Kapitel 8
Himmel und Hölle, geschaffen von Religionen
(Ein Kind) Kommen die Menschen nach dem Tod in die vitale Welt, doch die, die Gutes tun, in das Paradies?
Wo ist dein Paradies? Wer hat dich denn das gelehrt? Hat man dir vom Himmel, von der Hölle, vom Fegefeuer erzählt?
Meistens sagen das die Priester der Religionen den Gläubigen, um sie zu ermuntern, Gutes zu tun. Denn es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass das Leben für die Guten nicht leichter ist als für die Schlechten. Meistens ist es das Gegenteil: Die Schlechten haben mehr Erfolg als die Guten! Also sagen sich die Leute, die nicht sehr spirituell sind: „Warum soll ich mir Mühe geben, gut zu sein? Es ist besser, ich bin schlecht, und mein Leben ist leicht.“ Man kann ihnen nur sehr schwer klar machen, dass es mehrere Arten des Guten gibt und dass es sich manchmal doch lohnt, sich anzustrengen, um gut zu sein. Um das den weniger Intelligenten verständlich zu machen, sagt man ihnen: „Also, das ist ganz einfach. Wenn ihr recht gehorsam, recht lieb, recht selbstlos seid, wenn ihr immer gute Werke vollbringt und zudem an das Dogma glaubt, das wir euch lehren, dann also wird Gott euch in das Paradies schicken, wenn ihr sterbt. Seid ihr manchmal guten Willens und manchmal böswillig, tut ihr manchmal Gutes, manchmal auch nicht, denkt ihr viel an euch und sehr wenig an die anderen, schickt man euch, wenn ihr sterbt, ins Fegefeuer, damit ihr dort eine andere Erfahrung macht. Sodann, wenn ihr grundschlecht seid, wenn ihr den anderen die ganze Zeit Böses zufügt, wenn ihr alles mögliche Böse anstellt und euch um niemandes Wohl kümmert, und wenn ihr vor allem nicht an das Dogma glaubt, das wir euch lehren, dann kommt ihr direkt in die Hölle, und zwar für die Ewigkeit.“
Dies ist eine der schönsten Erfindungen, von denen ich je gehört habe: Sie haben die ewige Hölle erfunden. Das heißt, wenn man einmal in der Hölle ist, ist man es auf ewig. … Verstehst du, was das bedeutet, ewig? – Du wirst gefoltert und verbrannt – in den heißen Ländern wirst du verbrannt, in den kalten Ländern gefroren –, und zwar für die Ewigkeit. Da hast du‘s! Ich weiß nun nicht, wer dir diese netten Geschichten beigebracht hat. Das sind doch bloß Erfindungen, um die Leute zum Gehorsam zu bringen, um sie unter Kontrolle zu halten.
Es gibt Lehren, die nicht so sind. Manche Religionen sind nicht so. Nun, man kann immerhin poetisch, bildlich, bildhaft beschreibend von einem Himmel oder Paradies reden, denn mit diesem Himmel ist ein wunderbarer Ort gemeint, wo höchste Freude, höchstes Glück und größtmögliche Geborgenheit herrschen. … Und überdies kommt es auf die Religion an, zu der man gehört: Denn es gibt Himmel, wo man seine Zeit damit verbringt, das Lob Gottes zu singen – und man tut nichts anderes –, auf die Dauer muss das wohl etwas langweilig werden. Wie auch immer, man verbringt seine Zeit mit Musizieren und mit Singen zum Lobe Gottes. Umgekehrt genießt man in anderen Himmeln alle möglichen Freuden: Alles, was man sich im Leben gewünscht hat, bekommt man im Himmel. Es gibt Himmel, wo man ständig in glückseliger Meditation versunken ist – doch für Leute, die keinen großen Wert auf das Meditieren legen, muss das eher langweilig sein. Wie auch immer, man hat alles Mögliche erfunden, damit die Leute richtig Lust bekommen, artig zu sein und die Gesetze zu befolgen, die man ihnen gegeben hat.
Und die menschliche Vorstellungskraft ist so schöpferisch, so formgebend, dass es auf der Welt Orte gibt, die diesen Himmeln gleichen. Manche Orte dagegen sind wie diese Höllen und manche Orte wie diese Fegefeuer. Der Mensch erschafft völlig frei, was er sich vorstellt. Wenn es dir gelingt, dein Bewusstsein zu erleuchten, kannst du aus diesen Orten herausgezogen werden. Im anderen Fall bleibst du dort eingeschlossen, gefangen durch den Glauben, den du hattest, als du noch lebtest. Du wirst sagen, das entspreche doch einer Daseinsform, doch ist das ein völlig trügerisches und äußerst begrenztes Dasein. Wirklich ist das nur für die, die so denken. Sobald man anders denkt, existiert eins für einen nicht mehr. Man kann da herauskommen. Man kann von diesen Plätzen weggeholt werden und merkt dann plötzlich, dass man in seiner eigenen Formation eingeschlossen war.
