Sri Aurobindo Digital Edition
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  1. ALLES LEBEN IST YOGA
  2. Die Natur

Kapitel 4

Perversion beginnt mit der Menschheit

Worte der Mutter

Perversion ist eine menschliche Krankheit, sie taucht nur sehr selten bei Tieren auf, und dann nur bei Tieren, die dem Menschen nahe gekommen sind und daher von seiner Perversion verdorben wurden.

Es gibt eine Geschichte von einigen Offizieren in Nordafrika, in Algerien, die einen Affen adoptiert hatten. Der Affe wohnte bei ihnen und eines Tages beim Abendessen hatten sie eine groteske Idee und gaben dem Affen etwas zu trinken. Sie gaben ihm Alkohol. Der Affe sah zuerst die anderen trinken, das schien ihm etwas sehr Interessantes, und er trank ein Glas, ein volles Glas Wein. Daraufhin wurde er krank, äußerst krank, er wälzte sich schmerzverkrampft unter dem Tisch und war wirklich in einer argen Situation. So gab er den Menschen ein Beispiel der spontanen Wirkung von Alkohol, wenn die physische Natur noch nicht pervertiert ist. Er starb beinahe an Vergiftung. Er erholte sich. Und einige Zeit später wurde ihm wieder erlaubt, zum Abendessen zu kommen, da er sich erholt hatte, und jemand stellte ihm ein Glas Wein hin. Der Affe griff es mit furchtbarem Zorn und schmiss es dem Mann, der es ihm gegeben hatte, an den Kopf… Dadurch demonstrierte er, dass er viel klüger als die Menschen war!

Es ist gut, wenn man in frühem Alter zu lernen beginnt, dass Vernunft der Meister im eigenen Haus sein muss, wenn man ein effektives Leben führen und ein Maximum aus dem eigenen Körper herausholen möchte. Und es ist hier nicht die Frage von Yoga oder höherer Verwirklichung, es ist etwas, was man überall lehren sollte, in jeder Schule, jeder Familie, jedem Heim: der Mensch wurde zu einem mentalen Wesen gemacht, und um bloß ein Mensch zu sein – wir sprechen nicht von irgendetwas anderem, wir sprechen nur davon, ein Mensch zu sein, – muss das Leben von der Vernunft dominiert werden und nicht von vitalen Impulsen. Dies sollte man Kindern von frühestem Alter an beibringen. Wenn man nicht von der Vernunft dominiert wird, so ist man eine Bestie, tiefer als Tiere; denn diese haben keinen mentalen Geist oder Verstand, der sie dominieren könnte, sondern sie gehorchen dem Instinkt der Spezies. Es gibt einen Instinkt der Spezies, der ein äußerst vernünftiger Instinkt ist, welcher all ihre Aktivitäten zu ihrem eigenen Besten reguliert, und automatisch, ohne dass sie es wissen, sind sie diesem Instinkt der Spezies unterworfen, der vom Standpunkt jener Spezies aus, ja jeder Spezies, ganz und gar vernünftig ist. Und jene Tiere, die aus dem einen oder anderen Grund davon frei werden – wie ich vorhin gerade sagte, jene, die in der Nähe des Menschen leben und dem Menschen zu gehorchen beginnen, anstatt dem Instinkt der Spezies – werden pervertiert und verlieren die Eigenschaften ihrer Spezies. Aber ein Tier, das seinem natürlichen Leben überlassen bleibt und frei von menschlichem Einfluss ist, ist von seinem eigenen Standpunkt aus ein äußerst vernünftiges Wesen, denn es tut nur Dinge, die im Einklang mit seiner Natur und seinem eigenen Besten stehen. Natürlich stößt ihm dann und wann etwas zu, weil es sich ständig mit anderen Spezies im Krieg befindet, aber es selbst handelt nicht töricht. Dummheiten und Perversion beginnen mit einem bewussten Mental und der menschlichen Spezies. Es ist der falsche Gebrauch, den der Mensch von seiner mentalen Kapazität macht. Perversion beginnt mit der Menschheit.

Kapitel 5

Tiere verstehen

Worte der Mutter

Welche Art von Liebe haben Tiere zum Menschen?

