Kapitel 2
Schützende Hülle
Der Vitalkörper umgibt den physischen Körper mit einer Art Hülle, die ungefähr dieselbe Dichte hat wie die Hitzewellen, die man an einem sehr heißen Tag beobachten kann. Und dies ist es, was zwischen dem feinstofflichen und dem allermateriellsten Vitalkörper vermittelt. Dies ist es, was den Körper vor jeder Ansteckung, Ermüdung, Erschöpfung und sogar vor Unfällen schützt. Wenn diese Hülle völlig intakt ist, schützt sie einen daher vor allem, doch eine etwas zu starke Emotion, ein bisschen Ermüdung, etwas Unzufriedenheit oder irgendein Schock reichen aus, sie gewissermaßen anzukratzen, und der kleinste Kratzer gewährt jeder Art von Eindringlingen Zutritt. Auch die medizinische Wissenschaft erkennt jetzt, dass du nicht krank wirst oder auf jeden Fall eine Art Immunität gegen Ansteckung besitzt, wenn du in perfektem vitalem Gleichgewicht bist. Wenn du dieses Gleichgewicht besitzt, diese innere Harmonie, die die Hülle intakt hält, schützt sie dich vor allem. Es gibt Menschen, die ein ziemlich gewöhnliches Leben führen, die wissen, wie man richtig schläft, die essen, wie man es tun sollte, und deren Nervenkostüm so intakt ist, dass sie durch alle Gefahren hindurchgehen, als ob sie nicht betroffen sind. Es ist eine Fähigkeit, die man in sich kultivieren kann. Wenn man sich eines schwachen Punktes in seiner Hülle bewusst wird, genügen einige wenige Minuten der Konzentration, eine Anrufung der Kraft, ein innerer Friede, damit man wieder in Ordnung kommt, geheilt ist, und die widrige Sache verschwindet.
Welche Ursachen haben Unfälle? Sind sie auf ein Ungleichgewicht zurückzuführen?
Wenn man tiefgründig antwortet… Äußerlich gibt es viele Ursachen, aber es gibt einen tieferen Grund, der immer da ist. Ich sagte neulich, Unfälle können vermieden werden, wenn die nervöse Hülle intakt ist, und sogar, wenn es einen Unfall gibt, würde er keine Folgen haben. Sobald es einen Kratzer oder eine Störung in der nervösen Hülle des Wesens gibt, und entsprechend der Art dieses Kratzers, seines Ortes und Charakters, – wenn man das so sagen darf, – wird es einen Unfall geben, der mit der Verringerung der Abwehrkraft der Hülle korrespondiert. Ich glaube, dass fast jeder sich einer Sache psychologisch bewusst ist: dass Unfälle geschehen, wenn man eine Art unangenehmes Gefühl hat, wenn man nicht ganz bewusst und selbstbeherrscht ist, wenn man sich unbehaglich fühlt. Normalerweise haben die Menschen in jedem Fall das Gefühl, dass sie nicht ganz sie selbst sind, sich nicht ganz dessen bewusst sind, was sie tun. Wenn man ganz bewusst wäre, das Bewusstsein völlig wach, würden Unfälle nicht geschehen; man würde gerade die richtige Geste, die notwendige Bewegung machen um den Unfall zu verhindern. Deshalb ist es auf jeden Fall ein Erlahmen des Bewusstseins. Oder es ist auch möglich, dass das Bewusstsein in einer höheren Ebene fixiert ist. Zum Beispiel – wenn man nicht von spirituellen Dingen sprechen will: ein Mann, der damit beschäftigt ist ein mentales Problem zu lösen und sich sehr darauf konzentriert, wird physischen Dingen gegenüber unaufmerksam, und wenn er sich auf einer Straße oder in einer Menge befindet und sein Bewusstsein völlig auf sein Problem gerichtet ist, wird er nicht die notwendige Bewegung machen um den Unfall zu verhindern. Der Unfall wird geschehen. Dasselbe gilt für den Sport, für Spiele. Du kannst dies sehr gut beobachten, da ist immer ein Schwächung des Bewusstseins, wenn Unfälle passieren, oder ein Mangel an Aufmerksamkeit, ein bisschen Geistesabwesenheit. Plötzlich denkt man an etwas anderes, die Aufmerksamkeit wird woanders hin gelenkt, – man ist sich seiner Handlung nicht voll bewusst, und der Unfall geschieht.
