Kapitel 3
Hölle, Himmel und Geister
Worte Sri Aurobindos
Hölle und Himmel sind meist Phantasiegebilde der Seele oder vielmehr des vitalen Wesens, die es nach seinem Abscheiden um sich aufbaut. Mit Hölle ist ein schmerzhafter Durchgang durch die vitale Welt gemeint oder ein Verweilen dort, wie zum Beispiel in vielen Fällen von Selbstmord, wo einen die Kräfte des Leidens und Aufruhrs, die durch diesen unnatürlichen und gewaltsamen Abgang geschaffen wurden, weiterhin umgeben. Natürlich sind auch die Welten des Mentals und die vitalen Welten mit freudigen oder dunklen Erfahrungen durchsetzt. Man kann diese als das Ergebnis von Dingen betrachten, die in der menschlichen Natur geformt wurden und die eine zwangsläufige Anziehung schaffen – die Idee einer Belohnung oder Vergeltung hingegen ist eine unreife und gewöhnliche Vorstellung, die auf einem weit verbreiteten Irrtum beruht.
Worte Sri Aurobindos
Was meinst du mit einem Geist? Das Wort „Geist“, wie es in der Umgangssprache gebraucht wird, umfasst eine große Zahl von bestimmten Phänomenen, die in keinem Zusammenhang miteinander stehen. Einige davon seien hier angeführt:
1. Ein tatsächlicher Kontakt mit der Seele eines verstorbenen Menschen in seinem feinstofflichen Körper, der auf unser Mental durch das Erscheinen eines Bildes oder das Hören einer Stimme übertragen wird.
2. Ein mentales Gebilde, das mit Hilfe der Gedanken und Gefühle eines verstorbenen menschlichen Wesens die Atmosphäre einer Stätte oder eines Ortes prägt – es wandert dort umher oder vervielfacht sich, bis es sich schließlich entweder erschöpft oder durch das eine oder andere Mittel aufgelöst wird. Das ist die Erklärung solcher Phänomene wie das verhexte Haus, in denen Vorgänge, die zum Beispiel einen Mord begleiteten oder ihm vorangingen, wieder und wieder stattfinden, und vieler derartiger Erscheinungen mehr.
3. Ein Wesen der niederen vitalen Ebenen, das entweder die abgeworfene Hülle eines verstorbenen menschlichen Wesens oder aber ein Fragment seiner vitalen Persönlichkeit angenommen hat und in dieser Gestalt erscheint und handelt und vielleicht sogar die oberflächlichen Gedanken und Erinnerungen jener Person hat.
4. Ein Wesen der niederen vitalen Ebene, das über ein lebendes menschliches Wesen oder mit Hilfe eines anderen Instrumentes oder Mittels fähig ist, sich hinreichend zu materialisieren, damit es in einer sichtbaren Form erscheinen und handeln oder mit einer hörbaren Stimme sprechen kann, oder aber, ohne zu erscheinen, stoffliche Dinge bewegt, zum Beispiel Möbel oder Gegenstände materialisiert oder sie von einem Platz zum anderen schiebt. Dies ist es, was man Poltergeister nennt – Erscheinungsformen von Steine werfenden und Bäume bewohnenden bhutas und andere wohlbekannte Phänomene.
5. Erscheinungen, die vom eigenen Mental geformt werden und auf die Sinne wie objektive Phänomene wirken.
6. Vitale Wesen, die zeitweilig von Menschen Besitz ergreifen und manchmal vorgeben, abgeschiedene Verwandte zu sein, usw.
7. Gedankenbilder, die Menschen zur Zeit des Todes häufig von sich projizieren und die in diesem Augenblick oder einige Stunden später ihren Freunden oder Verwandten erscheinen.
Du siehst, dass nur in einem dieser Fälle, dem ersten, eine Seele vorkommt, und hier erhebt sich keine Schwierigkeit.
Worte Sri Aurobindos
Automatisches Schreiben und spiritistische Séancen sind eine sehr fragwürdige Angelegenheit. Ein Teil stammt aus dem unterbewussten Mental des Mediums, ein anderer Teil aus dem der Séance-Teilnehmer. Man darf jedoch nicht alles einer aufgebauschten Phantasie und Erinnerung zuschreiben. Manchmal gibt es Dinge, die keiner der Anwesenden wissen oder erinnern kann, manchmal sogar, obwohl selten, flüchtige Ausblicke in die Zukunft. Meist jedoch bringen einen diese Sitzungen mit einer sehr niedrigen Welt von vitalen Wesen und Kräften in Verbindung, die dunkel, widerspruchsvoll und schlau sind – es ist gefährlich, mit ihnen Umgang zu pflegen oder sich irgendeinem Einfluss preiszugeben. Ouspensky und andere sind zweifellos durch diese Experimente mit einer zu mathematischen Auffassung gegangen, was sie zwar einerseits schützte, andererseits jedoch daran hinderte, zu einer mehr als oberflächlich-intellektuellen Ansicht über ihre Bedeutung zu gelangen.