Die Menschen haben eine außerordentliche Gestaltungskraft. Sie haben einen ganzen Komplex von Gottheiten nach ihrem Bilde geschaffen, die mit den gleichen Fehlern behaftet sind wie die Menschen und im Großen das tun, was Menschen auch tun, nur machtvoller. Diese Wesen haben eine relative Existenz, die freilich unabhängig ist, so wie unser Denken. Wenn du einen Gedanken, eine wohlgestaltete mentale Formation hast, die du aus dir herauslässt, wird sie eine unabhängige Wesenheit, und dann setzt sie ihren Weg fort und tut das, wofür sie geschaffen wurde. Unabhängig von dir setzt sie ihr Handeln fort. Daher muss man sich in acht nehmen. Wenn du eine solche Formation bildest und sie ist fort, ist sie deshalb fort, um ihr Werk zu verrichten. Und nach einer gewissen Zeit merkst du, dass es vielleicht nicht sehr glücklich war, so zu denken, dass diese Formation nicht sehr vorteilhaft war. Diese Formation wieder einzufangen ist sehr schwer. Du musst über ein beträchtliches okkultes Wissen verfügen. Sie ist fort und geht ihren Weg. Nehmen wir an, in einem Augenblick großer Wut, wenn du furchtbar zornig auf jemanden bist, sagst du: „Ach, wenn ihm nur ein Unglück zustieße!“ Deine Formation ist fort, und du hast keine Kontrolle mehr über sie. Sie geht und organisiert das eine oder andere Unglück. Sie tut das Ihrige. Und nach einiger Zeit geschieht dieses Unglück. Glücklicherweise hat man nicht genügend Kenntnis, um sich sagen zu können: „Ach, ich bin dafür verantwortlich!“ Aber das ist die Wahrheit.
Man muss dabei beachten, dass diese Formationskraft einen großen Vorteil hat, wenn man sich ihrer zu bedienen weiß. Du kannst gute Formationen bilden, und wenn du sie passend machst, wirken sie auf die gleiche Art wie die anderen. Du kannst den Menschen viel Gutes tun, vielleicht um ein Vielfaches mehr, wenn du einfach ruhig in deinem Zimmer sitzt, statt äußerlich viel Aufhebens zu machen. Wenn du korrekt, kraftvoll, intelligent und gütig denken kannst und du liebst jemanden und bist ihm ganz tief und aufrichtig, von ganzem Herzen zugetan, nutzt ihm das sehr, gewiss weitaus mehr, als du denkst. Ich habe es schon oft gesagt, besonders jenen, die hier sind: Sie erfahren, dass ein Familienmitglied sehr krank ist und wollen in ihrem kindlichen Impuls sofort dort hineilen, um den Kranken zu pflegen. Solange es sich nicht um einen außergewöhnlichen Fall handelt und niemand da ist, der sich um den Kranken kümmert – und sogar noch in diesem Fall –, du die richtige Geisteshaltung bewahren kannst und dich mit Zuneigung und gutem Willen auf den Kranken konzentrierst, wenn du für ihn beten und wohltätige Formationen zu bilden vermagst, tust du ihm weitaus mehr Gutes, als ihn zu pflegen und zu füttern und ihm beim Waschen zu helfen – all das, was jeder zu tun vermag. Jeder kann jemanden pflegen. Aber nicht jeder kann gute Formationen bilden und Kräfte aussenden, die heilsam sind.