Wie ich euch zu Anfang gesagt habe, wenn ihr aus irgendeinem Grund – zum Beispiel durch Schlafmangel, fehlendes Ausruhen, eine interessante Beschäftigung oder alle möglichen Dinge, die euch ermüden – sozusagen nicht über der Sache steht, die vitale Hülle ein bisschen beschädigt ist, dann funktioniert das nicht perfekt, und jedwede Art von Kraft, die auf euch einwirkt, genügt um einen Unfall zu produzieren. In letzter Konsequenz geschieht der Unfall immer aus diesem Grund; es ist das, was man Unaufmerksamkeit oder ein Erlahmen des Bewusstseins nennt. Es gibt Tage, an denen man sich ziemlich… nicht genau unwohl fühlt, aber so, als ob man versuchte etwas zu fangen, das entkommt, als ob man nicht ganz bei sich… wie ausgedünnt ist; das sind die Unfallstage. Ihr müsst aufmerksam sein. Natürlich soll das nicht heißen, dass ihr euch in eurem Zimmer einschließen sollt und euch nicht bewegen dürft, wenn ihr euch danach fühlt! Das ist es nicht, was ich meine. Ich meine vielmehr, dass ihr umso aufmerksamer beobachten, viel mehr auf der Hut sein müsst und genau diese Unaufmerksamkeit, dieses Erschlaffen des Bewusstseins nicht zulassen dürft.
…es gibt immer einen Weg sich [von den äußeren Einflüssen] durch eine Atmosphäre des Schutzes abzusondern, wenn man weiß, wie man in eine äußerst ruhige Schwingung kommt, so ruhig, dass sie fast eine Art Mauer um einen bildet. – Aber die ganze Zeit, die ganze Zeit vibriert man in Antwort auf die Schwingungen, die von außen kommen. Wenn du dir dessen bewusst bist, ist da die ganze Zeit etwas, das so macht (Geste), wie dies, wie dies (Gesten), das auf alle von außen kommenden Schwingungen reagiert. Du befindest dich nie in einer absolut ruhigen Atmosphäre, die von dir ausstrahlt, das heißt, die von innen nach außen geht (nicht etwas, das von außen hereinkommt), etwas, das dich wie eine Hülle umgibt, ganz still, wie dies, – und du kannst überhaupt überall hingehen, und diese von außen kommenden Schwingungen fangen nicht an, dies (Geste) in deiner Atmosphäre zu tun.
Wenn du diese Art Tanz sehen könntest, den Tanz der Schwingungen, der dich die ganze Zeit umgibt, würdest du sehen, würdest gut verstehen, was ich meine.
Zum Beispiel in einem Spiel, – wenn ihr spielt, ist es so (Geste), und dann ist es wie die Vibration eines Punktes, die immer stärker und stärker wird, bis plötzlich… Rums!… ein Unfall geschieht. Und es gibt so eine kollektive Atmosphäre. Wir kommen und sehen es, – ihr seid mitten in einem Spiel, Basketball oder Fußball oder etwas anderes, – wir spüren es, sehen es, es produziert eine Art Rauch um euch herum (etwas wie diese Hitzedünste, die manchmal entstehen), und dann nimmt es eine Schwingung wie diese an, mehr und mehr, immer und immer mehr, bis plötzlich das Gleichgewicht zusammenbricht: jemand bricht sein Bein, fällt hin, wird von einem Ball am Mund getroffen et cetera. Und man kann schon vorher sagen, dass dies geschehen wird, wenn es so ist. Aber niemand ist sich dessen bewusst.
Trotzdem, sogar in weniger schweren Fällen hat jeder von euch persönlich etwas um sich herum, das, statt diese sehr individuelle und sehr ruhige Hülle zu sein, die euch vor allem schützt, was ihr nicht empfangen wollt… Ich meine, eure Empfänglichkeit wird vorsichtig und bewusst, sonst könnt ihr nichts empfangen. Und nur, wenn ihr diese bewusste, extrem ruhige Atmosphäre habt, und, wie ich gesagt habe, wenn sie von innen kommt (es ist nicht etwas, das von außen kommt), ist es nur auf diese Weise, dass ihr straflos ins Leben gehen, euch in jeder Minute zu anderen und in jegliche Situation begeben könnt.
