Kapitel 28
Die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Ohne eine Vertrauensbasis kann nichts Dauerhaftes aufgebaut werden. Und dieses Vertrauen muss auf Gegenseitigkeit beruhen.
Du musst überzeugt sein, dass es nicht nur um mein Wohl geht, sondern auch um deines. Und auf meiner Seite muss ich wissen und spüren, dass du nicht nur hier bist, um zu profitieren, sondern auch um zu dienen.
Es gibt kein Wohlergehen des Ganzen ohne das Wohlergehen eines jeden Einzelnen. Es gibt kein harmonisches Wachstum des Ganzen ohne den Fortschritt jedes einzelnen Teils.
Wenn du das Gefühl hast, dass du ausgebeutet wirst, werde auch ich das Gefühl haben, dass du versuchst, mich auszubeuten. Und wenn du befürchtest, dass du getäuscht wirst, werde auch ich spüren, dass du versuchst, mich zu täuschen.
Nur in Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit und Vertrauen kann die menschliche Gesellschaft vorankommen.
Kapitel 29
Gib stets dein Bestes
Was auch immer die Schwierigkeiten und was auch immer die Umstände sein mögen – Mutter kennt bis ins kleinste Detail die Umstände, unter denen wir die Beherrschung verlieren und bei der Arbeit ungehalten werden, und weil sie das genau weiß, sagt sie – was auch immer die Umstände sein mögen, Unhöflichkeit oder schroffes Verhalten sind niemals zulässig.
Es gibt Schwierigkeiten auf unserem Weg, aber Mutter sagt, dass unsere Schwierigkeiten und Probleme in der Regel so beschaffen sind, dass wir die Fähigkeit haben, sie zu überwinden. Wenn wir unser Bestes geben, werden wir immer in der Lage sein, die Situation zu meistern, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren. Denk daran, jedes Mal, wenn du die Kontrolle über dich selbst verlierst, jedes Mal, wenn du wütend wirst oder äußere Mittel zur Aufrechterhaltung der Disziplin einsetzen musst, bedeutet das, dass du in diesem Moment tief gefallen bist und dich der Situation nicht stellen konntest. In allem, in jeder Hinsicht, läuft es auf eine Regel hinaus – bemühe dich immer, Fortschritte zu machen, versuche, dein wahres Selbst zu sein. Hast du es heute nicht geschafft, musst du es morgen wieder versuchen.
Kapitel 30
Finde Interesse an dem, was du tust
Es gibt in der Arbeit eine Disziplin. Sie besteht darin, keine Vorlieben zu haben und alles, was man tut, mit Interesse zu tun. Für jemanden, der in der Selbstvollendung wachsen will, gibt es keine großen oder kleinen Aufgaben, keine wichtigen und unwichtigen; alle sind gleich nutzbringend für denjenigen, der nach Fortschritt und Selbstmeisterung strebt. Es wird gesagt, man tut eine Sache nur dann gut, wenn man sie mit Interesse tut. Das ist wahr, aber es ist ebenso wahr, dass man lernen kann, an allem Interesse zu finden, selbst an den scheinbar unbedeutendsten Hausarbeiten. Das Geheimnis zu dieser Fähigkeit liegt in dem Drang nach Selbstvollendung. Welcher Beruf oder welche Aufgabe dir auch immer bestimmt ist, du musst sie mit einem Willen zum Fortschritt ausführen; was immer man tut, man muss dabei nicht nur sein Bestes geben, sondern gleichsam immer in einer beharrlichen Anstrengung darum bemüht sein, es immer besser und vollkommener zu machen. Auf diese Weise wird alles ohne Ausnahme interessant, von der materiellsten Routinearbeit bis hin zur künstlerischsten und intellektuellsten Arbeit. Das Betätigungsfeld für die Weiterentwicklung ist unendlich und kann auf die kleinste Sache angewendet werden.
Das führt uns ganz natürlich zur Befreiung im Handeln. Denn man muss in seinem Handeln frei von allen sozialen Konventionen und moralischen Vorurteilen sein. Das bedeutet aber nicht, dass man ein zügelloses und ausschweifendes Leben führen sollte. Im Gegenteil, man legt sich selbst ein Gesetz auf, das weitaus strenger ist als alle sozialen Regeln, denn es toleriert keine Heuchelei und fordert eine vollkommene Aufrichtigkeit.
Ohne Liebe zur Arbeit wird man immer unglücklich im Leben sein.
Um wirklich glücklich im Leben zu sein, muss man Arbeit lieben.
Kapitel 31
Ein fröhlicher Bewohner dieser Welt
In Persien lebte eine Frau, die Honig verkaufte. Sie besaß eine sehr angenehme Art, und die Kunden drängten sich um ihren Stand. Der Dichter, der ihre Geschichte erzählt, behauptet, selbst wenn sie Gift verkauft hätte, die Leute hätten es von ihr gekauft, als wäre es Honig.
Ein griesgrämiger Mann sah, welch großen Gewinn sie mit ihren süßen Waren machte und beschloss, den gleichen Handel zu beginnen.
Also baute er einen Stand auf, doch hinter den Reihen von Honigtöpfen wirkte sein Gesicht wie Essig. Jeder, der zu ihm kam, wurde mürrisch behandelt. Deshalb ging jeder an ihm vorbei und er blieb auf seinen Waren sitzen. „Nicht einmal eine Fliege wagte sich an seinen Honig“, erzählt der Dichter. Als der Abend kam, hatte er immer noch nichts verdient. Eine Frau bemerkte ihn und meinte zu ihrem Mann: „Ein bitteres Gesicht macht auch den Honig bitter.“
War die Honigverkäuferin nur freundlich, um Kunden anzulocken? Lasst uns lieber hoffen, dass ihre Fröhlichkeit ihrem guten Charakter entsprang. Wir sind nicht bloß auf der Welt, um zu kaufen oder zu verkaufen; wir sollten hier einander Kameraden sein. Die Kunden der guten Frau spürten, dass sie mehr war als eine Honigverkäuferin: Sie war eine fröhliche Bewohnerin dieser Welt.
Kapitel 32
Disziplin bei der Arbeit
Ohne Disziplin ist keine ordentliche Arbeit möglich.
Ohne Disziplin ist kein ordentliches Leben möglich.
Und vor allem, ohne Disziplin ist keine Sadhana möglich.
Jede Abteilung hat notwendigerweise ihre eigene Ordnung, und du musst die Regeln deiner Abteilung befolgen.
Persönliche Gefühle, Groll und Missverständnisse dürfen niemals die Arbeit beeinträchtigen, die als Dienst für das Göttliche und nicht für menschliche Interessen getan wird.
Dein Dienst für das Göttliche muss absolut ehrlich, uneigennützig und selbstlos sein, sonst hat dieser Dienst keinerlei Wert.