Kapitel 6
Yoga-Zentren
Worte Sri Aurobindos
Wir haben die Idee, unsere Aktivitäten zu konzentrieren und uns eingehender mit dem Ashram in Pondicherry zu verbinden, indem wir irgendwo in Gujarat mit einer Lodge beginnen, wo wir uns einmal im Monat treffen können.
Keine „Lodge“ oder offizielle Gesellschaft. Diese Methoden sind für diese Sadhana nicht geeignet. Wenn ihr euch aus freien Stücken, aus eigenem Antrieb treffen und gemeinsam meditieren wollt, ohne mit irgendeiner starren Vereinsstruktur oder Propaganda zu beginnen, dann ist das eine andere Frage.
Worte Sri Aurobindos
Jeder hat das Recht, auf seinem eigenen Weg gemäß seinen Lichtern voranzugehen, und es sollte keinen sektiererischen Geist geben. Das bedeutet nicht, dass man dabei einige unterschiedliche Einflüsse zulassen sollte. Denn das führt nur zu Verwirrung. Jene, die diesen Yoga angenommen haben, dürfen nur jenem Pfad folgen, der zur supramentalen Verwirklichung führt und keinen anderen Einfluss zulassen außer den meinigen und den der Mutter. Ansonsten werden sie nicht geradlinig auf das Ziel zugehen, sondern aller Voraussicht nach verwirrt oder gespalten sein und so im Kreise laufen oder auf Seitenwegen wandeln und die Führung verlieren.
Worte sri Aurobindos
Was hat das Hervortreten des seelischen Wesens und des Supramentals mit der Gründung einer Beratungsschule, eines Magazins und dem Übrigen davon zu tun? Dies sind gewöhnliche äußere Aktivitäten. Das seelische Wesen und das Supramental sind Dinge eines tiefgründigen und schwierigen Yoga. Diese Begriffe sollten nicht auf diese kleinen oberflächlichen Dinge reduziert werden, indem sie auf diese angewendet werden.
Ohne Zweifel können alle Aktivitäten mit einem spirituellen Bewusstsein weiter fortgeführt werden, doch dies kann allein nur der Yogi. Menschen, die keine Spiritualität in sich haben und keine Yogis sind, einzuladen, um das seelische Wesen nach vorne zu bringen und nach dem Supramental zu streben, hat überhaupt keinen Sinn und ist bloß mentale Propaganda, ist nicht realisierbar und hoffnungslos unangebracht.
Worte Sri Aurobindos
Wie können Sadhaks seelisch voneinander profitieren, wenn sie spirituell in sehr engem Umgang miteinander leben?
Es hängt von ihnen selbst ab. Wenn sie seelisch und spirituell wachsen und in ihrem Inneren und oben leben, anstatt im Mental, Vital und Körper, dann können sie eine seelische und spirituelle Verbundenheit schaffen, die nützlich für das göttliche Werk ist. Gegenwärtig existiert sie nicht, außer als zukünftige Möglichkeit.
Kapitel 7
Das ideale Center
Worte Nolini Kanta Guptas
Als die Mutter einmal von einer Gruppe von Schülern gefragt wurde, ihre Genehmigung und ihren Segen zur Eröffnung eines Centers zu geben, gab Sie zur Antwort: „Ein Center zu eröffnen, ist für sich allein nicht genügend. Es muss die reine Heimstatt einer vollkommenen Aufrichtigkeit sein, in einer vollständigen Weihung an das Göttliche.“ Dies ist das erste Motto oder Mantra, das in die Satzung jeder Gruppe oder Organisation eingeschrieben werden sollte. Es legt den grundlegenden Geist fest, die wahre Inspiration, die das Werk initiieren und weiter leiten sollte. Das zweite Mantra ist in diesen Worten von Sri Aurobindo verkörpert: „Liebe die Mutter. Verhalte dich immer so, als wenn Sie dich anschauen würde, denn Sie ist in der Tat immer anwesend.“ Dies sind Worte, die im Herzen eines jeden Einzelnen immer am Strahlen und Leuchten gehalten werden sollten. Sie geben uns die Quelle und den Ursprung aller Inspiration, den einzigen Ursprung aller Bewegungen, der kollektiven wie der individuellen. Und die Mutter hat noch ein drittes Mantra gegeben, das nicht weniger lebendig oder dringlich ist: „Lasst uns arbeiten, wie wir beten, denn Arbeit ist in der Tat des Körpers bestes Gebet zum Göttlichen.“ Hier erfahren wir den Weg, den Prozess, dem man folgen muss, um das Ziel zu erreichen, und von der Fähigkeit, die dazu gebraucht wird.
Um dies endgültig zu verstehen und uns danach zu richten, müssen wir uns die folgenden Worte Sri Aurobindos ins Gedächtnis rufen: „Alle Existenzprobleme sind ihrem Wesen nach Probleme der Harmonie.“
Im Leben, das notwendigerweise gemeinschaftliches Leben ist (ein Center bedeutet seinem Wesen nach Übung und Verwirklichung im Gemeinschaftsleben), ist Harmonie das A und O, das heißt Verständnis und Zusammenhalt zwischen den Teilnehmern am Gemeinschaftsleben. Dies ist eine selbstverständliche Wahrheit, die von allen verstanden und akzeptiert wird. Die Schwierigkeit liegt hierbei jedoch darin, wie diese Harmonie zu erreichen ist. Sie kann nur auf einer höheren Ebene des Seins und des Bewusstseins erreicht werden. Auf dem niedrigeren gewöhnlichen Niveau kann es nur einen Kompromiss geben, ein unbeständiges Gleichgewicht, ein unsicheres Ausgleichen von unterschiedlichen und voneinander abweichenden Elementen. Es muss auch festgehalten werden, dass sich Harmonie umso natürlicher, spontaner, fehlerloser und vollkommener gestaltet, je höher und tiefer, weiter und umfassender das Bewusstsein ist: Und auf der höchsten Ebene stellt Harmonie dann nicht bloß Zusammenhalt dar, sondern untrennbare Einheit.
