Kapitel 28

Raum und Zeit

„Andererseits nimmt er dieselbe Gottheit im wirkenden Bewusstsein und in der wirkenden Macht wahr, herausgestellt als eine sich selbst wahrnehmende Kraft, die alles in sich enthält und trägt und die beauftragt ist, es in der universalen Zeit und im universalen Raum zu manifestieren.“ (Sri Aurobindo, The Synthesis of Yoga)

Ja, das ist es, das ist genau das, was ich sagte: Auf eine Art ist es, als ob es nicht vorhanden wäre, und dann wird es „herausgestellt“, Sie macht so (Handbewegung), Sie stellt es nach vorn, und das wird sichtbar und existent, und dann, statt etwas gleichzeitig Existierendes zu sein, entwickelt es sich, wird offenbar in der Zeit und im Raum. Das sagt Sri Aurobindo, an diesem Punkt beginnt der Begriff von Zeit und Raum, weil es nicht mehr gleichzeitig ist.

…es ist dasselbe, das in sich existiert, nicht manifestiert, und das dann auf einmal so macht (wegschleudernde Handbewegung). Und es ist genau dasselbe, aber es ist eine Bewegung, die hervortreibt, was im Inneren war. Und das macht die Welt. Es ist dasselbe in einer doppelten Bewegung: wie wenn du schläfst und erwachst oder bewegungslos bist und anfängst, dich von der Stelle zu rühren, oder dich still verhältst und Lärm zu machen beginnst, so ist das. Im Inneren ist eine Bewegung, die alles in sich enthält, ohne irgendeinen Ausdruck dessen, was ist; und die andere Bewegung besteht eben gerade darin, so zu machen (die gleiche wegschleudernde Handbewegung), und alles, was in sich ist, kommt nach außen.

Und dann, damit das wahrnehmbar wird, ist eine Aufeinanderfolge nötig. Wenn es im Inneren ist, kann es gleichzeitig sein, weil es nicht manifestiert ist, da ist alles in einer Ewigkeit außerhalb von Zeit und Raum – unbewegt, nicht existent. In der anderen Richtung ist alles im Werden, und nun in einer ununterbrochenen Folge von Wahrnehmungen, die sich nacheinander im Raum und in der Zeit ausbreiten.

Und es ist dasselbe.

Es ist genau, als wenn du so bist (Bewegung des Sich-Abkapselns). und wenn du dann so machst (Bewegung des Sich-Öffnens) – und das, das geht nach außen. Diese beiden Bewegungen sind buchstäblich entgegengesetzt, aber es ist dasselbe in zwei entgegengesetzten Haltungen, die gleichzeitig sind: Das bleibt so (Handbewegung nach innen), und gleichzeitig ist es so (Handbewegung nach außen); das eine hebt das andere nicht auf, und es besteht gleichzeitig. Aber in der einen Richtung ist es nicht wahrnehmbar, weil es in sich selbst eingeschlossen ist, und in der anderen Bewegung ist es nach außen gestülpt, und da ist es zu sehen. Und wenn es in sich eingeschlossen ist, koexistiert es in vollkommener Gleichzeitigkeit; und in der anderen Bewegung enthüllt es sich in ständigem Werden. Und wenn es sich enthüllt, schafft es notwendig den Raum und die Zeit, während es dort außerhalb des Raums, außerhalb der Zeit und außerhalb jeglicher Wahrnehmung ist. Aber es ist dasselbe in zwei entgegengesetzten Bewegungen.

Und dies ist wahrhaft das, was ist.

So ist es. Und wenn es nach außen geht (Handbewegung nach außen), hört es nicht auf, innen zu sein (Handbewegung nach innen), das heißt, wenn es in sich eingeschlossen ist, hört es nicht auf, sich zu manifestieren, und wenn es sich manifestiert, hört es nicht auf, in sich selbst zu verharren. Anders ausgedrückt, es ist eine andauernde und gleichzeitige Dualität, doch es ist dasselbe, eine einzige Sache unter zwei entgegengesetzten Aspekten.

Wo beginnt die Zeit? Befindet sich das wählende Bewusstsein, sobald es eine Entfaltung gibt, in der Zeit?

Nein. Zeit ist eine Aufeinanderfolge. Du musst dir vorstellen können, dass das Höchste Bewusstsein vor der Vergegenständlichung Sich Seiner Selbst in Sich Selbst gewahr wird. Das ist eine globale, allumfassende und gleichzeitige Wahrnehmung, in der es keine Zeit gibt. Ebensowenig könnte man von „Raum“ sprechen, aus demselben Grund: weil alles zugleich vorhanden ist. Es ist etwas mehr; dies entspricht eher einem subjektiven Bewusstseinszustand als einem objektiven, denn das Ziel, der Beweggrund der Schöpfung ist die Vergegenständlichung. Doch gibt es eine erste Stufe dieser Vergegenständlichung, wo es ein volles, ein allumfassendes und gleichzeitiges Bewusstsein von allem gibt, was den Inhalt dieses Universums ausmachen wird; und dort ist das Universum vorher bestehend, doch nicht offenbart, und die Zeit beginnt mit der Vergegenständlichung.

Versuch dir nur einmal vorzustellen, dass du für einen Augenblick das Göttliche bist! Alles ist in dir. Du vergnügst dich einfach damit, es in einer bestimmten Ordnung hervorzubringen, aber für dich, in deinem Bewusstsein, ist alles gleichzeitig vorhanden. Es gibt da keine Zeit, weder Vergangenheit, noch Zukunft, noch Gegenwart – alles ist beisammen. Und alle möglichen Kombinationen. Das Göttliche ergötzt sich damit, eins ums andere herauszustellen, da, einfach so; und die armen Kerle unten, die nur ein kleines Stück erblicken, sehen das gewaltig groß und sagen: „Oh, das muss ein Irrtum sein!“ Wie denn? Bloß weil sie nur das wenig sehen.

Das ist klar, nicht wahr, das ist leicht zu verstehen. Dieser Begriff des Irrtums gehört zu Raum und Zeit.

Dies ist wie der Eindruck, dass eine Sache nicht gleichzeitig sein und nicht sein kann. Und dennoch ist es so, sie ist und sie ist nicht. Die Vorstellung von Raum und Zeit bringt die des Irrtums.

Wie meinst du das, dass eine Sache zugleich ist und nicht ist?

Sie ist, und zugleich gibt es ihr Gegenteil. Für uns dagegen kann es nicht zugleich Ja und Nein geben. Für den Herrn ist es immer Ja und Nein zur gleichen Zeit… Man muss nur fähig sein, aus der Vorstellung von Raum und Zeit herauszukommen, um zu begreifen…

Wenn man aufmerksam hinschaut, muss man annehmen, dass der Herr ein fantastisches Schauspiel für Sich Selbst veranstaltet! Dass die Manifestation ein Schauspiel ist, dass Er für Sich Selbst und mit Sich Selbst in Szene setzt.

Er nimmt den Standort des Betrachters ein, und Er schaut auf Sich Selbst. Und um Sich Selbst beobachten zu können, muss Er das Konzept von Raum und Zeit akzeptieren, sonst kann Er das nicht! Und unmittelbar beginnt die ganze Komödie. Aber es ist eine Komödie, nichts anderes.

Doch wir nehmen sie sehr ernst, weil wir Marionetten sind! Sobald wir jedoch aufhören, welche zu sein, können wir recht klar erkennen, dass es sich um eine Komödie handelt.

Für einige Menschen ist es auch eine echte Tragödie.

Ja, wir sind diejenigen, die es tragisch machen. Wir sind diejenigen, die es zu einer Tragödie machen.

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