Kapitel 7
Mut, Ausdauer, Bemühung
Angst ist eine Unreinheit
Angst ist eine Unreinheit, eine der größten, eine von denen, die am unmittelbarsten den antigöttlichen Kräften entstammt, die das göttliche Wirken auf Erden zerstören wollen. Und die erste Pflicht derjenigen, die wirklich Yoga praktizieren wollen, ist es, aus ihrem Bewusstsein mit all der Macht, all der Aufrichtigkeit, all der Ausdauer, derer sie fähig sind, selbst den Schatten einer Angst auszumerzen. Um auf dem Pfad zu wandeln, muss man unerschrocken sein und sich niemals jenem kleinmütigen, armseligen, schwächlichen, hässlichen auf sich selbst Zusammenschrumpfen, welches Angst bedeutet, hingeben.
Ein unbesiegbarer Mut, eine vollkommene Aufrichtigkeit und ein aufrichtiges Sich-Selbst-Geben, so dass man nicht berechnet oder feilscht, man nicht gibt, mit der Absicht zu nehmen, nicht vertraut, mit dem Ziel, beschützt zu werden, keinen Glauben hat, der Beweise fordert – das ist es, worauf man auf dem Pfad nicht verzichten kann, und das allein bewahrt uns wahrhaft vor aller Gefahr.
Angst: Ein Mangel an Vertrauen
Warum hat man Angst?
Ich nehme an, weil man egoistisch ist.
Es gibt drei Gründe. Erstens, eine übermäßige Besorgnis um die eigene Sicherheit. Zweitens, was man nicht kennt, verursacht immer ein unbehagliches Gefühl, das im Bewusstsein durch Angst übersetzt wird. Und vor allem befindet man sich nicht in einem Zustand spontanen Vertrauens in das Göttliche. Wenn man die Dinge tief genug betrachtet, dann ist das der wahre Grund. Es gibt Leute, die noch nicht einmal wissen, dass Das existiert, aber man könnte es ihnen mit anderen Worten erklären: „Du hast kein Vertrauen in deine Bestimmung“, oder: „Du weißt nichts von der Gnade“ – irgend etwas, was auch immer, du kannst es beliebig ausdrücken, aber die Wurzel der Angelegenheit ist immer ein Mangel an Vertrauen. Hätte man immer das Gefühl, es geschähe in allen Umständen das Beste, hätte man keine Angst.
Die Angst überwinden
Eines der mächtigsten Heilmittel, Angst zu überwinden, ist, sich dem, was man fürchtet, tapfer zu stellen. Du stehst der Gefahr, die dich bange macht, Auge in Auge gegenüber, und du fürchtest sie nicht mehr. Die Angst verschwindet. Vom yogischen Gesichtspunkt aus, dem der Disziplin, ist dieses das empfohlene Heilverfahren. Bei den Initiationen des Altertums, vor allem in Ägypten, war es, wie ich euch letztens erläuterte, notwendig, die Angst vor dem Tod vollständig zu beseitigen, um Okkultismus zu praktizieren. Nun, eine der Praktiken jener Tage war, den Neophyten in einen Sarkophag zu legen und ihn dort für einige Tage zu lassen, als wäre er tot. Natürlich wurde er nicht dem Sterben anheimgegeben, weder dem Verhungern noch dem Ersticken, aber dennoch verblieb er dort in liegender Weise, als wäre er tot. Es scheint, als befreie dich dies von aller Furcht.
Wenn sie auftaucht und du sie erfolgreich dem Bewusstsein, dem Wissen, der Kraft und dem Licht aussetzt, kannst du sie ganz und gar besiegen.
Wahrer Mut
Wahrer Mut im tiefsten Sinne ist die Fähigkeit, allem entgegenzutreten, allem im Leben, von den kleinsten bis zu den größten Dingen, von den materiellen bis zu denen des Spirits, ohne ein Schaudern, ohne körperlich… ohne dass das Herz beginnt, schneller zu schlagen, ohne dass die Nerven zittern oder ohne die kleinste Emotion in irgend einem Teil deines Wesens. Begegne allem mit einem ständigen Bewusstsein der göttlichen Gegenwart, mit einer uneingeschränkten Hingabe an das Göttliche und dem ganzen Wesen geeint in diesem Willen. Dann kann man im Leben vorwärtsschreiten, kann, welchen Dingen auch immer, mutig ins Auge sehen. Ich sage, ohne einen Schauder, ohne ein Erzittern. Das, weißt du, ist das Ergebnis eines lang andauernden Bemühens, es sei denn, man ist so geboren, mit einer besonderen Gnade geboren. Aber das ist in der Tat noch seltener.
Vergnügen und Schmerz
Wenn man Leiden mit Mut, Ausdauer, einem unerschütterlichen Vertrauen in die göttliche Gnade auf sich nimmt, wenn man sich, anstatt dem Leiden, wenn es kommt, auszuweichen, mit diesem Willen, mit dieser Sehnsucht, hindurchzugehen und die lichtvolle Wahrheit zu finden vermag, die unveränderliche Freude, die im Kern aller Dinge ist, dann ist die Pforte des Leidens oft direkter, unmittelbarer als die Befriedigung oder die Zufriedenheit.
Ich spreche nicht vom Vergnügen, denn das kehrt seinen Rücken dauernd und fast vollständig dieser tiefen göttlichen Freude zu.
Vergnügen ist eine irreführende und verderbte Maskierung, die uns von unserem Ziel ablenkt, und wir sollten sicherlich nicht nach ihm trachten, wenn wir bestrebt sind, die Wahrheit zu finden. Vergnügen nebelt uns ein, täuscht uns, führt uns vom rechten Wege ab. Schmerz bringt uns zu einer tiefen Wahrheit zurück, indem er uns zwingt, uns zu konzentrieren, um imstande zu sein, es zu ertragen, uns dieser Sache zu stellen, die uns niederdrückt. Im Schmerz entdecken wir am leichtesten die wahre Kraft wieder, wenn wir stark sind. Im Schmerz finden wir am leichtesten wieder wahrhaftes Vertrauen, das Vertrauen in etwas, das sich über und jenseits allen Schmerzes befindet.
Der Grund für Schicksalsschläge
„Oh Du, der Du liebst, schlage mich! Wenn Du mich nicht schlägst, so weiß ich, Du liebst mich nicht.“ (Sri Aurobindo, Thoughts and Aphorisms)
Alle, die nach göttlicher Vollkommenheit streben, wissen, dass die Schläge, die der Herr uns in Seiner unendlichen Liebe und Gnade versetzt, der sicherste und zuverlässigste Weg sind, uns fortschreiten zu lassen. Und je härter die Schläge, desto mehr fühlen sie die Größe der göttlichen Liebe.
Gewöhnliche Menschen bitten Gott ganz im Gegenteil immer darum, ihnen ein leichtes, angenehmes und erfolgreiches Leben zu schenken. In jeder persönlichen Befriedigung sehen sie ein Zeichen göttlichen Erbarmens. Wenn sie jedoch in gegenteiliger Weise von Elend und Missgeschick betroffen werden, beklagen sie sich und sagen: „Du liebst mich nicht.“
Im Gegensatz zu dieser unfertigen und unwissenden Haltung sagt Sri Aurobindo zu dem göttlichen Geliebten: „Schlage mich, schlage hart, lass mich die Fülle Deiner Liebe zu mir spüren.“
Viele Schläge sind notwendig
Mutter, selbst wenn man versucht zu denken, man sei machtlos, gibt es immer noch etwas, das glaubt, man sei es nicht. Nicht wahr?
Ah ja, ah ja! Ah, es ist sehr schwierig, aufrichtig zu sein… Deshalb häufen sich die Schläge und werden manchmal schrecklich, weil das das einzige ist, was deine Dummheit zerbricht. Das ist die Rechtfertigung von Unheil. Nur wenn du dich in einer äußerst schmerzhaften Situation befindest und tatsächlich vor etwas stehst, das dich zutiefst betrifft, dann lässt dieses deine Dummheit etwas zerschmelzen. Aber wie du schon sagst, selbst wenn da etwas schmilzt, gibt es immer noch ein kleines Etwas, das innen verbleibt. Und deshalb dauert es so lange…
Wie viele Schläge braucht man im Leben, um bis in seine tiefsten Tiefen zu wissen, dass man nichts ist, nichts weiß, nicht existiert, dass man nichts ist, dass es kein Sein gibt ohne das göttliche Bewusstsein und die Gnade. Von dem Augenblick an, in dem man es weiß, ist es vorbei; alle Schwierigkeiten sind überwunden. Wenn man es ganzheitlich weiß und es nichts mehr gibt, das widerstrebt… Und das braucht sehr lange.