Es ist fast dieselbe wie jene von recht unintellektuellen Menschen für das Göttliche. Sie besteht aus Bewunderung, Vertrauen und einem Gefühl der Sicherheit. Bewunderung: es scheint etwas wirklich sehr Schönes zu sein. Und es ist nicht bewusst erdacht: eine Bewunderung von Herzen sozusagen, spontan. Hunde zum Beispiel haben dies in einem sehr hohen Grad. Und dann, Vertrauen – natürlich ist dies manchmal mit anderen Dingen vermischt: mit dem Gefühl einer Notwendigkeit und Abhängigkeit, denn jene Person ist es, die mir zu essen geben wird, wenn ich Hunger habe, mir Schutz geben wird, wenn es stürmt und regnet, sich um mich kümmern wird. Dies ist nicht die schönste Seite, und dann wird es unglücklicherweise vermischt mit einer Art Furcht; einem Gefühl der Abhängigkeit und einer Art Furcht vor etwas, was viel stärker ist, viel bewusster, … was dich schädigen kann, und du hast nicht die Kraft, dich zu wehren. Es ist schade, aber ich glaube, es ist ganz und gar der Fehler des Menschen.

Aber wenn Menschen wirklich die Liebe der Tiere verdienten, würde sie von Seiten der Tiere eine Empfindung des Wunderbaren und der Geborgenheit sein. Es ist etwas sehr Schönes, dieses Gefühl der Geborgenheit; etwas, was dich zu schützen vermag, dir alles geben kann, was du brauchst, und in dessen Nähe du stets Zuflucht finden kannst.

Tiere haben ein ganz rudimentäres Mental. Sie werden nicht von ständigen Gedanken geplagt wie die Menschen. Zum Beispiel empfinden sie eine spontane Dankbarkeit für Freundlichkeit ihnen gegenüber, während die Menschen, achtundneunzig Mal von hundert, zu räsonieren beginnen und sich fragen, welches Interesse man daran haben könnte, gut zu sein. Dies ist eines der großen Übel der mentalen Aktivität. Tiere sind davon frei, und wenn man ihnen gegenüber freundlich ist, sind sie einem dankbar dafür, spontan. Und sie haben Vertrauen. Ihre Liebe besteht daraus, und sie wird zu einer sehr starken Gebundenheit, einem unwiderstehlichen Verlangen, in deiner Nähe zu sein.

Es gibt noch etwas anderes. Wenn der Meister wirklich ein guter Meister ist und das Tier treu, so findet ein Austausch von psychischen und vitalen Kräften statt, ein Austausch, der für das Tier zu etwas Wunderbarem wird, ihm eine intensive Freude gibt. Wenn sie dir auf diese Weise gern ganz nahe sind, wenn du sie hältst, so vibrieren sie im Inneren. Die Kraft, die man ihnen gibt – die Kraft der Zuneigung, der Zärtlichkeit, des Schutzes und so weiter, – sie spüren das, und es schafft in ihnen eine tiefe Bindung. Und in einigen der höheren Tierarten wie Hunden, Elefanten und selbst Pferden schafft es sogar recht leicht einen bemerkenswerten Drang zu liebevoller Hingabe (welche in der Tat nicht durch all das Räsonieren und Argumentieren des Mentals vereitelt wird), die spontan und sehr rein in ihrer Essenz ist, etwas, was wirklich sehr schön ist.

Die Funktion des Mentals im Menschen in seiner rudimentären Form, seine erste Manifestation, hat viele Dinge verdorben, die vorher viel reiner waren.

Natürlich können die Dinge einen viel höheren Wert annehmen, wenn der Mensch zu einem höheren Niveau aufsteigt und richtigen Gebrauch von seiner Intelligenz macht; aber er macht sie zu einem Instrument der Berechnung, Beherrschung, Täuschung, und dort wird sie sehr hässlich. Ich habe in meinem Leben Tiere gekannt, die ich für viel höher erachtete als eine große Zahl von Menschen, denn eben jene üble Berechnung, jener Wunsch, zu betrügen und Profit zu machen, war in ihnen nicht vorhanden. Es gibt andere, die sich durch den Kontakt mit dem Menschen anstecken; aber es gibt auch jene, bei denen es nicht geschieht.

Die selbstlose Regung, ohne zu berechnen, ist eine der schönsten Formen seelischen Bewusstseins in der Welt. Aber je höher man in der Skala mentaler Aktivität aufsteigt, desto seltener wird sie. Denn mit der Intelligenz kommt all das Geschick und die Cleverness, Korruption und Berechnung. Wenn zum Beispiel eine Rose blüht, so tut sie dies spontan, um der Freude am Schönsein willen, um süß zu duften, all ihre Lebensfreude auszudrücken, und sie berechnet nicht, sie hat nichts davon zu erwarten: sie tut es so spontan, in der Daseins- und Lebensfreude. Nehmen wir nun aber einen Menschen: Abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen versucht er in dem Augenblick, wo sein Denkbewusstsein aktiv ist, einen Vorteil aus seiner Schönheit und seiner Cleverness zu ziehen; er will, dass sie ihm etwas einbringen, entweder die Bewunderung der Menschen oder noch viel niedrigere Dinge. Daher ist vom seelischen Standpunkt aus die Rose besser als die Menschen.