Auf jeden Fall, und damit kommen wir wieder auf unseren Himmel zurück, ist er eine kindische Entstellung – aus Unwissenheit oder Diplomatie – von etwas in einem gewissen Sinne Wahrem, das sich aber ganz anders verhält… Wir haben in uns viele Seinszustände, und jeder Seinszustand hat sein Eigenleben. Dies alles ist in einem einzigen Körper vereinigt, solange man einen Körper hat und durch diesen einen Körper handelt. Dadurch bekommt man den Eindruck, das sei eine einzige Person, ein einziges Wesen. Doch sind es viele, und vor allem gibt es Konzentrationen auf verschiedenen Ebenen: Ebenso wie man ein physisches Wesen hat, hat man ein vitales Wesen, ein mentales Wesen, hat man ein seelisches Wesen und viele andere und alle möglichen Zwischenstufen. Doch ist das etwas kompliziert, du kannst es nicht verstehen. Angenommen, du lebst ein Leben voller Begierden, Leidenschaften und Triebe: Dann überwiegt in dir das vitale Wesen. Lebst du aber mit einer spirituellen Bemühung, mit einem starken guten Willen, mit dem Wunsch, Gutes in einer selbstlosen Weise zu tun, und einem Willen zum Fortschritt, dann überwiegt in dir das seelische Wesen. Wenn du nun deinen Körper verlässt, zerstreuen sich alle diese Wesen. Erst wenn man ein sehr fortgeschrittener Yogi und fähig ist, sein Wesen um das göttliche Zentrum zu vereinigen, bleiben diese Wesen miteinander verbunden. War man zu dieser Einung nicht imstande, wird das alles im Augenblick des Todes auseinandergehen: Jedes Wesen kehrt in seinen Bereich zurück. Was zum Beispiel das vitale Wesen betrifft, werden sich deine verschiedenen Wünsche trennen, und jeder eilt seiner Verwirklichung zu, ganz unabhängig, denn kein physisches Wesen hält sie mehr zusammen. Hast du aber dein Bewusstsein mit dem seelischen Bewusstsein vereint, bleibst du dir deines seelischen Wesens bewusst, wenn du stirbst, und das seelische Wesen kehrt in die seelische Welt zurück, die eine Welt der Glückseligkeit, der Freude, des Friedens, der Ruhe und eines wachsenden Wissens ist. Wenn du das einen Himmel nennen willst, ist es sehr gut. Denn es ist tatsächlich so: Je stärker du dich mit deinem seelischen Wesen identifizierst, umso bewusster wird es dir und umso enger bist du mit ihm verbunden. Es ist unsterblich, und es geht in seinen Bereich der Unsterblichkeit, um sich an einem Leben oder einer Ruhe vollkommenen Glücks zu erfreuen. Wenn du das als Paradies bezeichnen möchtest, so tue dies. Bist du gut, bist du dir des seelischen Wesens bewusst geworden und lebst du in ihm, nun, dann wirst du, wenn dein Körper stirbt, mit deinem seelischen Wesen im Zustand der Glückseligkeit in der seelischen Welt ausruhen.
Hast du aber im Vital gelebt mit all seinen Trieben, wird jeder Trieb versuchen, sich hier oder dort zu verwirklichen… Der Geizige zum Beispiel, der nur an sein Geld dachte: Wenn er stirbt, setzt sich der Teil seines Vitals, der am Geld interessiert war, dort fest und bleibt dort, um über das Geld zu wachen, damit es keiner nimmt. Die Leute sehen ihn nicht, dennoch ist er da und sehr unglücklich, wenn seinem geliebten Geld etwas zustößt. Eine Dame, mit der ich sehr gut bekannt war, besaß ein gewisses Vermögen und hatte Kinder. Es waren fünf Kinder, eines verschwenderischer als das andere. So sehr sie darauf geachtet hatte, sich ein Vermögen zu schaffen, so sehr schienen sie für dessen Vergeudung zu sorgen. Sie warfen damit um sich. Und als nun diese arme alte Dame starb, suchte sie mich auf und sagte: „Ach, jetzt verschwenden sie mein ganzes Geld!“ Und sie war ganz unglücklich. Ich konnte sie etwas trösten, hatte aber große Mühe, sie davon abzubringen, ihr Geld zu bewachen, dass es nicht verschwendet würde.
In den unsichtbaren Welten gibt es auch Bereiche, die das Ergebnis menschlicher Mentalformationen sind. Man kann da alles finden, was man will. Tatsächlich findet man sehr häufig gerade das, was man erwartet. Es gibt Höllen, es gibt Himmel, es gibt Fegefeuer. Da ist alles, je nach den verschiedenen Religionen und ihren Vorstellungen. Diese Dinge haben nur einen sehr relativen Bestand, ihre Bedingtheit entspricht aber den materiellen Dingen hier. Das heißt, für den, der sich dort befindet, sind sie durchaus wirklich, und ihre Wirkungen sind durchaus greifbar. Eine innere Befreiung, eine Ausweitung des Bewusstseins und ein Bezug zu einer tieferen und höheren Wahrheit ist nötig, um ihrer Scheinwirklichkeit entgehen zu können. Aber das entspricht nahezu dem, was hier passiert: Die Menschen sind zum größten Teil davon überzeugt, dass die einzige Wirklichkeit die physische Wirklichkeit ist – die Wirklichkeit dessen, was man berühren, was man sehen kann –, und für sie ist alles, was man nicht sehen, nicht berühren, nicht fühlen kann, im Grunde genommen problematisch. Ein ganz ähnliches Phänomen spielt sich dort ab. Die Menschen, die im Augenblick des Todes aus dem einen oder anderen Grund überzeugt sind, dass sie in einen Himmel oder auch in eine Hölle kommen, befinden sich dort nach ihrem Tod, und für sie ist es wirklich ein Himmel oder wirklich eine Hölle. Man hat die allergrößte Mühe, sie da wieder herauszubringen, damit sie an einen Ort gehen, der wahrer, wirklicher ist.
Weist Gott mir meinen Platz in der Hölle zu, wüsste ich nicht, warum ich nach dem Himmel trachten sollte. Er weiß am besten, was gut für mich ist. – Sri Aurobindo
Gibt es Himmel und Hölle?
Himmel und Hölle sind wirklich und unwirklich zugleich. Es gibt sie, und es gibt sie nicht.
