Kapitel 22
Wenn alles Er ist, warum spüren wir Ihn nicht?
Ich hatte eine interessante Erfahrung… Vorgestern Abend sagte mir jemand, dessen Namen ich nicht nennen will: „Ich stecke voll und ganz im physischen Bewusstsein: keine Meditationen mehr, und das Göttliche ist zu etwas geworden, das dort oben ist, weit weg …“ Und sogleich füllte sich, während er sprach, das ganze Zimmer mit der göttlichen Gegenwart. Ich sage zu ihm: „Nicht dort oben, hier, hier selbst.“ Und in dem Augenblick war alles, die ganze Atmosphäre … es war, als veränderte sich die Luft in die göttliche Gegenwart (die Mutter berührt ihre Hände, ihr Gesicht, ihren Körper), alles war berührt, angerührt, durchdrungen, aber von… vor allem war da ein strahlend helles Licht, ein Friede, so (Gebärde: massiv), eine Macht, und dann eine Lieblichkeit … etwas … man hatte den Eindruck, es wäre genug, um einen Felsen zum Schmelzen zu bringen.
Und es ging nicht wieder fort. Es ist geblieben.
Es ist so gekommen, und es ist geblieben.
Und die ganze Nacht war so – alles. Selbst jetzt gibt es beides: wie mechanisch ein wenig vom gewöhnlichen Bewusstsein, aber ich muss nur eine Sekunde lang ruhig oder gesammelt bleiben, und es ist da. Und das ist die Erfahrung des Körpers, verstehst du, physisch, materiell, die Erfahrung des Körpers: alles, alles, alles ist voll, voll, es gibt nichts als DAS, und wir sind wie … alles ist wie etwas Geschrumpftes, wie eine vertrocknete Rinde, irgend so etwas Dürres; man hat den Eindruck, dass sich die Dinge (nicht völlig: an der Oberfläche) verhärtet haben, vertrocknet sind, und dass der Körper deshalb nicht empfindet. Deshalb empfindet er Das nicht; sonst ist Das alles, alles, es gibt nur Das; man kann nicht atmen, ohne Das einzuatmen; bewegt man sich, so bewegt man sich in Ihm; man ist … alles, alles, das ganze Weltall ist in Ihm drin - aber materiell, physisch, physisch.
Die Heilung dieser „Vertrocknung“ ist es, was ich jetzt suche.
Ich fühle, dass es fantastisch ist, verstehst du?
Und dann, wenn ich hinhöre, spricht Er auch: ich sagte zu Ihm: „Warum geht man denn immer dort hinauf?“ Und mit dem wunderbarsten, fantastischsten Humor: „Weil sie Mich von ihrem Bewusstsein sehr weit weg haben wollen!“ Solche Sachen, aber nicht so genau formuliert: Eindrücke. Mehrmals, mehrmals hörte ich: „Warum gehen sie so weit weg auf die Suche (allerdings gibt es Theorien, die sagen: es ist in einem drin), auf die Suche nach dem, was überall ist?“…
Man hat den Eindruck, dass Er überall ist, überall, überall, überall, es gibt nichts anderes. Und wir wissen es nicht, weil wir… geschrumpft sind; ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, vertrocknet. Wir haben (lachend) ungeheure Anstrengungen unternommen, um uns zu trennen – gelungen! Gelungen, gelungen, aber nur in unserem Bewusstsein, nicht in Wirklichkeit. In Wirklichkeit ist Es da. Es ist da. Es gibt nur Das. Was wir wissen, was wir sehen, was wir berühren, es badet, es schwimmt gleichsam in Dem; aber es ist durchlässig, es ist durchlässig, es ist vollkommen durchlässig: Das fließt hindurch. Die Empfindung der Trennung kommt von hier (die Mutter berührt ihre Stirn).
