Kapitel 1

Was ist Spiritualität?

Das Ziel von Sri Aurobindos Lehre besteht nicht darin, irgendeine Religion weiterzuentwickeln oder die älteren Religionen zu verschmelzen oder gar eine neue Religion zu gründen – denn all dies würde nur von seinem zentralen Anliegen wegführen. Das eine Ziel seines Yoga ist eine innere Selbstentfaltung, durch die jeder, der ihm nachgeht, mit der Zeit das Eine Selbst in allem entdecken und ein über das Mental hinausgehendes Bewusstsein entwickeln kann – ein spirituelles und supramentales Bewusstsein, das die menschliche Natur umwandeln und vergöttlichen wird.

Spiritualität ist nicht hohe Intellektualität, nicht ein Idealismus oder eine ethische Wendung des Mentals, auch keine moralische Reinheit und Sittenstrenge. Sie ist weder Religiosität noch feuriger Enthusiasmus oder übertriebene Glut der Gefühle und nicht einmal alle diese ausgezeichneten Dinge zusammen. Eine mentale Überzeugung, ein Dogma oder Glaubensbekenntnis, ein hohes emotionales Streben, eine Ordnung des Verhaltens nach einer religiösen oder ethischen Formel – das alles ist noch keine Errungenschaft oder Erfahrung des Geistes. Für Mental und Leben sind diese Dinge von hohem Wert. Als vorbereitende Bewegungen, die der Natur des Menschen zu Disziplin und Reinheit oder zu einer rechten Gestaltung verhelfen, sind sie für die spirituelle Entwicklung als solche wertvoll. Sie gehören aber noch der mentalen Entwicklung an. Spirituelle Verwirklichung, Erfahrung und Umwandlung haben damit noch nicht begonnen. Ihrem Wesen nach ist Spiritualität ein Erwachen zur inneren Wirklichkeit unseres Wesens, zu Geist, Seele, dem Selbst der Seele, zu etwas, das anders ist als unser Mental, Leben und Körper. Es ist das innere Streben, Jenes zu erkennen, zu fühlen und zu sein, in Kontakt mit der höheren Wirklichkeit zu kommen, die jenseits von uns ist, die das Universum durchdringt, die aber auch unser eigenes Wesen bewohnt, mit Ihr in Kommunion zu kommen und in Einung mit Ihr zu sein, unser ganzes Leben dort hinzuwenden, es umzuwandeln, zu transformieren als Ergebnis dieses Strebens, dieses Kontakts und der Einung. Es ist ein Emporwachsen oder Erwachen zu einem neuen Werden oder neuen Wesen, einem neuen Selbst und einer neuen Wesensart.

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