Kapitel 9

Die Odyssee des seelischen Wesens auf dem Ozean des Nichtbewussten

Doch inzwischen ist alles ein von Traum geworfener Schatten

Und für den sinnenden und regungslosen Geist

Legt Leben und er sich selbst den Aspekt eines Mythos an,

Die Bürde einer langen bedeutungslosen Erzählung.

Denn versteckt ist der Schlüssel, verwahrt vom Nichtbewussten;

Unter der Schwelle wohnt der geheime Gott.

In einem Körper, der den unsterblichen Geist in Dunkel hüllt,

Kleidend als namenloser Bewohner ungesehene Mächte

Mit Gestalten der Materie und Motiven jenseits des Denkens

Und mit dem Risiko einer unabsehbaren Folge,

Ein allmächtiger unmerklicher Einfluss,

Sitzt er ungefühlt von der Form, in der er lebt,

Und verhüllt sein Wissen durch das tastende Mental.

Ein Wanderer in einer Welt, die seine Gedanken schufen,

Kreist er in einem Chiaroscuro von Irrtum und Wahrheit,

Um eine Weisheit zu finden, die oben seine ist.

Als einer, der vergaß, forscht er nach sich selbst;

Als hätte er ein inneres Licht verloren, so sucht er:

Als ein Vagabund, der an fremden Schauplätzen weilt,

Reist er zu einer Heimstatt, die er nicht mehr kennt.

Er, der die Wahrheit ist, sucht die Wahrheit seines eigenen Selbstes;

Er ist der Spieler, der das Spiel wurde,

Er ist der Denker, der das Denken wurde;

Er ist die Vielen, der schweigend der Eine war.

In den Symbolfiguren der kosmischen Kraft

Und in ihren lebenden und unbelebten Zeichen

Und in ihrem komplexen Flechtwerk der Ereignisse

Erforscht er das endlose Wunder seiner selbst,

Bis das tausendfache Rätsel gelöst ist

In dem einen Licht einer alles bezeugenden Seele.

Dies war sein Pakt mit seiner mächtigen Gefährtin,

Aus Liebe zu ihr und auf immer mit ihr vereint

Dem Lauf der Zeit Ewigkeit zu folgen,

Inmitten magischer Dramen ihrer plötzlichen Stimmungen

Und den Überraschungen ihrer maskierten Idee

Und den Wechselfällen ihrer zahlreichen Launen.

Seine Ziele scheinen zwei zu sein, doch sind sie immer eins

Und blicken einander an durch grenzenlose Zeit;

Geist und Materie sind deren Ende und Quell.

Ein Sucher nach verborgenen Bedeutungen in Lebens Formen,

Nach dem weiten unerforschten Willen der großen Mutter

Und dem rauen Mysterium ihrer irdischen Wege,

Der Entdecker ist er und der Seemann

Auf einem geheimen inneren Ozean ohne Grenzen:

Er ist der Abenteurer und der Kosmologe

Der obskuren Geografie einer magischen Erde.

Im festgelegten Plan ihrer stofflichen Ordnung,

Wo alles gewiss scheint und auch verändert das gleiche noch,

Obwohl das Ziel immer unbekannt bleibt

Und immer unsicher ist des Lebens wechselhafter Fluss,

Weist ihm ein schweigend Schicksal die Pfade zu;

Als Stationen in der schäumenden Flut der Zeitalter

Erscheinen Festländer, die eine Weile zum Verbleiben verleiten,

Dann locken neue Horizonte das Mental zum Vorwärtsdrängen.

Die Grenzenlosigkeit des Endlichen nimmt kein Ende,

In keiner letzten Gewissheit kann das Denken ankern

Und niemals hört der Seele Erfahrung auf.

Ein Äußerstes, eine nie ganz erreichte Ferne,

Eine unerlangte Vollkommenheit ruft ihn

Aus weit entfernten Grenzgebieten in dem Ungesehenen:

Nur ein langer Anfang ward gemacht.