Kapitel 23
Die Schöpfung und der Schöpfer sind nicht voneinander getrennt
Das Göttliche ist allmächtig, es kann tun, was es will; daher braucht es von niemand Hilfe. Und wenn du dem Gedanken weit genug nachgehst, wirst du sehen: Wenn das Göttliche in dieser Welt wirklich allmächtig ist, und wenn es immer das tut, was es will, dann ist es meiner Meinung nach das größte Ungeheuer, das es auf der Welt gibt! Denn Jemand, der allmächtig ist und die Welt so erschafft, wie sie ist, und dabei mit einem Lächeln zusieht, wie die Menschen leiden und unglücklich sind, und der das auch noch sehr gut findet, den nenne ich ein Ungeheuer. An derlei Dinge dachte ich, als ich fünf Jahre alt war. Ich sagte mir: „Das ist nicht möglich. Was man da lernt, ist nicht wahr!“ Da du einen etwas philosophischeren Geist besitzt, werde ich dir jetzt beibringen, wie man aus der Schwierigkeit herauskommt. Doch zuerst einmal musst du verstehen, dass diese Vorstellung kindlich ist. Ich appelliere einfach an deinen gesunden Menschenverstand: Du machst aus deinem Göttlichen eine Person – denn so verstehst du es besser. Du machst aus ihm eine Person. Und zudem hat diese Person etwas organisiert (die Erde, sie ist sehr groß, sie ist schwer zu verstehen – wir wollen etwas x-beliebiges annehmen: eine Sache), und die Person hat nun diese Sache aus eigener Machtvollkommenheit organisiert, ganz so, wie sie es wollte. Und in diesem Etwas – das sie durch ihre Macht nach ihrem Willen geschaffen hat – gibt es nun Unwissenheit, Dummheit, bösen Willen, Angst, Eifersucht, Hochmut, Bosheit und außerdem Leiden, Krankheit, Kummer, alle Schmerzen; und eine Gesamtheit von Menschen, die nicht behaupten können, dass sie vielleicht mehr als ein paar Minuten Glück am Tag empfinden, und der Rest ist eben so ein neutraler Zustand, der wie etwas Totes vorbeizieht – und das nennst du Schöpfung!… Ich nenne es so etwas wie eine Hölle! Und wer das absichtlich erschaffen würde und nicht nur erschaffen, sondern auch anschauen und sagen würde: „Ah! sehr gut!“, wie es dir in gewissen Religionsbüchern erzählt wird – nachdem er die Welt, so wie sie ist, erschaffen hat, sah er sie am siebten Tag an und war sehr zufrieden mit seiner Arbeit und ruhte sich aus … Also das - nein! Das nenne ich nicht Gott. Oder mache es wie Anatole France und sage: Gott ist ein Demiurg und das Schrecklichste aller Wesen.
Doch es gibt einen Ausweg aus dieser Schwierigkeit. Du siehst, dass diese Auffassung und diese Vorstellung, die du da hast, auf etwas, auf einer Wesenheit beruht, die du Gott nennst, und auf einer Welt, die du seine Schöpfung nennst, und das, so glaubst du, seien zwei verschiedene Dinge, wobei das eine das andere erschaffen hat und dieses andere dem ersteren untergeordnet und der Ausdruck dessen ist, was der erstere erschaffen hat. Also, das ist der anfängliche Irrtum. Wenn du aber das tiefe Gefühl haben kannst, dass es keine Trennung gibt zwischen dem, was man Gott nennt, und dem, was man die Schöpfung nennt, wenn du dir sagst: „Es ist genau dasselbe“, und wenn du fühlen kannst: Das, was man Gott nennt (vielleicht ist es einfach ein Wort), dass der sogenannte Gott leidet, wenn du leidest, nichts weiß, wenn du nichts weißt, und dass er durch diese Schöpfung hindurch sich ganz allmählich, Schritt für Schritt, selbst wiederfindet, er sich mit sich selbst vereint, sich selbst verwirklicht, sich selbst ausdrückt, und dass diese Schöpfung keineswegs etwas ist, das er aus einer Laune heraus so wollte und autokratisch geschaffen hat, sondern ein wachsender, sich immer mehr entwickelnder Ausdruck eines Bewusstseins ist, das sich gegenüber sich selbst objektiviert … dann gibt es nichts anderes mehr als das Gefühl eines gemeinsamen Vordringens zu einer umfassenderen Verwirklichung, zu einer sich selbst erkennenden Bewusstwerdung – nichts anderes –, zu einer fortschreitend sich selbst erkennenden Bewusstwerdung in einer totalen Einheit, in der sich das Urbewusstsein vollständig wieder zeigt.