Sonst könnt ihr sicher sein, dass es euch erwischt wenn es etwas Schlechtes gibt, dass man sich einfangen kann, zum Beispiel Ärger, Angst, Krankheit, eine gewisse Unruhe. Und sobald es anfängt das zu tun (Geste), ist es, als ob ihr alle ähnlichen Schwingungen eingeladen hättet zu kommen und sich eurer zu bemächtigen.
Worüber man sich wundern muss, ist die Unbewusstheit, mit der Menschen durchs Leben gehen; sie wissen nicht, wie sie leben sollen; es gibt nicht einen in einer Million, der weiß, wie man lebt, und so leben sie auf die eine oder andere Weise, humpeln vorwärts so gut oder schlecht sie können; und alles das scheint ihnen egal zu sein… Die Sachen passieren eben.
Sie wissen nicht, wie man lebt. Immerhin sollte man lernen, wie man lebt. Dies ist das erste, was man Kinder lehren sollte: zu lernen, wie man lebt.
Möglicherweise seid ihr an der aktivsten Aktion beteiligt, zum Beispiel beim Basketballspiel, bei dem viel Bewegung erforderlich ist, und ihr verliert trotzdem nicht die Haltung der inneren Meditation und Konzentration auf das Göttliche. Und wenn euch das gelingt, werdet ihr sehen, dass alles, was ihr tut, eine andere Qualität annimmt; ihr werdet es nicht nur besser tun, sondern ihr werdet es mit einer gänzlich unerwarteten Kraft tun und gleichzeitig euer Bewusstsein so hoch und rein halten, dass euch nichts mehr geschehen kann. Und beachtet, dies kann so weit gehen, dass ein Unfall, der sich ereignet, euch nicht verletzen wird. Natürlich, dies ist ein Gipfel, aber es ist ein Gipfel, um den man sich bemühen kann.
Kapitel 3
Wirken der Gnade
Wie wurden wir neulich gerettet, als wir dort unten mit dem Kran arbeiteten?1
Ich denke, ihr solltet es wissen!
Ungefähr wissen wir es.
Sehr bruchstückhaft, vage, eine Art Eindruck „so ungefähr“ – ein Eindruck, fast eine Haltung, aber kein Wissen. Wie das vor sich geht, könnte man nicht sagen!
Es geschah durch die Gnade.
Aber wenn du mir erklären könntest, wie das vor sich geht, wäre es für alle interessant. Es würde sehr interessant sein zu wissen, wer genau dieses wache Bewusstsein hatte, Glauben und eine Art… etwas, das automatisch antwortete, … und vielleicht nicht bewusst.
Es gibt Grade, viele Grade. Die menschliche Intelligenz ist solcherart, dass sie etwas nicht begreift, wenn es keinen Kontrast gibt. Ihr wisst, ich habe Hunderte Briefe von Leuten bekommen, die sich bedankten, weil sie gerettet wurden; aber es geschieht sehr, sehr selten, dass jemand schreibt, um mir dafür zu danken, dass nichts passiert ist, versteht ihr! Lasst uns einen Unfall annehmen, es ist schon der Beginn einer Störung. Natürlich, wenn es ein öffentlicher oder kollektiver Unfall ist, trägt die Atmosphäre einer jeden Person dazu bei, und es kommt auf den Anteil der Defätisten und derjenigen an, die dagegen auf der richtigen Seite stehen. Ich weiß nicht, ob ich darüber schon einmal geschrieben habe, – es steht irgendwo, – aber es ist eine sehr interessante Sache. Ich werde sie euch erzählen… Die Leute sind sich des Wirkens der Gnade nicht bewusst, es sei denn, es hat eine Gefahr gegeben, das heißt, wenn ein Unfall drohte oder schon stattgefunden hat, und sie ihm entkommen sind. Dann werden sie sich ihrer bewusst. Aber nie erkennen sie, dass es eine unendlich größere Gnade ist, wenn beispielsweise eine Reise oder sonst irgendetwas ohne einen Unfall verläuft. Da ist die Harmonie auf solche Weise gefestigt, dass nichts passieren kann. Aber das scheint für sie ganz natürlich zu sein. Wenn Menschen krank sind und schnell wieder gesund werden, sind sie voller Dankbarkeit; aber sie denken nie daran dankbar zu sein, wenn es ihnen gut geht; Und doch ist das ein viel größeres Wunder!
