Kapitel 4
Der Einfluss der seelischen Präsenz
Unsere Seele wirkt aus ihrem mysteriösen Gemach;
Ihr Einfluss drückt auf unser Herz und Mental,
Drängt diese, ihr sterblich Selbst zu überschreiten.
Sie sucht nach dem Guten und Schönen und nach Gott;
Wir sehen jenseits des Selbstes Mauern unser grenzenloses Selbst,
Wir blicken durch das Glas unserer Welt auf halb sichtbare Weiten,
Wir jagen nach der Wahrheit hinter scheinbaren Dingen.
VII.2.395-401
Kapitel 5
Leben nach dem Tod und Wiedergeburt
In stumme zwischengeburtliche Trance versunken
Saßen dort Wesen, die einst Gestalt auf Erden trugen,
In leuchtenden Gemächern spirituellen Schlafes.
Durchschritten war das Säulentor von Geburt und Tod,
Durchschritten war ihr kleiner Schauplatz von Symbol-Taten,
Durchschritten waren die Himmel und Höllen ihres langen Weges;
Sie waren zurückgekehrt in die tiefe Seele der Welt.
Gesammelt war alles nun in trächtiger Ruhe:
Person und Natur durchliefen eine Schlummer-Wandlung.
In Trance riefen sie ihr vergangenes Selbst zurück,
Und im Hintergrund entwarf der Erinnerung voraussehend Sinnen,
Kündend eine neue Persönlichkeit,
Die Karte ihres kommenden Schicksalslaufs:
Erben ihrer Vergangenheit, Entdecker ihrer Zukunft,
Wähler ihres eigenen selbstgewollten Loses,
Erwarteten sie das Abenteuer eines neuen Lebens.
Eine Person, beständig durch den Lauf der Welten,
Obwohl immer dieselbe in vielerlei Gestalt
Und für das äußere Mental nicht wiedererkennbar,
Annehmend unbekannte Namen in unbekannten Landen,
Prägt durch die Zeit auf die verschlissene Seite der Erde
Ein werdendes Bild ihres geheimen Selbstes
Und lernt durch Erfahrung das, was der Geist wusste,
Bis sie ihre Wahrheit lebendig sehen kann und Gott.
Und wieder müssen sie sich dem Problemspiel der Geburt stellen,
Der Seele Experiment mit Freude und Leid
Und Denken und Antrieb, die dem blinden Tun leuchten,
Und sich auf die Straßen der Umstände wagen,
Durch innere Vorgänge und äußere Schauplätze hin,
Durch die Formen der Dinge reisend dem Selbste zu.
In das Zentrum der Schöpfung war er gekommen.
Der Geist, der von einer Seinsart zur anderen wandert,
Findet hier das Schweigen seines Ausgangspunktes
In der formlosen Kraft und der stillen Festigkeit
Und der sinnenden Leidenschaft der Welt der Seele.
Alles, was geschaffen und dann wieder aufgehoben wird,
Erschafft die ruhige beharrliche Schau des Einen
Unausweichlich wieder, er lebt erneut:
Kräfte und Leben und Wesen und Ideen
Werden für eine Weile in die Stille genommen;
Dort bilden sie neu ihre Absicht und ihre Richtung,
Prägen ihre Wesensart neu und formen ihre Gestalt um.
Stets wandeln sie sich und sich wandelnd wachsen sie,
Und schreitend durch ein gedeihliches Stadium des Todes
Und nach langem wiederherstellendem Schlafe
Nehmen sie ihren Platz im Arbeitsgang der Götter wieder ein,
Bis ihr Werk vollbracht ist in kosmischer Zeit.
II.14.149-95
Kapitel 6
Geburtsstätte des seelischen Wesens in der Welt-Seele
Wie ein zu seiner verlorenen spirituellen Heimat Gezogener
Nun die Nähe wartender Liebe verspürt,
So wanderte er durch einen schummrigen und zittrigen Gang,
Der ihn vor der Verfolgung von Tag und Nacht behütete,
Geführt von einem geheimnisvollen Klang.
Ein Murmeln, mannigfaltig und einzeln,
Alle Töne im Wechsel, und doch immer gleich.