Das ändert das Problem.
Kapitel 21
Wer ist Er?
Es ist Er, der vollkommene Geist, der alles erfüllt.
Der vollkommene Geist erfüllt alles.
Es ist Er, der alles erfüllt.
Wer ist Er? Der vollkommene Geist.
Es ist Er, der vollkommene Geist, der alles erfüllt.
Es gibt kein anderes Bewusstsein als das Höchste Bewusstsein.
Es gibt keinen anderen Willen als den Höchsten Willen.
Es gibt kein anderes Leben als das Höchste Leben.
Es gibt keine andere Personalität als die Höchste Person, den Einen und das All.
Es gibt nichts auf dieser Welt, das nicht einer direkten Aktion jenseits der Natur unterworfen ist – aber die meisten Menschen sind sich dessen nicht bewusst.
Die Manifestation wird alle Schwierigkeiten überwinden, denn Manifestation bedeutet die Überwindung aller Schwierigkeiten.
Die ganze Schöpfung spricht vom Göttlichen zu dem, der in seinem Herzen zu lauschen weiß.
Kapitel 24
Ursache und Abhilfe für alle Entstellungen
Wenn alles in der physischen Welt Offenbarte die höhere Wahrheit zum Ursprung hat, wodurch wird sie hässlich, wenn sie sich ausdrückt? Warum gibt es hässliche Dinge?
Weil sich zwischen dem Ursprung und der Manifestation Kräfte einmischen.
Wenn ich dich frage: „Kennst du die Wahrheit deines Wesens?“, was antwortest du dann? … Kennst du sie? … Nun also, das gilt für alles. Und du hast immerhin schon ein genügend entwickeltes denkendes Wesen, das durch allerlei Verfeinerungen gegangen ist. Du bist nicht mehr ganz, sagen wir, wie die Eidechse da, die auf der Mauer herumläuft; und dennoch bist du nicht in der Lage zu sagen, was die Wahrheit deines Wesens ist. Genau das ist das Geheimnis aller Entstellungen auf der Welt. Sie kommen von all der Nichtbewusstheit, die sich mit der Abtrennung vom Ursprung eingestellt hat. Dieses Nichtbewusstsein bewirkt, dass der Ursprung, obwohl er gegenwärtig ist, sich nicht offenbaren kann. Gegenwärtig ist er jedenfalls, und darum besteht die Welt. Aber in seinem Ausdruck ist er entstellt, weil er sich eben durch Nichtbewusstheit, Unwissenheit und Finsternis manifestiert…
Um das Universum, so wie es war, zu erschaffen, war der Wille eine individuelle Projektion – individuell, etwas Aufgeteiltes: Statt einer Einheit, die alles ausnahmslos in sich enthält, ist es eine Einheit, die aus unzähligen kleinen Einheiten besteht, aus Individualisierungen, das heißt aus Dingen, die sich als voneinander getrennt empfinden. Und dieses Getrenntsein gibt dir das Gefühl, ein Einzelwesen zu sein. Sonst hättest du den Eindruck, eine fließende Masse zu sein. Wenn du dir also nicht deiner Gestalt oder alles dessen bewusst wärst, was in dir deine abgetrennte Individualität ausmacht, sondern statt dessen der vitalen Kräfte, die sich überall bewegen, oder des Nichtbewusstseins am Grund von allem, dann käme es dir vor, eine bewegte Masse zu sein, mit allen möglichen widersprüchlichen Regungen, die