In der gesamten Manifestation arbeitet eine unendliche Gnade ständig daran, die Welt aus ihrem Elend, der Dunkelheit und Dummheit, in der sie sich befindet, zu befreien. Seit aller Zeit wirkt diese Gnade mit unaufhörlichem Bestreben, und wie viele Tausend Jahre brauchte diese Welt, um das Bedürfnis nach etwas Größerem, Wahreren und Schöneren zu erkennen.
1 Ein Team junger Ashramschüler versuchte einen Baumstamm mit Hilfe eines Krans in einen Lastwagen zu heben, als der Kran auseinanderbrach, wobei seine Bruchstücke nach allen Seiten flogen, aber niemanden verletzten. Dann begann der Baumstamm langsam zu rollen, wodurch der Laster zu einer Seite kippte und drohte, mehrere Jungen zu zerquetschen. Ganz plötzlich, ohne irgendeinen offensichtlichen Grund oder ein ihn aufhaltendes physisches Hindernis, hielt der Truck in der Bewegung inne.
Kapitel 4
Pessimismus und Unfälle
…wenn man zum Beispiel ständig von Depression, Pessimismus, Entmutigung, mangelndem Glauben und Verlust des Vertrauens ins Leben heimgesucht wird, dringt dies alles sozusagen in die eigene Substanz ein. Und wenn die Möglichkeit eines Unfalls besteht, lassen manche Leute sie nie aus. Jedes Mal, wenn ihnen etwas passieren könnte, sei es eine Krankheit oder ein Unfall, fangen sie sich das ein. Ihr habt hier ein ganzes Beobachtungsfeld, – es sind immer dieselben Leute, die Unfälle haben. Andere tun dieselben Dinge, es gibt genauso viele Möglichkeiten für einen Unfall, aber ihnen geschieht nichts. Wenn du ihren Charakter beobachtest, wirst du sehen, dass erstere eine Tendenz zum Pessimismus haben und mehr oder weniger erwarten, dass ihnen etwas Unerfreuliches passiert, – und es geschieht. Oder sie fürchten sich. Wir wissen, dass Angst immer das anzieht, was man fürchtet. Wenn du vor einem Unfall Angst hast, wirkt dies wie ein Magnet, der den Unfall anzieht… Und dasselbe gilt für Krankheit. Es gibt Menschen, die sich unter Kranken und an Orten, an denen es Epidemien gibt, aufhalten und nie krank werden. Es gibt andere, – bei ihnen genügt es, wenn sie sich eine Stunde bei einer kranken Person aufhalten, – sie fangen sich die Krankheit ein. Auch das hängt davon ab, was sie innerlich sind.
Ist es bei Kindern genauso?
Das kann man nicht sagen. Es ist eine moralische Frage. Das Problem sollte nicht aus moralischer Sicht beurteilt werden. Man sollte nicht sagen, dass jene, die sich immer guter Gesundheit erfreuen und denen nichts geschieht, „gute Kinder“ sind, und jene, die von Unfällen und Katastrophen heimgesucht werden, „schlecht“ sind. Das ist nicht korrekt. Denn, wie ich gesagt habe, ist die Logik der Natur keine menschliche Logik und ihr Gefühl von Gerechtigkeit (wenn sie so etwas hat) ist kein menschliches Gefühl. Für sie gibt es sehr wenig von dem, was wir gut und schlecht nennen. Man könnte höchstens sagen, es gibt etwas, dass konstruktiv und etwas, das destruktiv ist, was progressiv und was rückschrittlich ist. Das ist tatsächlich sehr wichtig. Und dann gibt es solche, die licht, sonnig, glücklich, lächelnd sind, und solche, die trübsinnig, dumpf, misanthropisch und unzufrieden in grauen Schatten leben. Es sind die letzteren, die sich alle die unerfreulichen Dinge einfangen. Diejenigen, die strahlen (sie mögen strahlen, ohne dass es ein spirituelles Strahlen ist, es kann einfach nur die Ausstrahlung eines guten Gefühls, von Balance, einer inneren Zuversicht und Lebensfreude sein), jene, die Lebensfreude haben, sind in Harmonie mit der Natur, und weil sie in Harmonie mit ihr leben, vermeiden sie Unfälle. Sie sind immun gegen Krankheiten und ihr Leben verläuft so angenehm, wie es in einer solchen Welt möglich ist.