Ein versteckter Aufruf zu ungeahnter Wonne
In der auffordernden Stimme eines lang Gekannten, Geliebten,
Doch namenlos dem sich nicht mehr erinnernden mentalen Geist,
So zog es das nachlässige Herz zur Verzückung zurück.
Der unsterbliche Ruf verzückte das eingefangene Ohr.
Dann, dämpfend sein gebieterisches Mysterium,
Sank es zu einem Raunen, das die Seele umkreiste.
Es schien die Wehmut einer einsamen Flöte zu sein,
Die da entlang streifte an den Ufern der Erinnerung
Und die Augen mit Tränen sehnsüchtiger Freude füllte.
Eines Heimchens einziger Laut, rasch und feurig,
Erfüllte mit seiner schrillen Melodie die mondlose Stille der Nacht
Und schlug auf einen Nerv von mystischem Schlaf
Seinen hohen eindringlich magischen Weckruf.
Ein klingelnd Silberlachen von Fußglöckchen
Bereiste die Straßen eines einsamen Herzens;
Sein Tanz tröstete eine ewige Einsamkeit:
Schluchzend kam eine alte vergessene Süße.
Oder vernommen aus einer harmonischen Ferne
Schien es bisweilen das bimmelnde Schreiten einer langen Karawane,
Oder die Hymne eines ungeheuren Waldes,
Die feierliche Mahnung eines Tempelgongs,
Ein honigtrunkenes Bienensummen auf Sommerinseln,
Glühend vor Ekstase in der Mittagsschläfrigkeit,
Oder der ferne Lobgesang eines Pilgermeeres.
Weihrauch schwebte in der zitternden Luft,
Ein mystisches Glück erbebte in der Brust
Als wäre der unsichtbare Geliebte gekommen,
Die unerwartete Lieblichkeit eines Gesichts annehmend,
Und frohe Hände könnten seine flüchtigen Füße ergreifen
Und die Welt verändern mit der Schönheit eines Lächelns.
Er kam in ein wunderbares körperloses Reich,
Die Heimat einer Passion ohne Namen oder Stimme,
Eine Tiefe spürte er, antwortend jeder Höhe,
Ein Schlupfwinkel ward gefunden, der alle Welten umfassen konnte,
Eine Stelle, die bewusster Knotenpunkt des Raumes war,
Eine ewige Stunde in dem Herzen der Zeit.
Die stille Seele der ganzen Welt war dort:
Eine Wesenheit lebte, eine Präsenz und eine Macht,
Eine einzige Person, die sie selbst und alles war
Und den süßen und gefährlichen Puls der Natur umhegte,
Verklärt in ein Pulsieren, göttlich und rein.
Zu lieben fähig ohne Anspruch auf Liebe,
Dem Schlimmsten begegnend und es zum Besten wendend,
Heilte sie die bitteren Grausamkeiten der Erde,
Alle Erfahrung in Wonne umwandelnd;
In die sorgenvollen Wege der Geburt eingreifend,
Schaukelte sie die Wiege des kosmischen Kindes
Und stillte alles Weinen mit ihrer Hand der Freude;
Sie führte alles Böse seinem geheimen Guten zu,
Sie kehrte gequälte Falschheit in frohe Wahrheit;
Ihre Macht war, Göttlichkeit zu enthüllen.
Unendlich, gleichaltrig mit dem Geist Gottes,
Trug sie in sich eine Saat, eine Flamme,
Eine Saat, daraus der Ewige neu ersteht,
Eine Flamme, die in Sterblichem den Tod aufhebt.
Alles ward allem verwandt und es selbst und nah;
Die Vertrautheit Gottes war überall,
Kein Schleier war zu spüren, keine grobe schwerfällige Barriere,
Entfernung konnte nicht trennen, Zeit konnte nicht verändern.
Ein Feuer der Leidenschaft brannte in Geisttiefen,
Ein steter Hauch von Süße verband alle Herzen,
Der selige Pulsschlag einziger Anbetung
In einem verzückten Äther unvergänglicher Liebe.
In allem wohnte ein inneres Glück,
Ein Gefühl von allumfassenden Harmonien,
Eine unermesslich sichere Ewigkeit
Von Wahrem, Schönem, Gutem und Freudvollem, die eins sind.
Hier war der hervorsprudelnde Wesenskern des endlichen Lebens;
Ein formloser Geist ward zur Seele der Form.