Aber wenn du eine Sprosse höher kletterst und bewusst tust, was die Rose unbewusst tut, dann ist es viel schöner. Aber es muss dasselbe sein: ein spontanes Aufblühen von Schönheit, ohne zu berechnen, nur einfach um der Daseinsfreude willen. Kleine Kinder haben dies bisweilen (bisweilen, nicht immer). Unglücklicherweise lernen sie unter dem Einfluss ihrer Eltern und ihrer Umwelt schon in sehr jungem Alter, berechnend zu sein.

Aber dieser Wunsch, zu profitieren durch das, was man hat oder tut, ist wirklich eines der hässlichsten Dinge in der Welt. Und es ist eines der weitverbreitetsten, so weitverbreitet, dass es fast spontan im Menschen ist. Nichts kann der göttlichen Liebe totaler den Rücken kehren als jenes, jener Wunsch, zu kalkulieren und zu profitieren.

Worte Sri Aurobindos

Das emotionale Wesen der Tiere ist häufig seelischer als das der Menschen, die sehr gefühllos sein können. Kürzlich sah ich Bilder eines zahmen Tigers, der zuerst bei einer Familie lebte, die ihn später einem Zoo übergab. Der Ausdruck des Leids in dem Gesicht des Tigers in seinem Käfig, sanft und gleichzeitig tragisch-schmerzlich, war herzzerbrechend.

Worte Sri Aurobindos

Es ist ein einfacheres und ehrlicheres Bewusstsein – das des Tieres. Natürlich erwartet es etwas, aber selbst wenn es nichts bekommt, bleibt die Zuneigung. Viele Tiere verlieren nicht ihre Liebe, selbst wenn sie schlecht behandelt werden, was auf eine bemerkenswerte seelische Entwicklung im Vital hinweist.

Worte Sri Aurobindos

Die meisten Tiere greifen in der Regel nicht an, wenn sie nicht bedroht oder erschreckt oder irgendwie provoziert werden – und sie können die Atmosphäre der Leute spüren.

Worte der Mutter

Woher kommt die Abstoßung, die man instinktiv gegenüber gewissen Tieren wie Schlangen und Skorpionen fühlt?

Es ist nicht eine unvermeidliche Notwendigkeit, dass man diese oder irgendeine andere Abstoßung spürt. Keine Abstoßung zu fühlen, ist eines der Grundresultate des Yoga.

Die Abstoßung, von der du sprichst, kommt von der Furcht; wenn es keine Furcht gäbe, würde sie nicht existieren. Diese Furcht basiert nicht auf Verstand, sie ist instinktiv; sie ist nicht individuell, sondern in der Menschenart veranlagt; es ist eine allgemeine Suggestion und gehört dem Bewusstsein der Menschheit in ihrer Gesamtheit an. Wenn man den menschlichen Körper annimmt, akzeptiert man damit gleichzeitig eine Menge dieser allgemeinen Suggestionen, Rassenvorstellungen, Rassengefühle der Menschheit, Assoziationen, Anziehungen, Abstoßungen, Ängste.

Aber von einem anderen Standpunkt aus liegt etwas sehr Persönliches in der Natur einer Anziehung oder Abstoßung; denn diese Regungen sind nicht dieselben für jedermann und hängen meist von der Qualität der Schwingung des vitalen Wesens in verschiedenen Leuten ab. Es gibt Menschen, die nicht nur keine Abstoßung gegenüber Geschöpfen wie Schlangen empfinden, sondern sie sogar mögen, sich sehr zu ihnen hingezogen fühlen.

Worte der Mutter

Mir wurde einmal eine psychologische Frage gestellt, und zwar von einem Mann, der Handel mit wilden Tieren betrieb. Er hatte eine Menagerie, und pflegte wilde Tiere überall aufzukaufen, in allen Ländern, wo sie gefangen werden, um sie auf dem europäischen Markt wieder zu verkaufen. Ich glaube, er war Österreicher. Er war nach Paris gekommen und sagte mir: „Ich habe es mit zwei Arten von Dompteuren zu tun. Ich würde gern wissen, welcher von beiden mutiger ist. Es gibt jene, die Tiere sehr lieben. Sie lieben sie so sehr, dass sie in den Käfig eintreten ohne die geringste Vorstellung, dass es sich als gefährlich erweisen könnte, wie ein Freund in das Haus eines Freundes eintritt, und sie lassen sie tätig werden, bringen ihnen bei, wie man die Dinge tut, und sie tun dies ohne die geringste Furcht. Ich kannte einige, die nicht einmal eine Peitsche in der Hand hielten; sie kamen herein und sprachen ihren Tieren so freundlich zu, dass alles gut ging. Das verhinderte jedoch nicht, dass sie eines Tages gefressen wurden. Aber dies ist die eine Art. Die andere Art sind jene, die sich vor dem Eintreten so fürchten, dass sie zittern; dadurch wird ihnen gewöhnlich ganz unwohl. Aber sie unternehmen eine Anstrengung, sie unternehmen eine beträchtliche seelische Anstrengung, und ohne jegliche Furcht an den Tag zu legen, treten sie ein und lassen die Tiere vorführen.“