Lasse dich niemals entmutigen
Du musst dir sagen: „Mit den Mitteln, die mir für mein Weiterkommen zur Verfügung stehen, habe ich einen gewissen Punkt erreicht, aber diese Mittel erlauben mir nicht, weiter voranzuschreiten. Was soll ich tun?… Dasitzen und mich nicht mehr rühren? – Ganz und gar nicht. Ich muss andere Methoden finden, die mich weiterbringen.“ Dies wird recht oft geschehen, aber nach einer Weile wirst du daran gewöhnt sein. Du musst dich für einen Augenblick niederlassen, meditieren und dann andere Möglichkeiten entdecken. Du musst deine Konzentration erhöhen, deine Aspiration und dein Vertrauen stärken und mit der neuen Unterstützung, die dir zuteil wird, ein neues Programm entwerfen, andere Mittel und Wege ausarbeiten, um die zu ersetzen, über die du hinausgewachsen bist. Auf diese Weise kommt man Stück für Stück vorwärts.
Aber du musst sorgfältig darauf bedacht sein, in jedem Stadium so vollkommen wie möglich das anzuwenden, was du erreicht oder gelernt hast. Wenn du in einem nach innen gewandten Bewusstseinszustand verharrst und den inneren Fortschritt auf physischer Ebene nicht anwendest, wird gewiss der Zeitpunkt eintreten, an dem du nicht fähig sein wirst, überhaupt vorwärtszukommen, denn dein äußeres Wesen, unverändert, wird wie eine Fessel sein, die dich zurückzieht und dich am Fortschreiten hindert. Deshalb ist der wichtigste Punkt (was jeder sagt, aber nur wenige tun), das in die Praxis umzusetzen, was du weißt. Damit hast du gute Aussicht auf Erfolg, und mit Beharrlichkeit wirst du dein Ziel bestimmt erreichen.
Verliere niemals den Mut, wenn du dich vor einer Wand findest, sage niemals: „Oh, was soll ich tun? Es gibt sie immer noch.“ Auf diese Weise wird die Schwierigkeit immer weiterbestehen, immer und immer, bis zum allerletzten Ende. Erst wenn du das Ziel erreicht hast, wird alles plötzlich zusammenfallen.
Wenn man Ausdauer hat
Menschen widerfährt eine wunderbare Erfahrung, und sie sagen: „Ah, das ist es jetzt!…“ Und dann lässt sie nach, schwächt sich ab, wird verschleiert, und plötzlich taucht etwas ganz Unerwartetes, vollständig Alltägliches und offensichtlich völlig Uninteressantes vor dir auf und blockiert deinen Weg. Und dann sagst du: „Ah, welchen Sinn hat dieser Fortschritt, den ich gemacht habe, wenn das Ganze wieder von vorne beginnt? Warum sollte ich das tun? Ich habe mich bemüht, einen Fortschritt erzielt, habe etwas erreicht, und jetzt ist es, als hätte ich nichts getan! Es ist tatsächlich hoffnungslos!“ Denn du hast keine Ausdauer.
Wenn man über Ausdauer verfügt, sagt man: „Es ist in Ordnung. Gut, ich werde so oft beginnen, wie nötig. Tausendmal, zehntausendmal, einhunderttausendmal werde ich, wenn nötig, von neuem anfangen – aber ich werde bis zum Ende durchhalten, und nichts wird die Macht haben, mich auf diesem Weg zu stoppen!“
Das ist das Allernotwendigste. Das Allernotwendigste.
Zahle den Preis
Allen von euch, die hierhergekommen sind, sind viele Dinge erzählt worden. Ihr seid mit einer Welt der Wahrheit in Kontakt gebracht worden, ihr lebt darin, die Luft, die ihr atmet, ist davon erfüllt. Und dennoch, wie wenige von euch wissen, dass diese Wahrheiten nur wertvoll sind, wenn sie in die Tat umgesetzt werden und dass es nutzlos ist, von Bewusstsein, Wissen, Gleichmut der Seele, Universalität, Unendlichkeit, Ewigkeit, höchster Wahrheit, göttlicher Gegenwart und… allen möglichen Dingen dieser Art zu sprechen, wenn ihr selbst keine Anstrengung unternehmt, diese Dinge zu leben und sie konkret in euch zu fühlen. Und sagt euch nicht: „Oh, ich bin hier schon so viele Jahre! Oh, ich hätte jetzt sehr gern die Früchte meiner Anstrengungen!“ Ihr müsst wissen, dass sehr ausdauernde Bemühungen, eine unerschütterliche Beharrlichkeit erforderlich sind, um die kleinste Schwäche, die geringste Kleinigkeit, die mindeste Bösartigkeit in eurer Natur zu meistern. Welchen Nutzen hat es, über göttliche Liebe zu sprechen, wenn man nicht ohne Egoismus lieben kann? Welchen Sinn hat es, über Unsterblichkeit zu reden, wenn man hartnäckig der Vergangenheit und der Gegenwart verhaftet ist und man nichts geben mag, um alles zu empfangen?
Ihr seid noch sehr jung, aber um das Ziel zu erreichen müsst ihr jetzt auf der Stelle lernen, wie der Preis zu entrichten ist, und dass ihr, um die höchsten Wahrheiten zu verstehen, sie in eurem täglichen Leben in die Praxis umsetzen müsst.
Bemühung schenkt Freude
Ein Ziel verleiht dem Leben einen Sinn, einen Zweck, und dieser Zweck schließt eine Bemühung ein. Und es ist die Bemühung, in der man Freude findet.
Genau! Es ist die Bemühung, die Freude schafft. Ein Mensch, der sich nicht zu bemühen weiß, wird niemals Freude erleben. Diejenigen, die im Grunde ihres Wesens träge sind, werden niemals Freude erfahren – sie verfügen nicht über die Kraft, froh zu sein! Es ist die Bemühung, die Freude schenkt. Bemühung versetzt ein Wesen bei einem gewissen Spannungsgrad in Schwingung, was es dir ermöglicht, die Freude zu empfinden…
Es ist nur Bemühung, in welcher Sphäre auch immer – Bemühung auf physischer Ebene, moralische Bemühung, intellektuelle Bemühung – welche in einem Wesen gewisse Schwingungen erzeugt, die dich befähigen, mit universalen Schwingungen in Verbindung zu treten, und das ist es, was Freude verursacht. Es ist die Bemühung, die dich aus der Trägheit herauszieht. Es ist die Bemühung, die dich für die universalen Kräfte empfänglich macht. Und das, was vor allem unmittelbar Freude bereitet, selbst jenen, die nicht Yoga praktizieren, die keine spirituelle Sehnsucht besitzen, die ein ganz gewöhnliches Leben führen, ist der Austausch von Kräften mit universalen Kräften. Die Menschen wissen das nicht, sie wären nicht imstande, dir zu erklären, dass es darauf zurückzuführen ist. Aber es ist so.
Kapitel 8
Empfänglichkeit und Aspiration
Die universale vitale Kraft
Wie kann man die „universale vitale Kraft“ anziehen?
Man kann das auf viele Weisen tun.
Vor allem muss man wissen, dass sie existiert und dass man in Kontakt zu ihr treten kann. Zweitens musst du versuchen, diesen Kontakt herzustellen, sie überall zirkulieren zu spüren, durch alles, in allen Personen und Umständen; zum Beispiel diese Erfahrung zu haben, wenn du dich auf dem Lande inmitten von Bäumen befindest, sie in der ganzen Natur fließen zu sehen, in Bäumen und Dingen und dann mit ihr vertraut werden, dich ihr nahe fühlen, und jedes Mal, wenn du mit ihr umgehen willst, rufe jenen Eindruck zurück und versuche, den Kontakt mit ihr aufzunehmen.
