Kapitel 8
Warum Friede als erstes von oben herabgebracht werden muss
Worte Sri Aurobindos
In den alten Zeiten, lange bevor du kamst, wurde vieles herabgebracht – auch die Liebe. Kaum einer konnte sie ertragen und selbst dann nur in geringem Maße. Ist es jetzt besser, frage ich mich? Es sieht nicht so aus. Deshalb will ich zuerst das Supramental, und vor allem den Frieden, die Balance in einer unerschütterlichen Intensität. Es gibt einige, die versucht haben, mit der Intensität weiterzumachen, aber –. Nun, lasst uns das Beste hoffen. Um Gottes Willen, Frieden, Harmonie, eine unerschütterliche supramentale Ausgeglichenheit und Vernünftigkeit zuerst. Ekstasen und Intensitäten anderer Art können dann folgen.
Worte Sri Aurobindos
Was du tust, ist genau das Richtige, mehr ist nicht nötig. Der Friede, den du fühlst, ist die Basis, das Fundament für die Transformation, alles andere wird darauf aufgebaut sein. Sich den Göttlichen Kräften mit einem ruhigen und starken sehnsuchtsvollem Streben zu öffnen, sich deren Wirken bewusst zu werden, es ruhig zuzulassen und aufzunehmen, es mit dem eigenen Streben zu unterstützen, mehr und mehr Wissen und Verständnis für das zu erlangen, was getan wird, während man voranschreitet – das ist der sichere und natürliche Weg des Yoga.
Worte Sri Aurobindos
Das erste, was du herabbringen musst, ist ein positiver, umfassender und dauerhafter Friede von oben – das ist die einzige Grundlage, auf der alles andere getan werden kann, d.h. die Entwicklung des höheren Bewusstseins, der Kraft, des Wissens, der Liebe, des Ananda.
Worte Sri Aurobindos
Die Meditationserfahrung scheint sich in die richtige Richtung zu entwickeln. Vorher war sie nur eine Öffnung; aber um etwas zu verankern, muss es diese Assimilation und das Wachstum an Stabilität, an Frieden geben. Der Friede ist die Grundlage der spirituellen Wandlung – alles andere sinkt in den Frieden hinein und wird von ihm getragen wie von einem sicheren Fundament.
Worte Sri Aurobindos
Der Friede ist die Grundlage der Sadhana.
Worte der Mutter
Bewahre deinen Frieden, widerstehe aller Versuchung, ihn zu verlieren. Entscheide niemals irgendetwas, ohne zurückzutreten, sprich niemals ein Wort, stürze dich niemals in eine Handlung, ohne zurückzutreten. Alles, was zur gewöhnlichen Welt gehört, ist ohne Dauer und flüchtig, deshalb gibt es in ihr nichts, das es wert wäre, uns aus der Fassung zu bringen. Was dauerhaft ist, unsterblich und unendlich – das lohnt sich zu haben, zu erobern, zu besitzen. Es ist Göttliches Licht, Göttliche Liebe, Göttliches Leben – es ist auch Höchster Friede, Vollkommene Freude und All-Meisterschaft auf der Erde mit der Vollendeten Manifestation als ihrer Krönung. Wenn du die Relativität der Dinge spürst, dann kannst du, was auch immer geschehen mag, zurücktreten und schauen. Du bist fähig, ruhig zu bleiben und die Göttliche Kraft zu rufen und auf eine Antwort zu warten. Dann wirst du genau wissen, was zu tun ist. Deshalb sei dir bewusst, dass du die Antwort nicht empfangen kannst, bevor du sehr friedvoll bist. Übe dich in diesem inneren Frieden, mache wenigstens einen kleinen Anfang und fahre darin fort, bis er dir zur Gewohnheit geworden ist.
Worte der Mutter
…das Einzige, wofür es sich zu leben lohnt: die Erlangung des wahren Bewusstseins, die integrale Selbsthingabe an das Göttliche, der Friede, das Licht und die Freude, die aus der wahren Weisheit und Selbstvergessenheit kommen.
Worte Sri Aurobindos
Die menschliche Form ist von Natur aus nicht in der Lage, die Göttliche Liebe zu ertragen oder zu bewahren, denn sie ist eine Schöpfung der Unwissenheit, schwach und unrein. Sie muss umgewandelt werden, um dazu fähig zu sein; sie muss stark und rein werden. … Aber darüber hinaus muss in ihr ein neues Bewusstsein geschaffen werden - zuerst ein Bewusstsein des reinen und läuternden Göttlichen Friedens von oben, der alles bis hinunter zum Physischsten ergreifen muss - dann in diesem Frieden eine zunehmende innere Kraft, die rein und unegoistisch ist - dann das Göttliche Licht und Wissen, das das gesamte Bewusstsein und die Regungen transformiert. Wenn dies geschehen ist, dann kann die menschliche Form die Göttliche Liebe und das Ananda beherbergen.
Worte Sri Aurobindos
Was gewöhnlich geschieht, ist eine Herabkunft der Göttlichen Kraft, um auf die Natur einzuwirken und sie auf die Göttliche Gegenwart im Herzen vorzubereiten. Es gibt vieles in der menschlichen Natur, das verändert werden muss, bevor sie das aufnehmen kann, was herabkommt – Unfähigkeit und Begrenzung des Mentals, unzureichende Reinheit im Herzen und anderswo, Unruhe usw. Um die Herabkunft aufzunehmen, sind ein ruhiges Mental und ein reines Herz erforderlich. Deshalb gibt es in ihr [der Fragestellenden] die Unruhe und das Gefühl der Unfähigkeit. Das ist eine ganz allgemeine Erfahrung. Wenn sie weiter gehen will, muss sie nach Ruhe, Frieden, Reinheit usw. im mentalen und emotionalen Wesen streben und dem Herabsteigenden erlauben, sich in ihr zu festigen.
Worte Sri Aurobindos
All das [Kraft, Licht, Ananda] kann in uns herabkommen. Jedes dieser Dinge kann einzeln und alle können zusammen herabkommen, nicht nur der Friede allein; es ist freilich am ungefährlichsten, zuerst eine absolute Stille, einen absoluten Frieden herabzubringen, denn das macht die Herabkunft des Übrigen sicherer; im anderen Fall könnte es der äußeren menschlichen Natur Schwierigkeiten bereiten, soviel Kraft, Licht, Wissen oder Ananda aufzunehmen oder zu ertragen. Alle diese Dinge zusammen machen das aus, was wir das höhere spirituelle oder göttliche Bewusstsein nennen. … Das Sich-Öffnen nach oben setzt uns in direkte Verbindung mit dem ganzen Göttlichen und kann in uns das göttliche Bewusstsein und eine neue Geburt oder die Geburten des Geistes hervorrufen.