Dann sagte er mir: „Ich habe zwei Meinungen gehört: einige sagen, es sei viel mutiger, Furcht zu überwinden, als sie gar nicht zu haben… Hier haben wir das Problem. Welcher von beiden ist also wirklich mutig?“

Es gibt vielleicht eine dritte Art, die wahrlich mutig ist, noch mutiger als sie beide. Das ist jener Dompteur, der sich der Gefahr vollkommen bewusst ist, der sehr gut weiß, dass man diesen Tieren nicht trauen kann. Eines Tages, wenn sie in einem sehr erregten Zustand sind, können sie ohne weiteres tückisch auf dich springen. Aber für die Dompteure bedeutet es keinen Unterschied. Sie gehen dorthin um der Freude an der Aufgabe willen, ohne zu fragen, ob es ein Unglück geben wird oder nicht, und in voller geistiger Ruhe, mit all der notwendigen Kraft und dem erforderlichen Bewusstsein im Körper. Dies war in der Tat der Fall dieses Mannes selbst. Er hatte einen so enormen Willen, dass er die Tiere ohne Peitsche, durch bloßen beharrlichen Willen dazu brachte, alles zu tun, was er wollte. Aber er wusste sehr wohl, dass es ein gefährlicher Beruf war. Er hatte keine Illusionen. Er sagte mir, dass er diese Arbeit mit einer Katze erlernt hatte, – einer Katze!

Er war ein Mann, der abgesehen von seiner Arbeit als Tierhändler auch ein Künstler war. Er zeichnete gern, liebte die Malerei, und hatte eine Katze in seinem Studio. Und es geschah auf diese Weise, dass er Interesse an Tieren zu entwickeln begann. Diese Katze war ein äußerst unabhängiges Wesen und hatte keinen Sinn für Gehorsam. So wollte er zum Beispiel ein Porträt der Katze anfertigen. Er setzte sie auf einen Stuhl und setzte sich an die Staffelei. Frrr… die Katze rannte davon. Dann ging er sie suchen, brachte sie zurück, setzte sie wieder auf den Stuhl, ohne auch nur die Stimme anzuheben, ohne sie zu tadeln, ohne irgendetwas zu sagen, ohne sie natürlich zu peinigen oder zu schlagen. Er nahm sie und setzte sie wieder auf den Stuhl. Die Katze nun wurde immer cleverer. Im Studio lagerten in einigen Winkeln Leinwände, die dort verborgen lagen und aufeinander geschichtet waren, hinten in den Ecken. So ging die Katze dorthin und saß hinter ihnen. Sie wusste, dass ihr Meister einige Zeit brauchen würde, all diese Leinwände zu entfernen und sie zu fangen; der Mann entfernte sie ruhig eine nach der anderen, fing die Katze und setzte sie wieder an ihren Platz.

Er sagte mir, dass er dies einmal ohne Unterlass von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang tat. Er aß nicht, und auch die Katze nicht, er tat dies den ganzen Tag; am Ende des Tages blieb er siegreich. Als ihr Meister sie auf den Stuhl setzte, blieb sie dort und versuchte hinfort nie wieder wegzulaufen. Dann sagte er sich: „Warum nicht dasselbe mit den größeren Tieren versuchen?“ Er versuchte es, und es gelang ihm.

Natürlich konnte er nicht in derselben Weise einen Löwen nehmen und auf einen Stuhl setzen, das sicher nicht, aber er wollte sie dahin bekommen, Bewegungen zu machen – unsinnige Bewegungen, gewiss, wie sie es im Zirkus machen: sie setzen ihre Vorderbeine auf einen Hocker, oder setzen sich mit allen vier Pfoten eng zusammen auf eine sehr kleine Stelle, alle Arten von unsinnigen Dingen, aber so ist es ja Mode, das wollen sie zur Schau stellen; oder sie stellen sich vielleicht wie ein Hund auf die Hinterbeine, oder brüllen sogar – wenn man einen Finger vor den Löwen hält, beginnt er zu brüllen – Dinge dieser Art, ganz und gar töricht. Es wäre viel besser, die Tiere sich frei herumbewegen zu lassen, das wäre viel interessanter. Aber wie ich schon sagte, ist jenes die Mode.