Alles dort war Seele oder bestand aus reinem Seelenstoff;
Ein Himmel aus Seele bedeckte einen tiefen Seelengrund.
Alles hier ward erkannt durch einen spirituellen Sinn:
Denken gab es nicht, aber ein Wissen nah und eins
Nahm alle Dinge wahr durch eine bewegte Wesenseinheit,
Eine Sympathie des Selbstes mit anderen Selbsten,
Die Berührung von Bewusstsein mit Bewusstsein
Und des innersten Blickes Schau von Wesen auf Wesen,
Herz dem Herzen offen ohne Mauern der Sprache,
Die Einmütigkeit von sehenden mentalen Geistern
In Myriaden Gestalten, strahlend von dem einen Gott.
Leben gab es dort nicht, aber eine leidenschaftliche Kraft,
Feiner als Feinheit selbst, tiefer als die Tiefen,
Gefühlt als eine subtile und spirituelle Macht,
Ein Vibrieren von Seele zu antwortender Seele,
Eine mystische Regung, ein unmittelbarer Einfluss,
Ein offenes und freudiges und inniges Nahen
Von Wesen zu Wesen, ohne Abschirmung oder Überprüfung,
Durch das erst Leben und Liebe möglich sind.
Körper gab es dort nicht, denn Körper wurden nicht gebraucht,
Die Seele selbst war ihre eigene todlose Form
Und begegnete sogleich der Berührung anderer Seelen,
Nah, glückselig, konkret, wunderbar wahr.
Wie wenn man im Schlafe durch lichte Träume geht
Und, voll bewusst, die wahre Bedeutung ihrer Figuren kennt,
So erkannte er, hier wo die Wirklichkeit ihr eigener Traum war,
Die Dinge an ihrer Seele und nicht an ihrer Gestalt:
Wie jene, die lange in Liebe vereint gelebt haben,
Nicht Wort noch Zeichen brauchen für des Herzens Erwiderung,
So verkehrte er ohne die Schranke der Sprache
Mit Wesen, die unverschleiert waren von einer materiellen Hülle.
Es war eine seltsam spirituelle Landschaft,
Eine Lieblichkeit von Seen und Flüssen und Hügeln,
Ein Fließen, eine Festigkeit in einem Seelenraum,
Von Ebenen und Tälern, Gefilden der Seelenfreude,
Von Gärten, die Blumenfelder des Geistes waren,
Seine Meditationen malerischer Tagträumerei.
Luft war der Odem einer reinen Unendlichkeit.
Ein Wohlgeruch schweifte in einem farbigen Dunste,
Als hätten sich Duft und Farbe aller süßen Blumen
Vermischt, um des Himmels Atmosphäre nachzuahmen.
Die Seele ansprechend und nicht das Auge,
War Schönheit dort daheim im eigenen Hause,
Alles war dort schön aus eigenem Recht
Und brauchte nicht die Pracht von einem Gewand.
Alle Gegenstände waren wie Körper der Götter,
Ein Geist-Symbol, das die Seele umgab,
Denn Welt und Selbst waren eine einzige Wirklichkeit.
II.14.24-148
Hier war das formverleihende Gemach der Welten.
Eine Pause wurde zwischen Akt und Akt gelassen,
Zwischen Geburt und Geburt, zwischen Traum und wachem Traum,
Ein Innehalten, das neue Kraft zum Tun und Sein gab.
Jenseits davon waren Regionen von Wonne und Frieden,
Stumme Geburtsorte von Licht und Hoffnung und Liebe,
Und Wiegen himmlischer Verzückung und Ruhe.
In einem Schlummer der Stimmen der Welt
Ward er sich des ewigen Augenblicks gewahr;
Sein Wissen, entblößt von den Gewändern der Sinne,
Wusste durch Wesenseinheit ohne Denken oder Wort;
Sein Wesen sah sich selbst ohne seine Schleier,
Die Linie des Lebens fiel von der Unendlichkeit des Geistes ab.
Entlang einer Straße reinen inneren Lichtes,
Allein zwischen gewaltigen Gegenwarten,
Unter den wachenden Augen namenloser Götter,
Schritt seine Seele voran, eine einzige bewusste Macht,
Dem Ende entgegen, das immer wieder beginnt,
Sich nähernd durch eine Stille, stumm und ruhig,
Dem Ursprung von all dem, was menschlich und göttlich ist.
