Kapitel 11
Die Göttliche Mutter und das seelische Wesen
Sie steht über ihnen allen und stützt sie alle,
Die alleinige allmächtige Göttin, immer verschleiert,
Von der die Welt die unergründliche Maske ist;
Die Zeitalter sind die Fußspuren ihres Schreitens,
Deren Ereignisse das Abbild ihrer Gedanken,
Und alle Schöpfung ist ihr endloser Akt.
Sein Geist ward zum Gefäß ihrer Kraft gemacht;
Stumm in der unergründlichen Passion seines Willens
Streckte er seine zum Gebet gefalteten Hände ihr entgegen.
Dann, als eine souveräne Antwort auf sein Herz,
Kam eine Gebärde wie von hingestreuten Welten,
Und aus dem strahlenden Mysterium ihres Gewandes gehoben,
Teilte ein Arm den ewigen Schleier halb.
Ein Licht erschien, ruhig und unvergänglich.
Angezogen von den großen und leuchtenden Tiefen
Des bezaubernden Rätsels ihrer Augen,
Sah er den mystischen Umriss von einem Gesicht.
Überwältigt von ihrer unerbittlichen Helle und Seligkeit,
Ein Atom von ihrem unermesslichen Selbst,
Bemeistert vom Honig und Blitzstrahl ihrer Macht,
Gespült an die Küsten ihrer Ozean-Ekstase,
Trunken von einem tief goldnen spirituellen Wein,
Stieß er aus der zerrissenen Stille seiner Seele
Einen Schrei der Anbetung und des Verlangens hervor
Und der Hingabe seines grenzenlosen Mentals
Und der Selbstdarbringung seines schweigenden Herzens.
Er fiel ihr zu Füßen ohnmächtig, hingestreckt.
II.14.232-58
Ein Wesen voller Weisheit, Macht und Freude
Nahm, so wie eine Mutter ihr Kind in die Arme schließt,
Natur und Welt und Seele an ihre Brust.
III.2.84-86
Eine Mutter-Macht brütete über der Welt:
Ein Bewusstsein enthüllte seine wundervolle Front,
Alles übersteigend, was ist, nichts verneinend:
Unvergänglich über unseren gefallenen Häuptern,
Fühlte er eine verzückte und nie strauchelnde Kraft.
Die nie sterbende Wahrheit erschien, die dauernde Macht
Von allem hier Geschaffenen und dann Zerstörten,
Die Mutter aller Gottheiten und aller Stärken,
Die, Mittlerin, die Erde mit dem Höchsten verbindet.
Zuende war das Rätsel, das die Nacht unserer Natur beherrscht,
Entlarvt und erschlagen ward das verhüllend Nichtwissen;
Sein Mental des Irrtums ward von Dingen abgestreift
Sowie die dumpfen Launen seines entstellenden Willens.
Von ihrer allsehenden Wesenseinheit erleuchtet
Vermochten Wissen und Unwissen nicht mehr zu streiten;
Nicht länger konnten die titanischen Widersacher,
Die antagonistischen Pole der Ausarbeitung der Welt,
Den Trug verhängen ihres zweifachen Schirmes
Und ihre Figuren werfen zwischen uns und Sie.
Die Weisheit war nah, vermummt durch ihre eigenen Werke,
Deren Gewand das verdunkelte Universum ist.
Dasein schien nun nicht mehr ein zielloser Absturz zu sein,
Auslöschung war nicht die einzige Befreiung mehr.
Gefunden war das verborgene Wort, der lang gesuchte Schlüssel,
Enthüllt war die Bedeutung von unseres Geistes Geburt,
Verurteilt zu einem unvollkommenen Körper und Mental,
Im Nichtbewusstsein stofflicher Dinge
Und der Würdelosigkeit sterblichen Lebens.
Ein Herz war zu spüren in den weiten und kahlen Räumen,
Eine brennende Liebe aus weißen spirituellen Quellen
Hob den Kummer der unwissenden Tiefen auf;
Leid verlor sich in ihrem unsterblichen Lächeln.
Ein Leben von Jenseits ward hier Bezwinger des Todes;
Nicht mehr zu irren war natürlich dem mentalen Geist;
Wo alles Licht und Liebe war, konnte Falsches nicht kommen.