Das menschliche Denken ist schöpferisch. Es verleiht der mentalen, der vitalen und sogar der feinstofflichen Substanz mehr oder weniger dauerhafte Formen. Diese sind eher Anschein als Wirklichkeit. Doch für jene, die sie denken, und noch mehr für jene, die daran glauben, haben sie ein genügend konkretes Dasein, um Wirklichkeit vorzutäuschen. Für die Gläubigen gewisser Religionen, die behaupten, es gebe eine Hölle, ein Paradies oder verschiedene Himmel, existieren diese Orte ganz objektiv, und bei ihrem Tod können sie für mehr oder weniger lange Zeit dorthin gehen. Doch handelt es sich dabei bloß um mentale Formationen ohne Dauer. Sie tragen nicht die ewige Wahrheit in sich.
Ich habe Himmel und Höllen gesehen, wohin einige Leute nach ihrem Tod gegangen sind, und es ist sehr schwer, ihnen verständlich zu machen, dass das nicht wahr ist. Einmal brauchte ich mehr als ein Jahr, um jemanden zu überzeugen, dass seine vermeintliche Hölle gar keine war, und ihn herauszuholen.
Die Hölle, von der Sri Aurobindo hier spricht, ist eher ein Bewusstseinszustand als ein Ort. Sie ist ein psychologischer Zustand, in den man sich selber versetzt.
Wie man einen Himmel beseligender Kommunion mit dem Göttlichen in sich tragen kann, kann man auch, wenn man nicht sorgsam die asurischen1 Züge in der eignen Natur zu meistern strebt, eine Hölle der Pein und der Trostlosigkeit in seinem Bewusstsein tragen.
Es gibt Augenblicke im Leben, wo alles um dich herum, Personen und Umstände, so dunkel, so widrig, so hässlich ist, dass dir jede Hoffnung auf eine höhere Verwirklichung schwinden will und die Welt unheilbar zu einer Nacht grausamen Hasses, blinden, hartnäckigen Unwissens und unverbesserlichen schlechten Willens verurteilt scheint. Dann kann man mit Sri Aurobindo sagen: „Gott hat mir einen Platz in der Hölle zugewiesen.“ Und mit ihm muss man auch, unter allen Umständen, wie furchtbar sie auch scheinen mögen, in der friedvollen Freude der völligen Hingebung an das Göttliche bleiben und in aller Aufrichtigkeit zum Herrn sagen: „Dein Wille geschehe.“
1 Von den Asuras, feindliche Wesen der mentalisierten Vitalebene.
Kapitel 9
Die Idee der Entsagung und des Nirvana in den Religionen
Diese Einstellung findet man überall auf der Welt, nach Ländern und Religionen verschieden formuliert, und als Reaktion auf die Unwissenheit dieser Einstellung habe ich geschrieben: „Allein eine Macht, die größer ist als die des Bösen, kann den Sieg erringen. Es ist kein gekreuzigter, sondern ein verherrlichter Körper, der die Welt retten wird.“ (CWM Vol. 15, p. 172) Natürlich kommt dieselbe Vorstellung auch in Indien vor, diese Idee des vollständigen Entsagens aller physischen Realität, die tiefe Verachtung für die materielle Welt, die als Illusion und Lüge angesehen wird. Sie lässt, wie Sri Aurobindo immer sagte, der unumschränkten Gewalt der feindlichen Kräfte freie Bahn. Wenn du dich aus der konkreten Realität davonmachst, um eine abstrakte und ferne Wirklichkeit zu suchen, überlässt du das ganze Feld konkreter Realisation der Disposition der feindlichen Kräfte – die sich ihrer bemächtigt haben und sie jetzt mehr oder weniger beherrschen –, um das zu verwirklichen, was Sri Aurobindo hier eine Null oder eine leere Einheit nennt – um also Herrscher über ein Nichts zu werden. Es ist die Rückkehr in das Nirvana. Diese Idee lebt überall auf der Welt, doch in unterschiedlichen Ausdrucksformen.
Der Grund liegt darin, dass man bis dahin dem Bösen mit Schwäche begegnet ist, mit einer spirituellen Kraft ohne jede Macht zur Transformation der materiellen Welt, so dass diese gewaltige Bemühung des guten Willens in einem kläglichen Misserfolg endete und sie die Welt in demselben Zustand des Elends, der Korruption und Falschheit gelassen hat. Man muss auf derselben Ebene wie jener, auf der die feindlichen Kräfte herrschen, eine größere Macht als sie haben, die imstande ist, sie in diesem Bereich vollkommen zu besiegen. Anders ausgedrückt, eine spirituelle Kraft, die in der Lage wäre, beides umzuwandeln, das Bewusstsein und die materielle Welt. Diese Kraft ist die supramentale Kraft. Dazu ist es notwendig, auf der physischen Ebene für ihr Wirken empfänglich zu sein und nicht in ein fernes Nirvana zu flüchten und dem Feind die unumschränkte Vollmacht über das Preisgegebene zu überlassen.