Dort sah er in der Harmonie ihrer mächtigen Vereinigung
Die Gestalt der todlosen Zwei-in-Einem,
Ein einzig Wesen, umfangen in zwei Körpern,
Eine Doppelherrschaft zwei vereinter Seelen,
Sitzend versunken in tiefer schöpferischer Freude;
Ihre Trance der Glückseligkeit trug die bewegte Welt.
Hinter ihnen stand in einer Morgendämmerung Eine,
Die sie aus dem Unkennbaren hervorgebracht hat.
Stets verkleidet, erwartet sie den suchenden Geist;
Wächterin auf den höchsten unerreichbaren Gipfeln,
Führerin des Wanderers auf den ungesehenen Pfaden,
Sie beschützt die raue Annäherung an den Alleinigen.
Am Anfang einer jeden weitverzweigten Ebene,
Durchdringend mit ihrer Macht die kosmischen Sonnen,
Herrscht sie, Inspiratorin deren vielfältigen Werke
Und Erdenkerin des Symbols deren Schauplatzes.
II.14.196-231
Kapitel 7
Die beiden Dimensionen des seelischen Wachstums
Die Weiten (gipfelt mit dem Aufstieg zur Ebene der transzendenten Mutter – III. Buch, Canto 4) und die Tiefen (gipfelt im Finden der Seele).
Die Weiten – Das vertikale Wachstum
Ein Lichtstrahl des Ewigen trifft mit voller Kraft sein Herz,
Sein Denken dehnt sich in die Unendlichkeit aus;
Alles in ihm wendet sich den Weiten des Geistes zu.
Seine Seele bricht aus, sich mit der Überseele zu vereinen,
Sein Leben wird ozeanisiert durch jenes Überleben.
Er hat von den Brüsten der Mutter der Welten getrunken;
Eine unermessliche Übernatur füllt seinen Körper:
Sie nimmt den immerwährenden Boden seines Geistes an
Als Sicherheit für ihre sich wandelnde Welt
Und formt die Gestalt ihrer ungeborenen Mächte.
Als selbst unsterblich konzipiert sie sich in ihm,
Im Geschöpf wirkt unverhüllt die Schöpferin:
Ihr Antlitz wird durch seines gesehen, ihre Augen durch seine Augen;
Ihr Wesen ist seines durch eine weite Wesensgleichheit.
Dann ist enthüllt im Menschen das offenkundig Göttliche.
Ein statisches Geeintsein und eine dynamische Macht
Kommen in ihn hernieder, die Siegel der integralen Gottheit;
Seine Seele und sein Körper nehmen jene herrliche Prägung an.
Eine lange dämmrige Vorbereitung ist das Leben des Menschen,
Ein Kreislauf von Mühsal und Hoffnung und Krieg und Frieden,
Ausgefurcht vom Leben auf dem obskuren Boden der Materie.
In seinem Aufstieg hin zu einem Gipfel, den noch kein Fuß betrat,
Sucht er in einem von Flammen durchzuckten Halbschatten
Nach einer verhüllten Wirklichkeit, halb erkannt, stets verfehlt,
Forschend nach etwas oder jemand nie Gefundenem,
Kult eines Ideals, das hier nie verwirklicht wurde,
Eine endlose Spirale von Aufstieg und Fall,
Bis endlich erreicht ist der gigantische Punkt,
Wo durchscheint die Glorie von ihm, für den wir geschaffen wurden,
Und wir einbrechen in die Unendlichkeit Gottes.
Über die Grenzen unserer Natur hinaus entkommen wir
In den Bogen lebendigen Lichtes der Übernatur.
I.3.66-97
Das konzentrische Wachstum
Die Erde muss sich wandeln und gleich dem Himmel werden
Oder Himmel herniedersteigen in des Irdisch sterblichen Stand.
Damit jedoch solch weite spirituelle Wandlung sei,
Muss aus der mystischen Höhle des Menschen Herz
Die himmlische Psyche ihren Schleier fallen lassen
Und die dicht gefüllten Räume gewöhnlicher Natur betreten
Und unverhüllt ganz vorne in dieser Natur stehen
Und deren Gedanken leiten und den Körper und das Leben erfüllen.