sich nicht auseinanderhalten ließen. Du hättest keineswegs das Gefühl, ein Individuum zu sein, sondern vielmehr etwas wie eine Schwingung in einem Ganzen. Nun, es lag im ursprünglichen Willen, Einzelwesen zu bilden, die fähig sein würden, sich ihres göttlichen Ursprungs wieder bewusst zu werden. Das Verfahren der Individualisierung hat es mit sich gebracht, dass man sich abgetrennt fühlen muss, um ein Einzelwesen zu sein. Und sobald man abgetrennt ist, ist man, wenigstens scheinbar, vom ursprünglichen Bewusstsein abgeschnitten und fällt in das Nichtbewusstsein. Denn das, was des Lebens eigentliches Leben ausmacht, ist der Ursprung, und wenn du dich davon trennst, verwandelt sich das Bewusstsein natürlich in Unbewusstheit. Und diese Unbewusstheit bewirkt dann, dass du die Wahrheit deines Wesens nicht mehr kennst … Es ist ein Verfahren. Man kann darüber diskutieren, ob es vermeidlich gewesen war oder nicht – Tatsache ist jedenfalls, dass es sich so verhält. Dieses Verfahren der Gestaltung, der Schöpfung, hat es mit sich gebracht, dass der Ursprung sich nicht mehr in seiner Essenz und seiner Reinheit offenbart, sondern durch die Entstellung des Unbewusstseins und der Unwissenheit. Hättest du mir auf meine Frage unvermittelt geantwortet: „Ja, ich kenne die Wahrheit meines Wesens“, so wäre Schluss gewesen und es gäbe kein Problem mehr.
Darum gibt es all das Hässliche und gibt es den Tod. Darum gibt es Krankheiten, Bosheit und Leid. Ein anderes Heilmittel, außer dem einen, gibt es dafür nicht – für all diese Dinge gibt es nur einen Weg. Und das spielt sich in verschiedenen Bereichen und mit verschiedenen Schwingungen ab, aber die Ursache ist überall dieselbe – diese Nichtbewusstheit, die mit der notwendigen individuellen Gestaltung gekommen ist. Ich behaupte wie gesagt nicht, dass dieser Verlauf unumgänglich gewesen sei; das ist ein anderes Problem, das zu lösen wir vielleicht später in der Lage sein werden. Im Augenblick jedenfalls sind wir genötigt festzustellen, dass es so ist.
Was ist also das Heilmittel? Da die Ursache Nichtbewusstheit ist, besteht der einzige Weg, alles in Ordnung zu bringen, darin, wieder bewusst zu werden. Und das ist ganz einfach, ganz einfach.
Nehmen wir einmal an, dass es auf der Welt zwei entgegengesetzte, einander widerstreitende Elemente gebe, wie gewisse Religionen es gepredigt haben: Es gebe das Gute und das Böse und werde sie immer geben – und Widerstreit, Zwist und Kampf. Das stärkere von beiden werde schließlich die Oberhand gewinnen: Ist das Gute ein wenig überlegen, dann das Gute; ist das Böse ein wenig überlegen, dann das Böse. Es werde aber immer beides geben. Würde es sich so verhalten, dann würde keine Hoffnung bestehen, und es wäre unsinnig, die Sache als schwer oder als leicht zu bezeichnen – sie wäre unmöglich. Es gäbe keinen Ausweg. Tatsächlich aber verhält es sich nicht so.