Weder Opfer noch Verzicht noch Schwäche können den Sieg erringen. Nur die Wonne kann es, eine Freude, die Kraft ist, die Ausdauer ist, die höchster Mut ist – die Wonne, die von der supramentalen Kraft kommt. Das ist weitaus schwieriger, als alles im Stich zu lassen und davonzulaufen. Es erfordert einen unendlich viel größeren Heldenmut – doch es ist die einzige Möglichkeit zu siegen.
Die ganze Schöpfung, diese ganze universelle Manifestation, erscheint allenfalls wie ein sehr schlechter Scherz, wenn man nur soweit kommen sollte. Warum anfangen, wenn es nur deshalb geschieht, um wieder auszusteigen! Was nützt es, soviel gekämpft, soviel gelitten, etwas geschaffen zu haben, das – zumindest in seiner äußeren Erscheinung – so tragisch und dramatisch ist, wenn es nur deshalb geschah, um uns beizubringen, wie man da wieder hinauskommt [und in das Nirvana eingeht]. Es wäre besser gewesen, gar nicht erst anzufangen.
Doch wenn man den Dingen ganz auf den Grund geht, wenn man sich nicht nur ohne allen Egoismus, sondern auch ohne Ego total gibt, ohne Vorbehalt, auf so vollständige und so uneigennützige Weise, die einen die Absicht des Herrn erkennen lässt, dann weiß man, dass die Schöpfung kein schlechter Scherz ist, dass die Schöpfung kein gewundener Weg ist, auf dem man, ein wenig angeschlagen, zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Ganz im Gegenteil geschieht es, um die gesamte Schöpfung in der Wonne des Seins, in der Schönheit des Seins, in der Größe des Seins, in der Majestät eines erhabenen Lebens zu unterweisen und sie die immerwährende, ständig fortschreitende Entwicklung dieser Wonne, dieser Schönheit, dieser Größe zu lehren. Dann hat alles einen Sinn, dann gibt es kein Bedauern mehr darüber, dass man gekämpft und gelitten hat. Man ist nur noch von dieser Begeisterung erfüllt, das göttliche Ziel zu verwirklichen, und man stürzt sich kopfüber in die Verwirklichung mit der Gewissheit des Zieles und des Sieges.
Kapitel 10
Der Unterschied zwischen Moralität und Spiritualität
Es gibt einen großen Unterschied zwischen Spiritualität und Moralität, zwei Dinge, die stets verwechselt werden. Das spirituelle Leben, das Leben des Yoga, strebt nach einem Wachstum, das zur Einswerdung mit dem göttlichen Bewusstsein führt, und es bewirkt, dass das, was in jedem von uns ist, geläutert, gestärkt, verklärt und vervollkommnet wird. Es gibt uns das Vermögen, das Göttliche zu offenbaren. Es hebt den Charakter jeder Persönlichkeit zu ihrem vollen Wert und bringt sie zu ihrem größtmöglichen Ausdruck. Denn dies gehört zum Göttlichen Plan. Die Moral hingegen verfährt nach einem Gedankengebäude und stellt mit einer Anzahl Prinzipien, was gut sei und was nicht, einen Idealtyp auf, dem jeder gleichen soll. Dies moralische Vorbild ist im Einzelnen und als Ganzes und je nach Zeit und Ort verschieden. Und dennoch behauptet es immer, einzigartig zu sein, ein kategorisches Absolutes. Es lässt außer sich nichts anderes gelten, ja nicht einmal eine Abweichung in sich selbst. Alle Menschen müssen in die Gussform eines einzigen Ideals gezwängt werden, alle einheitlich und ohne Ausnahme gleichgemacht werden. Weil die Moral ihrer Natur nach so starr und unwirklich ist, ist sie in ihrer Wirkung das grundsätzliche Gegenteil des spirituellen Lebens. Zwar enthüllt das spirituelle Leben in allen das eine Wesen, doch ebenso auch dessen unendliche Vielfalt. Es arbeitet an der Vielfalt in der Einheit und an der Vervollkommnung in dieser Vielfalt. Die Moral errichtet ein künstliches Modell, das der Mannigfaltigkeit des Lebens und der Freiheit des Geistes widerspricht. Sie schafft etwas unveränderlich und beschränkt Mentales und verlangt von allen, sich anzupassen. Alle sollen sich bemühen, dieselben Eigenschaften und dieselbe ideale Natur zu erwerben. Moral ist nicht göttlich und kommt nicht vom Göttlichen. Sie ist Menschenwerk und nichts als menschlich. Sie gründet sich auf eine starre Trennung zwischen Gut und Böse. Doch das ist eine willkürliche Vorstellung. Sie nimmt relative Dinge und will sie als etwas Absolutes aufzwingen. Doch dies Gute und Böse ist je nach Klima, Epoche und Land verschieden. Gewisse moralische Vorstellungen