…es ist sehr seltsam, dass Menschen ihre Vorstellungskraft für schlechte Dinge einsetzen, und es ist sehr selten, dass sie sie für das Gute nutzen. Statt an glückliche Dinge zu denken, die ihnen helfen würden im Gleichgewicht und in Harmonie zu bleiben, denken sie immer an alle möglichen Katastrophen und stören natürlich außerdem so die innere Balance. Wenn sie das Pech haben, ängstlich zu sein, ziehen sie die Katastrophen an, die sie fürchten.
Kapitel 5
Vorwarnung vor Unfällen
(Schilderung von fünf Ereignissen)
Wenn man in einer Vision Ereignisse sieht, die im Feinstofflichen schon vorbereitet sind, ist es dann zu spät, Dinge zu ändern? Kann man immer noch handeln?
Ich weiß von einem sehr interessanten Beispiel. Vor langer Zeit, – ihr müsst sehr jung gewesen sein, – gab es in der Zeitung Le Matin jeden Tag einen kleinen Cartoon mit einem wie ein Page gekleideten Jungen, der auf etwas deutete, – ein kleiner Cartoon, der immer das Datum oder etwas anderes anzeigte. Der Herr in dieser Geschichte war auf Reisen und wohnte in einem großen Hotel, ich weiß nicht mehr in welcher Stadt. Eines nachts oder am frühen Morgen, sehr früh, hatte er einen Traum. Er sah diesen Pagen auf seinen Bestattungswagen deuten, – ihr wisst, dass die Menschen in Europa darin zum Friedhof gefahren werden, – und ihn einladen darin einzusteigen! Dies sah er, und als er morgens fertig war, verließ er sein Zimmer im obersten Stock, und dort auf dem Treppenabsatz zeigte der gleiche, genauso gekleidete Junge auf den Lift, mit dem er herunterfahren könne. Das schockierte ihn. Er lehnte es ab und sagte: „Nein, vielen Dank.“ Der Aufzug stürzte ab und wurde zerschmettert, wobei die Menschen darin getötet wurden.
Er erzählte mir, dass er danach an Träume glaubte.
Es war eine Vision. Er sah den Jungen, aber statt des Liftes zeigte ihm der Junge seinen Leichenwagen. Als er nun dieselbe Geste, den gleichen Jungen sah, – wie im Cartoon, wisst ihr, – sagte er: „Nein Danke, ich werde zu Fuß nach unten gehen“. Und die Maschine, einer jener hydraulischen Lifte, stürzte direkt von oben ab und wurde zu Brei zermalmt.
Meine Erklärung dafür ist, dass ein Wesen ihn vorgewarnt hatte. Das Bild des Pagenjungen scheint darauf hinzuweisen, dass eine Intelligenz, ein Bewusstsein interveniert hatte; es scheint nicht sein eigenes Unterbewusstsein gewesen zu sein. Oder vielleicht war sich sein Unterbewusstsein dessen bewusst und hatte im Feinstofflichen gesehen, dass dies geschehen würde. Aber warum vermittelte es ihm ein solches Bild? Ich weiß es nicht. Vielleicht wusste etwas im Unterbewusstsein davon, weil es schon dort war. Es befand sich schon im Feinstofflichen. Der Unfall hatte schon existiert, bevor er geschah. Das Gesetz des Unfalls.
Offensichtlich gibt es immer, in jedem Fall, eine Differenz, manchmal einige Stunden, – aber das ist das Maximum, – manchmal einige Sekunden. Und sehr oft sagen dir die Dinge, dass sie da sind, und sie brauchen manchmal einige Minuten, manchmal einige Sekunden um in Kontakt mit deinem Bewusstsein zu kommen. Ständig weiß ich, was passieren wird, und bei Dingen, die überhaupt nicht von Interesse sind. – Es hat keinen Vorteil, es vorher zu wissen, es ändert nichts; aber es existiert, es ist um dich herum. Wenn dein Bewusstsein weit genug ist, weißt du das alles, zum Beispiel, dass eine Person dir gerade ein Paket bringen will, solche Dinge. Und so ist es jeden Tag. Oder dass eine bestimmte Person gleich kommen wird. Der Grund ist, dass das Bewusstsein geweitet ist, deshalb hat es Kontakt mit Dingen.
Aber in diesem Fall können wir nicht sagen, dass es eine Vorahnung ist, weil es schon geschieht. Nur der Kontakt mit unseren Sinnen braucht einige Sekunden für die Realisation, weil es eine Tür oder Mauer oder irgendetwas gibt, das uns daran hindert zu sehen.