Tatsache ist, dass es nur einen Ursprung gibt und dass dieser Ursprung die vollendete Wahrheit ist – er ist das einzige wahrhaft Existierende. Indem er sich nach außen projiziert, sich nach außen überträgt, sich verteilt, entsteht das, was wir da sehen; und eine Menge kleine Gehirne, die nett und brillant sind, suchen nach etwas, das ihnen noch nicht fassbar ist, das sie jedoch erfassen können, weil das Gesuchte ja in ihnen wohnt. Das ist sicher. Es mag mehr oder weniger lange dauern, wird aber bestimmt geschehen. Das Heilmittel findet sich im Zentrum des Übels selbst.
Das ist auf alle mögliche Weise benannt und dargestellt worden; je nach der Ausrichtung macht jeder seine Erfahrung. Alle, die in ihrem Inneren das Göttliche gefunden haben, taten dies auf bestimmte Weise, nach einer bestimmten Erfahrung und von einem bestimmten Gesichtspunkt aus, der ihnen selbstverständlich schien. Und wenn sie sich dann nicht sehr in acht nehmen, beginnen sie anderen zu raten: „Um das Göttliche zu finden, muss man es so und so machen; das ist es, diesem Weg muss man folgen!“, weil sie eben Erfolg damit hatten. Wenn man ein wenig weiter, ein wenig erfahrener ist, sieht man ein, dass es sich nicht unbedingt so verhält, sondern dass es Millionen Mittel und Wege geben mag, dahin zu gelangen … Sicher ist nur eines: dass dasselbe gefunden wird. Es ist wirklich bemerkenswert, dass, ganz gleich, welchem Weg man gefolgt ist, welche Form man dem gegeben hat, das Ergebnis dasselbe ist. Die Erfahrung aller ist dieselbe. Wenn sie auf die Sache gestoßen sind, ist es für alle dieselbe. Gerade das zeigt, dass sie auf Jenes gestoßen sind, weil es eben für alle dasselbe ist. Ist es nicht dasselbe, so heißt das, dass es noch nicht Jenes ist. Sind sie auf Jenes gestoßen, so ist es für alle dasselbe. Und Dem darfst du alle Namen geben, die du willst, das spielt keine Rolle.
Worte sind Worte. Im Grunde bedeuten sie nichts, wenn nicht etwas dahinter steht.
Kapitel 25
Das Universum ist essenzielle Freude
Gott kann nicht aufhören, sich zur Natur niederzuneigen, noch der Mensch, zur Gottheit emporzustreben. Das ist die ewige Beziehung zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen. Scheinen sie sich voneinander abzukehren, so nur, um sich inniger zu begegnen.
Im Menschen wird sich die Welt-Natur ihrer selbst wieder bewusst, damit sie den größeren Sprung zu ihrem Genießer hin tun könne. Dieser Genießer ist es, den sie unwissentlich besitzt, den Leben und Empfindung besitzen und zugleich leugnen, den sie leugnen und zugleich suchen. Die Welt-Natur kennt Gott nur darum nicht, weil sie sich selbst nicht kennt; sobald sie das tut, wird sie die unvermischte Wonne des Seins kennen.
In der Einheit zu besitzen ist das Geheimnis, und nicht in ihr sich zu verlieren. Gott und Mensch, Welt und Jenseits werden eins, wenn sie einander kennen. Ihre Trennung ist die Ursache der Unwissenheit, wie Unwissenheit die Ursache des Leidens ist. (Sri Aurobindo, Thoughts and Glimpses)
Gemäß dem, was Sri Aurobindo hier sagt, ist die Wirklichkeit des Universums das, was man Gott oder Gottheit nennt, doch im Grunde ist sie tiefe Freude, Wonne. Die Welt wurde in der Freude und für die Freude erschaffen. Doch diese tiefe Freude kann nur im vollkommenen Einssein der Schöpfung mit ihrem Schöpfer bestehen, und Sri Aurobindo beschreibt dieses Einssein als den Besitzer – das heißt den Schöpfer –, als den Besitzer, der von seiner Schöpfung besessen ist, als eine Art von wechselseitigem Besitz, der das Essenzielle des Einsseins ausmacht und die Quelle aller Freude ist.