Dies ist das Ziel, worauf ein dieser Sache geweihtes Center, das heißt eine spirituell strebende Gruppe, sich hinbewegen und hinarbeiten sollte. Und dies ist auch die elementare Arbeit, für die das Center als allererstes Arbeitsfeld steht. Und sein Werk kann und muss durch jene Disziplin getan und erreicht werden, die in dem vorhergehenden, unserem dritten Mantra formuliert ist – die grundlegende Haltung, mit der das Werk zu tun ist. Es wird dort gesagt, dass die Arbeit, geweihte Arbeit oder Dienst, das Gebet des Körpers ist. Das Gebet des Mentals wird in Worten ausgedrückt, das Gebet des Körpers in Werken. Arbeit ist das Gebet in seiner dynamischen und konkreten Form, es ist die Äußerung des Physischen, die Sprache, die es kennt, um die Einung mit dem Göttlichen zu erbitten und zu suchen. Es ist das heilige Ritual, das im physischen, materiellen Leben unsere Anbetung, unsere Bindung an das Ideal ausdrückt und verkörpert, unsere Bindung an die Gottheit, die wir verehren.
Arbeit oder Dienst, die das Schaffen von Harmonie ausdrücken, sind notwendig und zwar, wie ich gesagt habe, gegründet auf ein immer höheres Bewusstsein. Arbeit, als Gebet verrichtet, ist das beste Mittel, um ein Ansteigen im Bewusstsein zu bewirken. Dies ist die Lektion, die jeder Einzelne in einem Center von Anfang an und auch später fortwährend lernen muss. Er muss immer versuchen, im Bewusstsein emporzusteigen, einen immer höheren Status des Seins zu erreichen und von dort das Werk strömen zu lassen, als käme es aus einer spontanen Quelle. Sobald man in Bewusstsein und Sein emporsteigt, weitet sich dieses Bewusstsein ganz natürlich und unausweichlich, und man fühlt ganz natürlich und spontan Verwandtschaft und Einung mit allen anderen. Arbeit oder Dienst ist dann nur ein dynamisches Mittel, um den Sinn vollkommener Einheit des eigenen Selbstes mit allen anderen Selbsten zu erreichen und zu verwirklichen.
Arbeit ist nicht gedacht, um seine Fähigkeit, Geschicklichkeit oder Schlauheit zu zeigen oder auszudrücken, noch ist es eine bloße mechanische Ausführung äußerer Taten zum Erfüllen gewisser Pflichten, wie gewissenhaft und sorgfältig auch immer. Es ist stattdessen ein Ritual von Gebet und Selbst-Hingabe, Bindung und Überantwortung der dynamischsten und stofflichsten Teile unseres Wesens – der unempfänglichsten und unempfindlichsten Elemente – an den einen Göttlichen Willen.
Und dies bringt uns zum hauptsächlichen, zum kardinalen Mantra eines Centers, dem Mantra, das Sri Aurobindo über die ständige und lebendige Anwesenheit der Mutter gibt. Der tatsächliche Kern eines Centers ist diese Gegenwart. Ein Center wächst rund um Mutters Gegenwart und Bewusstsein, und es kann nur so vollkommen wachsen. So wie es das Ideal für den Einzelnen ist, sich seines zentralen inneren Wesens bewusst zu sein, all seine Bestandteile und all seine Bewegungen mit dieser zentralen Wirklichkeit in Beziehung zu bringen und sich selbst in vollkommener Harmonie rund um diesen Kern seines Wesens zu organisieren, so muss sich auch ein Gruppen-Center in vollkommener Harmonie rund um die zentrale Wirklichkeit der Mutter organisieren: Nur so kann es wachsen, harmonisch wachsen. In der Tat kann eine Gruppe, das heißt ein Center, wie das Individuum nur erfolgreich in eine lebendige und harmonische, dynamische Wahrheit hineinwachsen, wenn es in seinem Bewusstsein in jedem Augenblick und in jedem Augenblick seines Lebens die nie fehlgehende Gegenwart der Göttlichen Mutter hat, denn nur dadurch kann ein Center eine göttliche Verkörperung und Inkarnation der Höchsten Mutter werden für den Ausdruck und die Verwirklichung ihrer Wahrheit auf dieser Erde.
Teil 5 AN DIE SADHAKS
Kapitel 1
Willst du ein wahrer Vollbringer göttlicher Werke sein
Worte der Mutter
Wie sollten wir nun vorgehen, wenn die Sadhana nicht persönlicher, sondern kollektiver Natur ist?
Man muss sich weiten.
Die Arbeit ist komplizierter, komplexer und benötigt mehr Stärke, eine größere Weite, mehr Geduld, Toleranz und Ausdauer.
