Kapitel 8

Dynamischer Gleichmut

Unser gesamtes dynamisches Wesen handelt unter dem Einfluss verschiedenster Impulse, den Manifestationen der niederen unwissenden Natur. Diesen Antrieben gehorchen wir teilweise, beherrschen sie oder erlegen ihnen den verwandelnden oder abändernden Einfluss unserer Vernunft, unseres verfeinernden ästhetischen Sinnes, Mentals und unserer regulierenden ethischen Vorstellungen auf. Ein Wirrwarr von richtiger und falscher, nützlicher und schädlicher, harmonischer oder ungeordneter Aktivität ist das Ergebnis unserer Bemühung, – ein wechselnder Grad menschlicher Vernunft und Unvernunft, Laster und Tugend, Ehre und Unehre, Edlem und Unedlem, der von Menschen akzeptierten und abgelehnten Dinge, des großen Problems der Selbst-Akzeptanz und Selbst-Ablehnung oder der Selbstgerechtigkeit und Abneigung, Scham, Reue und moralischer Depression. – Diese Dinge sind zweifellos zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr notwendig für unsere spirituelle Entwicklung. Aber der Sucher einer größeren Vollkommenheit wird sich von all diesen Dualitäten zurückziehen, sie unparteiisch betrachten und durch Gleichmut zu einer wertneutralen und universalen Aktion des dynamischen Tapas, der spirituellen Kraft, gelangen, in der seine eigene Kraft und seine eigener Wille in reine und gerechte Instrumente eines größeren ruhigen Geheimnisses göttlichen Wirkens verwandelt werden. Die gewöhnlichen mentalen Maßstäbe werden auf der Basis dieser dynamischen Gelassenheit überschritten werden. Das Auge seines Willens muss hinausschauen zu einer Reinheit göttlichen Seins, einer Triebfeder göttlicher Willenskraft, von göttlichem Wissen geleitet, deren Motor, yantra, seine vervollkommnete Natur sein wird. Das wird notgedrungen solange unmöglich bleiben, wie das dynamische Ego mit seiner Unterwerfung unter die emotionalen und vitalen Impulse und die Präferenzen des persönlichen Urteils sein Handeln behindert. Ein perfekter Gleichmut im Willen ist die Macht, die diese Knoten der niederen Handlungsmotive auflöst. Dieser Gleichmut wird nicht auf die niederen Impulse reagieren, sondern Ausschau halten nach einem größeren, klarsehenden Impuls des Lichtes jenseits des Mentals. Er wird nicht mit intellektuellem Urteil bemessen und beherrschen, sondern auf Erleuchtung und Führung durch eine höhere Stufe der Vision warten. Wenn sich diese Gleichmütigkeit zu einem supramentalen Sein erhebt und sich innerlich zur spirituellen Größe weitet, wird die dynamische Natur wie die emotionale und pranische verwandelt, spiritualisiert und zu einer Kraft der göttlichen Natur werden. Es wird viel Straucheln, Irrtum und Unvollkommenheit bei der Anpassung der Instrumente an ihre neue Arbeitsweise geben, aber die immer gleichmütigere Seele wird darüber nicht übermäßig verstört oder bekümmert sein, denn – der Führung durch das Licht und die Macht im Selbst und oberhalb des Mentals hingegeben – wird sie auf ihrem Weg mit festem Vertrauen voranschreiten und mit wachsender Ruhe die Wechselfälle und die Vollendung des Transformationsprozesses erwarten. Das Versprechen des Göttlichen Wesens in der Gita wird der Anker seines Entschlusses sein: „Gib jedes Dharma auf und nimm Zuflucht allein in Mir; Ich werde dich von aller Sünde und allem Bösen befreien; trauere nicht.“

Der gesamte Lauf der Natur wird – zu ihrer Selbsterfahrung – auf der Oberfläche zu einem Steigen und Fallen von Wellen, ohne dass ihr innerer unermesslicher Frieden, ihre weite Freude, ihre gewaltige universale Gelassenheit oder grenzenlose Gott-Existenz gestört werden.