Aber einige Male hatte ich Erfahrungen wie diese. Zum Beispiel: als ich einmal in den Bergen wanderte, ging ich auf einem Pfad, auf dem nur Platz für eine Person war, – auf einer Seite der Abgrund, auf der anderen der nackte Fels. Hinter mir gingen drei Kinder und eine vierte Person, die die Nachhut brachte. Ich ging voran. Der Pfad führte am Rand des Felsens entlang. Wir konnten nicht sehen, wohin wir gingen – und außerdem war es sehr gefährlich. Wenn jemand ausgerutscht wäre, wäre er über die Kante gestürzt. Ich ging voraus, als ich plötzlich sah – mit anderen Augen als diesen, – obschon ich meine Schritte umsichtig beobachtete. Ich sah eine Schlange, dort, auf dem Felsen, die auf der anderen Seite wartete. Ich machte einen Schritt, vorsichtig, und tatsächlich befand sich auf der anderen Seit eine Schlange. Das ersparte mir den Schock der Überraschung, denn ich hatte sie „gesehen“ und mich vorsichtig vorwärts bewegt. Weil es keinen Überraschungsschock gab, konnte ich den Kindern ohne sie zu erschrecken sagen: „Halt, bleibt ruhig, bewegt euch nicht.“ Bei einem Schock hätte etwas passieren können. Die Schlange hatte ein Geräusch gehört, sie war schon zusammengerollt und lag vor ihrem Loch mit hin und her schwingenden Kopf in Verteidigungsstellung. Es war eine Viper. Dies geschah in Frankreich. Nichts passierte, doch wenn es irgendeine Verwirrung oder Aufregung gegeben hätte, hätte alles Mögliche geschehen können.
So etwas ist mir sehr, sehr oft passiert, – mit Schlangen viermal. Einmal, als es völlig dunkel war, hier, nahe des Fischerdorfes Ariankuppam. Dort gab es einen Fluss, – es passierte genau an dem Ort, an dem er ins Meer mündet. Es war dunkel, – die Nacht war sehr schnell hereingebrochen. Wir gingen an der Straße entlang, und gerade, als ich meinen Fuß aufsetzen wollte – ich hatte ihn schon angehoben und wollte ihn aufsetzen, – hörte ich in meinem Ohr deutlich eine Stimme: „Sei vorsichtig!“ Doch niemand hatte gesprochen. Deshalb schaute ich hin und sah, gerade als mein Fuß den Boden berühren sollte, eine enorme schwarze Kobra, auf die ich unversehens getreten wäre. Die mögen so etwas nicht gerne. Sie schlängelte sich weg, über das Wasser – welch eine Schönheit, mein Kind! Ihre Haube ausgebreitet, glitt sie mit erhobenem Kopf wie ein König über das Wasser. Natürlich wäre ich für meine Unverschämtheit bestraft worden.
Ich hatte aberhunderte Erlebnisse wie dieses; im allerletzten Augenblick, nicht eine Sekunde zu früh, wurde ich informiert. Und in immer verschiedenen Situationen. Einmal, in Paris, überquerte ich den Boulevard Saint Michel. Es geschah während der letzten Wochen; ich hatte mich entschieden, in einer bestimmten Zahl von Monaten Einheit mit der seelischen Gegenwart, dem inneren Göttlichen erlangen zu wollen. Ich hatte keinen anderen Gedanken, kein anderes Anliegen mehr. Ich lebte neben den Luxembourg–Gärten und ging jeden Abend dort spazieren – aber immer innerlich tief versunken. Dort gibt es eine Art Kreuzung, – es ist kein Ort, den man überqueren sollte, wenn man so versunken ist. Ich war nicht sehr aufmerksam. Und in diesem Zustand bekam ich im Gehen plötzlich einen Schock, als ob ich geschlagen worden wäre, als ob etwas mich getroffen hätte, und instinktiv sprang ich zurück. Im gleichen Augenblick fuhr eine Straßenbahn vorbei. – Es war die Bahn, die ich – nicht weiter als eine Armlänge entfernt – gespürt hatte. Ich hatte die Aura, die Aura des Schutzes berührt, – sie war zu der Zeit sehr stark. Ich war intensiv mit dem Okkultismus beschäftigt und wusste, wie ich sie aufrechterhalten konnte. – Die Aura des Schutzes war getroffen worden, und dies hatte mich buchstäblich nach hinten geworfen, als ob ich einen körperlichen Schlag bekommen hätte. Und welche Beschimpfungen vom Fahrer! Ich war gerade rechtzeitig zurückgesprungen, und die Bahn fuhr vorbei.
