Kapitel 4
Wie man Verstorbene schützt
Worte Sri Aurobindos
Ich kann den Schock verstehen, den du durch den verhängnisvollen Tod deiner Frau erlitten hast. Du bist aber nun ein Suchender und Sadhak der Wahrheit und musst darauf ausgerichtet sein, dich über die normalen Reaktionen des menschlichen Wesens zu erheben und die Dinge in einem größeren Licht zu sehen. Betrachte deine dahingegangene Frau als eine Seele, die in dem Auf und Ab eines Lebens der Unwissenheit Fortschritte machte – wie alle übrigen hier. Im Laufe dieser Entwicklung geschehen Dinge, die dem menschlichen Mental als unglückselig erscheinen, und als besonders schmerzlich und bedauerlich wird es empfunden, wenn durch einen plötzlichen, durch Unfall oder Gewaltsamkeit verursachten Tod dieser kurze Zauber der Erderfahrung, den wir Leben nennen, noch verkürzt wird. Doch einer, der über das äußerliche Sehen hinausgelangt ist, weiß, dass alles, was beim Voranschreiten der Seele geschieht, seine Bedeutung, Notwendigkeit und seinen Platz in der Reihe der Erfahrungen hat, die sie schließlich zu dem Wendepunkt führen, an dem sie aus der Unwissenheit ins Licht tritt. Er weiß, dass, was immer durch die Göttliche Vorsehung geschieht, zum Besten ist, auch wenn es dem Mental anders erscheinen mag. Betrachte deine Frau als eine Seele, welche die Schranke zwischen zwei Daseinszuständen durchschritten hat. Stütze die Reise zu ihrem Ruheort durch ruhige Gedanken und rufe die Göttliche Hilfe, damit sie ihr beistehe. Ein zu lange währender Schmerz fördert nicht, sondern verzögert die Reise der abgeschiedenen Seele. Grüble nicht über deinem Verlust, sondern denke allein an ihr spirituelles Wohlergehen.
Worte Sri Aurobindos
Man kann der dahingegangenen Seele durch seinen guten Willen helfen oder durch okkulte Mittel, sofern man über das Wissen verfügt. Das einzige, was man nicht tun sollte, ist, sie durch Kummer oder Sehnsucht zurückzuhalten oder durch irgendetwas, das sie näher an die Erde ziehen oder die Reise zu ihrem Ruheort verzögern würde.
Worte der Mutter
Süße Mutter, wie soll die Nachricht eines Todesfalles aufgenommen werden, besonders wenn es jemand war, der uns nahegestanden hat?
Sage zum Höchsten Herrn: „Dein Wille geschehe“, und versuche, so ruhig wie möglich zu bleiben.
Wenn der Verstorbene eine geliebte Person war, sollte man seine ganze Liebe ruhig und friedvoll auf ihn konzentrieren. Das kann dem Verstorbenen am meisten helfen.
Worte der Mutter
Wenn das Vital im Augenblick des Todes von feindlichen Kräften oder Wesenheiten angegriffen wird, sucht es dann nicht irgendwo Zuflucht?
Ja, darum wird in allen Ländern und in allen Religionen empfohlen, sich nach jemandes Tod mindestens sieben Tage lang zu versammeln, um an ihn zu denken. Denn wenn du mit Zuneigung an ihn denkst (ohne innerlich durcheinander zu sein, ohne zu weinen, ohne eine dieser verstörenden Leidenschaften), dann wird deine Atmosphäre ein Leuchtfeuer für ihn. Greifen ihn feindliche Kräfte an (ich spreche natürlich von seinem vitalen Wesen, nicht vom seelischen Wesen, das sich ausruhen geht) und kommt er sich vollkommen verloren vor und weiß vor lauter Bedrängnis nicht mehr ein und aus, so erblickt er dann durch Affinität das Licht jener, die in Zuneigung an ihn denken, und stürzt sich dorthin. Es geschieht fast ständig, dass eine vitale Prägung, ein vitaler Teil des Toten (gelegentlich das gesamte Vital, wenn es gut gestaltet ist) sich in die Aura, in die Atmosphäre der Menschen flüchtet, die ihn geliebt haben. Es gibt Leute, die stets einen Teil des Verstorbenen bei sich haben. Das ist der eigentliche Nutzen dieser sogenannten Zeremonien, die ansonsten keinen Sinn haben.