Worte Sri Aurobindos
Gleichmut und Friede in allen Umständen, in allen Teilen des Wesens sind die erste Grundlage eines yogischen Zustandes. Als nächstes kann entsprechend der Veranlagung der Natur entweder das Licht kommen (welches das Wissen mit sich bringt) oder die Kraft (welche Stärke und Dynamik von vielerlei Art bringt) oder das Ananda (welches die Liebe und Freude des Daseins bringt). Der Friede aber ist die erste Voraussetzung, ohne den nichts sonst dauerhaft sein kann.
Worte der Mutter
Wenn man also auf dem Weg sicher gehen will, scheint es mir, dass das Streben nach Frieden, nach vollkommener Stille, nach vollkommenem Gleichmut, nach einer Erweiterung des Bewusstseins, einem umfassenderen Verständnis und der Befreiung von jeglichem Verlangen, jeglicher Vorliebe, jeglicher Anhaftung sicherlich eine unerlässliche Vorbedingung ist.
Das ist die Gewährleistung für innere und äußere Ausgeglichenheit.
Worte Sri Aurobindos
Friede ist für alles notwendig; ohne den Frieden und eine wachsende Reinheit kann man, auch wenn man sich öffnet, nicht alles vollständig empfangen, was durch das Öffnen herabkommt. Licht ist ebenfalls für alles notwendig – ohne Licht kann man aus dem Herabkommenden keinen vollen Nutzen ziehen.
Worte Sri Aurobindos
Ruhe, Ruhe und noch mehr Ruhe, stille Kraft, stille Freude sind das, was im Mental, in den Nerven und im Körper als Grundlage für die Siddhi benötigt werden – gerade weil die Kraft, das Licht, das Ananda, die herabkommen, extrem intensiv sind und eine große Stille im Wesen brauchen, um sie zu ertragen und zu stützen.
Worte Sri Aurobindos
Aber es gibt auch vieles oberhalb des menschlichen Mentals, und das ist es, was du wie eine Welt über deinem Kopf empfindest. All das sind die gewöhnlichen Erfahrungen unseres Yoga. Es ist nur ein Anfang. Aber damit es sich weiterentwickeln kann, musst du zunehmend ruhiger werden, zunehmend fähiger, zu bewahren, was kommt, ohne dabei zu eifrig und erregt zu werden. Friede und Stille sind das Erste und damit verbunden Weite – in diesem Frieden kannst du jede Art Liebe, die kommt oder Ananda, das kommt, jede Art Kraft oder jedes Wissen aushalten.
Worte Sri Aurobindos
Stille, selbst wenn sie zu Beginn etwas Negatives zu sein scheint, ist so schwierig zu erlangen, dass sie überhaupt zu besitzen als ein großer Fortschritt angesehen werden muss.
Tatsächlich ist Stille nichts Negatives, sie ist die eigentliche Natur des Sat-Purusha und die unbedingte Grundlage des göttlichen Bewusstseins. Was immer man sonst erstrebt und gewinnt, diese Stille muss bewahrt werden. Selbst Wissen, Macht und Ananda können, wenn sie kommen und diese Grundlage nicht vorfinden, nicht verweilen, sondern müssen sich zurückziehen, bis die göttliche Reinheit und der göttliche Friede des Sat-Purusha immer gegenwärtig sind.
Worte Sri Aurobindos
Das sind sehr gute Nachrichten. Der Friede, der sich im System einstellt, und damit eine glückliche Aktivität – das ist die Grundlage für deinen Yoga, den ich dir immer gewünscht habe – ein sonniger Zustand, in dem das, was hereinkommt, sich wie eine Knospe zur Blüte entfaltet, und das, was abfallen muss, zu seiner Zeit abfällt wie eine abgeworfene Haut.
Worte Sri Aurobindos
Das erste in der Sadhana ist, einen beständigen Frieden, ein beständiges Schweigen im Mental zu erlangen. Andernfalls ist es zwar durchaus möglich, Erfahrungen zu haben, doch wird nichts von Dauer sein. Im stillen Mental vermag man das wahre Bewusstsein zu begründen.
Worte Sri Aurobindos
Läuterung und Stille sind die ersten Erfordernisse im Yoga. Ohne sie kann man eine große Fülle von Erfahrungen jeder Art haben (Welten, Visionen, Stimmen usw.), doch sind diese Erfahrungen, die in einem ungeläuterten und gestörten Bewusstsein stattfinden, gewöhnlich sehr verworren und vermischt.
Worte Sri Aurobindos
Man kann Einflüsse von oben empfangen, solange aber das Mental nicht voller höherer Stille, Frieden, Schweigen ist, kann man keinen direkten Kontakt haben. Diese Einflüsse werden vermindert, mentalisiert, vitalisiert und sind nicht die Mächte der höheren Ebenen in ihrem ursprünglichen Charakter.
Worte Sri Aurobindos
Sobald der Friede oder das Schweigen einmal völlig gefestigt sind, können keinerlei Bewegungen an der Oberfläche sie gefährden oder zerstören. Sie vermögen alle Bewegungen des Universums zu tragen und bleiben dennoch unverändert.
Worte Sri Aurobindos
Ist der Friede im Wesen einmal voll gefestigt, dann werden diese Dinge (die Reaktionen des niederen Vitals) ihn nicht mehr erschüttern können. Sie mögen zunächst als kleine Wellen an der Oberfläche erscheinen, dann nur als Einflüsse, die man betrachtet oder die zu betrachten man nicht der Mühe wert hält, auf keinen Fall aber gelangen sie in das Innere und beeinflussen oder stören auf irgendeine Weise.
Es ist etwas schwierig auszudrücken, aber es ist gewissermaßen wie ein Berg, auf den man Steine wirft; wenn der Berg durch und durch bewusst wäre, würde er die Berührung der Steine zwar spüren, doch als etwas so Leichtes und Oberflächliches, dass es ihn nicht im geringsten stören würde. Zuletzt verschwindet sogar diese Empfindung.
Worte Sri Aurobindos
Die Stille, die Loslösung, eine friedvolle Stärke und Freude (atmarati) müssen in das Vital und Physische herabgebracht werden und ebenso in das Mental. Ist dies gefestigt, dann ist man nicht länger eine Beute für die Stürme vitaler Kräfte. Doch diese Stille, dieser Friede, die verhaltene Stärke und Freude sind nichts als ein erstes Herabkommen der Macht der Mutter in das menschliche System; den Adhara.
Worte Sri Aurobindos
Das erste Ergebnis der Herabkunft ist die Stille, die er erfährt; denn nur in einem stillen Mental und Vital (manah-prana) kann die Göttliche Shakti ihr Werk angemessen verrichten.