Manche Leute entdecken, dass sie mit bestimmten Bewegungen, bestimmten Gesten, bestimmten Aktivitäten enger in Kontakt geraten. Ich kannte Leute, die während des Spazierengehens gestikulierten… dies gab ihnen wahrhaft den Eindruck, sie stünden in Verbindung – gewisse Gesten, die sie machten, während sie gingen. Aber Kinder tun das spontan: wenn sie sich vollkommen ihren Spielen hingeben, wenn sie laufen, spielen, springen, rufen; wenn sie all ihre Energien auf diese Weise verausgaben, sie sich selbst ganz und gar geben, und in der Freude des Spielens und Bewegens und Laufens bringen sie sich in Berührung mit dieser universalen Kraft. Sie wissen es nicht, aber sie gebrauchen ihre vitale Kraft im Kontakt mit der universalen vitalen Kraft, und das ist der Grund, weshalb sie rennen können, ohne sich wirklich müde zu fühlen, außer nach einer sehr langen Zeit…
Ich kannte junge Leute, die immer in Städten gelebt hatten – in einer Stadt und in jenen kleinen Räumen, die es in großen Städten gibt, in die jeder eingepfercht ist. Jetzt waren sie gekommen, um ihre Ferien auf dem Lande zu verbringen, im Süden Frankreichs, und dort ist die Sonne sehr heiß… Als sie draußen unterwegs waren, entwickelten sie in den ersten paar Tagen wirklich schlimme Kopfschmerzen und fühlten sich völlig unwohl wegen der Sonne. Aber plötzlich dachten sie: „Ja, wenn wir uns nun mit der Sonne anfreundeten, dann wird sie uns nicht mehr schaden!“ Und sie begannen, in einer Art innerer Bemühung Freundschaft mit der Sonne zu schließen und Vertrauen in sie zu gewinnen. Und wenn sie draußen in der Sonne waren, statt zu versuchen, sich in der Sonne kleinzumachen und sich zu sagen: „Oh, wie heiß sie ist, wie sie brennt!“ sagten sie: „Oh, wie voller Kraft und Freude und Liebe ist die Sonne!“ Sie öffneten sich so (Geste), und nicht nur, dass sie nicht mehr litten, sondern sie fühlten sich hinterher so erstarkt, dass sie umhergingen und jedem, der sagte: „Es ist heiß“, erzählten: „Mache es so wie wir, du wirst sehen, wie gut das ist.“ Und sie konnten stundenlang in der vollen Sonne bleiben, ohne Kopfbedeckung und ohne irgend ein Unbehagen zu empfinden. Es ist dasselbe Prinzip.
Es ist dasselbe Prinzip. Sie schlossen sich an die universale vitale Kraft an, welche die Sonne ist und empfingen diese Kraft, und das nahm alles Unerquickliche von ihnen fort.
Wenn man auf dem Lande ist, wenn man unter den Bäumen wandert und sich der Natur so nahe fühlt, den Bäumen, dem Himmel, all den Blättern, all den Zweigen, all den Gräsern, wenn man eine große Freundschaft mit all diesen Dingen empfindet und die Luft einatmet, die so gut ist, so erfüllt vom Duft all der Pflanzen, dann öffnet man sich und indem man sich öffnet, tritt man mit den universalen Kräften in Verbindung. Und das ist mit allen Dingen so.
Empfänglichkeit für die universalen Kräfte
Liebe Mutter, haben universale vitale Kräfte irgend welche Grenzen?
Ich glaube nicht, dass Kräfte eine Grenze kennen, denn im Vergleich mit uns sind sie sicherlich unbeschränkt. Aber es ist unsere Aufnahmefähigkeit, die beschränkt ist. Wir können sie nicht über ein gewisses Maß hinaus absorbieren, und dann müssen wir ein Gleichgewicht zwischen Verbrauch und Fähigkeit zu empfangen bewahren. Wenn man plötzlich in einer Art Impuls – zum Beispiel in einem impulsiven Augenblick – mehr verausgabt, als man empfangen hat, braucht man einen kurzen Augenblick der Konzentration, Ruhe. Empfänglichkeit, um universale Kräfte in sich aufzunehmen. Du musst dich in eine bestimmte Verfassung versetzen, um sie zu erfahren; und dann halten sie für eine gewisse Zeit an. Sobald du sie verbraucht hast, musst du von neuem anfangen, sie zu beschaffen. In diesem Sinne gibt es keine Grenzen. Es sind nicht die Kräfte, die begrenzt sind, es ist die Empfänglichkeit.
Wie können wir unsere Empfänglichkeit wachsen lassen? Indem wir uns fortentwickeln.
Man muss erst sich zu öffnen imstande sein, und dann, in einer großen Ruhe, die empfangenen Kräfte zu assimilieren wissen und nicht, sie wieder hinauszuwerfen. Man muss sie assimilieren können.
Daher liegt der Fortschritt in einem normalen, doch progressivem Gleichgewicht, Perioden der Assimilation – Aufnahme, Assimilation – und Perioden des Verbrauchs; und dabei zu wissen, wie man beides in einem Gleichgewicht hält und sie in einem dir eigenen Rhythmus abwechseln lässt. Du darfst nicht über deine Möglichkeiten hinausgehen, du darfst nicht darunter bleiben, denn die universalen vitalen Kräfte sind nicht etwas, das du in einen Panzerschrank einschließen kannst. Sie müssen zirkulieren. Daher musst du wissen, wie man sie empfängt und gleichzeitig verausgabt und dabei die Aufnahmefähigkeit erweitert, um immer mehr von den Dingen zu haben, die gebraucht, verausgabt werden sollen.
Drei Quellen vitaler Kraft
Der überwiegenden Mehrheit der Menschen fließt die gesamte vitale Kraft von unten zu, von der Erde, der Nahrung, all den Empfindungen. Von der Nahrung … sie beziehen vitale Energie aus der Speise und sie … indem sie sehen, hören, berühren, fühlen, nehmen sie Verbindung zu den in der Materie enthaltenen Energien auf. Sie gewinnen sie auf diese Weise. Das ist ihre gewohnte Kost. Nun, manche Menschen besitzen ein sehr entwickeltes Vital, das sie einer Disziplin unterworfen haben – und sie haben einen Begriff von der Unermesslichkeit und sind im Kontakt mit der Welt und den Bewegungen der Weltkräfte. Und so können sie… sei es in einer Regung des Rufens … die universalen vitalen Kräfte, die in sie eintreten, empfangen und den Anteil Energie, den sie benötigen, neu zuführen.
Es gibt andere, sehr ungewöhnliche Menschen – oder vielleicht in sehr ungewöhnlichen Augenblicken ihres Lebens – die eine Sehnsucht nach dem höheren Bewusstsein, höherer Kraft, höherem Wissen empfinden und die, durch diesen Ruf, die Kräfte höherer Sphären auf sich ziehen. Und auch dies erneuert in ihnen ganz besondere Energien, von einem ganz besonderen Wert.
Man kommt jedoch nicht oft mit dieser Quelle in Berührung, es sei denn, man praktiziert Yoga, eine geregelte Disziplin; man empfängt vielmehr von der gleichen Ebene wie die erstgenannten Menschen oder von unten.
Aktivität und Passivität in der Sadhana
Eine aktive Bewegung ist eine solche, in welcher du deine Kraft hinauswirfst, das heißt wenn etwas aus dir austritt – in einer Bewegung, einem Gedanken, einem Gefühl – etwas, das aus dir heraus zu anderen oder in die Welt geht. Passivität bedeutet, dass du einfach so bleibst, offen, und empfängst, was von außen kommt. Es hängt überhaupt nicht davon ab, ob man sich bewegt oder still sitzt. Das ist es ganz und gar nicht. Aktiv zu sein heißt, das Bewusstsein oder die Kraft oder die Bewegung von innen nach außen zu werfen. Passiv zu sein, unbeweglich zu bleiben und aufzunehmen, was von außen kommt … „Aktivität in der Aspiration“ heißt, dass deine Aspiration aus dir hervortritt und zum Göttlichen emporsteigt – in der tapasya, der Disziplin, die du ausübst, und wenn die Kräfte, die deiner Sadhana zuwiderlaufen, erscheinen, weist du sie zurück. Das ist eine Bewegung der Aktivität.
Nun, wenn du wahre Inspiration, innere Führung, den Führer, gewinnen willst und wenn du die Kraft besitzen, die Kraft empfangen möchtest, die dich leitet und dich so handeln lässt, wie du solltest, dann regst du dich nicht länger, das heißt – ich meine keine physische Bewegung, sondern nichts darf mehr aus dir herauskommen, du verharrst, ganz im Gegenteil, als wärest du ganz still, aber offen und wartest darauf, dass die Kraft in dich eintritt, und dann öffnest du dich so weit wie möglich, um alles in dich aufzunehmen, was in dich einströmt. Und es ist genau diese Bewegung: anstelle nach außen dringender Schwingungen besteht eine Art stiller Ruhe, aber in vollkommener Öffnung, als würdest du auf diese Weise alle deine Poren der Kraft öffnen, die in dich herabsteigen und dein Handeln und dein Bewusstsein umwandeln muss.
Empfänglichkeit ist das Ergebnis einer geklärten Passivität.
Die Flamme und die Vase
Du kannst gleichzeitig in einem Zustand des Sehnens, des Wollens sein, der etwas herabruft – das ist genau der Wille, sich zu öffnen und zu empfangen und des Sehnens, das die Kraft herabruft, die du empfangen möchtest – und zur gleichen Zeit in jener Verfassung vollständiger innerer Stille, die volles Durchdringen erlaubt, denn es ist in dieser Reglosigkeit, dass man durchdrungen werden kann, dass man für die Kraft durchlässig wird. Nun, beides kann zur gleichen Zeit stattfinden, ohne dass das eine das andere beeinträchtigt, oder kann so dicht wechselweise aufeinander folgen, dass es kaum unterscheidbar ist. Aber man kann wie eine große Flamme sein, die sich sehnend erhebt, und zugleich so, als forme man eine Vase, eine weite Vase, die sich öffnet und alles von oben Kommende aufnimmt.