Aufgrund der Trennung – weil der Besitzer nicht mehr besitzt und der Besitz auch seinen Besitzer nicht mehr besitzt –, wurde die essenzielle Wonne in Unwissenheit verwandelt, und diese Unwissenheit ist die Ursache des ganzen Leidens. „Unwissenheit“ nicht etwa in dem Sinn, wie man sie normalerweise versteht, denn die nennt Sri Aurobindo Nichtwissen: Diese Unwissenheit ist eine Folge der anderen. Die eigentliche Unwissenheit ist die Unkenntnis über das Einssein, die Einheit und die Identität. Und diese ist die Ursache allen Leidens.
Seit der Trennung, als die Schöpfung den direkten Kontakt zum Schöpfer verlor, herrschte die Unwissenheit, und alles Leiden war die Folge davon.
Alle, die die innere Erfahrung gehabt haben, hatten das Erlebnis, dass von dem Augenblick an, in dem man die Einung mit dem göttlichen Ursprung wiederherstellt, alles Leiden verschwindet. Doch es hat eine sich lang dahinziehende Bewegung gegeben …, bei der nicht etwa die essenzielle göttliche Freude an den Ursprung der Schöpfung gesetzt wurde, sondern das Begehren. Diese Freude der Schöpfung, der Selbst-Offenbarung, des Selbst-Ausdrucks, wurde von einer ganzen Reihe von Suchern und Weisen nicht als Freude, sondern als Begierde betrachtet. Die ganze buddhistische Richtung zeugt davon. Und anstatt die Lösung in einem Einssein zu sehen, das einem die essenzielle Freude an der Manifestation und am Werden zurückgibt, sind sie der Meinung, dass das Ziel und zugleich der Weg in der völligen Zurückweisung jeglichen Begehrens und in der Rückkehr zum Nichtmehrsein liege.
Diese Vorstellung läuft auf ein grundlegendes Missverständnis hinaus. Die empfohlenen Methoden zur Selbst-Befreiung sind Methoden zur Entwicklung, die sehr nützlich sein können. Doch diese Vorstellung einer Welt, die essenziell schlecht ist, weil sie das Resultat der Begierde ist, und der man sich um jeden Preis und so schnell wie möglich entziehen muss, ist die größte und bedenklichste Entstellung des ganzen spirituellen Lebens in der Geschichte der Menschheit gewesen.
Sie konnte vielleicht zu einem bestimmten Zeitpunkt nützlich sein, denn in der Geschichte der Welt ist alles nützlich, doch diese Nützlichkeit ist vorbei, sie ist überholt, und es ist Zeit, dass man diese Vorstellung hinter sich lässt und zu einer grundlegenderen und höheren Wahrheit zurückkehrt, dass man wieder zurückkehrt zur tiefen Freude am Sein, zur Freude an der Einheit und der Manifestation des Göttlichen.
Diese Neuorientierung – ich möchte sagen, neu in ihrer irdischen Verwirklichung – muss alle vorausgegangenen spirituellen Richtungen ersetzen und den Weg zu der neuen Verwirklichung öffnen, die eine supramentale Verwirklichung sein wird. Und deshalb sagte ich, dass nur die Wonne, die wahre göttliche Freude, den Sieg erringen könne.
Natürlich darf es keine Unklarheit darüber geben, was diese Wonne, diese tiefe Freude ist, und deshalb hat uns Sri Aurobindo gleich zu Anfang gewarnt, dass man in die Glückseligkeit nur kommen könne, wenn man über das Genießen hinausgegangen sei. Die Glückseligkeit ist genau der Zustand, der aus der Offenbarung dieser Wonne hervorgeht. Doch sie ist ganz das Gegenteil von allem, was man normalerweise Freude und Vergnügen nennt, und man muss diese vollkommen aufgegeben haben, um das andere bekommen zu können.