Worte Sri Aurobindos
Die Gefahr der mentalen Kräfte besteht darin, dass sie, wenn das höhere Bewusstsein herabkommt, dazu neigen (wenn keine tiefe Stille herrscht), im Bewusstsein aktiv zu werden, um Ideen mentaler Art zu bilden, die immer falsch angewandt werden können. Zuerst sollte eine Basis von völliger Stille, völligem Frieden und Schweigen vorhanden sein – wenn es eine Aktivität gibt, dann sollte es die eines herabkommenden Wissens sein, das der mentale Geist stillschweigend und genau empfängt. Das kann man leicht erreichen, vorausgesetzt, der mentale Geist ist ruhig.
Worte Sri Aurobindos
Was immer auch kommt [Licht, Ananda, Kraft, Glückseligkeit], ist willkommen zu heißen, denn es gibt keine absolut gültige Regel für alle – wenn aber nicht zuerst der Friede eingetreten ist, muss man sich davor hüten, in Jubel auszubrechen oder das Gleichgewicht zu verlieren. Die wichtigste Bewegung jedoch vollzieht sich, wenn die Göttliche Kraft oder Shakti, die Macht der Mutter herabkommt und vom Wesen Besitz ergreift, denn dann beginnt die [systematische] Gestaltung des Bewusstseins und die umfassendere Gründung des Yoga.
Worte Sri Aurobindos
Je mehr die Stille, der Friede, die Freude und das Glück herabkommen und Besitz ergreifen, desto stärker ist das Fundament. Das ist das Zeichen für den Kontakt [mit dem Göttlichen].
Kapitel 9
Die erste Vorbereitung: Still und gelassen zu werden
Worte Sri Aurobindos
Still, gelassen und ruhig zu sein, ist nicht die erste Voraussetzung für die Sadhana, sondern für die Siddhi. Es sind nur wenige Menschen (sehr wenige, einer, zwei, drei, vier von hundert Sadhaks), die dies von Anfang an erlangen können. Die meisten müssen durch eine lange Vorbereitung gehen, bevor sie auch nur in die Nähe davon gelangen. Sogar danach, wenn sie beginnen, den Frieden und die Stille zu spüren, braucht es Zeit, um diese zu festigen – sie schwanken für eine ziemlich lange Zeit zwischen Frieden und Unruhe, bis alle Teile der Natur die Wahrheit und den Frieden akzeptiert haben. Es gibt also keinen Grund für dich, anzunehmen, dass du nicht vorankommst oder ankommst. Du hast große Schwierigkeiten mit einem Teil deines Wesens, der daran gewöhnt war, sich diesen Gefühlen zu öffnen, der Trennung von der Mutter und der Bindung an Verwandte, und der nicht bereit ist, sie aufzugeben – das ist alles. Aber jeder findet solche hartnäckigen Schwierigkeiten in diesem Teil des Wesens, selbst die hier erfolgreichsten Sadhaks. Man muss ausharren, bis das Licht dort obsiegt.
Worte Sri Aurobindos
Still zu sein, stetig, im Geist, gefestigt dhira, sthira, diese Ruhe des Mentals, die Trennung des inneren Purusha von der äußeren Prakriti – all dies ist durchaus hilfreich und beinahe unerlässlich. Solange das Wesen dem Gedankenwirbel oder dem Durcheinander der vitalen Regungen unterworfen ist, kann man nicht still und im Geist gefestigt sein. Es ist unerlässlich sich abzulösen, zurückzustehen, sie als nicht zu sich gehörend zu empfinden.
Worte Sri Aurobindos
Der Aufruhr der mentalen (intellektuellen) Aktivität muss ebenso zum Schweigen gebracht werden wie die vitale Aktivität des Verlangens, damit die Stille und der Friede vollkommen sein können. … In dieser Stille werden die gewöhnlichen mentalen Aktivitäten wie die gewöhnlichen vitalen Aktivitäten zu Oberflächenbewegungen, mit denen das schweigende innere Selbst nicht verbunden ist.
Worte Sri Aurobindos
Der erfahrene Yogi weiß, dass die kleinen Anfänge von höchster Wichtigkeit sind, dass sie der Pflege bedürfen und ihrer Entwicklung mit großer Geduld stattgegeben werden muss. Er weiß zum Beispiel, dass die neutrale, für den vitalen Eifer des Sadhaks so unbefriedigende Ruhe der erste Schritt zu jenem Frieden ist, der alles Verstehen übersteigt, … dass die Herabkunft, die den Körper in konzentriertem Schweigen erstarren lässt, die erste Berührung von etwas ist, an dessen Ende die Göttliche Gegenwart steht. Er ist nicht ungeduldig; er ist vielmehr auf der Hut, die beginnende Entwicklung nicht zu stören.
Worte Sri Aurobindos
Diese Ruhe ist keineswegs Tamas – es ist eine Ruhe der gewöhnlichen rajasischen Regungen der Natur (Verlangen, Kummer, Anhaftung und andere Reaktionen), die sehr wichtig ist, damit Friede einkehren kann. Es ist das, was wir das ruhige Vital nennen können – in ein ruhiges Mental und ruhiges Vital vermag das wahre spirituelle Bewusstsein am leichtesten einzutreten.
Worte Sri Aurobindos
Das einzig Wichtige ist, sich von der Gewohnheit des Eindringens störender Gedanken und falscher Gefühle frei zu machen, von dem Wirrwarr der Ideen, den unglücklichen Regungen usw. Diese stören die Natur und umwölken sie und erschweren der Kraft das Wirken. Wenn das Mental ruhig und friedvoll ist, kann die Kraft leichter wirken.
Worte der Mutter
Jemand hat mich gefragt, was ich mit diesen Worten meinte:
„Man muss still sein“.
Es liegt auf der Hand, dass ich, wenn ich zu jemandem sage: „Sei still“, viele verschiedene Dinge meine, der jeweiligen Person entsprechend. Die erste unerlässliche Stille aber ist die mentale Ruhe, denn diese fehlt im Allgemeinen am meisten. Wenn ich zu jemanden sage: „Sei still“, meine ich: Versuche, keine rastlosen, erregten und aufgewühlten Gedanken zu haben; versuche, dein Mental zu beruhigen, und höre damit auf, all deine Einbildungen und Beobachtungen und mentalen Gestaltungen umherzuwälzen.