Ich könnte Dutzende solcher Geschichten erzählen, wenn ich mich an sie erinnern könnte.
Der Schutz kann aus vielen verschiedenen Quellen kommen. Sehr oft war es jemand, der mich informierte: eine kleine Entität1 oder eine Art Wesen: manchmal war es die Aura, die mich schützte. Und das galt für alle Arten von Dingen. Das heißt, dass das Leben selten nur auf den physischen Körper begrenzt ist, – dies ist willkommen, dies ist gut. Es ist notwendig, es vergrößert deine Fähigkeiten. Das ist es, was die Person, die mich Okkultismus lehrte, mir sofort gesagt hat: „Du bringst dich um Sinne, die sogar im normalen Alltagsleben äußerst nützlich sind“. Und das stimmt, das ist wirklich wahr. Wir können unendlich viel mehr Dinge wissen, als wir es sonst tun, einfach durch den Gebrauch unserer eigenen Sinne. Und nicht nur vom mentalen Standpunkt aus gesehen, sondern sogar auch vom vitalen und physischen.2
1 Die Mutter hat in ihrem Gespräch vom 2.4.1951 ein Beispiel erzählt: „ Es gibt kleine Wesen wie Feen, die sehr süß, sehr zuvorkommend sind, aber sie sind nicht immer da, sie kommen von Zeit zu Zeit, wann es ihnen gefällt. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich für Sri Aurobindo kochte. Ich tat gleichzeitig auch viele andere Dinge. So geschah es oft, dass ich die Milch auf dem Feuer stehen ließ und wegging um etwas anderes zu tun oder jemanden mit ihm zu sehen, mit jemandem zu sprechen. Und ich war mir wirklich der Zeit nicht immer bewusst, ich vergaß die Milch auf dem Feuer. Und wann immer ich die Milch auf dem Herd vergaß, spürte ich plötzlich (in jenen Tagen trug ich immer einen Sari) eine kleine Hand, die eine Falte meines Saris fasste und daran zog, so ungefähr. Dann lief ich schnell los und sah, dass die Milch gerade überschäumen wollte. Das geschah nicht nur einmal, sondern mehrmals, und ich spürte eine kleine Kinderhand nach meinem Sari greifen und daran ziehen.“
2 „Aber wie ist die Methode?“ fragte ein Sadhak. Leser mit Interesse an Mutters Antwort können in den „Collected Works of the Mother“, Vol. 10, pp. 133–35 nachschlagen. – Hrsg.
Kapitel 6
Möglichkeiten der Intervention
Wenn du eine Katastrophe kommen siehst, kannst du sie durch dein Bemühen verwandeln, Mutter?
Das hängt von der Natur des Geschehens ab. Es gibt viele Dinge… Es hängt auch von der Ebene ab, von der aus man sieht. Es gibt einen Bereich mit all diesen Möglichkeiten, und auf jener Ebene gibt es aus diesem Grund auch die Chance diese Möglichkeiten zu abzuändern. Wenn eine Katastrophe auf dieser Ebene gesehen wird, kann man die Macht haben, sie auch zu ändern. In anderen Fällen hat man keinen Einfluss auf das Geschehen, sogar, wenn man vorgewarnt wird.…
Wie ich sagte, gibt es Fälle, in denen du einfach vorgewarnt bist. Du bist vorgewarnt. In Wirklichkeit dient es dazu, dir zu helfen dich auf das vorzubereiten, was kommen muss, damit du die richtige innere Haltung einnehmen kannst, um dich dem Ereignis zu stellen. Es ist wie ein Lektion, die dir sagt: „Das ist es, was es dich lehren soll.“ Du kannst die Sache nicht ändern, aber du kannst deine Haltung und deine innere Reaktion ändern. Statt schlecht zu reagieren, mit einer falschen Haltung dem Ereignis gegenüber, reagierst du auf gute Weise, mit einer guten Haltung, und du ziehst den größtmöglichen Nutzen aus dem, was passiert ist.