Und beides kann zusammen geschehen. Wenn man es schafft, beides gleichzeitig zu erleben, ist man fähig, es beständig zu erfahren, was immer man tun mag. Nur gibt es möglicherweise eine leichte, sehr geringfügige Verlagerung des Bewusstseins, fast nicht wahrnehmbar, in welcher man zunächst der Flamme und dann der Vase der Empfänglichkeit gewahr wird – dem, was danach trachtet, erfüllt zu werden und der Flamme, die emporstrebt, um herabzurufen, was die Vase füllen muss – eine sehr schwache, knappe Pendelbewegung, so dass es den Eindruck erweckt, beides stünde zur gleichen Zeit zur Verfügung.
Aspiration und Empfänglichkeit
Aspiration besitzt in jedem, ganz gleich, um wen es sich handelt, dieselbe Macht. Aber die Wirkung dieser Aspiration ist unterschiedlich. Denn Aspiration ist Aspiration: verfügst du darüber, dann hat sie in sich selbst Macht. Nur, sie ruft eine Antwort herab, und diese Antwort, das Ergebnis, welche ihre Folge ist, hängt von jedem einzelnen ab, von seiner Empfänglichkeit. Ich kenne viele Leute dieser Art, die sagen: „Oh! Aber ich empfinde die ganze Zeit Aspiration und dennoch bekomme ich nichts!“ Es ist unmöglich, dass sie nichts bekommen, da eine Antwort mit Sicherheit erfolgt. Aber es sind sie selbst, sie, die sie nichts annehmen. Die Antwort kommt, aber sie sind nicht aufnahmebereit, und deshalb erhalten sie nichts …
Wenn du eine Aspiration fühlst, eine sehr aktive Aspiration, dann wird diese Aspiration ihre Arbeit leisten. Sie wird die Antwort herabrufen, nach der du dich sehnst. Aber wenn du später anfängst, über etwas anderes nachzudenken oder nicht aufmerksam oder aufnahmebereit bist, wirst du nicht einmal bemerken, dass deinem Sehnen eine Antwort geschenkt wurde. Das geschieht sehr häufig. Deshalb erzählen dir die Leute: „Ich sehne mich und bekomme nichts, ich erhalte keine Antwort!“ Ja, du hast eine Antwort, aber du bist ihrer nicht gewahr, weil du fortfährst, in gewohnter Weise geschäftig zu bleiben, wie eine Mühle, die sich immer fort dreht.
Finde jenes Etwas
Wir können – einfach durch ein aufrichtiges Streben – eine versiegelte Tür in uns öffnen und finden … jenes Etwas, das den Sinn des Lebens vollständig ändern, all unsere Fragen beantworten, all unsere Probleme lösen wird und uns zu der Vollkommenheit führt, nach der wir uns unwissentlich sehnen und zu der Wirklichkeit, die allein uns zufriedenstellen und uns immerwährende Freude, Kraft, immerwährendes Gleichgewicht und Leben zu schenken vermag. All dies habt ihr schon manches Mal gehört. Ihr habt es gehört – oh! Es gibt sogar einige hier, die so daran gewöhnt sind, dass es ihnen das gleiche zu sein scheint, wie ein Glas Wasser zu trinken oder ein Fenster zu öffnen, um das Sonnenlicht hereinzulassen …
Wir haben uns ein wenig bemüht, aber jetzt werden wir es ernsthaft tun!
Der Ausgangspunkt: es zu wollen, es wahrhaft zu wollen, es zu brauchen. Der nächste Schritt: vor allem anderen daran zu denken. Es kommt sehr schnell ein Tag, an dem man unfähig ist, an etwas anderes zu denken. Das ist das einzige, was zählt. Und dann …
Man fasst seine Aspiration in Worte, lässt das wahre Gebet aus seinem Herzen aufspringen, das Gebet, das die Aufrichtigkeit des Bedürfnisses ausdrückt. Und dann … nun, man wird sehen, was geschieht.
Es wird etwas geschehen. Es wird mit Sicherheit etwas geschehen. Für jeden wird es unterschiedliche Gestalt annehmen.
Aspiration ist wie ein Pfeil
Aspiration ist wie ein Pfeil, so etwas (Geste). Ihr sehnt euch also, möchtet sehr ernsthaft verstehen, wissen, in die Wahrheit eintreten, ja? Und mit dieser Aspiration macht ihr dann dies (Geste). Sie steigt empor, empor, empor, geradewegs empor, sehr kraftvoll und dann stößt sie gegen eine Art von … wie soll man es ausdrücken? … Deckel, der sich dort befindet, hart wie Eisen und äußerst dick und sie dringt nicht durch. Und dann sagst du: „Na bitte, was nützt das Sehnen? Es bringt überhaupt nichts. Ich treffe auf etwas Hartes und komme nicht durch!“ Aber du weißt von dem Tropfen Wasser, der auf den Felsen fällt, und das endet damit, dass eine Spalte entsteht: sie durchtrennt den Felsen von oben bis unten. Deine Aspiration ist ein Wassertropfen, der, statt zu fallen, emporsteigt. Auf diese Weise, kraft dieses Emporsteigens, klopft, klopft, klopft sie, und eines Tages schafft sie ein Loch, kraft des Emporsteigens. Und wenn sie ein Loch geschlagen hat, schießt sie aus diesem Deckel heraus und tritt in die Unermesslichkeit des Lichtes ein, und du sagst: „Ah, jetzt verstehe ich!“
So ist das.
Man muss daher sehr beharrlich, sehr hartnäckig sein und eine Aspiration besitzen, welche sich geradewegs nach oben erhebt, das bedeutet, eine, die sich nicht mal hier, mal dort herumtreibt und nach allen möglichen Dingen trachtet.
Nur das: verstehen, verstehen, verstehen, lernen zu wissen, zu sein.
Wenn man den allerhöchsten Gipfel erreicht, gibt es nichts mehr zu verstehen, nichts mehr zu lernen, man ist, und erst dann, wenn man ist, versteht und weiß man.
Kapitel 9
Konzentration, Meditation, Arbeit
Die Aufmerksamkeit konzentrieren
Was du immer im Leben tun willst, eine Sache ist absolut unentbehrlich und liegt allem zugrunde, die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Wenn du in der Lage bist, die Strahlen der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins auf einen Punkt zusammenzubündeln und diese Konzentration mit einem beharrlichen Willen aufrechterhalten kannst, ist nichts imstande, dem zu widerstehen – was immer es sein mag, von äußerster materiell-physischer Entwicklung bis zur höchsten spirituellen. Aber dieser Disziplin muss man in beständiger und, es darf gesagt werden, unerschütterlicher Weise folgen. Nicht, dass du immer auf dieselbe Sache konzentriert sein solltest – das ist es nicht, was ich meine, ich meine, lernen, sich zu konzentrieren.
Auf der physischen Ebene, fürs Lernen, für jede körperliche und mentale Entwicklung ist es absolut unerlässlich. Und die Bedeutung eines Individuums entspricht dem Vermögen seiner Aufmerksamkeit.
Aus spiritueller Sicht ist es sogar noch wichtiger. Es gibt kein spirituelles Hindernis, das der durchdringenden Macht der Konzentration widerstehen kann. Zum Beispiel die Entdeckung des seelischen Wesens, Einheit mit dem inneren Göttlichen, sich höheren Sphären öffnen – alles kann durch eine intensive und hartnäckige Konzentration erreicht werden – aber man muss sie erst erlernen.
Im menschlichen oder sogar übermenschlichen Feld gibt es nichts, zu dem die Macht der Konzentration nicht den Schlüssel liefert.
Mit dieser Fähigkeit kannst du der beste Athlet werden, der beste Lernende, ein künstlerischer, literarischer oder wissenschaftlicher Genius, der größte Heilige. Und jeder birgt in sich selbst einen winzig kleinen Keim davon – es ist jedem gegeben, aber die Menschen entwickeln es nicht.
Konzentration
Was ist Konzentration?