Dennoch, wenn jeder in einer vollkommenen Weise das tut, was er zu tun hat, dann bilden alle zusammen eine einzige Person, die die Sadhana für alle tut. Wenn es fünfzig Leute gibt, die den Integralen Yoga praktizieren, und nur einer tut die Arbeit, dann tut er sie für alle. Wenn aber jeder von den fünfzig es für alle tut, dann tut er es tatsächlich für eine Person, denn jeder arbeitet für jeden. Dies sollte unter allen eine Einheit schaffen, die stark genug ist, um den einen ununterscheidbar vom anderen zu machen. Und das ist der ideale Weg, dass alle zusammen nur einen Körper bilden, eine Persönlichkeit, die gleichzeitig und unterschiedslos für sich selbst und für andere arbeitet.
Um die Wahrheit zu sagen, ist dies die erste Frage, die sich stellte, als ich Sri Aurobindo begegnete. Sollten wir eine intensive individuelle Sadhana machen und uns aus der Welt zurückziehen, das heißt keinen Kontakt mit anderen mehr haben, um so ans Ziel zu gelangen und uns danach auf andere einzulassen? Oder sollte man alle anderen mit derselben Aspiration kommen, die Gruppe sich natürlich und spontan bilden lassen und alle gemeinsam auf das Ziel zuschreiten? Beide Möglichkeiten waren gegeben.
Die Entscheidung war keine verstandesmäßige, überhaupt nicht. Ganz natürlich und spontan bildete sich die Gruppe und brachte sich als zwangsläufige Notwendigkeit ein. Es war keine Wahl mehr zu treffen. Und wenn du einmal auf diese Weise anfängst, ist es gelaufen, du musst bis zum Ende hindurchgehen.
Wenn du die Arbeit allein tun willst, ist es absolut unmöglich, sie auf eine vollständige Art zu tun, denn das gesamte physische Wesen, wie vollkommen es auch sein mag, selbst wenn es von einer ganz und gar höheren Qualität ist und selbst wenn es für eine ganz spezielle Arbeit geschaffen wurde, kann immer nur ein Teil und begrenzt sein. Es repräsentiert nur eine Wahrheit, ein Gesetz der Welt; es mag ein äußerst komplexes Gesetz sein, aber es ist nur ein Gesetz – was in Indien Dharma genannt wird –, und die Gesamtheit der Umwandlung kann nicht durch das allein, durch einen einzigen Körper gemacht werden. Deshalb wurde die Vielfalt spontan geschaffen.
Du kannst ganz allein deine eigene Vollkommenheit erlangen. Du kannst in deinem Bewusstsein endlos und vollkommen werden. Die innere Verwirklichung ist grenzenlos. Die äußere Verwirklichung ist dagegen zwangsläufig begrenzt, und wenn du deshalb eine allgemeinere Aktion willst, bedarf es einer minimalen Anzahl an Personen.
Eine ganz alte Tradition setzt die Zahl auf zwölf fest. Aber angesichts der Komplexität des modernen Lebens scheint dies nicht mehr ausreichend. Eine repräsentative Gruppe wird benötigt. Und deshalb repräsentiert jeder von euch, auch wenn euch das nicht bewusst ist, eine der Schwierigkeiten, die es für die Transformation zu überwinden gilt. Das schafft viele Schwierigkeiten. Es gibt mehr als eine Schwierigkeit. Ich glaube, ich habe vor einiger Zeit gesagt, dass jeder von euch eine Unmöglichkeit repräsentiert, die aufzulösen ist, und erst wenn alle Unmöglichkeiten aufgelöst sind, wird das Werk vollendet sein.
Und jetzt bin ich etwas freundlicher, ich spreche nicht von Unmöglichkeiten, sondern von Schwierigkeiten; denn vielleicht handelt es sich nicht länger um Unmöglichkeiten.