Aber er brachte es ohne jedes Peitschen fertig, er trug nie eine Pistole in seiner Tasche, und er ging mit dem vollen Bewusstsein in den Käfig, dass die Tiere ihm eines Tages, wenn sie nicht gut gestimmt wären, den tödlichen Schlag versetzen könnten. Aber er tat dies ruhig und mit derselben Geduld wie mit der Katze. Und wenn er seine Tiere ablieferte – er gab seine Tiere den Zirkussen, den Dompteuren – dann waren sie wunderbar.

Natürlich fühlen jene Tiere – überhaupt alle Tiere –, wenn man Angst hat, selbst wenn man es nicht zeigt. Sie fühlen es sehr stark, mit einem Instinkt, den Menschen nicht besitzen. Sie fühlen, dass du Angst hast, dein Körper erzeugt eine Schwingung, die eine äußerst unangenehme Empfindung in ihnen hervorruft. Wenn es starke Tiere sind, so macht es sie wild; wenn es schwache Tiere sind, so versetzt es sie in Panik. Aber wenn du keinerlei Furcht hast, wenn du mit einem absoluten Vertrauen hingehst, einem großen Vertrauen, wenn du freundlich zu ihnen bist, wirst du sehen, dass sie keine Furcht haben; sie fürchten sich nicht, sie haben keine Angst vor dir und verachten dich nicht; sie sind dann auch voller Zutrauen.

Das soll dich nicht ermutigen, in die Käfige aller Löwen, die du besuchst, einzutreten, aber so stehen die Dinge. Wenn du einem bellenden Hund begegnest, wird er dich beißen, wenn du Angst hast; wenn du keine Angst hast, wird er weggehen. Aber du musst wirklich frei von Furcht sein, es soll nicht nur der Anschein der Furchtlosigkeit sein, weil es nicht der Schein ist, der zählt, sondern die Schwingung.

Worte der Mutter

In Paris gibt es einen Garten, der den Namen „Pflanzengarten“ trägt: es sind dort auch Tiere, ebenso wie Pflanzen. Sie hatten gerade einen herrlichen Löwen bekommen. Natürlich war er im Käfig. Und er war wild. Es befand sich eine Tür im Käfig, hinter der er sich verbergen konnte. Und er pflegte sich gerade dann zu verbergen, wenn die Besucher kamen, um ihn zu sehen! Ich bemerkte das, und eines Tages ging ich zum Käfig und begann mit ihm zu sprechen (Tiere sind sehr sensitiv gegenüber gesprochener Sprache, sie hören wirklich zu). Ich begann meinem Löwen sanft zuzureden und sagte ihm: „Oh! Wie hübsch du doch bist, wie schade, dass du dich so verbirgst, wie gern würden wir dich sehen…“ Er hörte zu. Dann allmählich schaute er mich fragend an, streckte langsam seinen Hals vor, um mich besser sehen zu können; später brachte er seine Pfote hervor und drückte schließlich seine Nasenspitze gegen das Gitter, wie wenn er sagen wollte: „Hier ist nun endlich jemand, der mich versteht!“

Teil 5 EINS MIT DER NATUR

Kapitel 1

Zwiesprache mit der Natur

Worte der Mutter

Die Natur ist eine bewusste Kraft, die weiß, was sie will, und dies in ihrer eigenen Weise tut, wobei sie die Richtung und ihre Wege kennt: sie selbst wählt sie…

Die Natur hat einen Plan, sie hat einen bewussten Willen, sie ist ganz und gar eine bewusste Wesenheit – man kann sie nicht ein Wesen nennen, denn das ist nicht ganz angemessen. Wenn wir mit unserem menschlichen Bewusstsein von einem Wesen sprechen, stellen wir uns sofort ein menschliches Wesen vor, vielleicht ein wenig größer oder viel größer, aber doch immer noch in derselben Weise funktionierend. Daher nenne ich sie nicht ein Wesen, sondern sie ist eine bewusste Wesenheit, ein bewusster Wille, der Dinge bewusst, absichtsvoll tut und enorme Kräfte zur Verfügung hat.