In beiden Fällen hängt es absolut von der Ebene ab, auf der du siehst. Wenn du Kontrolle über deine Nächte hast und dir deines Schlafes und deiner Träume oder Visionen bewusst bist, siehst du auch den Unterschied zwischen beiden. Du kannst den Unterschied erkennen: das, was dir als Warnung geschickt wurde, damit du eingreifen kannst, und was dir als Ahnung gegeben wurde, damit du die richtige Haltung dem Geschehen gegenüber einnehmen kannst. Es ist immer eine Lehre, aber es ist nicht immer die gleiche Lektion. Manchmal kannst du mit deinem Willen Einfluss nehmen; manchmal musst du die innere Lektion lernen, zu der das Ereignis dir verhelfen will, damit du bereit sein kannst, und alles wirklich vorteilhafte Konsequenzen hat. Dasselbe gilt für alles, was du siehst; es gibt hunderte verschiedene Arten von Visionen und Träumen, und jede bringt dir die Lektion, die sie bringen muss.
Zum Beispiel, wenn Menschen krank werden oder wenn sie in einen Unfall verwickelt sind. Nun, wenn ich dies selbst sehe oder von außerhalb durch jemandes Bericht davon erfahre, – es ist nicht in jedem Fall gleich. Es gibt Fälle, in denen ich informiert bin und sehe, dass interveniert werden muss, und dass ich die ganze Macht besitze, die Folgen zu ändern, das heißt: die kranke Person zu heilen. Es gibt Fälle, in denen ich sehe, dass ich nicht eingreifen darf. Zum Beispiel ist es für die Person an der Zeit ist, ihren Körper zu verlassen: sie wird ihren Körper verlassen. Aber in diesem Wissen muss ich für die Person und ihre Umgebung das tun, was bei diesem Geschehen notwendig ist, damit es den größtmöglichen positiven Effekt bei geringster negativer Wirkung hat. – Es ist von den Umständen abhängig.
Es gibt Ereignisse, die zu einer universellen Notwendigkeit gehören. Diese kann man nicht ändern. Es gibt noch Ereignisse in der Schwebe, die auf beiderlei Weise entschieden werden können. Das Wichtige ist, eine Schau zu haben, die nicht nur klarsichtig, sondern auch ganz unparteiisch und unpersönlich ist ohne auch nur den Schatten eines Schattens von Präferenz. Wenn man dann in jenem perfekten Zustand ist – man kann nicht sagen: von Neutralität, es ist keine Neutralität: es ist ein Bewusstseinszustand, der unbeweglich wie ein Spiegel ist, – dann kann man darin die Qualität dessen erkennen, was passiert. Man kann die Dinge sehen, die entschieden worden sind, so dass sie nicht verändert werden können, und jene, die sich noch in der Schwebe befinden und umgewandelt werden können.
Um die Wahrheit zu sagen, bei jedem Vorfall ist die Situation unterschiedlich. Es gibt einige, die vollständig verändert, aufgehoben werden können; es gibt andere, die nur eine leichte Modifikation tolerieren – eine leichte Modifikation, die aber beträchtliche Folgen hat. Und da sind einige, denen man nicht entkommen kann; sie sind so, weil sie so sind. Wenn du versuchtest, zu opponieren, würdest du dir an einer Mauer deinen Kopf brechen, und das hätte keinen Sinn. Es kommt nur auf die Scharfsicht an, zu wissen, zu welcher Domäne das Ereignis gehört, und nichts anderes zu wollen, als was sein muss.
Ich könnte hunderte Beispiele verschiedener Fälle geben.
Etwas scheint völlig vorherbestimmt zu sein: es wird so geschehen. Aber du hast in dir einen Willen, der hervorbricht; eine Flamme, die entzündet ist, ein großes seelisches Streben, dass es in Harmonie mit einem höheren Willen geschieht. Und du zwingst es diesem Ereignis auf. Und dann findet eine Art Kombination statt: was geschehen musste, wird geschehen, aber gleichzeitig kommt etwas anderes ins Spiel und verwandelt die Natur des ersteren. Bei Ereignissen von Wichtigkeit für die Welt geschieht dies sehr oft. Zum Beispiel, wenn eine ganze Reihe von Bewegungen, Umständen, Kombinationen von Kräften die absolute Notwendigkeit eines Krieges hervorbringen, kann man durch das Anrufen einer anderen Kraft das Ausmaß und die Folgen, manchmal sogar die Art des Krieges verändern, doch man kann ihn nicht abwenden. Ich könnte euch Beispiele dieser Art von sehr allgemeiner Natur nennen.