Dieser kollektive Charakter der Sadhana ist der Grund dafür, dass ich von Anfang an – und jetzt, wo unsere Gruppe so stark angewachsen ist, habe ich noch mehr Grund dazu – antworte, wenn jemand zu mir kommt und sagt, ich habe draußen eine Menge Probleme, und ich schaffe es nicht, damit fertig zu werden, und deshalb will ich hierher kommen, weil mir das helfen wird: „Nein, hier wird es noch schwieriger für dich, deine Probleme werden deutlich größer werden, denn es werden nicht mehr nur isolierte Schwierigkeiten sein, sondern kollektive Schwierigkeiten werden dazukommen. Es werden alle Reibungen, Kontakte, Reaktionen, alles was von außen kommt, dich als Test genau in deinem schwachen Punkt treffen, im sensibelsten Bereich. Hier wirst du genau das Wort und den Satz hören, den du nicht hören wolltest, und von den Leuten wird genau die Geste kommen, die dich verletzen wird. Immer wieder wirst du dich dem Umstand, der Tatsache, dem Gegenstand oder was auch immer, jedenfalls von allen genau der Sache gegenüber sehen, die du am wenigsten geschehen lassen wolltest. Und genau das passiert und passiert mehr und mehr, weil du deinen Yoga nicht für dich allein, sondern automatisch, ohne es zu wissen, für alle tust.“
Wenn also Leute hierherkommen und mir sagen, „Ich komme, um Frieden und Ruhe zu finden und Muse, um meinen Yoga zu machen,“ dann sage ich ihnen: „Das ganz sicher nicht! Geh sofort woanders hin, du wirst überall anders ruhiger sein als hier.“ Wenn aber jemand kommt und zu mir sagt, „Ich spüre, dass ich mich dem göttlichen Werk weihen muss. Ich komme, um zu arbeiten, um mich nützlich zu machen und ich bin bereit, jedwede Arbeit auszuführen“, dann sage ich ihm: „Es ist in Ordnung, wenn du den guten Willen, die Ausdauer und die Fähigkeit hast. Wenn du aber Abgeschiedenheit für deine innere Entwicklung suchst, dann ist es besser für dich, woanders hinzugehen. Wenn du nicht in der Lage bist, Frieden und Abgeschiedenheit in dir selbst zu schaffen, dich genug zu isolieren, um nach innen zu gehen, wenn du nicht in der Lage bist, dies unter den Bedingungen des alltäglichen Lebens zu tun, dann ist dies mit Sicherheit nicht der Ort, an dem du es können wirst; und deine erste Schwierigkeit wird genau darin bestehen, dass du dich von allem und jedem bedrängt fühlst und nicht in der Lage sein wirst, dich abzuschotten.“
Und das Gleiche gilt für alle. Leute, die einen schlechten Charakter haben, die zum Beispiel schnell ärgerlich werden, werden hier schlimmer als im normalen Leben, weil sie in der Welt von allen möglichen Notwendigkeiten des Lebens im Zaum gehalten werden – zum Beispiel werden sie hinausgeworfen, wenn sie sich verärgert gegen ihren Vorgesetzten auflehnen. Hier dagegen werden sie nicht hinausgeworfen, sondern es wird ihnen lediglich gesagt: „Versuche, dich zu kontrollieren.“
Es gibt einen weiteren Grund, warum deine Schwierigkeiten sich hier vermehren werden. Denn dies hier ist der Ort der Verwirklichung.
Im Leben bist du unbewusst, du existierst in einer recht vagen Halb-Bewusstheit. Du weißt nichts über dich, außer Scheinbarem, weiter nichts. Du bist und bleibst immer unfähig, deine Mission zu erfüllen, deshalb triffst du nicht auf Hindernisse und bist nicht im Kern der Schwierigkeit. Du bist lediglich eine Erscheinung, du bist voll und ganz eine Erscheinung. Deine Defizite sind klein, deine Tugenden sind klein, deine Fähigkeiten sind mittelmäßig und deine Schwierigkeiten auch. Du bist ganz und gar mittelmäßig, die ganze Zeit.
Erst, wenn du dich auf den Pfad der Verwirklichung begibst, werden deine Möglichkeiten real, und sofort werden deine Schwierigkeiten größer. Naturgemäß intensivieren sich die Dinge.
Worte Sri Aurobindos
Die einzige Schöpfung, die hier irgendeinen Platz hat, ist die supramentale Schöpfung, das Herabbringen der göttlichen Wahrheit auf die Erde, nicht nur in das Mental und Vital, sondern auch in den Körper und die Materie. Unser Ziel ist nicht, alle „Beschränkungen“ zu beseitigen, damit sich das Ego ausbreiten kann, oder der Erfüllung der Ideen des menschlichen Mentals oder den Begierden der egozentrischen Lebenskraft freien Lauf zu lassen oder unbeschränkten Spielraum zu schaffen. Keiner von uns ist hier, um das zu tun, „was uns gefällt“, oder eine Welt zu erschaffen, in der wir am Ende in der Lage sein würden, das zu tun, was uns gefällt. Wir sind hier, um das zu tun, was das Göttliche will, und eine Welt zu erschaffen, in welcher der Göttliche Wille seine Wahrheit manifestieren kann, die nicht länger mehr durch menschliche Unwissenheit deformiert oder durch vitales Begehren entstellt und falsch gedeutet wird. Die Arbeit, die der Sadhak des supramentalen Yoga zu leisten hat, ist nicht seine eigene Arbeit, für die er seine eigenen Bedingungen festlegen kann, sondern die Arbeit des Göttlichen, die er gemäß den Bedingungen zu verrichten hat, die vom Göttlichen festgelegt wurden. Unser Yoga wird nicht unseretwillen ausgeübt, sondern um des Göttlichen willen. Nicht unsere eigene persönliche Offenbarung haben wir zu suchen, die Offenbarung des individuellen Ego, von allen Schranken und Banden befreit, sondern die Offenbarung des Göttlichen. Aus dieser Offenbarung muss unsere eigene spirituelle Befreiung, Vollendung und Vollkommenheit hervorgehen und ein Teil davon sein, aber nicht in einem egoistischen Sinn oder für einen egozentrischen oder selbstsüchtigen Zweck. Auch darf diese Befreiung, Vollendung und Fülle nicht um unseretwillen, sondern sie muss um des Göttlichen willen gesucht werden. Ich hebe diesen Wesenszug der [supramentalen] Schöpfung hervor, weil ein fortwährendes Vergessen dieser einfachen und zentralen Wahrheit, eine bewusste, halb-bewusste oder völlig unwissende Verwirrung darüber die Ursache der meisten vitalen Aufsässigkeiten war, die manche individuelle Sadhana hier verdorben und den Fortschritt in der allgemeinen inneren Arbeit sowie die spirituelle Atmosphäre gestört hat.