Man sollte gerechterweise eine Frage hinzufügen: Du sagst uns: „Sei still“, doch was sollen wir tun, um still zu sein? … Die Antwort ist immer mehr oder weniger die gleiche: du musst vor allem das Bedürfnis danach haben und es wollen, und dann danach streben und es versuchen! Es gibt unzählige Methoden, die vorgeschrieben und von vielen getestet wurden. Diese Methoden sind im Allgemeinen langwierig, mühsam und schwierig; und bevor sie das Ziel erreicht haben, verlieren viele Menschen den Mut, denn je mehr sie sich bemühen, um so mehr beginnen ihre Gedanken umherzuwirbeln und rastlos in ihren Köpfen zu werden.
Für jeden ist die Methode verschieden, doch zuerst muss man die Notwendigkeit fühlen, aus welchem Grund auch immer – sei es, dass man müde ist oder überanstrengt, oder weil man sich tatsächlich über den Zustand, in dem man lebt, erheben will – man muss es zuerst verstehen, man muss die Notwendigkeit dieser Ruhe fühlen, dieses Friedens im Mental. Später dann kann man alle Methoden nacheinander ausprobieren, bekannte und unbekannte, um zu dem Ergebnis zu kommen.
Worte der Mutter
Man erkennt dann rasch, dass es noch eine andere Ruhe gibt, die erforderlich ist und sogar sehr dringend benötigt wird – es ist die vitale Ruhe, das heißt die Abwesenheit des Begehrens. Doch das Vital, wenn es nicht hinreichend entwickelt ist, schläft entweder ein oder streikt, sobald es sich ruhig verhalten soll; es sagt: „Oh nein, nichts da, ich gehe nicht weiter. Wenn du mir nicht die Nahrung gibst, die ich brauche, Aufregung, Enthusiasmus, sogar Leidenschaft, ziehe ich vor, mich nicht zu bewegen, und werde nichts mehr tun.“ Hier wird dann das Problem etwas heikler und vielleicht sogar noch schwieriger; denn von Aufregung in Trägheit zu verfallen, ist sehr weit davon entfernt, ein Fortschritt zu sein! Man darf niemals Trägheit oder eine schläfrige Passivität mit Stille verwechseln.
Worte Sri Aurobindos
Die Fähigkeit, dieses Schweigen und diesen Frieden zu erlangen, ist ein höchst wichtiger Schritt in der Sadhana. Sie [das Schweigen und der Frieden] treten zuerst in der Meditation auf und können das Bewusstsein nach innen, in die Trance versetzen, nachher aber müssen sie im Wachzustand stattfinden und sich als dauernde Grundlage für alles Leben und alle Tätigkeit festigen. Das ist die Voraussetzung für die Verwirklichung des Selbstes und die spirituelle Transformation der Natur.
Worte der Mutter
Ein ständiges Wortgeplätscher scheint der unvermeidliche Begleiter bei der täglichen Arbeit zu sein. Und trotzdem erkennt man, sobald man sich bemüht den Lärm auf ein Minimum zu reduzieren, dass viele Dinge im Schweigen besser und schneller getan werden und dies hilft, den inneren Frieden und die Konzentration aufrecht zu erhalten.
Wenn du nicht allein bist und mit anderen zusammen lebst, kultiviere die Gewohnheit, dich nicht ständig durch lautes Sprechen nach außen zu wenden. Und du wirst bemerken, dass sich ganz allmählich ein inneres Verstehen zwischen dir und anderen einstellt. Du wirst dann mit den anderen mit einem Minimum an Worten oder sogar ganz ohne Worte kommunizieren können. Diese äußere Stille ist für inneren Frieden sehr vorteilhaft, und mit gutem Willen und beharrlichem Bemühen wirst du eine harmonische Atmosphäre schaffen können, die dem Fortschritt sehr förderlich ist.
Worte Sri Aurobindos
Mein Mental wird für einige Zeit ruhig, aber dann stürmen viele absurde Gedanken auf mich ein und ich kann sie nicht zur Ruhe bringen. Dann fühle ich mich sehr unruhig. Wie lange wird es dauern, bis mein mentaler Geist zur Ruhe kommt?
Was im Leben noch unruhig ist, muss zur Ruhe kommen, damit der Friede des mentalen Geistes ausgewogen und beständig ist. Er muss kontrolliert werden, aber Kontrolle allein reicht nicht aus. Mutters Kraft muss immer gerufen werden.
Kapitel 10
Der genaue Vorgang der Herbeiführung der Herabkunft des Friedens
Worte Sri Aurobindos
Das Ergebnis der Konzentration tritt in der Regel nicht sofort ein, obwohl es bei einigen zu einem schnellen und plötzlichen Aufblühen kommt; doch bei den meisten gibt es eine längere oder kürzere Zeit der Anpassung oder Vorbereitung, besonders wenn die Natur nicht bereits in gewissem Maße durch Aspiration und Tapasya vorbereitet wurde.
Worte Sri Aurobindos
Es versteht sich von selbst, dass zuerst ein Zustand der Stille und des Friedens eintreten sollte, bevor du beginnst, dich zu konzentrieren. Wichtig ist, dass dieser Zustand vorhanden ist, wann immer du dich konzentrierst, und dass auch der Druck hierfür immer vorhanden ist. Manchmal besteht das Ergebnis aber nur aus einer gewissen mentalen Ruhe und dem Freisein vom Denken.
Worte Sri Aurobindos
Sich von der Aktivität des mechanischen Mentals abzulösen, ist das erste Erfordernis, so dass dieser wie vorübergehender Straßenlärm scheint, den man ignorieren kann. Dann werden Ruhe und Friede des Mentals durch diese Aktivität nicht mehr gestört.
Wenn Friede und Schweigen immerfort herabkommen, werden sie gewöhnlich so intensiv, dass sie auch das physische Mental nach einer Zeit ergreifen.
Worte Sri Aurobindos
Ich habe mich sehr über deinen Brief gefreut und vor allem darüber, dass du mehr Frieden gefunden hast. Das ist es, was man zuerst braucht, die Verankerung eines natürlichen Friedens und der Ruhe in der Natur – der spirituelle Friede ist eine größere Sache, die danach kommen kann.
