möchte euch erzählen, dass ich mich, sobald ich Premierminister wurde und ich durch meine Position wirkliche Macht besaß, an die humanitären Ambitionen meiner Jugendzeit erinnerte und versuchte, mich von ihnen leiten zu lassen. Ich versuchte, kein Parteigänger zu sein. Ich suchte eine Lösung zu finden für den großen Konflikt zwischen den politischen und sozialen Tendenzen, die alle ihre Vor- und Nachteile hatten und die die Welt in Stücke rissen. Keine ist vollkommen gut, keine vollkommen schlecht: Man muss den Weg finden, wie man das Gute in jedem Vorschlag herausfindet und ein praktikables harmonisches Ganzes zustande bringt. Aber ich war unfähig, die vereinigende Formel zu finden, die die Gegensätze versöhnen würde und noch unfähiger, sie in die Tat umzusetzen.
Ich wünschte Frieden, Eintracht, Bündnisse unter den Nationen, Zusammenarbeit für das Wohl aller und war durch eine Macht, die größer war als ich, gezwungen, Krieg zu führen und durch skrupelloses Vorgehen und unbarmherzige Entscheidungen zu siegen.
Aber dennoch sieht man mich als großen Staatsmann an. Ich werde mit Ehrungen und Lobpreisungen überschüttet: man nennt mich den Freund der Menschen.
Aber ich spüre meine Schwäche. Ich weiß, dass mir wahres Wissen und wahre Macht versagt geblieben sind, die die Hoffnungen meiner Kindheit mit Erfolg gekrönt hätten.
Und jetzt ist das Ende nahe. Ich fühle, dass ich sehr wenig vollbracht habe und das Wenige noch sehr schlecht. Ich werde das Tor des Todes traurig und enttäuscht durchschreiten.