Es bedeutet, all die versprengten Fäden des Bewusstseins auf einen einzigen Punkt, eine einzige Idee zurückzuführen. Jene, die vollkommene Aufmerksamkeit erreichen, sind in allem, was sie unternehmen, erfolgreich. Sie werden immer einen raschen Fortschritt erzielen. Und diese Art von Konzentration kann man genauso entwickeln wie seine Muskeln. Man mag unterschiedlichen Systemen, unterschiedlichen Trainingsmethoden folgen. Heute wissen wir, dass zum Beispiel der bedauernswerteste Schwächling mit Disziplin so stark werden kann wie jeder andere. Man sollte keinen Willen haben, der wie eine Kerzenflamme flackernd erlischt.
Der Wille, die Konzentration müssen herangebildet werden. Es ist eine Frage der Methode, der regelmäßigen Übung. Wenn du willst, kannst du.
Aber der Gedanke: „Wozu soll das gut sein?“ darf nicht aufkommen und den Willen schwächen. Die Vorstellung, man sei mit einem bestimmten Charakter geboren und daran sei nichts zu ändern, ist Dummheit.
Konzentriere dich im Zentrum der Aspiration
Es ist immer besser zu versuchen, sich in einem Zentrum zu konzentrieren, dem Zentrum der Aspiration könnte man sagen, dem Ort, wo die Flamme der Aspiration brennt, alle Energien dort zu versammeln und, wenn möglich, ein aufmerksames Schweigen herzustellen, so als wolle man etwas äußerst Feinem lauschen, etwas, das vollständige Aufmerksamkeit, vollkommene Konzentration und allumfassendes Schweigen verlangt. Und dann sich überhaupt nicht regen. Nicht zu denken, sich nicht zu rühren und jene Bewegung des Sich-Öffnens vollziehen, um alles zu empfangen, das empfangen werden kann, während man aber sorgfältig darauf achtet, nicht versuchen zu verstehen, was gerade geschieht, denn wenn man verstehen oder sogar aktiv beobachten will, hält das eine Art zerebraler Tätigkeit aufrecht, die sich ungünstig auf die volle Aufnahmefähigkeit auswirkt – ruhig sein, so vollkommen wie möglich, in einer aufmerksamen Konzentration und dann still sein.
Wenn man das schafft, dann, wenn alles vorüber ist, wenn man aus der Meditation herauskommt, einige Zeit später – gewöhnlich nicht unmittelbar danach – steigt aus dem Inneren des Wesens etwas Neues in das Bewusstsein: ein neues Verständnis, eine neue Wertschätzung der Dinge, eine neue Lebenseinstellung – kurz, eine neue Art zu sein.
Dynamische Meditation
Ich glaube, das Wichtigste zu wissen ist, warum man meditiert; das ist es, was der Meditation den Wert verleiht und ihr den ihr eigenen Stellenwert verschafft.
Du kannst meditieren, um dich der göttlichen Kraft zu öffnen, du kannst meditieren, um das gewöhnliche Bewusstsein zurückzuweisen, du kannst meditieren, um in die Tiefen deines Wesens einzudringen, du kannst meditieren, um zu lernen, dich vollständig zu überantworten; du kannst für alles mögliche meditieren. Du kannst meditieren, um in Frieden, Ruhe und Schweigen einzugehen – das ist es, was Leute im Allgemeinen tun, aber ohne großen Erfolg. Aber du kannst auch meditieren, um die Kraft zur Umwandlung zu erhalten, die Punkte, die es umzuwandeln gilt, zu entdecken, den Pfad des Fortschritts aufzuspüren. Und dann kannst du auch aus sehr praktischen Gründen meditieren: wenn du eine Schwierigkeit klären, eine Lösung finden musst, wenn du Hilfe bei irgend einem Tun brauchst. Dafür kannst du auch meditieren.
Ich glaube, jeder hat seine eigene Weise der Meditation. Aber wenn jemand möchte, dass seine Meditation dynamisch sei, muss er eine Aspiration nach Fortschritt empfinden, und die Meditation muss im Sinne einer Unterstützung und Erfüllung dieser Fortschrittssehnsucht betrieben werden. Dann wird sie dynamisch.
Meditation und Fortschritt
Die Anzahl der in Meditation verbrachten Stunden ist kein Beweis spirituellen Fortschritts. Es ist ein Beweis deines Fortschritts, wenn du zum Meditieren keine Anstrengung mehr aufwenden musst. Dann ist es eher mühsam, damit aufzuhören: es wird schwierig, es zu beenden, schwierig, dich vom Denken an das Göttliche abzuwenden, schwierig, auf die Ebene des gewöhnlichen Bewusstseins herabzusteigen. Dann kannst du deines Fortschritts sicher dein, dann bist du wirklich vorangekommen, wenn die Konzentration im Göttlichen die Notwendigkeit deines Lebens ist, wenn du nicht ohne sie auskommst, wenn sie in natürlicher Weise von morgens bis abends andauert, womit immer du beschäftigt sein magst. Ob du dich zur Meditation niederlässt oder herumgehst und Dinge erledigst und arbeitest, das, was von dir verlangt wird, ist Bewusstsein. Das ist das eine Erfordernis: sich des Göttlichen fortwährend bewusst sein.
Aber ist es nicht eine unentbehrliche Disziplin, sich zur Meditation zu setzen, und vermittelt das nicht eine intensivere und konzentriertere Einheit mit dem Göttlichen?
Das mag sein. Aber eine Disziplin als solche ist es nicht, was wir suchen. Wonach wir streben ist, in allem, was wir tun, zu jeder Zeit, bei all unseren Handlungen und in jedem Augenblick auf das Göttliche konzentriert zu sein. Es gibt hier einige, denen gesagt wurde, sie sollen meditieren, andere wiederum, die überhaupt nicht dazu aufgefordert wurden. Doch darf man nicht annehmen, sie schritten nicht voran. Auch sie befolgen eine Disziplin, die jedoch von anderer Natur ist. Mit Hingabe und innerer Weihung zu arbeiten, zu handeln, ist gleichfalls eine spirituelle Disziplin. Das letztendliche Ziel ist, in beständiger Einheit mit dem Göttlichen zu sein, nicht nur bei der Meditation, sondern in allen Umständen und im gesamten tätigen Leben.
Meditiere in allen Umständen
Du kannst mit einer äußerst aktiven Tätigkeit beschäftigt sein, zum Beispiel mit Basketballspielen, was viel Bewegung erfordert, und verlierst dennoch nicht die Haltung innerer Meditation und Konzentration auf das Göttliche. Und wenn du das erreichst, wirst du sehen, dass all dein Handeln seine Qualität verändert. Du wirst nicht nur Besseres leisten, sondern du wirst das mit einer völlig unerwarteten Kraft tun und gleichzeitig dein Bewusstsein so hoch und rein halten, dass nichts mehr dich zu berühren vermag. Und merke, das kann so weit gehen, dass du selbst bei einem Unfall keinen Schaden nimmst. Natürlich ist das ein Gipfelpunkt, aber einer, nach dem du streben kannst.
Verfalle nicht in den sehr üblichen Fehler zu glauben, du müsstest in einer absolut stillen Ecke sitzen, wo niemand vorüberkommt, wo du in einer klassischen Position und vollständig unbewegt verharrst, um zu meditieren imstande zu sein – es ist nicht wahr. Was erforderlich ist, ist in allen Umständen meditieren zu können, und ich bezeichne als „meditieren“ nicht, deinen Kopf zu entleeren, sondern dich in einer Kontemplation des Göttlichen zu konzentrieren. Und wenn du diese Kontemplation in dir bewahrst, wird alles, was du tust, seine Qualität verändern – nicht seine äußere Erscheinung, denn die wird offensichtlich dieselbe bleiben, sondern seine Qualität. Und das Leben wird seine Qualität verändern, und du, du wirst dich ein wenig anders fühlen als vorher, mit einem Frieden, einer Gewissheit, einer inneren Ruhe, einer gleichbleibenden Kraft, etwas, das nie von dir ablässt.
Kontrolle des Körpers
Diejenigen, die körperliche Aktivitäten gering schätzen, sind Menschen, die nicht imstande sein werden, auch nur einen einzigen Schritt auf dem wahren Pfad des integralen Yoga voranzuschreiten, es sei denn, sie entledigten sich zuerst ihrer Verachtung. Kontrolle des Körpers in all ihren Formen ist eine unentbehrliche Grundlage. Ein Körper, der dich beherrscht, ist ein Feind, eine Störung, die du nicht hinnehmen kannst. Es ist der im Geiste erleuchtete Wille, der den Körper führen, nicht der Körper, der dem Geist seinen Willen aufzwingen sollte. Wenn man weiß, eine Sache ist schlecht, sollte man fähig sein, sie zu unterlassen. Wenn man etwas verwirklichen möchte, muss man es tun können und nicht bei jedem Schritt durch die Unfähigkeit des Körpers, seinen schlechten Willen oder Mangel an Zusammenarbeit gestoppt werden. Und hierfür muss man eine körperliche Disziplin aufnehmen und Herr im eigenen Hause werden.