Es heißt auch, dass die Kräfte der Natur blind und gewaltsam seien. Aber das ist gar nicht der Fall! Es ist der Mensch in seinem relativen Verhältnis zur Natur, der so urteilt. Sieh, wir wollen ein Beispiel nehmen. Wenn sich ein Erdbeben ereignet, werden viele Inseln verschlungen und Millionen kommen um. Die Leute sagen dann: „Diese Natur ist furchtbar.“ Vom menschlichen Standpunkt ist diese Natur furchtbar. Was hat sie getan? Sie hat eine Katastrophe vollbracht. Aber bedenke nur, wie du beim Springen, Laufen oder dieser oder jener Tätigkeit einen Schlag erhältst und schwarzblau anläufst; du zerstörst eine große Zahl von Zellen! Es ist eine Frage der Proportion. Für uns, unser kleines Bewusstsein, immer so klein, erscheint dies wie etwas Furchtbares, aber schließlich und endlich ist es ganz einfach nur eine Prellung irgendwo auf der Erde (nicht einmal im Universum). Wir sprechen hier nur von der Erde. Was ist sie? Überhaupt nichts, nur ein winziges kleines Spielzeug im Universum. Wenn wir von diesem Universum sprechen, dann ist das Verschwinden von Welten… es sind nur Prellungen. Es ist nichts.

Man sollte, wenn möglich, sein Bewusstsein weiten.

Ich kannte jemanden, der sein Bewusstsein weiten wollte; er sagte, er habe einen Weg gefunden, der darin bestand, sich nachts flach auf den Rücken zu legen, draußen, und die Sterne zu betrachten und zu versuchen, sich mit ihnen zu identifizieren, und tief in eine immense Welt einzutauchen, und auf diese Weise ganz alles Gefühl der Proportion, der Ordnung der Erde und all ihrer kleinen Dinge zu verlieren, und so weit wie der Himmel zu werden – wir können nicht sagen, weit wie das Universum, denn wir sehen nur einen winzigen Teil davon, aber weit wie der Himmel mit allen Sternen. Und so fallen dann vorübergehend die kleinen Unreinheiten ab und man versteht die Dinge auf einer sehr breiten Basis. Das ist eine gute Übung.

Beides sind gute Übungen. Versuche, sie zu vergleichen, du wirst sehen: du gehst auf einer Straße, dort ist ein Heer von Ameisen, die von einem Nest zum anderen gehen (du blickst nicht herunter, du sprichst mit jemandem); ganz nachlässig setzt du einen Fuß nieder und dann den anderen, und du zermalmst hunderte von Ameisen, ohne dass du es auch nur merkst. Wenn du eine Ameise wärest, würdest du sagen: „Welch eine böse und bestialische Kraft!“ Du aber tust nichts anderes, als dass du bloß gehst. Du schenkst dem keine Beachtung. Aber nehmen wir einmal an, es gibt Wesen dieser Art, für die wir bloß winzige kleine Ameisen sind. Sie setzen einen Fuß auf und dann den anderen und Millionen von Menschen werden getötet. Sie merken es nicht einmal! Sie haben es nicht mit Absicht getan, sie gingen bloß einher, nur das. Der einzige Unterschied, den man feststellen könnte (und auch da bin ich mir nicht ganz sicher), der einzige Unterschied zwischen der Ameise und dem Menschen ist der, dass der Mensch imstande ist zu denken, was ihm zustößt, und vielleicht ist sich die Ameise nicht dessen bewusst? Ich weiß es keineswegs. Ich garantiere es nicht.

Worte der Mutter

Ich kannte junge Leute, die stets in Städten gewohnt hatten – in einer Stadt und in jenen kleinen Zimmern, die man in Großstädten findet, wo alle eng zusammenkauern. Nun waren sie gekommen, um ihre Ferien auf dem Land zu verbringen, im Süden Frankreichs, und dort ist die Sonne heiß, natürlich nicht so heiß wie hier, aber dennoch sehr heiß (wenn wir die Sonne der Mittelmeerküste zum Beispiel mit der von Paris vergleichen, so ist das wirklich ein Unterschied), und wenn sie nun an den ersten Tagen im Land herumwanderten, bekamen sie wirklich furchtbare Kopfschmerzen und fühlten sich wegen der Sonne absolut unwohl; aber sie dachten plötzlich: „Aber warum – wenn wir uns mit der Sonne anfreunden, wird sie uns keinen Schaden mehr bringen!“ Und sie begannen, sich gleichsam innerlich um Vertrauen zur Sonne und Freundschaft mit ihr zu bemühen, und wenn sie dann draußen waren, sagten sie, anstatt sich zu verkrampfen und zu klagen, „Oh, wie heiß es ist, wie es brennt!“ stattdessen, „Oh, wie ist die Sonne doch voller Kraft, Freude und Liebe!“ und so weiter. So öffneten sie sich und nicht nur litten sie nicht mehr, sondern sie fühlten sich danach so kräftig, dass sie herumgingen und jedem, der sagte „es ist heiß“, rieten: „Tut es wie wir, ihr werdet sehen, wie gut es ist.“ Und sie konnten stundenlang in der prallen Sonne bleiben, ohne Mütze, und ohne sich unwohl zu fühlen.

