Kapitel 7

Gleichmut des Herzens

Ein freies Herz… ist ein von den Böen und Stürmen der Neigungen und Leidenschaften befreites Herz; die Angriffe von Kummer, Grimm, Hass, Furcht, Erschütterungen der Liebe, Mühen der Freude und Schmerzen der Sorge fallen vom gleichmütigen Herzen ab und lassen es weit, ruhig, gelassen, leuchtend und göttlich zurück. Diese Dinge sind in der grundlegenden Natur des Wesens nicht vorherrschend, sondern sind Schöpfungen der gegenwärtigen Art unserer äußeren aktiven mentalen und vitalen Natur und ihrer Transaktionen mit ihrer Umgebung. Das Ego-Gefühl, das uns veranlasst, als separate Wesen zu handeln, die ihre isolierten Ansprüche und Erfahrungen zum Test der universalen Werte machen, ist für diese Verirrungen verantwortlich. Wenn wir in Einheit mit dem Göttlichen in uns selbst und mit dem Geist des Universums leben, fallen diese Unvollkommenheiten von uns ab und verschwinden in der ruhigen und gleichmütigen Stärke und Freude des inneren spirituellen Seins. Jenes ist immer in uns und verwandelt die äußeren Kontakte, bevor sie uns nach einer Passage durch eine feine psychische Seele in uns, die das verborgene Instrument seiner Seinsfreude ist, erreichen. Durch den Gleichmut des Herzens kommen wir los von der unruhigen Wunschseele auf der Oberfläche, öffnen die Tore dieses tieferen Wesens, bringen seine Antworten hervor und erlegen ihre wahren göttlichen Werte allen Dingen auf, die unser emotionales Wesen bedrängen. Ein freies, glückliches, gleichmütiges und allumarmendes Herz spirituellen Fühlens ist die Folge dieser Vervollkommnung.

Auch in dieser Vervollkommnung gibt es keine strenge asketische Unempfindlichkeit, keine unnahbare spirituelle Gleichgültigkeit oder eine erzwungene schroffe Selbstunterdrückung. Sie ist keine Abtötung der emotionalen Natur, sondern eine Transformation. Alles, was sich hier in unserer äußeren Natur in verdrehter oder unvollkommener Form präsentiert, hat eine Bedeutung und einen Nutzen, die sichtbar werden, wenn wir zur größeren Wahrheit göttlichen Seins zurückkehren. Liebe wird nicht zerstört, sondern vervollkommnet, zu ihrer höchsten Möglichkeit erweitert und ihrem spirituellen Entzücken vertieft, zur Liebe Gottes, Liebe zu den Menschen und Liebe zu allen Dingen, als seien sie wir selbst und Wesen und Kräfte des Göttlichen. Eine weite, universelle Liebe, gar nicht unfähig zu Verschiedenartigkeit, wird die fordernde, egoistische, selbstbezogenen Liebe zu kleinen Freuden und Kümmernissen und hartnäckigen Ansprüchen mit all ihren wechselhaften Mustern aus Ärger, Eifersucht und Befriedigung, Hetzen nach Einheit und Regungen von Müdigkeit, Trennung und Abschottung, denen wir jetzt so einen hohen Wert beimessen, ersetzen. Trauer wird aufhören zu existieren, aber eine universale, unparteiische Liebe und Sympathie werden ihren Platz einnehmen: nicht leidendes Mitgefühl, sondern eine Macht, die selber befreit ist, wird stark sein zu erhalten, helfen und zu befreien. Dem freien Geist sind Zorn und Hass unmöglich, aber nicht die starke Rudra-Energie des Göttlichen, welche ohne Hass kämpfen und ohne Zorn vernichten kann, weil sie sich immer bewusst ist, dass die Dinge, die sie zerstört, Teile ihrer selbst sind, ihre eigenen Manifestationen. Ihre Sympathie und ihr Verstehen derjenigen, in denen diese Manifestationen verkörpert sind, sind deshalb unverändert. Unsere ganze emotionale Natur wird diese hohe befreiende Transformation durchlaufen; aber damit ihr dies gelingt, ist ein völliger Gleichmut die zielführende Bedingung.

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