Worte Sri Aurobindos
Betrachte dein Leben als etwas, das dir ausschließlich für das göttliche Werk gegeben ist und dafür, der göttlichen Manifestation zu dienen. Begehre nichts als die Reinheit, die Kraft, das Licht, die Weite, die Ruhe und das Ananda des göttlichen Bewusstseins und sein Drängen zur Umwandlung und Vervollkommnung deines Mentals, Lebens und Körpers. Erbitte nichts als die göttliche, spirituelle und supramentale Wahrheit, ihre Verwirklichung auf Erden und in dir und in allen, die berufen und auserwählt sind, und die nötigen Voraussetzungen für ihre Erschaffung und ihren Sieg über alle gegnerischen Kräfte.
Worte Sri Aurobindos
Willst du ein wahrer Vollbringer göttlicher Werke sein, muss dein erstes Ziel darin bestehen, von jeglichem Begehren und aller Eigenliebe völlig frei zu werden. Dein ganzes Leben muss eine Darbringung und ein Opfer an den Höchsten sein; das einzige Motiv deines Handelns sei zu dienen, zu empfangen, zu erfüllen und ein Werkzeug zu werden, das die Göttliche Shakti in ihrem Wirken offenbart. Du musst im göttlichen Bewusstsein wachsen, bis es keinen Unterschied mehr gibt zwischen deinem Willen und ihrem, keinen anderen Antrieb als ihren Anstoß in dir, kein Handeln, das nicht ihr bewusstes Wirken in dir und durch dich ist.
Bis du zu dieser vollständigen dynamischen Identifikation imstande bist, musst du dich als eine Seele und einen Körper betrachten, erschaffen zu ihrem Dienst, als jemand, der alles um ihretwillen tut. Auch wenn die Vorstellung des selbständig Handelnden in dir stark ist und du das Gefühl hast, dass du es bist, der handelt, so muss es dennoch für sie getan werden.
Worte Sri Aurobindos
Die Ausübung dieses Yoga erfordert eine ständige innere Besinnung auf das eine zentrale befreiende Wissen… In allem ist das eine Selbst, das eine Göttliche ist alles. Alle sind im Göttlichen, alle sind das Göttliche, und es gibt nichts anderes im Universum – dieser Gedanke oder dieser Glaube ist der ganze Hintergrund, bis er die gesamte Substanz des Bewusstseins des Arbeitenden wird. Ein Erinnern, eine dynamische Meditation dieser Art muss und wird sich am Ende in eine tiefe und ununterbrochene Vision und in ein lebendiges und allumfassendes Bewusstsein dessen verwandeln, woran wir uns so machtvoll erinnern oder worüber wir so beständig meditieren.
Kapitel 2
Ratschläge und Hinweise
Worte der Mutter
Was hat das für einen Nutzen, ein Sadhak zu sein, wenn wir so handeln wie der unwissende gewöhnliche Mensch?
Worte der Mutter
Der Ashram ist für den Yoga gedacht, nicht für musikalische Unterhaltung oder andere soziale Aktivitäten.
Jene, die im Ashram leben, sind aufgefordert, ruhig und geräuschlos zu leben, und wenn sie selbst nicht zu meditieren vermögen, sollten sie wenigstens die anderen meditieren lassen.
Worte der Mutter
Wir kämpfen gegen kein Glaubensbekenntnis, gegen keine Religion.
Wir kämpfen gegen keine Regierungsform.
Wir kämpfen gegen keine soziale Klasse.
Wir kämpfen gegen keine Nation oder Zivilisation.
Wir kämpfen gegen Teilung, Unbewusstheit, Unwissenheit, Trägheit und Falschheit.
Worte Sri Aurobindos
Es gibt zwei Atmosphären im Ashram, unsere und jene der Sadhaks. Wenn Leute mit ein wenig Sensitivität von außerhalb kommen, fällt ihnen die tiefe Stille und der Frieden in der Atmosphäre auf, und erst wenn sie viele Kontakte mit den Sadhaks entwickeln, schwinden diese Wahrnehmung und dieser Einfluss. Die andere Atmosphäre der Uninspiriertheit und Ruhelosigkeit wird von den Sadhaks selbst geschaffen. Wenn sie so gegenüber der Mutter offen wären, wie sie es sein sollten, würden sie in der Stille und im Frieden leben und nicht in Ruhelosigkeit und ohne Inspiration.
Worte Sri Aurobindos
In diesem Yoga ist das allgemeine Prinzip des Selbstgebens und Selbstweihens für alle gleich, doch schlägt jeder hierfür seinen eigenen Weg ein. Der von X gewählte Weg ist gut für X, genauso wie der von dir eingeschlagene Weg für dich der richtige ist, da er mit deiner Natur übereinstimmt. Wenn es nicht diese Plastizität und Vielfalt gäbe, wenn man alle in die gleiche Schablone pressen würde, wäre der Yoga ein starrer, mentaler Mechanismus und keine lebendige Kraft.
Wenn du aus deinem inneren Bewusstsein heraus zu singen vermagst, in dem du fühlst, dass die Mutter all deine Tätigkeiten lenkt, besteht kein Grund, warum du es nicht tun solltest. Die Entwicklung von Fähigkeiten ist nicht nur erlaubt, sondern richtig, wenn sie zu einem Teil des Yoga gemacht werden kann; nicht nur die eigene Seele, sondern auch all seine Fähigkeiten kann man dem Göttlichen darbringen.