Es ist gut und schön, in Meditation zu flüchten und von der Höhe seiner sogenannten Erhabenheit auf materielle Dinge herabzublicken, aber einer, der nicht Herr im eigenen Hause ist, ist ein Sklave.
Der Körper braucht Betätigung
Der Körper braucht Betätigung: wenn du ihn untätig hältst, wird er anfangen, sich aufzulehnen, indem er krank wird, usw. Er braucht eine Tätigkeit, die braucht er tatsächlich, wie Blumenpflanzen, ein Haus bauen, etwas Physisches. Du musst es fühlen. Manche Leute machen Übungen, manche fahren Fahrrad, es gibt unzählige Aktivitäten, aber in eurer kleinen Gruppe müsst ihr euch alle einigen, so dass jeder das finden kann, was seinem Temperament entspricht, seiner Natur und seinem Bedürfnis. Aber nicht mit Vorstellungen! Vorstellungen sind nicht sehr gut, sie schaffen Vorurteile, zum Beispiel: „Dies ist eine gute Arbeit, jene ist meiner nicht wert“ und all diese Art von Unsinn. Es gibt keine schlechte Arbeit – es gibt nur schlechte Arbeiter. Alle Arbeit ist gut, wenn du sie auf die rechte Weise zu erbringen vermagst. Alles! Und es ist eine Art Kommunion. Wenn du das Glück hast, dir eines inneren Lichtes bewusst zu sein, wirst du sehen, dass es so ist, als riefest du durch deine körperliche Arbeit das Göttliche in die Dinge herab. Dann wird die Verbindung sehr konkret, es gibt eine ganze Welt zu entdecken, es ist wunderbar.
„Erinnere und überantworte Dich“
Wenn wir auf mentale oder intellektuelle Tätigkeiten konzentriert sind, warum vergessen wir dann manchmal oder verlieren den Kontakt mit dem Göttlichen?
Das geschieht, weil dein Bewusstsein noch gespalten ist. Das Göttliche ist in deinem Geist noch nicht fest begründet. Du bist dem Göttlichen Leben noch nicht gänzlich geweiht. Sonst könntest du dich in beliebigem Umfang auf solche Dinge konzentrieren und immer noch das Empfinden haben, vom Göttlichen unterstützt und getragen zu werden.
Bei allen Bestrebungen, intellektuellen oder praktischen, sollte dein einziges Motto sein: „Erinnere und überantworte dich“. Lass, was immer du tust, ein Geschenk an das Göttliche sein. Und das wird auch eine hervorragende Disziplin für dich sein. Es wird dich davon abhalten, viele dumme und unnütze Dinge zu tun.
Kapitel 10
Das Göttliche Werk
Die drei Siege
Der erste Sieg ist, eine Individualität zu schaffen. Und dann später, der zweite Sieg ist, diese Individualität dem Göttlichen zu übergeben. Und der dritte Sieg ist, dass das Göttliche deine Individualität zu einem göttlichen Wesen umwandelt.
Es gibt drei Stufen: die erste ist, ein Individuum zu werden. Die zweite, dieses Individuum zu weihen, damit es sich ganz und gar dem Göttlichen hingeben möge und mit Ihm identifiziert ist. Und die dritte, dass das Göttliche von diesem Individuum Besitz ergreift und es in ein Wesen nach Seinem Bilde formt, das heißt es wird selbst göttlich.
Im Allgemeinen endete aller Yoga bei der zweiten Stufe. Wenn man es geschafft hatte, das Individuum zu überantworten und es rückhaltlos dem Göttlichen hinzugeben, um mit Ihm identifiziert zu sein, betrachtete man seine Arbeit als beendet, als erfüllt.
Aber wir beginnen genau dort, und wir sagen: „Nein, dies ist nur ein Anfang. Wir möchten, dass dieses Göttliche, mit dem wir identifiziert sind, in unsere Individualität eintritt und aus ihr eine göttliche Persönlichkeit, die in einer göttlichen Welt wirkt, hervorbringt. Und das ist es, was wir Umwandlung nennen.“ Aber das andere geht ihr voraus, muss ihr vorausgehen. Wenn das nicht getan ist, gibt es keine Möglichkeit, die dritte Stufe zu durchlaufen. Man kann nicht von der ersten auf die dritte Stufe wechseln. Man muss durch die zweite hindurchgehen.
Komme um des göttlichen Werkes willen
Jedes Mal, wenn einer zu mir kommt und sagt: „Ich bin meines Yoga wegen gekommen“, sage ich: „Oh, nein! Dann nicht! Es ist hier sehr viel schwieriger als irgendwo anders.“…
Wenn jemand kommt, mir zu sagen: „Ich bin hier, um zu arbeiten, um mich nützlich zu machen“, dann ist es in Ordnung. Aber wenn jemand sagt: „Ich habe draußen Schwierigkeiten, ich schaffe es nicht, sie zu überwinden, ich möchte hierher kommen, weil es mir helfen wird“, dann sage ich: „Nein, nein, es wird hier sehr viel schwieriger sein; deine Schwierigkeiten werden hier beträchtlich wachsen.“ Und genau das heißt es, denn es sind nicht mehr vereinzelte Schwierigkeiten, sondern kollektive.
Zusätzlich zu deinen persönlichen Schwierigkeiten bist du all den Reibungen, all den Kontakten, all den Reaktionen, all den Dingen, die von außen kommen, ausgesetzt. Als Prüfung! Genau an dem schwachen Punkt, die Sache, die am schwersten zu lösen ist. Dort wirst du von jemandem genau das hören, was du nicht hören wolltest. Jemand wird sich genau so verhalten, dass es dich empören konnte. Du wirst dich einem Umstand, einer Bewegung, einer Tatsache, einem Objekt, irgend etwas gegenüber finden – eben den Dingen, die… „Ah, wie hätte ich mir gewünscht, dies wäre nicht geschehen!“ Und das ist es, was geschieht. Und immer mehr. Weil du deinen Yoga nicht für dich allein machst. Du übst den Yoga für jeden – ohne es zu wollen – automatisch.
Wenn sich also Leute bei mir einfinden und sagen: „Ich suche Frieden hier, Ruhe, Muße, um meines Yoga wegen“, sage ich: „Nein, nein, nein! Gehe sofort irgendwo anders hin. Du wirst anderswo sehr viel mehr Frieden erfahren als hier.“
Wenn jemand kommt und sagt: „Nun, hier bin ich, ich fühle, dass ich mich dem göttlichen Werk weihen sollte. Ich bin bereit, jede beliebige Arbeit, die du mir gibst, auszuführen“, dann sage ich: „Gut, das ist in Ordnung. Wenn du guten Willens bist, Ausdauer hast und einige Fähigkeiten, dann ist es in Ordnung. Aber um die für deine innere Entwicklung notwendige Einsamkeit zu finden, ist es besser, irgendwo anders, überall hinzugehen, aber nicht hierher.“
Warum dieses göttliche Werk?
Die ganze Vollkommenheit, die wir erreichen wollen, erfüllt nicht einen persönlichen oder selbstsüchtigen Zweck, sie ist dazu da, uns fähig zu machen, das Göttliche zu offenbaren, sie ist in den Dienst des Göttlichen gestellt. Wir verfolgen diese Entwicklung nicht in selbstbezogenem Streben nach persönlicher Perfektion. Wir verfolgen sie, weil das göttliche Werk vollbracht werden muss.
Aber warum leisten wir dieses göttliche Werk? Doch damit wir selbst…
Nein, ganz und gar nicht! Es geschieht, weil das der göttliche Wille ist. Überhaupt nicht aus persönlichen Gründen, das darf es nicht sein. Es geschieht, weil dies der göttliche Wille und das göttliche Werk ist.
So lange, wie sich ein persönliches Streben oder Begehren, ein selbstsüchtiger Wille einmengen, wird immer eine Vermischung entstehen, und das ist nicht genau ein Ausdruck göttlichen Willens. Alles, was zählen darf, ist das Göttliche, Sein Wille, Seine Manifestation, Sein Ausdruck. Dafür ist man hier, das ist man und nichts anderes. Und solange ein Empfinden von Selbst, von Ego, der Person, die sich einmischt, besteht, nun, das beweist, dass man noch nicht das ist, was man sein sollte, das ist alles. Ich sage nicht, dass dies über Nacht getan werden kann, aber dennoch ist das tatsächlich die Wahrheit.
Wahre Integrität
Mutter, warum ist das so, dass es hier bei der Arbeit viele Leute wagen, ihre Launen zu befriedigen und auf diese Weise viel Geld vergeudet wird?
Es ist nicht Geld allein, das nutzlos vertan wird!