Nun zur Konzentration. Meist ist das Bewusstsein überall, es ist zerstreut und bewegt sich in allen Richtungen auf der Suche nach diesen oder jenen Gegenständen und nach Objekten mannigfacher Art. Wenn irgendetwas Dauerhaftes geschehen soll, muss als erstes dieses ganze verstreute Bewusstsein zurückgezogen und konzentriert werden. Es ist dann gleichsam dazu gezwungen, auf einen Ort oder eine Beschäftigung konzentriert zu sein, auf ein Thema oder Ziel – so, als würdest du ein Gedicht schreiben oder ein Botaniker eine Blume untersuchen. Wenn es das Denken ist, auf das man sich konzentriert, liegt der Ort gewöhnlich irgendwo im Gehirn, und wenn es das Gefühl ist, liegt er im Herzen. Die yogische Konzentration ist einfach eine Ausdehnung und Intensivierung der gleichen Sache. Es kann auf ein Objekt gerichtet sein, so als würde man sich auf einen leuchtenden Punkt konzentrieren, trataka – dann muss man sich so konzentrieren, dass man nur diesen Punkt sieht, und darf keinen anderen Gedanken haben als diesen. Es kann auf eine Idee, ein Wort oder einen Namen gerichtet sein, auf die Idee des Göttlichen, die Silbe OM, den Namen Krishna oder aber auf eine Kombination von Idee und Wort oder von Idee und Namen. Darüber hinaus konzentriert man sich im Yoga auch auf einen bestimmten Ort. Es gibt die bekannte Regel, sich zwischen den Augenbrauen zu konzentrieren, wo sich das Zentrum des inneren Mentals, der okkulten Schau und des Willens befindet, und von dort aus fest an das zu denken, was du zum Gegenstand deiner Konzentration machst, oder aber zu versuchen, sein Bildnis von dort zu sehen. Wenn dir dies gelingt, fühlst du nach einer Weile, dass dein gesamtes Bewusstsein auf diesen Ort konzentriert ist – natürlich nur für die betreffende Zeit. Nachdem man dies eine gewisse Zeit lang und oft wiederholt hat, wird es leicht und normal.
Ich hoffe, dies ist soweit klar. Nun, in diesem Yoga tust du das gleiche – du konzentrierst dich nicht notwendigerweise auf diesen bestimmten Ort zwischen den Augenbrauen, sondern irgendwo im Kopf oder im Zentrum der Brust, wo die Physiologen das Kardial- Zentrum festgelegt haben. Statt dich auf ein Objekt zu konzentrieren, konzentrierst du dich im Kopf auf einen Willen, auf einen Ruf nach der Herabkunft des Friedens oder – wie es manche tun – auf ein Sich-Öffnen des unsichtbaren Lides und den Anstieg des Bewusstseins nach oben.…
Man kann fragen, was aus dem übrigen Bewusstsein wird, wenn diese örtliche Konzentration stattfindet. Nun, es gelangt entweder zum Schweigen wie in jeder Konzentration, oder aber, wenn dies nicht der Fall ist, können sich Gedanken oder andere Dinge umherbewegen als wären sie außerhalb, während der konzentrierte Teil nicht an ihnen teilnimmt oder sie gar nicht bemerkt. So ist es bei einer einigermaßen erfolgreichen Konzentration.
Man darf sich anfangs, solange man nicht daran gewöhnt ist, durch zu lange Konzentration nicht ermüden, denn in einem erschöpften Mental verliert sie ihre Kraft und ihren Wert. Man kann „entspannen“ und meditieren, statt sich zu konzentrieren. Nur wenn die Konzentration zu etwas Normalem wird, kann man sie auf eine immer längere Zeit ausdehnen.
Worte Sri Aurobindos
Wenn sich das innere Mental-Zentrum öffnet, kann der Friede usw. von oben leicht in das Mental eintreten, später dann in das Vital, und beide, Mental und Vital, werden ruhig.
Worte Sri Aurobindos
Bleibe ruhig und kümmere dich nicht darum, wenn es für einige Zeit eine leere Ruhe ist; das Bewusstsein ist oft wie ein Gefäß, dessen vermischten und unerwünschten Inhalt man leeren muss; und dann muss es eine Weile leer bleiben, bis es mit neuen und wahren, mit guten und reinen Dingen gefüllt werden kann. Eines gilt es zu vermeiden, das Wiederauffüllen des Gefäßes mit dem alten, trüben Inhalt. Warte in der Zwischenzeit, öffne dich nach oben, rufe sehr ruhig und stetig und mit nicht zu rastlosem Eifer den Frieden, damit er in das Schweigen eintreten möge – und ist einmal der Friede vorhanden, dann bitte um die Freude und Präsenz.
Worte Sri Aurobindos
Der Sadhak hat daher diese Eindringlinge vorsichtig zurückzuweisen und zu vertreiben, damit zumindest während der Meditation der Friede und die Stille des Mentals und Vitals vollständig bewahrt werden. Dies geschieht am besten, indem man einen starken und schweigenden Willen bewahrt. Dieser Wille ist der Wille des Purusha hinter dem Mental, und sobald das Mental zu Frieden und Schweigen gelangt ist, kann man diesen Purusha wahrnehmen – der ebenfalls schweigend und von der Tätigkeit der Natur getrennt ist.
Worte der Mutter
Wenn du dich in Meditation begibst, musst du so unverstellt und einfach sein wie ein Kind, nicht mit dem äußeren Geist dazwischenfunken, nichts erwarten, auf nichts bestehen. Hast du diesen Zustand erlangt, dann kommt alles auf die Sehnsucht an, die in dir ist. Erstrebst du zutiefst Frieden, so gewährt er sich dir; ist es Kraft, Macht, Wissen, so gewähren auch sie sich — alle aber nur im Maße deines Fassungsvermögens. Und wenn du das Göttliche rufst, auch dann – vorausgesetzt, dass es deinen Ruf hört, das heißt, dass dein Ruf genügend rein und stark ist, um es zu erreichen – empfängst du seine Antwort.
Worte Sri Aurobindos
Ist man hier [im Kopf] einmal konzentriert, dann muss man das schweigende mentale Bewusstsein nach oben hin für alles öffnen, was sich über dem Mental befindet. Nach einiger Zeit fühlt man, wie das Bewusstsein aufsteigt, wie es sich schließlich über jenes Lid erhebt, von dem es so lange Zeit im Körper festgehalten wurde, und ein Zentrum über dem Kopf findet, von wo es in das Unendliche befreit wird. Dort beginnt es mit dem universalen Selbst, mit dem Göttlichen Frieden, dem Licht, der Macht, dem Wissen, der Seligkeit in Kontakt zu kommen, dort einzutreten und zu all dem zu werden – und die Herabkunft dieser Dinge in die Natur zu fühlen.
Worte Sri Aurobindos
Eine Enthüllung von innen oder eine Herabkunft von oben sind die beiden souveränen Wege der Yoga-Siddhi. Eine Bemühung des äußeren Oberflächenmentals oder der Emotionen, eine Art von Tapasya, mag den Anschein erwecken, etwas von diesen Dingen hervorzubringen, aber die Ergebnisse sind gewöhnlich ungewiss und unvollständig, verglichen mit dem Ergebnis der beiden radikalen Wege. Deshalb bestehen wir in diesem Yoga immer auf einer ‘Öffnung’ – einer Öffnung nach innen des inneren Mentals, Vitals und Physischen zum Allerinnersten in uns, dem Seelischen, und einer Öffnung nach oben zu dem, was oberhalb des Mentals ist – als unerlässlich für die Früchte der Sadhana.