besagen sogar, es gäbe gute und böse Begierden, die einen müsse man annehmen und die anderen ablehnen. Das spirituelle Leben aber heißt uns alle Begierden abzuweisen. Es ist sein Gesetz, alle Regungen auszuschließen, die uns vom Göttlichen entfernen können. Du musst sie verwerfen, nicht weil sie an sich schlecht wären – denn sie mögen für einen anderen und in einer anderen Sphäre gut sein –, sondern weil sie zu den unwissenden und unerleuchteten Triebkräften gehören, die den Weg zum Göttlichen verstellen. Alle Begierden, gute und schlechte, gehören zu dieser Sorte, denn jegliche Begierde stammt aus einem dunklen und unwissenden Vital. Umgekehrt musst du alle Regungen annehmen, die dich dem Göttlichen näherbringen. Du nimmst sie an, nicht weil sie an sich gut wären, sondern weil sie dich zum Göttlichen führen. Nimm daher alles an, was dich zum Göttlichen bringt, weise alles zurück, was dich vom Göttlichen entfernt. Sage nicht, dies ist gut und jenes ist schlecht, und versuche nie, deinen Gesichtspunkt anderen aufzudrängen, denn der Weg der anderen mag vom deinigen sehr verschieden sein. Was du schlecht nennst, kann für deinen Nachbarn, der sich nicht um das Göttliche Leben bemüht, sogar ganz ausgezeichnet sein.
Im Allgemeinen spricht man von moralischer Vollkommenheit dann, wenn man alle Eigenschaften hat, die als moralische Eigenschaften angesehen werden: keine Fehler haben, sich nie irren, nie Fehler machen, immer das sein, was man sich als das Beste vorstellt, alle Tugenden besitzen. Das heißt die höchste mentale Konzeption zu verwirklichen: alle Qualitäten – und es gibt viele davon –, alle Tugenden, alles, was der Mensch sich vorgestellt hat, um das Schönste, Edelste, Wahrhaftigste zu sein, und das ganzheitlich zu leben, um alle seine Handlungen davon leiten zu lassen, alle Regungen, alle Reaktionen, alle Gefühle, alles. … Dies bedeutet, ein sittliches Ideal von Vollkommenheit zu leben. Dieses Ideal ist das Höchste in der mentalen Evolution der Menschheit.
Es gibt nicht viele Menschen, die das tun. … Immerhin, es hat welche gegeben, und es gibt noch welche! Meistens halten die Menschen dies für das spirituelle Leben. Wenn man einem solchen Menschen begegnet, sagt man: „Oh, er ist ein großer spiritueller Mensch.“ Er mag ein großer Heiliger sein, er mag ein großer Weiser sein, aber er ist kein spiritueller Mensch.
Und doch ist es etwas sehr Gutes, und es ist sehr schwer zu verwirklichen! Es kommt ein Augenblick in der inneren Entwicklung, wo es absolut notwendig ist zu versuchen, das zu verwirklichen. Es ist offensichtlich demjenigen unendlich überlegen, der noch von all seinen unwissenden äußeren Impulsen und Reaktionen geleitet wird. Das bedeutet bereits, in gewisser Weise Meister seiner Natur zu sein. Es ist sogar eine Phase, durch die man hindurch muss, weil es eine Zeit ist, in der man allmählich sein Ego meistern lernt, wo man bereit ist, es fallen zu lassen – es ist noch da, aber genügend geschwächt, dass sein Ende nahe ist. Es ist die letzte Etappe, bevor man auf die andere Seite hinübergeht, und wenn man sich einbildete, man könnte auf die andere Seite hinübergehen, ohne diese Etappe durchschritten zu haben, würde man sich mit Sicherheit der Gefahr einer großen Täuschung aussetzen und riskieren, vollkommene Freiheit für eine völlige Schwäche vor seiner niederen Natur zu halten.
Es ist fast unmöglich, vom mentalen Wesen – selbst vom vollkommensten und hervorragendsten – zum wahren spirituellen Leben überzugehen, ohne eine Zeitlang, und sei sie noch so kurz, dieses Ideal moralischer Vollkommenheit verwirklicht zu haben. Viele versuchen, den Weg abzukürzen, und wollen ihre innere Freiheit behaupten, bevor sie alle Schwächen ihrer äußeren Natur überwunden haben – sie begeben sich in große Gefahr: sich selbst zu betrügen. Das wahre spirituelle Leben, die totale Freiheit, ist etwas viel Höheres als die höchsten moralischen Verwirklichungen, aber man muss aufpassen, dass diese sogenannte Freiheit nicht ein Sich-gehen-lassen und eine Verachtung aller Regeln ist.
Man muss höher, immer höher, immer noch höher gehen, nicht weniger als das, was die Erhabensten der Menschheit vollbracht haben.