Es ist dasselbe Prinzip. Sie stellten eine Verbindung mit der universalen Lebenskraft her, die in der Sonne ist, und empfingen diese Kraft, die alles entfernte, was für sie unangenehm war.

Wenn man auf dem Land ist, wenn man unter den Bäumen geht und sich eng der Natur verbunden fühlt, den Bäumen, dem Himmel, allen Blättern, Zweigen, Gräsern, wenn man eine große Freundschaft gegenüber all diesen Dingen fühlt und jene Luft atmet, die so gut ist, erfüllt mit dem Wohlgeruch der Pflanzen, dann öffnet man sich, und indem man sich öffnet, hält man Zwiesprache mit den universalen Kräften. Und bei allen Dingen verhält es sich so.

Kann man dasselbe auch tun, wenn es kalt ist?

Ja, ich glaube schon. Ich glaube, man kann stets dasselbe in allen Fällen tun.

Die Sonne ist ein sehr starkes Symbol in der Organisation der Natur. Daher ist es nicht ganz und gar dieselbe Sache; sie trägt in sich eine außerordentliche Konzentration von Energie. Kälte erscheint mir als etwas Negativeres; sie ist eine Abwesenheit von etwas. Aber in jedem Fall vermeidet man viele Beschwerden, wenn man in den Rhythmus der Bewegungen der Natur einzutreten weiß.

Worte der Mutter

Alle Kräfte sind persönlich; alle Dinge in der Natur sind persönlich. Aber wenn wir sie als unpersönliche Dinge betrachten, ist unsere Beziehung zu ihnen unpersönlich.

Nehmen wir zum Beispiel, was gerade geschehen ist. Wenn du ein Meteorologe bist und all die Windströmungen und so weiter berechnet hast und sagst, „wenn dies geschehen ist, wird jenes geschehen, es wird soundso viele Tage Regen geben usw.“, so ist dies eine Kraft für dich, die wir eine Naturkraft nennen müssen, und du kannst daran nichts ändern, kannst nur ruhig zuschauen und warten, bis diese Zahl von Tagen vorübergeht. Aber wenn du die persönliche Beziehung zu den kleinen bewussten Wesenheiten hast, die hinter dem Wind, dem Sturm, dem Regen, dem Donner stehen, hinter all diesen sogenannten Kräften der Natur, welches Kräfte sind, und zwar persönliche Kräfte, wenn du eine persönliche Beziehung zu ihnen hast und eine Art Freundschaft durch diese Beziehung herstellen kannst, anstatt sie als Feinde und unerbittliche Mechanismen zu betrachten, mit denen du dich abfinden musst, ohne dass du irgendetwas unternehmen kannst, so könntest du es vielleicht fertigbringen, eine noch etwas freundlichere Beziehung herzustellen und einen Einfluss über sie zu haben und sie zu bitten: „Warum wollt ihr, dass es stürmt und regnet, warum macht ihr das nicht anderswo?“

Und ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen… Ich habe dies hier gesehen, in Frankreich, in Algerien… wie der Regen an einer bestimmten, ganz bestimmten Stelle fällt, und es war genau eine Stelle, wo der Regen absolut benötigt wurde, weil es trocken war und ein Feld Bewässerung brauchte, und an der anderen Stelle war… in einer Entfernung von hier bis zum Ende der Halle war dort ein kleiner Fleck, auf den die Sonne fiel, alles war trocken, weil dort Sonne gebraucht wurde. Wenn du den wissenschaftlichen Standpunkt einnehmen willst, so werden sie dir dies natürlich sehr wissenschaftlich erklären. Aber ich sah es tatsächlich als Resultat einer Intervention… jemand war da, der wusste, wie man sie durchführt und erreicht.

In Algerien sah ich eine ganze Reihe Dinge dieser Art, sehr interessante Dinge. Und dort waren, nur weil dort eine gewisse Atmosphäre echteren Wissens existierte – so könnte man sagen – dort waren also kleine Wesenheiten, wie zum Beispiel Wesenheiten, die für den Schnee zuständig waren, die Schnee verursachten, und die kommen konnten, in ein Zimmer eintreten und jemandem sagen konnten: „Jetzt sollte es hier schneien!“ (Es hatte in jenem Land nie geschneit, nie.) „Schnee! Du scherzt wohl. In solcher Nähe der Sahara soll es schneien?“ „Es muss schneien, weil sie Tannen auf dem Berg gepflanzt haben, und wenn wir Tannen sehen, kommen wir. Die Tannen sind dort und rufen uns; daher kommen wir.“ Und dann gab es eine Diskussion, und das kleine Wesen ging fort mit der Erlaubnis, Schnee zu bringen, und als es fortgegangen war, fand sich auf dem Fußboden eine kleine Pfütze mit Schneewasser, geschmolzenem Schnee, der zu Wasser geworden war. Es war physisch… und der Berg war mit Schnee bedeckt. In Algerien! Der Ort ist der Sahara sehr nahe, du gehst nur ein paar Kilometer und bist in der Sahara. Jemand hatte aus Spaß alle Hügel mit Tannen bepflanzt. „Die Tanne gehört in die kalten Länder. Warum rufst du uns? Wir kommen.“ All dies ist eine wahre Geschichte, es ist nicht erfunden.