Dies ist der Seemann auf dem Strom der Zeit,

Dies ist der bedächtige Entdecker der Weltmaterie,

Der, vom Stapel gelassen in diese kleine körperliche Geburt,

In winzigen Buchten seines Selbstes sein Handwerk lernt,

Doch schließlich in nie ausgelotete Unendlichkeiten sich wagt,

Ein Seefahrer auf den Meeren der Ewigkeit.

Im anfänglich ungeschickten Aufbruch seines Weltabenteuers

Seht ihn, der die Kraft seiner Gottheit nicht kennt,

Ein zaghafter Neuling in ihrem großen Plan.

Ein erfahrener Kapitän auf einem zerbrechlichen Boot,

Ein Händler von kleinen, wenig dauerhaften Waren,

Hält zunächst er sich dicht am Ufer und meidet die Weiten,

Wagt nicht, der gefahrvoll offenen See zu trotzen.

In der kleinen Küstenschifffahrt arbeitet er,

Sein Lohn wird von Hafen zu Hafen ausgezahlt,

Zufrieden mit seiner sicheren Runde unverrückbarem Kurs,

Riskiert er nicht das Neue und das Ungesehene.

Doch jetzt hört er das Rauschen von größeren Meeren.

Eine sich weitende Welt ruft ihn zu fernen Plätzen

Und Reisen im Umkreis weiterer Schau

Und zu unbekannten Völkern und noch unbesuchten Stränden.

Sein in Dienst gestelltes Handelsschiff

Dient dem Handel der Welt in den Reichtümern der Zeit,

Durchschneidend den Schaum weiter landumschlossener See,

Um unbekannte Hafenlichter in fernen Gefilden zu erreichen

Und Märkte zu erschließen für des Lebens feudale Künste,

Teure Stoffe, geschnitzte Figuren, bunte Tücher,

Und juwelenbesetztes Spielzeug, gebracht für eines Kindes Spiel,

Und verderbliche Produkte harter Arbeit

Und flüchtige Pracht, gewonnen und verloren im Laufe der Tage.

Oder ein Tor durchsegelnd von Säulenfelsen,

Noch nicht sich wagend, namenlose Ozeane zu überqueren

Und in einen Traum von Fernen zu reisen,

Segelt nah er an unvertrauten Küsten

Und findet neue Häfen auf sturmumtobten Inseln,

Oder, geführt durch einen sicheren Kompass in seinem Denken,

Dringt er durch einen hellen Dunst, der die Sterne verhüllt,

Steuernd auf Handelsstraßen der Unwissenheit.

Sein Bug drängt vorwärts zu noch unentdeckten Ufern,

Er wagt sich kühn auf ungeahnte Kontinente:

Ein Sucher nach den Inseln der Seligen,

Verlässt er die letzten Länder, durchkreuzt die äußersten Meere,

Wendet er seine Gleichnissuche den ewigen Dingen zu;

Das Leben ändert für ihn seine zeitkonstruierten Szenen,

Seine Bilder, die Unendlichkeit verschleiern.

Der Erde Grenzen weichen und die irdische Luft

Hängt nicht mehr um ihn ihren durchscheinenden Schleier.

Er hat die Grenzen sterblichen Denkens und Hoffens überschritten,

Er hat das Ende der Welt erreicht und blickt darüber hinaus;

Die Augen sterblichen Körpers senken ihren Blick

In Augen, die auf Ewigkeit schauen.

Eine größere Welt muss da erforschen der Zeit Reisende.

Zuletzt hört er ein Singen auf den Höhen

Und die Ferne spricht und das Unbekannte naht:

Er überschreitet die Grenzen des Ungesehenen

Und überquert den Rand sterblichen Sehens

Zu einer neuen Schau von sich und von den Dingen.

Er ist ein Geist in einer unvollendeten Welt,

Die ihn nicht kennt und die sich selbst nicht kennen kann:

Das Oberflächensymbol seiner ziellosen Suche

Nimmt tiefere Bedeutung an für seinen inneren Blick;

Seine Suche ist das Suchen der Dunkelheit nach dem Licht,

Des sterblichen Lebens nach Unsterblichkeit.