Man muss spontan alles sein können, was in der Vorstellung der Menschheit das Höchste, Schönste, Vollkommenste, Uneigennützigste, Umfassendste und Beste ist, bevor man die spirituellen Flügel öffnet und dies alles von oben betrachtet als Dinge, die noch zum individuellen Ego gehören, und um in die eigentliche Spiritualität einzutreten, die keine Grenzen mehr kennt, die in ganzheitlicher Weise das Unendliche und das Ewige lebt.
Kapitel 11
Ist Sri Aurobindos Lehre eine neue Religion?
Viele sagen, die Lehre Sri Aurobindos sei eine neue Religion. Würdest du auch sagen, sie sei eine Religion?
Die das sagen sind Dummköpfe, die nicht einmal wissen, wovon sie reden. Es genügt, alles zu lesen, was Sri Aurobindo geschrieben hat, um zu wissen, dass es unmöglich ist, eine Religion auf seinem Werk zu begründen, weil er alle Aspekte für jedes Problem, für jede Frage darstellt und die in jeder Sichtweise enthaltene Wahrheit aufzeigt. Und er erklärt, dass man eine Synthese leisten muss, die alle mentalen Begriffe übersteigt, und man in einer Transzendenz jenseits des Denkens auftauchen muss, um die Wahrheit zu erreichen.
Der zweite Teil deiner Frage hat also keinen Sinn. Hättest du im Übrigen gelesen, was im letzten Bulletin1 erschienen ist, hättest du die Frage nicht stellen können.
Ich wiederhole: Wenn wir von Sri Aurobindo sprechen, kann von Lehre nicht die Rede sein, ja nicht einmal von Offenbarung, sondern von einem Wirken des Höchsten, und darauf kann keine Religion begründet werden.
Doch die Menschen sind so verrückt, dass sie alles zu einer Religion machen können, so sehr benötigen sie einen Rahmen für ihr enges Denken und ihr begrenztes Handeln. Sie fühlen sich erst sicher, wenn sie behaupten können: Dies ist wahr und jenes nicht. Aber solch eine Aussage ist jedem unmöglich, der Sri Aurobindo gelesen und begriffen hat. Religion und Yoga gehören nicht zur gleichen Ebene des Seins, und das spirituelle Leben kann nur dann in seiner ganzen Reinheit bestehen, wenn es von allem mentalen Dogma frei ist.
Der Entwurf eines Studienprojekts „Über die spirituelle Geschichte Indiens“ wurde der Mutter vorgelesen. Sie kommentierte:
Ihr versucht, die Kontinuität der Geschichte zu zeigen, mit Sri Aurobindo als Konsequenz, dem Höhepunkt. Das ist völlig falsch. Sri Aurobindo gehört nicht zur Geschichte; er steht außerhalb und über der Geschichte.
Bis zur Geburt von Sri Aurobindo konzentrierten sich Religionen und spirituelle Disziplinen immer auf vergangene Figuren, und sie zeigten als „das Ziel“ die Negation des Lebens auf Erden. Sie hatten also die Wahl zwischen zwei Alternativen: entweder
– ein Leben in in dieser Welt mit ihren vielen kleinen Vergnügungen und Qualen, Freuden und Leiden, bedroht von der Hölle, wenn man sich nicht richtig benimmt, oder
– eine Flucht aus dieser Welt in eine andere Welt, in einen Himmel, ein Nirvana, moksha, in die Befreiung…
Zwischen diesen beiden gibt es nicht viel zu wählen, sie sind gleichermaßen schlecht.
Sri Aurobindo hat uns gesagt, dass dies ein grundlegender Fehler war, der die Schwäche und Entwürdigung Indiens erklärt. Buddhismus, Jainismus, Illusionismus reichten aus, um alle Lebenskraft aus dem Land zu verbannen.
Es ist wahr, dass Indien der einzige Ort auf der Welt ist, der sich noch immer bewusst ist, dass es etwas anderes als Materie gibt. Die anderen Länder haben das ganz vergessen: Europa, Amerika und anderswo… Deshalb hat Indien immer noch eine Botschaft zu verkünden und der Welt zu vermitteln. Aber im Moment planscht und badet Indien im Durcheinander.
Sri Aurobindo hat gezeigt, dass die Wahrheit nicht darin liegt, vor dem irdischen Leben wegzulaufen, sondern in ihm zu bleiben, es zu wandeln, zu vergöttlichen, damit sich das Göttliche hier manifestieren kann, in dieser stofflichen Welt.