Worte Sri Aurobindos
Von einer höheren spirituellen Warte aus ist es etwas schwierig, deine Frage so zu beantworten, wie du es erwartest, wie jedes mentale Wesen es erwartet, nämlich mit einem energischen „du sollst“ oder „du sollst nicht“, besonders dann, wenn mit dem „du“ „alle“ gemeint sein sollen. Denn obwohl es eine Identität des eigentlichen Zieles und allgemeine, klare Richtlinien des Bestrebens gibt, bestehen dennoch für die inneren Dinge im einzelnen keine allgemeinen Regeln, die für alle Suchenden gleichermaßen anwendbar wären. Du fragst: „Ist nicht dieses oder jenes schädlich?“ Doch was für den einen schädlich ist, mag für den anderen hilfreich sein, was in einem bestimmten Stadium hilfreich ist, mag es in einem anderen Stadium nicht mehr sein, was unter bestimmten Voraussetzungen schädlich ist, mag unter anderen förderlich sein, was man in einer bestimmten Einstellung tut, kann verhängnisvoll sein, und die gleiche Sache, in einer anderen Einstellung verrichtet, kann harmlos oder sogar segensreich sein… Man muss viele Dinge in Betracht ziehen, die Umstände, die Person, das Erfordernis und die Veranlagung der Natur und das Entwicklungsstadium. Deshalb wird oft gesagt, dass der Guru jeden einzelnen Schüler seiner besonderen Natur gemäß behandeln und entsprechend seine Sadhana lenken muss; selbst wenn es eine gleiche Richtlinie der Sadhana für alle gäbe, würde sie sich doch für jeden an jedem einzelnen Punkt unterscheiden. Daher sagen wir auch, dass der Weg des Göttlichen vom Mental nicht verstanden werden kann, weil das Mental nach harten und voreiligen Regeln und Normen arbeitet, während der Geist die Wahrheit von allem und jedem sieht und gemäß der ihm eigenen weiten und komplexen Schau wirkt. Und deshalb wird weiterhin gesagt, dass niemand mit Hilfe seines persönlichen mentalen Urteils das Tun der Mutter und seine Gründe verstehen kann; es kann erst dann verstanden werden, wenn man in ein größeres Bewusstsein eintritt, von dem aus sie die Dinge sieht und auf sie einwirkt. Für das Mental ist das verwirrend, da es kleine Maßstäbe gebraucht, doch ist es die Wahrheit der Sache.
Du wirst daher erkennen, dass es hier keine mentale Regel gibt, sondern in jedem Fall spirituelle Gründe mit flexiblem Charakter die Führung bestimmen. Es gibt keine andere Betrachtungsweise, keine Regel. Musik, Malerei, Dichtung und viele andere Tätigkeiten, die aus dem Mental und Vital stammen, können für einen spirituellen Zweck als Teil der spirituellen Entwicklung oder Arbeit aufgenommen werden. Es hängt von der Einstellung ab, in der man sie ausübt.
Worte Sri Aurobindos
Nicht alles, was ich schreibe, ist für jeden auf die gleiche Weise anwendbar. Das würde voraussetzen, dass alle gleich sind und zwischen zwei Sadhaks kein Unterschied besteht. Wenn es so wäre, würde jeder auf die gleiche Weise vorankommen, die gleiche Zeit benötigen, um durch die gleichen Schritte und Entwicklungsstadien fortzuschreiten. Das ist keineswegs so. In diesem Fall wurden die allgemeinen Regeln für jemanden festgelegt, der nicht weiter gekommen war – doch hängt alles davon ab, auf welche Weise jeder den Yoga aufnimmt.
Worte Sri Aurobindos
Es ist nicht immer ungefährlich, für sich in die Praxis umzusetzen, was für einen anderen festgelegt wurde. Jeder Sadhak ist ein Fall für sich, und eine mentale Regel starr für all jene anzuwenden, die den Yoga ausüben, ist nicht immer oder nur selten möglich. Was ich an X schrieb, war für X bestimmt und für ihn richtig. Doch angenommen, es würde sich um einen anderen Sadhak mit einer anderen groben, vitalen Natur handeln, könnte ich zu ihm das anscheinend reine Gegenteil sagen, nämlich: „Sitze fest auf deinen niederen vitalen Neigungen, befreie dich von deiner Gier nach Nahrung, denn sie ist ein ernsthaftes Hindernis auf deinem Weg. Es wäre besser für dich, in deinen Gewohnheiten asketisch zu sein als in diesem Teil gemeinhin tierisch, so wie du es jetzt bist!“ Zu jemandem, der im Eifer seines Strebens nicht genügend Nahrung zu sich nimmt oder nicht genügend schläft und ruht, könnte ich dagegen sagen: „Iss mehr, schlafe mehr, ruhe dich besser aus, überanstrenge dich nicht und meide den asketischen Geist in deiner tapasya.“ Zu dem nächsten mit der gegensätzlichen Übertreibung könnte ich in einer ganz anderen Sprache sprechen. Jeder Sadhak hat seine eigene Natur oder Veranlagung der Natur, und die Yoga-Entwicklungen zweier Sadhaks, selbst wenn sie gewisse Ähnlichkeiten aufweisen, sind selten genau gleich.