VII.2.458-65
Das ruhige Unsterbliche (der seelische Funke/die himmlische Seele/das geheime Selbst/die geheime Seele) und die ringende Seele (das seelische Wesen).
Unsterblich im Vergänglichen stand ein Wesen,
Todlos tändelnd mit vorübergehenden Dingen,
In dessen weiten Augen ruhigen Glücks,
Das Mitleid und Sorge nicht trüben konnten,
Richtete Unendlichkeit ihren Blick auf endliche Formen hin:
Beobachterin der schweigenden Schritte der Stunden,
Trug Ewigkeit die Taten der Minuten
Und die vorüberziehenden Szenen des Ewigbleibenden Spiel.
In dem Mysterium seines wählenden Willens,
In der Göttlichen Komödie eine Mitwirkende,
Des Geistes bewusste Bevollmächtigte,
Gottes Abgesandte in unserer Menschheit,
Gefährtin des Universums, Strahl des Transzendenten,
War sie in den Raum des sterblichen Körpers gekommen,
Um mit Zeit und Umstand Ball zu spielen.
Eine Freude an der Welt ihre Hauptregung hier,
Die Leidenschaft am Spiel ließ ihre Augen leuchten:
Ein Lächeln auf ihren Lippen begrüßte Glück und Leid der Erde,
Ein Lachen war Antwort auf Frohlocken und Schmerz.
Als Maskerade der Wahrheit sah sie alles,
Verkleidet in den Kostümen der Unwissenheit,
Durchschreitend die Jahre hin zu Unsterblichkeit;
Allem konnte sie begegnen mit dem Frieden starken Geistes.
Doch da sie die Mühsal des Mentals und Lebens kennt
Wie eine Mutter das Leben ihrer Kinder fühlt und teilt,
Sendet sie aus ein kleines Teil ihrer selbst,
Ein Wesen, nicht größer als der Daumen eines Menschen,
In eine verborgene Region des Herzens hinein,
Um der Qual zu trotzen und die Seligkeit zu vergessen,
Um das Leiden zu teilen und die Wunden der Erde zu erdulden
Und sich inmitten der Mühen der Gestirne zu mühen.
Dies lacht und weint in uns, erleidet den Schlag,
Frohlockt im Sieg, kämpft um die Krone;
Wesensgeeint mit dem Mental und Körper und Leben
Nimmt es auf sich deren Angst und Niederlage,
Blutet von Schicksals Geißeln und hängt am Kreuz,
Und ist doch das unversehrte und unsterbliche Selbst,
Das den Akteur auf der Menschenbühne stützt.
Durch dies schickt sie uns ihre Glorie und ihre Mächte,
Drängt uns zu Höhen der Weisheit, durch Abgründe des Elends;
Sie gibt uns die Kraft, unser täglich Werk zu tun,
Und Mitgefühl, das den Kummer anderer teilt,
Und das bisschen Stärke, womit wir unserer Art zu helfen vermögen,
Wir, die den Part des Universums besetzen müssen,
Das sich selbst aufführt in einer schwachen Menschengestalt,
Und auf unseren Schultern die ringende Welt zu tragen haben.
Dies ist in uns die Gottheit, klein und entstellt;
In diesen menschlichen Teil des Göttlichen
Setzt sie die Größe der Seele in der Zeit,
Um emporzuheben von Licht zu Licht, von Macht zu Macht,
Bis diese als König auf himmlischem Gipfel steht.
Im Körper schwach, im Herzen eine unbesiegbare Macht,
Steigt stolpernd aufwärts sie, gehalten von einer ungesehenen Hand,
Ein mühsam ringender Geist in einer sterblichen Gestalt.
Hier in dieser Kammer von Flammen und Licht trafen sie sich;
Sie blickten einander an, erkannten sich,
Die geheime Gottheit und ihr menschlicher Teil,
Die stille unsterbliche und die ringende Seele.
Dann mit der Rasanz einer magischen Transformation
Stürzten sie ineinander und wurden eins.
VII.5.142-201
Kapitel 8
Das Abenteuer in der Unwissenheit
Der Sprung des Jivatma von der oberen in die untere Hemisphäre als seelischer Funke
„O Sterbliche, die du über Tod und Schicksal klagst,
Beschuldige niemanden des Unheils, das du selbst gerufen hast;
Diese geplagte Welt hast du zu deiner Heimat erkoren,
Du selbst bist die Urheberin deines Schmerzes.