Das Formlose und das Geformte waren vereint in ihr:
Unermessliches ward von einem Blick überschritten,
Ein Antlitz enthüllte das wimmelnd Unendliche.
Verkörpernd unbeschreiblich in ihren Gliedern
Die grenzenlose Freude, von den blinden Weltkräften gesucht,
Schmückte ihr Leib der Schönheit mondgleich die Meere der Seligkeit.
Zu Häuptern steht sie von Geburt und Mühsal und Schicksal,
Auf ihr Gebot hin kreisen langsam die Zyklen;
Einzig ihre Hände können die Drachenbasis der Zeit verändern.
Das in Nacht verborgene Mysterium ist das ihre;
Des Geistes Alchemisten-Energie ist ihr zu eigen;
Sie ist die goldne Brücke, das wundervolle Feuer.
Das leuchtende Herz des Unbekannten ist sie,
Eine Macht des Schweigens in den Tiefen Gottes;
Sie ist die Kraft, das unausweichliche Wort,
Der Magnet unseres schwierigen Aufstiegs,
Die Sonne, an der wir alle unsere Sonnen zünden,
Das Licht, das sich aus den unverwirklichten Weiten neigt,
Die Freude, die aus dem Unmöglichen zu sich winkt,
Die Macht von allem, das noch nie herniederkam.
Die ganze Natur ruft stumm nach ihr allein,
Damit sie mit ihren Füßen das schmerzende Pochen des Lebens heilt
Und die Siegel auf des Menschen verdunkelter Seele bricht
Und in den verschlossenen Herzen der Dinge ihr Feuer entfacht.
Alles hier wird eines Tages das Heim ihrer Süße sein,
Alle Gegensätze bereiten ihre Harmonie;
Zu ihr steigt unser Wissen auf, tastet sich unsere Leidenschaft heran;
In ihrer wundersamen Verzückung, da werden wir wohnen,
In ihrer Umarmung, da wird unser Schmerz zur Ekstase.
Durch sie wird unser Selbst eins sein mit allen.
In ihr gefestigt, weil umgewandelt in ihr,
Wird unser antwortend Leben Erfüllung finden,
Oben, die grenzenlos verschwiegenen Seligkeiten,
Unten, das Wunder der göttlichen Umarmung.
Dies erkannt wie in einem Donnerblitz Gottes,
Durchdrang seine Glieder das Entzücken ewiger Dinge;
Bewunderung überkam seinen verzückten Sinn;
Erfasst ward sein Geist von ihrer unduldsamen Flamme.
Einmal gesehen, und sein Herz bekannte sich nur zu ihr.
Nur ein Hunger nach unendlicher Seligkeit blieb.
Alle Ziele, verloren in ihr, fand in ihr er neu;
Sein Grund ward gefasst zu einer weisenden Spitze.
III.2.110-86
Zu schwach sind menschliche Macht und menschliche Liebe,
Der Erde Siegel von Unwissenheit und Tod zu brechen;
Die Macht seiner Natur schien nun das Greifen eines Kindes zu sein;
Der Himmel ist zu hoch für ausgestreckte Hände.
Dies Licht kommt nicht durch Kampf oder durch Denken;
Im Schweigen des Mentals wirkt das Transzendente
Und das verstummte Herz hört das ungeäußerte Wort.
Eine umfassende Hingabe war seine einzige Stärke.
Eine Macht muss handeln, die auf den Höhen wohnt,
Des Unsterblichen Luft in des Lebens geschlossenen Raum bringen
Und das Endliche mit dem Unendlichen füllen.
Was sich verweigert, muss herausgerissen und erschlagen werden,
Zermalmt die vielen Gelüste, um derentwillen
Wir die Eine verlieren, für die unser Leben bestimmt ist.
Der Schrei anderer Ansprüche war nun verstummt in ihm:
Er sehnte sich nur danach, ihre Gegenwart und Macht
In sein Herz und Mental und in seine atmende Gestalt zu ziehen;
Er trachtete nur danach, für allezeit
Ihre heilende Berührung der Liebe und Wahrheit und Freude
In die Finsternis der leidenden Welt herabzurufen.
Seine Seele ward befreit und ihr allein gegeben.
III.2.201-21