Weiterhin ist es in der Anwendung einer festgelegten Wahrheit notwendig, ihre genaue Bedeutung zu erkennen. Es ist zum Beispiel durchaus richtig, dass „auf unserem Pfad die Haltung nicht die einer gewaltsamen Unterdrückung, nigraha, ist“; auf keinen Fall wird auf ein nicht überzeugtes vitales Wesen ein Zwang entsprechend einer mentalen Regel oder eines mentalen Prinzips ausgeübt. Das bedeutet aber nicht, dass das Vital seinem eigenen Weg oder seiner Laune folgen soll. Nicht Zwang, sondern eine innere Veränderung wird angestrebt, in der das niedrigere Vital von einem höheren Bewusstsein, das von den Zielen des vitalen Begehrens abgelöst ist, geführt, erleuchtet und umgewandelt wird. Um diese Entwicklung zu fördern, muss man eine Haltung einnehmen, in welcher man den Forderungen der niederen vitalen Natur eine immer geringere Bedeutung beimisst, muss eine gewisse Meisterung stattfinden, samyama, die über jedem Anspruch dieser Dinge steht und so etwas wie Essen auf den ihm gebührenden Platz verweist. Das niedere Vital hat seinen Wert, es soll nicht zermalmt oder getötet, sondern gewandelt werden. „Ergreife beide Enden“ – am oberen eine Meisterung und Kontrolle, am unteren die rechte Anwendung. Die Hauptsache ist, sich vom Verhaftetsein und Begehren zu befreien – dann wird auch die völlig richtige Anwendung möglich werden. Durch welche Schritte, in welcher Reihenfolge, durch welche Vorgänge diese Meisterung des niederen Vitals geschehen soll, hängt von der menschlichen Natur und dem Druck der Entwicklung sowie der eigentlichen Yoga-Bewegung ab.
Es ist nicht wichtig, etwas Bestimmtes zu essen oder nicht zu essen. Wichtig ist, welche Bedeutung du all dem oder allen diesen Essensfragen beimisst, wie dein innerer Zustand ist und wie jedes derartige Frönen, sei es Kochen oder Essen, seinem Fortschritt oder seiner Wandlung im Weg steht oder nicht, und welche yogische Disziplin für dich die beste ist. Eine Regel aber kann ich für dich festlegen: „Tue, sage oder denke nichts, was du vor der Mutter verbergen möchtest.“ Das erklärt auch den Widerstand, der sich in dir dagegen erhoben hat, „diese geringfügigen Dinge“ der Mutter vorzutragen. Warum glaubst du, dass die Mutter durch all dies gestört und es als unwichtig ansehen würde? Wenn alles Leben Yoga sein soll, was kann dann geringfügig oder unwichtig genannt werden? Selbst wenn dir die Mutter nicht antwortet, genügt schon die Tatsache, ihr einen Umstand deiner Arbeit und Selbstentwicklung im rechten Geist vorgetragen zu haben, um ihn unter ihren Schutz zu stellen, ihn dem Licht der Wahrheit und den Strahlen ihrer Macht auszusetzen, die für die Umwandlung arbeiten – denn sobald die Mutter davon Kenntnis erhält, beginnen diese Strahlen sofort zu spielen und auf die betreffende Sache einzuwirken. Das, was in deinem Inneren dir rät, etwas nicht zu tun, wenn der Geist in dir dich dazu bewegen will, es zu tun, kann durchaus ein Trick des Vitals sein, um dem Lichtstrahl und dem Wirken der Kraft aus dem Weg zu gehen.
Worte Sri Aurobindos
Du solltest fähig sein zu erkennen, dass die Ursache der Unrast in dir selbst und nicht in den äußeren Umständen liegt. Es ist dein vitales Verhaftetsein mit der Familie und den gewöhnlichen gesellschaftlichen Ideen und Gefühlen, das sich in dir erhoben hat und Schwierigkeiten schafft. Wenn du den Yoga ausüben willst, musst du, solange du draußen in der Welt bist, fähig sein, dort zu leben mit einem Mental, das auf das Göttliche gerichtet und von der Umgebung unbeeinflusst ist. Einer, der hierzu in der Lage ist, kann den Menschen um sich herum hundertmal mehr helfen als einer, der an die Welt gebunden und mit ihr verhaftet ist.
Es ist der Mutter nicht möglich, dir zu sagen, dass du bleiben sollst, solange dein Mental und Vital danach verlangen zu gehen. Aus dir selbst muss auf die eine oder andere Weise die klare Entscheidung kommen.
Worte Sri Aurobindos
Es ist nicht der Wohnort, sondern die innere Nähe, die von Bedeutung ist.
Es ist wahr, dass von hier eine starke Kraft ausgeht, die im Zentrum natürlich am stärksten ist. Doch hängt ihre Wirkung davon ab, wie man sie empfängt. Wenn sie mit einfachem Vertrauen empfangen wird, mit Glauben, Offenheit und Zuversicht, wirkt sie als vollkommener Schutz. Sie kann auf die gleiche Weise aber auch aus der Entfernung wirken.