Energie, Bewusstsein wird unendlich, tausendmal mehr verschwendet als Geld. Dürfte es keine Verschwendung geben… auf mein Wort, ich glaube, den Ashram könnte es nicht geben! Es vergeht nicht eine Sekunde, in der nichts vergeudet wird – manchmal ist es sogar noch schlimmer. Es besteht diese Gewohnheit – kaum bewusst, hoffe ich – soviel Energie, soviel Bewusstsein wie möglich zu absorbieren und sie dann zur persönlichen Befriedigung zu benutzen. Das ist etwas, das in der Tat in jeder Minute geschieht. Wenn all die Energie, all das Bewusstsein, die sich ständig über alle ergießen, für den wahren Zweck verwendet werden würden, das heißt für das göttliche Werk und für dessen Vorbereitung, wären wir schon sehr weit auf dem Pfad vorangeschritten, viel weiter, als wir es sind. Aber jeder, mehr oder weniger bewusst und in jedem Fall instinktiv, nimmt soviel Bewusstsein und Energie auf, wie er kann, und sobald er diese Energie in sich fühlt, gebraucht er sie für seine persönlichen Zwecke, seine eigene Befriedigung.
Wer denkt daran, dass die ganze Kraft hier, die unendlich viel größer und kostbarer als alle Geldmächte ist, dass diese Kraft, die hier ist und bewusst gegeben wird und unablässig mit unerschöpflicher Beharrlichkeit und Geduld, nur für einen einzigen Zweck, nämlich der Verwirklichung des göttlichen Werkes – wer denkt daran, sie nicht zu verschwenden? Wer erkennt es als seine heilige Pflicht, Fortschritte zu machen, sich selbst vorzubereiten, um besser zu verstehen, besser zu leben? Denn die Menschen leben durch die göttliche Energie, sie leben durch das göttliche Bewusstsein und verwenden sie für ihre persönlichen, selbstsüchtigen Ziele.
Ihr seid entsetzt, wenn einige tausend Rupien vergeudet werden, aber ihr seid es nicht… wenn Ströme von Bewusstsein und Energie von ihrer wahren Bestimmung fortgelenkt werden!
Wenn man ein göttliches Werk auf Erden tun will, muss man Tonnen von Geduld und Ausdauer mitbringen. Man muss in der Ewigkeit zu leben verstehen und auf das Erwachen des Bewusstseins in jedem einzelnen warten können – dem Bewusstsein dessen, was wahre Integrität bedeutet.
Das göttliche Werk tun
Mutter, wenn man sich zum Beispiel im Weitsprung darum bemüht, weiter und weiter zu springen, wie erfüllt man damit das göttliche Werk?
Eh? Entschuldige, aber dies geschieht nicht um des Vergnügens am Weitsprung, es geht darum, deinen Körper in seinen Funktionsabläufen vollkommener zu gestalten und ihn damit zu einem für das Empfangen göttlicher Kräfte und deren Manifestation geeigneteren Instrument zu machen.
Nun, alles und jedes, was man an diesem Ort leistet, muss in diesem Geiste getan werden, sonst ziehst du nicht einmal einen Nutzen aus der Gelegenheit und den Umständen, die dir geschenkt sind. Das habe ich euch neulich schon erklärt, nicht wahr, dass das Bewusstsein hier ist, alle Dinge durchdringend und sich bemüht, sich in allen Bewegungen zu offenbaren. Wenn ihr euch jedoch eurerseits sagt, dass eure Bemühung und der Fortschritt, den ihr macht, nur den Zweck haben, dass ihr fähiger werdet, dieses Bewusstsein zu empfangen und es zu verwirklichen, dann wird die Arbeit natürlich viel besser und viel schneller geschehen.
Kapitel 11
Frieden und Ruhe
Die Illusion des Handelns
Aufregung, Hast, Ruhelosigkeit führen zu nichts. Es ist Schaum auf dem Meer. Es ist ein großes Theater, das mit sich selbst endet. Menschen haben das Gefühl, sie täten nichts, wenn sie nicht unentwegt umherrennen und in Anfälle fieberhafter Aktivität ausbrechen. Es ist eine Illusion zu glauben, all diese sogenannten Tätigkeiten änderten die Dinge. Es bedeutet nichts weiter, als eine Tasse nehmen und das Wasser darin schlagen. Das Wasser wird aufgerührt, aber trotz all deines Schlagens nicht verändert. Diese Illusion vom Tun ist eine der mächtigsten in der menschlichen Natur. Sie schadet dem Fortschritt, weil sie dir die Notwendigkeit aufzwingt, dich ständig in irgendeine aufgeregte Tätigkeit zu stürzen. Wenn du doch diese Illusion wahrnehmen und erkennen könntest, wie nutzlos all dies ist, wie es nichts verändert! Nirgends kannst du dadurch etwas erreichen. Diejenigen, die in dieser Art herumjagen, sind Werkzeuge von Kräften, die sie zu ihrem eigenen Vergnügen tanzen lassen. Und es sind auch nicht Kräfte von bester Qualität.
Was immer bisher in der Welt geschehen ist, wurde von den wenigen getan, die schweigend außerhalb des Geschehens stehen können. Denn sie sind Instrumente der Göttlichen Macht. Sie sind dynamische Mittler, bewusste Instrumente. Sie bringen die Kräfte herab, die die Welt verändern. Dinge können nur auf diese Weise getan werden, nicht durch rastlose Aktivität. In Frieden, Schweigen und Ruhe wurde die Welt erschaffen; und jedes Mal, wenn etwas wahrhaft aufgebaut wird, dann muss dies in Frieden, Schweigen und Ruhe geschehen. Es ist Unwissenheit zu glauben, du müsstest von morgens bis abends herumrennen und dich mit allen möglichen nutzlosen Dingen abmühen, um etwas für die Welt zu tun.
Lerne, still zu sein
Der Lärm, verursacht durch all die Worte, all die Ideen in deinem Kopf, ist so betäubend, dass er dich daran hindert, die Wahrheit zu hören, die sich offenbaren will.
Lerne, still zu sein und zu schweigen … Wenn du ein Problem lösen musst, anstatt alle Möglichkeiten, alle Konsequenzen, all die Dinge, die man tun oder nicht tun sollte, in deinem Kopf zu wälzen, wenn du stattdessen mit einer Sehnsucht nach gutem Willen, möglichst mit einem Bedürfnis danach, still bleibst, dann kommt die Lösung sehr schnell. Und da du schweigst, bist du imstande, sie zu hören.
Wenn du in einer Schwierigkeit festsitzt, versuche diese Methode: Anstatt dich aufzuregen, Ideen zu wälzen und aktiv nach Lösungen zu suchen, anstatt dich zu sorgen, zu ärgern, in deinem Kopf hierhin und dorthin zu rennen – ich meine nicht äußerlich, denn äußerlich hast du wahrscheinlich genug gesunden Menschenverstand, das zu unterlassen, sondern innerlich, in deinem Kopf – bleibe ruhig. Und entsprechend deiner Natur mit Inbrunst oder mit Frieden, mit Intensität oder Weitwerden oder mit all diesem zusammen, bitte um das Licht und warte auf sein Erscheinen.
Auf diese Weise würde der Pfad beträchtlich verkürzt.
„Friede, Friede, Friede“
Wie können wir in unserem Mental Frieden und Schweigen errichten, die fest begründet sind?
Zuallererst musst du es wollen.
Und dann musst du es versuchen und musst durchhalten und immer wieder versuchen…
Zunächst sitze ruhig. Und dann, anstatt an fünfzig verschiedene Dinge zu denken, beginnst du dir zu sagen: „Friede, Friede, Friede, Friede, Friede, Friede, Ruhe, Friede!“ Du stellst dir Frieden und Ruhe vor. Du sehnst dich danach, bittest darum, dass sie kommen mögen: „Friede, Friede, Ruhe!“ Und dann, wenn etwas kommt und dich berührt und handelt, sage leise folgendes: „Friede, Friede, Friede.“ Betrachte deine Gedanken nicht, höre ihnen nicht zu, verstehst du? Du darfst nicht allem, was auftaucht, Aufmerksamkeit widmen. Nicht wahr, wenn jemand dich sehr stark belästigt und du möchtest ihn loswerden, dann hörst du ihm nicht zu! Gut! Du wendest deinen Kopf ab (Geste) und denkst an etwas anderes. Nun, das musst du tun: wenn Gedanken auftauchen, schaust du nicht hin, du hörst nicht auf sie, du darfst ihnen keine Beachtung schenken, du musst dich verhalten, als existierten sie nicht, verstehst du! Und dann, wiederhole es die ganze Zeit wie ein – wie soll ich es ausdrücken? – wie ein Idiot es tut, der ständig dasselbe vor sich hinspricht. Nun, du musst es genauso machen. Du musst immer wieder sagen: „Friede, Friede, Friede.“ So versuchst du das einige Minuten lang und dann tust du, was du tun musst; und dann, ein anderes Mal, fängst du von neuem an. Setze dich nieder und bemühe dich. Tue das, wenn du morgens aufstehst und am Abend, wenn du zu Bett gehst. Du kannst das machen… nun, wenn du deine Nahrung richtig verdauen willst, kannst du es einige Minuten vor dem Essen praktizieren. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr das deiner Verdauung hilft! Bevor du mit dem Essen beginnst, setze dich eine Weile ruhig hin und sage: „Friede, Friede, Friede!“ und alles wird ruhig (die Mutter breitet beide Arme aus) und dann musst du weitermachen. Und es kommt eine Zeit, in der du dich nicht länger niedersetzen musst, ganz gleich, was du tust und sagst, es ist immer: „Friede, Friede, Friede.“ Alles bleibt hier, so, es dringt nicht ein (Geste vor ihrer Stirn), es bleibt dort. Und dann weilt man in einem vollkommenen Frieden… nach einigen Jahren.