Worte Sri Aurobindos
Die zweite Öffnung wird durch eine Konzentration des Bewusstseins im Kopf (und später oberhalb) bewirkt, durch eine Aspiration und ein Rufen und einen anhaltenden Willen zur Herabkunft des göttlichen Friedens,…
Worte Sri Aurobindos
Deine Empfindung vom Nachmittag, dass das Denken aufhört, sowie das Gefühl, dass sich etwas in deinem Inneren über den Kopf hinaus erhebt, gehört zur Bewegung der Sadhana. Es gibt ein höheres Bewusstsein über dir, nicht im Körper, sondern über dem Kopf, das wir das höhere, spirituelle oder göttliche Bewusstsein oder das Bewusstsein der Mutter nennen. Wenn sich das Wesen öffnet, beginnt alles in dir, das Mental (Kopf), das emotionale Wesen (Herz), das Vital, sogar ein Teil des physischen Bewusstseins, aufzusteigen, um sich mit diesem größeren, höheren Bewusstsein zu verbinden. Wenn man mit geschlossenen Augen dasitzt und meditiert, hat man das Gefühl des Aufsteigens, wie du es beschreibst. Es wird das Aufsteigen des niederen Bewusstseins genannt. Später beginnen die Dinge von oben herabzukommen, Friede, Freude, Licht, Stärke, Wissen usw., und eine große Veränderung in der [menschlichen] Natur nimmt ihren Anfang. Es ist das, was wir die Herabkunft des höheren Bewusstseins (dem der Mutter) nennen.
Worte Sri Aurobindos
Sobald der Friede gefestigt ist, kann diese höhere oder Göttliche Kraft von oben herabkommen und in uns wirken. Sie kommt im Allgemeinen zuerst in den Kopf herab und befreit die inneren Mental-Zentren, dann in das Herz-Zentrum, wo sie das seelische und emotionale Wesen befreit, dann in das Nabel-Zentrum und die anderen Vital-Zentren, wo sie das innere Vital befreit, dann in das Muladhara und darunter, wo sie das innere physische Wesen befreit. Sie wirkt gleichzeitig sowohl auf die Vollendung als auch auf die Befreiung hin; sie erfasst die ganze [menschliche] Natur, Stück um Stück, und wirkt darauf ein, zurückweisend, was zurückgewiesen werden muss, verfeinernd, was verfeinert werden muss, erschaffend, was erschaffen werden muss. Sie integriert, harmonisiert und errichtet einen neuen Rhythmus in der Natur. Sie vermag auch eine höhere und immer höhere Kraft, einen immer höheren Bereich der höheren Natur herabzubringen, bis es möglich ist – wenn dies das Ziel der Sadhana ist –, die supramentale Kraft und das supramentale Dasein herabzubringen. All dies wird durch die Arbeit des seelischen Wesens im Herz-Zentrum vorbereitet, gefördert und unterstützt; je mehr dieses offen, im Vordergrund befindlich und tätig ist, umso schneller, sicherer und leichter kann das Wirken der Kraft sein. Je mehr die Liebe und Bhakti und Hingabe im Herzen wachsen, umso rascher und vollkommener findet die Entwicklung der Sadhana statt. Denn die Herabkunft und Transformation beziehen gleichzeitig einen wachsenden Kontakt und eine wachsende Einung mit dem Göttlichen mit ein.
Worte Sri Aurobindos
Wenn der Friede und die Macht, die auf den Kopf und die Brust einwirken, in den Magen und noch weiter herabgekommen sind, würde es bedeuten, dass sie nicht mehr nur auf das Mental und emotionale Wesen einwirken, sondern auch voll auf das Vital – das ist ein großer Fortschritt.
Die Begierden, die du erwähnst, sind jene des Vital-Physischen im feinen, physischen Bewusstsein – der Impuls zu sprechen, der essentielle Hunger, Durst usw. Der volle Friede und die volle Ruhe im Vital-Physischen und feinen Physischen bis hinab zu den niederen Ebenen sind für die ganze zu geschehende Wandlung notwendig.
Worte Sri Aurobindos
Zu niemandem kommen die göttliche Stille und der göttliche Friede ununterbrochen in den frühen Stadien des Yoga – sie kommen nach und nach – manchmal fehlen sie für längere Zeit, oder es gibt starke Attacken, die sie überschatten. Erst durch eine lange Sadhana erlangt man den dauerhaften Frieden.
Worte Sri Aurobindos
Zu Beginn dauern der Friede und die Stille nicht an, sie kommen und gehen, und es braucht lange Zeit, sie in der Natur zu festigen. Es ist daher besser, Ungeduld zu vermeiden und stetig mit dem weiter zu machen, was man tut. Wenn du etwas jenseits von Friede und Stille haben willst, dann lass es das volle Sich-Öffnen des inneren Wesens und das Bewusstsein der in dir wirkenden Göttlichen Macht sein. Strebe danach, aufrichtig und mit großer Intensität, doch ohne Ungeduld, und es wird kommen.
Worte Sri Aurobindos
Noch etwas. Bei diesem Vorgang der Herabkunft und dem Wirken von oben ist es äußerst wichtig, sich nicht völlig auf sich selbst, sondern auch auf die Führung durch den Guru zu verlassen und alles, was sich ereignet, seinem Urteil, seiner Entscheidung und seinem Beschluss anheimzustellen. Denn es geschieht häufig, dass die Kräfte der niederen Natur durch die Herabkunft belebt und erregt werden und sich mit ihr vermischen und sie zu ihrem Vorteil benutzen wollen. Oft geschieht es aber auch, dass eine bestimmte Macht oder Mächte, die ihrem Wesen nach ungöttlich sind, sich als der Höchste Gott oder die Göttliche Mutter darstellen und den Dienst und die Hingabe des [menschlichen] Wesens fordern. Wenn diese Dinge akzeptiert werden, ergeben sich daraus höchst verheerende Folgen. Wenn der Sadhak hingegen allein dem Göttlichen Wirken zustimmt und sich dieser Führung unterwirft oder überantwortet, kann alles glatt vonstatten gehen. Diese Zustimmung und eine Zurückweisung aller egoistischen Kräfte oder jener Kräfte, die das Ego ansprechen, sind ein Schutz während der ganzen Sadhana. Die Wege der Natur jedoch sind voller Fallen, die Verkleidungen des Egos unzählbar und die Trugbilder der Mächte der Dunkelheit, Rakshasi Maya, außerordentlich geschickt; der Verstand ist ein unzulänglicher Führer und wird oft zum Verräter; vitales Begehren steckt immer in uns und verleitet uns, jedem verlockenden Ruf zu folgen. Das ist der Grund, weshalb wir in diesem Yoga so sehr auf dem bestehen, was wir samarpana nennen – in Englisch ziemlich unzulänglich mit dem Wort „Hingabe“ ausgedrückt. Wenn sich das Herz-Zentrum voll geöffnet und die Seele die ständige Kontrolle übernommen hat, erübrigt sich jede Frage, alles ist sicher. Die Seele aber kann in jedem Augenblick durch eine Aufwallung von unten verhüllt werden. Nur wenige sind diesen Gefahren nicht ausgesetzt, und es sind meist jene, denen die Hingabe leicht fällt. Die Führung durch jemanden, der durch Identität das Göttliche selbst ist oder es vertritt, ist in diesem schwierigen Unternehmen zwingend und unerlässlich.