Alles hängt von deiner Beziehung ab. Auch dies hätten die Meteorologen möglicherweise erklären können, ich weiß nichts darüber, sie erklären ja alles, was man nur wissen will… Im April kam ich zum zweiten Mal [nach Pondicherry]… das erste Mal kam ich ja am 29. März, das heißt kurz vor dem April. Zu jener Zeit war es selbstverständlich: zumindest die nächsten drei Monate regnete es hier nie einen Tropfen Wasser, alles pflegte zu verdorren, die Blätter, mit denen die Dächer gedeckt werden, verdorrten so sehr, dass sie eines Tages plötzlich in Flammen aufgingen, das kam vor. Dann treffe ich [in Pondicherry] ein, und ein enormer Regenguss! Die Leute blickten mich an (hier haben sie ein wenig das Gefühl, dass die Dinge nicht ganz und gar mechanisch geschehen.) „Wie kommt es, dass es regnet?“ Dann antwortete ich: „Ich weiß es nicht, ich bin es nicht, aber ich bin mit dem Regen befreundet.“

Ich fuhr nach Pau in Südfrankreich zu einer Zeit, wo es dort nie regnet – das heißt Leute, die bis in ihre Kindheit zurückdenken konnten, hatten [zu der Zeit] nie einen Tropfen Wasser gesehen – und dann regnete es in Strömen.

Ich fuhr nach Südalgerien, natürlich war es trocken und brütend heiß – aber es begann zu regnen!

Und dann geschah hier [in Pondicherry] dasselbe, und die Leute sagten, es sei nur einmal vorher beobachtet worden… so etwa vor zweihundert Jahren. Sie erinnerten sich an diese Tatsache, dass jemand gekommen war und es geregnet hatte, und sie hatten das als ein absolut glückverheißendes Zeichen aufgenommen in der Art, dass es das Zeichen einer außergewöhnlichen Bestimmung war. Sie haben hier Vorstellungen von glückverheißenden und unglückbringenden Ereignissen. Wenn jemand zu einer Zeit kommt, wo es normalerweise nicht regnet, und es dann regnet, so scheint es ein sehr glückverheißendes Ereignis zu sein.

Die Dinge sind also so, wie man sie betrachtet, aber ich habe andere Dinge gesehen, die solcherart sind, aber nicht sehr erfreulich. Es ist seit der Zeit, wo die Menschen Dinge erfanden – nicht erfanden, sondern entdeckten –, und begannen, mit diesen Dingen, die sie nicht kannten, wie Babys zu spielen, und Atombomben und noch schlimmere Dinge herstellten. Das hat wirklich all diese kleinen Wesenheiten furchtbar gestört, die nach einem gewissen Rhythmus lebten, der ihnen zu eigen war, und die die Gewohnheit hatten, zumindest Dinge herbeizuführen, die sich vorhersehen lassen. Dies hat sie sehr gestört, sie haben furchtbar darunter gelitten, und daher verloren sie ihren Kopf, sie wissen nicht mehr, was sie tun.

Es gab eine Zeit gegen Kriegsende, wo die Dinge dort oben wirklich furchtbar chaotisch geworden waren, sie lebten in einer Art Absurdität; und da diese unglückseligen Erfahrungen fortdauern, sind sie noch nicht aus ihrer Panik heraus. Sie sind von einer Panik ergriffen. Wahrlich spielen die Menschen mit Dingen, die sie nur von außen kennen, das heißt gar nicht kennen. Sie wissen gerade genug, um einen falschen Gebrauch von ihnen machen zu können. Alles ist möglich, leider sogar auch Katastrophen, die vor langer Zeit vorhergesagt wurden. Es kann geschehen… Das hängt davon ab… was intervenieren wird.

Teil 6 DER MENSCH, JENSEITS DES MENSCHEN

  1. 1. Das Streben der Tiere
  2. 2. Der Mensch – das höhere Wesen
  3. 3. Der Kontakt der Liebe
  4. 4. Gott ist schon nahe, die Wahrheit steht vor der Tür

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