1 „Was Sri Aurobindo in der Weltgeschichte repräsentiert, ist keine Lehre, nicht einmal eine Offenbarung; es ist ein entscheidendes Wirken unmittelbar vom Höchsten.“ (Bulletin, April 1961, S. 169)
Kapitel 12
Die Zukunft der Religionen
Diese Konzeption wurde von Sri Aurobindo formuliert, und auch ich habe sie des öfteren geäußert. Man kann sie ungefähr so formulieren: Die alte Spiritualität war eine Flucht aus dem Leben in die göttliche Wirklichkeit, indem man die Welt da ließ, wo sie und wie sie war. Unsere neue Vision dagegen ist eine Vergöttlichung des Lebens, eine Umwandlung der materiellen Welt in eine göttliche Welt. Das wurde gesagt, wiederholt und mehr oder weniger verstanden, kurz: Das ist die Grundidee dessen, was wir tun wollen. Doch könnte das nur eine Weiterführung mit einer Verbesserung sein, eine Ausweitung der alten Welt, so wie sie war – und solange es nur eine Konzeption in der Sphäre des Denkens ist, ist es kaum mehr als das. Was aber tatsächlich geschehen ist, das wirklich Neue: dass eine neue Welt geboren ist, geboren, geboren. Nicht die alte Welt wandelt sich, sondern eine neue Welt ist geboren. Wir sind mitten in dieser Übergangsperiode, in der die beiden ineinander verschränkt sind, in der die andere noch allmächtig andauert und ganz das normale Bewusstsein beherrscht, die neue jedoch hereinschlüpft, sehr bescheiden noch, unbemerkt – so unbemerkt, dass sie äußerlich vorerst nicht viel durcheinanderbringt und im Bewusstsein der meisten nicht einmal wahrnehmbar ist. Und doch arbeitet sie, wächst sie. Bis zu dem Augenblick, wo sie stark genug sein wird, um sich deutlich sichtbar durchzusetzen.
Auf jeden Fall kann man vereinfachend sagen, dass die alte Welt, eine Schöpfung des Obermentals, wie Sri Aurobindo es nennt, auf eine charakteristische Weise ein Zeitalter der Götter war und daher das Zeitalter der Religionen. Die Blüte, wie gesagt, der Anstrengung des Menschen zu dem hin, was ihm überlegen war, hat zum Entstehen unzähliger religiöser Formen geführt, zu einer religiösen Verbindung zwischen den Elite-Seelen und der unsichtbaren Welt. Und auf dem Höhepunkt von alledem, wie eine Bemühung auf eine höhere Verwirklichung zu, ist diese Idee der Einheit der Religionen entstanden, von diesem „Einzigen“, das hinter allen Manifestationen steht. Diese Idee war sozusagen wirklich die Gipfelhöhe der menschlichen Aspiration. Nun, sie liegt an der Grenze, sie ist etwas, das noch vollständig zur obermentalen Welt, zur obermentalen Schöpfung gehört und von dort aus das „andere“ zu betrachten scheint, das eine neue Schöpfung ist, die sie nicht ergreifen kann – die sie zu erreichen versucht, die sie ahnt, aber nicht ergreifen kann. Um sie zu ergreifen, ist eine Umkehrung notwendig. Man muss aus der obermentalen Schöpfung hinaus. Die neue Schöpfung, die supramentale Schöpfung, musste deshalb stattfinden.
Und jetzt kommt einem all dieses Alte so alt, so überholt, so willkürlich vor … als eine solche Kostümierung der wirklichen Wahrheit.
In der supramentalen Schöpfung gibt es keine Religionen mehr. Das ganze Leben wird der Ausdruck, die Entfaltung in den Formen der göttlichen Einheit sein, die sich in der Welt manifestiert. Und es wird nicht mehr das geben, was die Menschen jetzt Götter nennen.
Diese großen göttlichen Wesen werden selbst an der neuen Schöpfung teilnehmen können. Aber dazu müssen sie sich mit „der supramentalen Substanz“, wie wir es nennen können, auf der Erde bekleiden. Und wenn es welche gibt, die sich dafür entscheiden, in ihrer Welt zu bleiben, so wie sie sind, wenn sie beschließen, sich nicht physisch zu manifestieren, wird die Beziehung zu den Wesen einer irdischen supramentalen Welt eine Beziehung von Freunden sein, von Mitarbeitern, von gleich zu gleich, da sich ja in den Wesen der neuen supramentalen Welt auf der Erde die höchste göttliche Substanz offenbaren wird.
Wenn die physische Substanz supramentalisiert wird, ist die Verkörperung auf der Erde nichts Untergeordnetes mehr, ganz im Gegenteil. Man wird eine Fülle gewinnen, die man nicht anders erreichen kann.
Aber das ist alles noch Zukunftsmusik. Es ist eine Zukunft, die begonnen hat, die jedoch eine gewisse Zeit braucht, um sich vollständig zu verwirklichen. Währenddessen sind wir in einer ganz besonderen, äußerst speziellen Situation, die keinen Präzedenzfall hat. Wir erleben die Entstehung einer neuen, ganz jungen, ganz schwachen Welt mit – schwach nicht in ihrer Substanz, sondern in der äußeren Manifestation –, noch nicht anerkannt, nicht einmal gespürt, von den meisten geleugnet. Aber sie ist da.