Worte Sri Aurobindos
Wenn einmal diese Erfahrungen begonnen haben, wiederholen sie sich meist, ob die allgemeine Veranlagung gut ist oder nicht. Sie können natürlich keine radikale Wandlung bewirken, solange sie sich nicht festigen und im ganzen Wesen normal werden oder zumindest in seinem inneren Teil. Im letzteren Fall können die alten Regungen immer noch stattfinden, doch werden sie als etwas recht Oberflächliches empfunden, und die Sadhana entwickelt sich trotz ihnen weiter.
Worte Sri Aurobindos
Zu Beginn ist der Friede und die Stille nur für eine kurze Zeit so. Der Adhara kann sie nicht bewahren, da sein eigener natürlicher Zustand ein anderer ist. Aber danach nimmt die Kraft des Bewahrens zu, bis sie zumindest in einem Teil des Wesens konstant ist.
Worte der Mutter
Die Herabkunft von Stille und Licht, die du erfährst, ist ein Zeichen dafür, dass die Sadhana tatsächlich in dir begonnen hat; es zeigt, dass du jetzt bewusst für die Göttliche Kraft und ihr Wirken offen bist. Die Herabkunft von Stille und Licht in das Wesen stellt den Beginn der grundlegenden Arbeit des Yoga dar. Zuerst mag es nur im Mental und im oberen Teil des Körpers zu spüren sein, aber danach dringt es weiter nach unten, bis alle Zentren berührt wurden und es im ganzen Körper erfahren wird. Zuerst dauert es nur ein oder zwei Augenblicke, danach hält es längere Zeit an.
Worte Sri Aurobindos
Wie stark die Attacke auch sein mag, und selbst, wenn sie dich vorläufig überwältigt, – sie wird rasch vorbeigehen, sobald du daran gewöhnt bist, dich der Mutter zu öffnen. Der Friede wird zurückkommen, wenn du ruhig bleibst und dich offen für ihn und für die Kraft hältst. Wenn sich einmal etwas von der Wahrheit in dir gezeigt hat, wird sie immer wieder scheinen, wie die Sonne am Himmel, selbst wenn sie für eine Weile von falschen Regungen stark verdunkelt ist. Habe daher Ausdauer und Vertrauen und verliere nie den Mut.
Worte Sri Aurobindos
Ich habe gesagt, dass der entscheidendste Weg, um den Frieden oder das Schweigen zu erlangen, ein Herabkommen von oben ist.
…der Sadhak ist sich dieses Vorgangs nicht immer bewusst; er fühlt, wie sich der Friede in ihm niederlässt oder zumindest manifestiert, aber er ist sich nicht bewusst, wie und woher er kommt.
Worte Sri Aurobindos
In manchen strömt sie [die Herabkunft] wie eine Flut herab, in anderen wächst sie methodisch und bedachtsam an. Ich glaube nicht, dass die Herabkunft des Friedens auf Gefährten zu warten pflegt – viel eher will sie zuerst ganz allein sein und dann ihre Freunde mit der Botschaft herabrufen: Kommt, ich habe die Stätte für euch ganz vorbereitet.
Worte Sri Aurobindos
Ich freue mich zu hören, dass diese Erfahrungen kommen – sie zeigen einen sich rasch entwickelnden Fortschritt an. Die Herabkunft wie von tröpfelndem Regen ist eine sehr charakteristische und wohlbekannte Weise des Herabkommens des höheren Bewusstseins; es bringt den Frieden, aber auch alle anderen Möglichkeiten des höheren Bewusstseins und, wie du richtig empfunden hast, die Keime für die Transformation des physischen Bewusstseins – die Keime der Mächte und Eigenschaften der höheren Natur.
Worte Sri Aurobindos
Erfahrungen und Einwirkungen von oben sind zur Vorbereitung sehr gut, aber die Wandlung des Bewusstseins ist die gewollte Sache – sie ist der Beweis, dass die Erfahrungen und Einwirkungen von oben eine Auswirkung hatten. Das Herabkommen des Friedens ist in Ordnung, aber die Stille und das Schweigen des Mentals, die ständig zunehmen, sind etwas Wertvolleres. Wenn das vorhanden ist, können andere Dinge kommen – meist eines nach dem anderen, Licht oder Stärke und Kraft, oder Wissen oder Ananda. Es ist nicht notwendig, dass man immer wieder die gleichen vorbereitenden Erfahrungen hat – es kommt eine Zeit, in der das Bewusstsein eine neue Haltung einnimmt und in einen anderen Zustand übergeht.
Kapitel 11
Die Methode der Mutter, Frieden und Stille im Mental zu begründen
Worte der Mutter
Wie können wir einen stabilen Frieden und Stille in unserem Mental herstellen?
Zu allererst musst du es wollen.