Aber am Anfang, einem sehr kleinen Anfang, zwei oder drei Minuten, es ist sehr einfach. Für etwas Kompliziertes musst du eine Anstrengung unternehmen, und wenn man das tut, ist man nicht still. Es ist schwierig, während einer Anstrengung ruhig zu bleiben. Sehr einfach, sehr einfach, du musst bei diesen Dingen sehr einfach sein. Es ist, als lerntest du, einen Freund zu rufen: kraft deines Rufes kommt er. Nun, mache Frieden und Ruhe zu deinen Freunden und rufe sie: „Komme, Friede, Friede, Friede, Friede, komme!“
Setze dich ruhig nieder
Wenn du ein wenig Zeit hast, sei es eine Stunde oder wenige Minuten, dann sage dir: „Endlich habe ich Zeit, mich zu konzentrieren, mich zu sammeln, den Sinn meines Lebens wiederzuerleben, mich selbst dem Wahren und dem Ewigen zu überantworten.“ Wenn du dafür sorgtest, dich immer so zu verhalten, wenn dich die äußeren Umstände nicht umtreiben, dann entdecktest du, dass du auf dem Pfade schnell voranschreitest. Statt deine Zeit zu vergeuden, indem du schwatzt, sinnlose Dinge treibst und Sachen liest, die das Bewusstsein herabmindern … ist es besser, maßvoll, ausgeglichen, geduldig, still zu sein, aber niemals eine Gelegenheit zu versäumen, die dir geschenkt wurde, nämlich eine, die du für den wahren Zweck des vor dir liegenden, unbeschäftigten Augenblicks verwenden kannst.
Wenn du nichts zu tun hast, wirst du unruhig, du läufst herum, triffst Freunde, gehst spazieren, um nur die besten Dingen zu erwähnen; ich beziehe mich nicht auf Dinge, die offenkundig nicht getan werden sollten. Stattdessen setze dich still hin, dem Himmel, dem Meer zugewandt oder unter Bäume, was immer möglich ist (hier steht dir alles zur Verfügung) und versuche, eines dieser Dinge zu verstehen – zu begreifen, warum du lebst, zu lernen, wie du leben musst, darüber nachzusinnen, was du tun möchtest und was getan werden sollte und welches der beste Weg ist, der Unwissenheit und Falschheit und dem Schmerz, in denen du lebst, zu entrinnen.
Mache dein Bewusstsein weit
Liebe Mutter, wie können wir unser Bewusstsein weit machen?
Weit? Ah, es gibt viele Methoden.
Die einfachste ist, sich mit etwas, das weit ist, zu identifizieren. Zum Beispiel wenn du fühlst, dass du in vollständig engem und beschränkten Denken, Wollen, Bewusstsein eingeschlossen bist, dich wie eingekapselt empfindest, dann beginnst du, über etwas sehr Weites nachzudenken, wie zum Beispiel die Unermesslichkeit des Ozeans, und wenn es dir wirklich gelingt, dir diesen Ozean vorzustellen. wie er sich weit, weit, weit, weit in alle Richtungen ausdehnt, so (die Mutter breitet ihre Arme aus), wie er, verglichen mit dir, sich so weit erstreckt, so weit, dass du das andere Ufer nicht sehen, du nirgends sein Ende erfassen kannst, weder hinten noch vorne, noch links oder rechts… er ist weit, weit, weit, weit… Daran denkst du, und dann fühlst du, dass du auf diesem Meer dahintreibst, so, und dann gibt es keine Grenzen… Das ist sehr leicht. Dann kannst du dein Bewusstsein ein wenig weiten.
Andere beginnen zum Beispiel damit, den Himmel zu betrachten. Und dann lassen sie in ihrer Vorstellung all jene Räume zwischen den Sternen erstehen und die ganze… diese ganze Unendlichkeit von Räumen, in welchen die Erde nur ein winziger Punkt ist und du auch nur ein winziger Punkt, kleiner als eine Ameise auf der Erde. Und so schaust du den Himmel an und fühlst, dass du in diesen endlosen Räumen zwischen den Wolken schwebst und dich immer mehr ausdehnst, um weiter und weiter zu werden. Manche Leute sind damit erfolgreich.
Es besteht auch die Möglichkeit zu versuchen, sich mit allen Dingen auf der Erde zu identifizieren. Zum Beispiel wenn du einer Sache in einer engen Sichtweise begegnest und durch den Standpunkt anderer gekränkt bist, musst du damit beginnen, dein Bewusstsein zu verschieben, es in andere zu verlagern und dich allmählich mit den ganzen verschiedenen Denkweisen all der anderen zu identifizieren zu versuchen. Das ist ein wenig… wie soll ich es ausdrücken?… gefährlich. Denn sich in das Denken und Wollen anderer hineinzuversetzen, bedeutet, sich mit einem Haufen Dummheit (Mutter lacht) und schlechtem Willen zu identifizieren, und das kann Folgen, die nicht sehr gut sind, mit sich bringen. Aber dennoch fällt dies manchen Leuten leichter. Wenn sie sich zum Beispiel mit jemandem in Unstimmigkeit befinden, bemühen sie sich, um ihr Bewusstsein zu erweitern, sich in dessen Lage zu versetzen und die Angelegenheit nicht mehr aus ihrem eigenen, sondern aus dessen Gesichtswinkel zu sehen. Das weitet das Bewusstsein, wenn auch nicht so umfangreich, wie die ersteren Methoden, von denen ich sprach, welche ganz unschuldig sind. Sie fügen dir keinen Schaden zu, sie nützen dir sehr. Sie lassen dich ein Gefühl tiefen Friedens erleben.
Öffne dich den höheren Regionen
Wenn du dich den höheren Bewusstseinsregionen öffnest und die Kraft von oben herabkommt, dann begründet sie auf ganz natürliche Weise ein Schweigen in den niederen Bereichen, denn diese werden von dieser herabkommenden höheren Macht regiert. Sie stammt aus den höheren Bereichen des Mentals oder jenseits davon, selbst vom Supramental. Wenn also diese Kraft und dieses Bewusstsein herabkommen und in das Bewusstsein einer niederen Ebene eindringen, wird dieses naturgemäß ruhig, denn es wird gleichsam besetzt, überflutet von diesem höheren Licht, das es umwandelt.
Tatsächlich ist dies sogar der einzige Weg, ein beständiges Schweigen in seinem Mental zu errichten. Es geschieht, damit man sich den höheren Sphären öffnet und dieses höhere Bewusstsein, diese Kraft, dieses Licht, fortwährend in das niedere Mental hineinlässt und von ihm Besitz ergreift. Und dann, wenn dies geschieht, vermag dieses dauerhaft ruhig und still zu sein, denn es ist dieses Eine, welches wirkt und das ganze Wesen erfüllt. Man kann handeln, schreiben und sprechen, ohne dass dabei das Mental tätig wird, nur mit dieser Kraft, die von oben herab das Mental durchdringt und von ihm Gebrauch macht. Das Mental selbst wird zu einem ausschließlich passiven Instrument. Und wirklich, dies ist die einzige Möglichkeit, ein Schweigen fest zu begründen; denn sobald dies stattgefunden hat, rührt sich das Mental nicht länger, es agiert nur noch auf den Impuls dieser Macht hin, wenn sie sich in ihm offenbart. Es ist ein sehr ruhiges, sehr stilles Feld, und die Kraft bringt bei ihrem Erscheinen seine Elemente in Bewegung und bedient sich ihrer, und sie findet ihren Ausdruck durch ihn, ohne ihn in Bewegung zu versetzen. Es bleibt sehr still.