In dem Gefäß einer irdischen Verkörperung schaut er

Über die enge Reling begrenzenden Sinnes hinaus

Auf die magischen Wellen der Zeit,

Wo das Mental wie ein Mond die Finsternis der Welt erleuchtet.

Dort, vor den Augen stets zurückweichend, zeichnet sich ab,

Wie in ein zartes nebelhaftes Traumlicht gemalt,

Der Umriss eines schummrig geheimnisvollen Ufers.

Ein Seemann auf dem unergründlichen Meer des Nichtbewussten,

Segelt er durch eine Sternenwelt des Denkens

An Deck der Materie einer spirituellen Sonne entgegen.

Durch den Lärm und das mannigfaltige Geschrei,

Durch die verzückten unkennbaren Schweigsamkeiten hin,

Durch eine fremde Zwischenwelt unter überirdischen Himmeln,

Jenseits der Längen- und Breitengrade der Erde

Ist sein Ziel festgelegt außerhalb aller heutigen Karten.

Doch niemand erfährt, wohin er durch das Unbekannte segelt

Oder welch geheime Mission die große Mutter ihm gab.

In der verborgenen Kraft ihres allmächtigen Willens,

Von ihrem Atem angetrieben quer durch des Lebens wirbelnde Tiefe,

Durch das Brüllen des Donners und durch die windlose Stille,

Durch Dunst und Nebel, wo nichts mehr zu sehen ist,

Trägt er in seiner Brust ihre versiegelten Befehle.

Erst spät, beim Öffnen der mystischen Schrift, wird er wissen,

Ob er zu einem leeren Hafen im Ungesehenen zieht

Oder, mit ihrer Vollmacht ausgerüstet, zu finden

Einen neuen mentalen Geist und Körper in der Stadt Gottes

Und den Unsterblichen zu bergen in seiner Glorie Haus

Und zu einen das Endliche mit Unendlichkeit.

Hin durch die Salzwüste der endlosen Jahre

Treiben ihre Meereswinde sein irrfahrend Schiff,

Die kosmischen Gewässer plätschern an seine Planken,

Ein Gemunkel ist um ihn, sowie Gefahr und ein Ruf.

Immer folgt er im Kielwasser ihrer Kraft.

Er segelt durch Leben und Tod und anderes Leben,

Er reist weiter durch Wachen und durch Schlaf.

Eine Macht ist bei ihm von ihrer okkulten Kraft,

Die ihn an das Schicksal seiner eigenen Schöpfung bindet,

Und nie kann der mächtige Reisende ruhen

Und nie kann die mystische Reise enden

Bis das nichtwissende Dunkel von des Menschen Seele weicht

Und die Morgengrauen Gottes seine Nacht eingeholt haben.

Solange wie Natur besteht, ist auch er da,

Denn dies ist sicher, dass er und sie eins sind;

Selbst wenn er schläft, hält er sie an seiner Brust:

Wer immer sie verlässt, er geht nicht fort,

Um ohne sie in dem Unkennbaren zu ruhen.

Eine Wahrheit gibt es zu wissen, ein Werk zu tun;

Ihr Spiel ist wirklich; ein Mysterium erfüllt er:

Es gibt einen Plan in der tiefen Weltlaune der Mutter,

Ein Zweck in ihrem weiten und zufälligen Spiel.

Dies hatte sie im Sinn seit jener ersten Dämmerung des Lebens,

Hinter ihrem Zeitvertreib war dies stets ihr Wille,

In der unpersönlichen Leere eine Person wachzurufen,

Mit Wahrheitslicht der Erde massive Wurzeln der Trance zu treffen,

Ein stummes Selbst in den nichtbewussten Tiefen zu wecken

Und eine verlorene Macht aus ihrem Python-Schlaf zu reißen,

Auf das die Augen des Zeitlosen aus der Zeit schauen mögen

Und die Welt das unverhüllt Göttliche offenbart.

Hierzu verließ er seine weiße Unendlichkeit

Und legte dem Geist die Last des Fleisches auf,

Dass die Saat der Gottheit im mentallosen Raume erblühen möge.

I.4.782-966