Und dann musst du es versuchen und durchhalten, es beharrlich weiter versuchen. Es ist ein sehr gutes Mittel, das ich dir gerade genannt habe. Doch es gibt auch andere. Setze dich erst einmal ruhig hin; und dann – anstatt an fünfzig Dinge zu denken, fängst du still an zu sagen: „Frieden, Frieden, Frieden, Frieden, Frieden, Stille, Frieden!“ Du stellst dir Frieden und Stille vor. Du sehnst dich danach und bittest darum, dass sie kommen mögen. Und wenn dann etwas kommt und dich berührt und wirkt, sage ruhig: „Frieden, Frieden, Frieden.“ Schaue nicht auf die Gedanken, höre nicht auf die Gedanken, verstehst du? Du darfst dem, was immer kommt, keine Aufmerksamkeit schenken. Du weißt, wenn jemand dich sehr ärgert, und du willst ihn loswerden, hörst du ihm nicht zu, nicht wahr? Gut! Du drehst deinen Kopf weg (Geste) und denkst an etwas anderes. Nun, du musst das tun: wenn Gedanken kommen, darfst du sie nicht anschauen, darfst ihnen nicht zuhören, darfst sie überhaupt nicht beachten; du musst dich so verhalten, als ob es sie überhaupt nicht gibt, weißt du! Und dann wiederhole die ganze Zeit… – wie soll ich es sagen? – wie ein Idiot, der immer dasselbe sagt… Nun, du musst es genauso machen: du musst wiederholen: „Frieden, Frieden, Frieden.“ Dies versuchst du einige Minuten lang und dann tue, was du zu tun hast. Und dann, bei einem anderen Mal, fängst du von neuem damit an; setze dich wieder hin und versuche es dann. Tue das beim morgendlichen Aufstehen, tue dass, wenn du abends zu Bett gehst. Du kannst das tun… schau, wenn du dein Essen gut verdauen möchtest, kannst du dies vor dem Essen einige Minuten lang tun. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr das deiner Verdauung hilft! Bevor du anfängst zu essen, setze dich eine Weile still hin und sage: „Frieden, Frieden, Frieden!“, und alles wird ruhig. Es scheint, als ob alle Geräusche in weite, weite, weite Ferne rücken (Mutter streckt ihre Arme zu beiden Seiten aus), und dann musst du weitermachen. Und dann kommt eine Zeit, wenn du dich nicht mehr hinsetzen musst, und ganz gleich, was du tust oder sagst, es ist immer „Frieden, Frieden, Frieden“ Alles bleibt hier, so, es kommt nicht hinein (Geste vor der Stirn), es bleibt so. Und dann ist man immer in einem vollkommenen Frieden… nach einigen Jahren.
Aber zu Anfang, einem sehr kleinen Anfang, zwei oder drei Minuten, es ist sehr leicht. Für etwas Kompliziertes musst du dich anstrengen, und wenn man sich anstrengt, ist man nicht ruhig. Es ist schwierig, sich anzustrengen und dabei ruhig zu bleiben. Sehr einfach, sehr unkompliziert, du musst sehr einfach in diesen Dingen sein. Es ist so, als ob du lernst, wie man einen Freund ruft: durch das Gerufen-Werden kommt er. Gut, mache Frieden und Ruhe zu deinen Freunden und rufe sie: „Komm, Frieden, Frieden, Frieden, Frieden komm!“
Worte der Mutter
Der Druck ist ständig da. Gewähre mir Ruhe, meine süße Mutter.
Ich höre nie auf, Frieden, Ruhe und Stille über dich auszugießen, warum nimmst du sie nicht an?
Was muss ich tun, um den Frieden, die Ruhe und die Stille anzunehmen?
Verlange sie aufrichtig und ganzheitlich – nicht nur mit einem Teil deines Wesens.
Worte der Mutter
Und ich bitte Dich immer um Stille und Frieden (wie ich Dir neulich gesagt habe), weil ich weiß, dass man sich, wenn man diese Stille und diesen Frieden immer bewahren kann, nie schlecht fühlt.
Das will ich nicht sein, ich will mich nicht so schlecht fühlen.
Du hast diese Erfahrung des Friedens und der stillen Freude bereits gemacht; du weißt, was das ist, und es wird sicher stärker und beständiger zurückkommen. Bleibe zuversichtlich, quäle dich nicht – auf diese Weise wirst du ihr Kommen beschleunigen.
Herzliche Liebe von deiner Mutter.
Kapitel 12
Strebe nach Herabkunft des Friedens
Worte Sri Aurobindos
Aspiration ist eine Wendung des inneren Wesens nach oben mit einem Ruf, einer Sehnsucht, einem Gebet nach dem Göttlichen, der Wahrheit, dem Bewusstsein, dem Frieden, dem Ananda, dem Wissen, dem Herabkommen der Göttlichen Kraft oder was auch immer das Ziel der Bemühung ist.
Worte Sri Aurobindos
Was du anstreben und in dich herabbringen musst, ist der Friede von Mutters Bewusstsein. Friede, Ruhe, Gleichmut im emotionalen Wesen und vor allem im restlichen Vital – das ist es, was die Emotionen reinigen und das Vital befreien wird.
Worte Sri Aurobindos
Du musst vor allem nach Ruhe, Friede, einem ruhigen Glauben, einer zunehmenden und beständigen Weite, nach mehr und mehr Wissen, nach einer tiefen und intensiven, aber stillen Ergebenheit streben.
Worte Sri Aurobindos
Wenn du jetzt meditierst, dann nur in Stille und Frieden und mit einer ruhigen Aspiration, dass die göttliche Stille und der göttliche Friede in dich herabkommen mögen.
Worte der Mutter
In Zeiten, in denen alles in einem Wirbelsturm ist, sieht man nichts, als sei man in einem heftigen Sturm, der Wind weht von allen Seiten und wirbelt Staub auf. Um sehen zu können, muss alles still werden. Du musst also danach streben und dann in diesen Sturm den Frieden, die Ruhe und Unbewegtheit hineinziehen; gelingt dir das, ist das immer noch eine andere Erfahrung, es ist der Anfang.
Natürlich kann man sich hinsetzen und versuchen… nicht zu meditieren, denn das ist eine Gedankentätigkeit, die nicht zu einer Erfahrung führt, sondern sich zu konzentrieren und zu streben und sich der Kraft von oben zu öffnen; und wenn man das beharrlich genug tut, gibt es einen Moment, in dem man diese Kraft, diesen Frieden oder diese Stille, diese Ruhe herabsteigen, eindringen und ganz weit in das Wesen herabsteigen fühlt. Am ersten Tag mag es sehr wenig sein, und dann wird es allmählich mehr. Auch das ist eine Erfahrung. All das ist leicht zu tun.
Worte der Mutter
Welcher Teil des Wesens strebt nach Liebe, nach Frieden?
Es ist der Teil auf jeder Ebene (physisch, vital oder mental), der für den seelischen Einfluss offen ist.
Worte Sri Aurobindos
Ein intensives Streben ist immer gut, aber es soll auch Stille, Friede und Freude im Mental und Herz herrschen und das Vertrauen, dass alles zu seiner Zeit geschehen wird.
Worte Sri Aurobindos
…eine Aspiration, die intensiv sein kann, aber immer ruhig und beständig sein muss.
Worte Sri Aurobindos
Ich habe versucht zu meditieren, aber ich musste es einfach aufgeben, weil der mentale Geist nicht mitmachen wollte.
Wenn du nicht meditieren kannst, bleibe ruhig und rufe den Frieden oder die Kraft der Mutter herbei.