Einst im unsterblich Grenzenlosen des Selbstes,
In einer Weite von Wahrheit und Bewusstsein und Licht
Hielt die Seele Ausschau aus ihrem glückseligen Sein.
Sie fühlte des Geistes endlose Seligkeit,
Sie wusste sich als todlos, zeitlos, raumlos, eins,
Sie sah den Ewigen, lebte in dem Unendlichen.
Dann, neugierig auf einen Schatten, den Wahrheit warf,
Drängte sie nach einer Andersartigkeit ihrer selbst,
Gelockt zu einem unbekannten Gesicht, das spähte durch Nacht.
Sie spürte eine verneinende Unendlichkeit,
Eine urgewaltige Leere, deren immense Maßlosigkeit
Durch Nachahmung Gottes und immerwährender Zeit
Einen Boden bot für die Gegenkunft der Natur
Und die starre harte Unbewusstheit der Materie,
Die beherbergt einer vergänglichen Seele Glanz,
Der Geburt und Tod und unwissendes Leben erhellt.
Ein Mental entstieg, das auf Nichtsein starrte,
Bis Figuren von dem sich formten, was nie konnte sein;
Sie behauste das Gegenteil von allem, was ist.
Eine Null erschien als des Seins gewaltige versiegelte Ursache,
Seine stumme Stütze in einem öden Unendlichen,
In dessen Schlund Geist verschwinden musste:
Eine verfinsterte Natur lebte und trug die Saat
Des Geistes, der verborgen ist und vorgibt, nicht zu sein.
Ewiges Bewusstsein ward zur Ausgeburt
Eines Nichtbewussten, allmächtig und seelenlos,
Und, nicht geschöpft mehr als des Geistes ursprüngliche Luft,
Seligkeit war nur ein Zwischenfall einer sterblichen Stunde,
Ein Fremdling im empfindungslosen Universum nun.
Wie jemand, der von der Erhabenheit der Leere angezogen wird,
Beugte sich die Seele über den Schlund:
Sie sehnte sich nach dem Abenteuer der Unwissenheit
Und nach dem Wunder und Überraschendem des Unbekannten
Und der endlosen Möglichkeit, die da lauerte
Im Schoße des Chaos und im Rachen des Nichts
Oder aus den abgründigen Augen des Zufalls blickte.
Sie war ihres immer gleichen Glückes müde,
Sie wandte sich ab von Unsterblichkeit:
Sie ward angezogen von des Wagnisses Ruf und Reiz der Gefahr,
Sie sehnte sich nach dem Pathos des Leides, dem Drama des Schmerzes,
Des Untergangs Gefahr, verwundet nacktem Entrinnen,
Der Musik des Ruins und seinem Glanz und Getöse,
Dem Geschmack von Mitleid und dem Glücksspiel der Liebe
Und Leidenschaft und dem zweideutigen Gesicht des Schicksals.
Eine Welt von hartem Bestreben und schwieriger Mühe,
Und Kampf an der Auslöschung gefährlichem Rand,
Ein Zusammenprall der Kräfte, eine große Ungewissheit,
Die Freude am Erschaffen aus dem Nichts,
Seltsame Begegnungen auf den Straßen der Unwissenheit
Und die Kameradschaft halb gekannter Seelen
Oder die einsam auf sich gestellte Größe und Kraft
Eines gesonderten Wesens, das sich seine Welt erobert,
Riefen sie aus ihrer zu sicheren Ewigkeit.
Ein ungeheurer Abstieg begann, ein gigantischer Fall:
Denn was der Geist sieht, schafft eine Wahrheit,
Und was die Seele sich vorstellt, wird zu einer Welt.
Ein Gedanke, der dem Zeitlosen entsprang,
Indikator für kosmische Auswirkung
Und das Itinerarium der Götter,
Kann eine zyklische Bewegung in ewiger Zeit werden.
So kam, geboren aus einer blind gewaltigen Wahl,
Diese große verstörte und unzufriedene Welt,
Diese Heimstatt der Unwissenheit, diese Stätte des Schmerzes:
Da stehen der Begierde Zelte, des Leids Hauptquartiere.
Eine weite Verkleidung verbirgt die Seligkeit des Ewigen.“
VI.2.620-88