Worte Sri Aurobindos
Für den Sadhaka des Integralen Yoga können diese innere oder äußere Abgeschiedenheit nur vorübergehende Ereignisse oder Perioden in seinem spirituellen Fortschritt sein. Da er das Leben akzeptiert, muss er nicht nur seine eigene Last, sondern auch einen großen Teil der Last der Welt mittragen, als Fortsatz seiner eigenen ausreichend schweren Last. Deshalb hat sein Yoga viel mehr als andere den Charakter einer Schlacht; aber es handelt sich nicht nur um eine individuelle Schlacht, sondern einen kollektiven Krieg, der sich über ein beträchtliches Land erstreckt. Er muss nicht nur in sich selbst die Kräfte egoistischer Falschheit und Unordnung besiegen, sondern sie als Vertreter derselben entgegengesetzten und unerschöpflichen Kräfte in der Welt besiegen. Ihr repräsentativer Charakter verleiht ihnen eine viel hartnäckigere Widerstandskraft, ein nahezu unaufhörliches Wiedererstehungsrecht. Oft stellt er fest, dass er zwar seine eigene persönliche Schlacht nachhaltig gewonnen hat, zugleich aber immer und immer wieder in einem scheinbar nicht enden wollenden Krieg gewinnen muss, weil seine innere Existenz bereits so sehr erweitert ist, dass sie nicht nur sein eigenes Wesen mit seinen wohl definierten Notwendigkeiten und Erfahrungen einschließt, sondern sich in Solidarität mit dem Wesen anderer befindet, da er in sich selbst das Universum trägt.
Worte Sri Aurobindos
Jeder hat seine eigene Art und Weise, Sadhana zu üben, und seinen eigenen Weg zum Göttlichen, und er braucht sich keine Gedanken darüber zu machen, wie die anderen vorgehen; ihr Erfolg oder Misserfolg, ihre Schwierigkeiten, ihre Illusionen, ihr Egoismus und ihre Selbstgefälligkeit sind Sache der Mutter. Sie hat unendliche Geduld, aber das bedeutet nicht, dass sie die Fehler der Sadhaks billigt oder sie in allem, was sie sagen oder tun, unterstützt. Die Mutter ergreift nicht Partei in irgendeinem Streit, Disput oder wechselseitigem Konflikt, aber ihre Stille bedeutet nicht, dass sie billigt, was die Sadhaks sagen oder tun, wenn es nicht richtig ist. Der Ashram oder das spirituelle Leben ist kein Ort, wo einige prominent sein oder eine führende Rolle spielen sollen, kein Platz des Wettbewerbs, wo man einen Anspruch hat oder sich legitim anderen als überlegen betrachten kann. Diese Dinge sind die Erfindungen der gewöhnlichen menschlichen Einstellung gegenüber der Welt, und es besteht die Tendenz, sie in das Leben der Sadhana hinüberzutragen, aber das ist nicht die spirituelle Wahrheit der Dinge. Die Mutter toleriert alles; weder untersagt sie den Sadhaks gegenseitige Kritik, noch misst sie dieser Kritik irgendwelchen Wert bei. Nur wenn die Sadhaks die Nichtigkeit all dieser Dinge von einer spirituellen Ebene aus sehen, kann man hoffen, dass sie damit aufhören.
Worte Sri Aurobindos
Ist es denn unter deiner Würde, für die Sadhaks zu arbeiten? Das ist eine ganz und gar egoistische Haltung und einem Sadhak unangemessen. All die Leute im Speisesaal des Ashrams, in der Bauabteilung, in den Geschäften, in der Tischlerei, im Atelier und der Schmiede arbeiten ständig für die Sadhaks, auch die Mutter tut es den ganzen Tag; indem ich diese Antwort schreibe, verbringe ich meine Zeit damit, für einen Sadhak zu arbeiten. Würdest du es für angemessen halten, wenn die Arbeiter im Speisesaal und der Küche sagen: „Wir werden nicht für Sadhaks kochen oder ihnen Essen austeilen, das ist unter unserer Würde. Wir werden nur bereit sein, allein für die Mutter zu kochen.“ Willst du denn, dass ich aufhöre, deine Briefe zu beantworten, mit der Begründung, dass ich nicht für einen Sadhak arbeite, sondern nur der Mutter Briefe schreiben werde und sonst niemandem?
Was hat X denn so viele Jahre in der Küche anderes getan, als Essen für die Sadhaks zuzubereiten? Und was tat Y anderes im Getreidespeicher, als für die Sadhaks zu arbeiten? All diese Gedg ist es, die sich ändern muss. Man mag das Gewohnte tun, aber mit einer ganz anderen Einstellung. Man braucht sich also nicht von allen Dingen des Lebens loszusagen und in die Einsamkeit, in einen Ashram zu gehen, um Yoga zu tun. Gewiss ist es schwerer, Yoga in der Welt und unter den Gegebenheiten der Welt zu tun, aber es ist auch vollständiger. In jeder Minute steht man da Problemen gegenüber, die sich dem nicht bieten, der alles verlassen hat und in die Einsamkeit gegangen ist. Für jenen sind die Probleme auf ein Minimum reduziert – während man aber im Leben allen möglichen Schwierigkeit begegnet, angefangen mit dem Unverständnis der Leute um einen herum und mit denen man zu tun hat. Dem muss man gewachsen sein, mit Geduld gewappnet, und mit großem Gleichmut. Im Yoga darf man sich nicht mehr darum kümmern, was die Leute denken oder sagen. Das ist eine absolut unerlässliche Voraussetzung. Du musst absolut immun sein gegen das, was die Welt von einem sagen oder denken mag, und gegen die Art, wie sie einen behandelt. Das öffentliche Verständnis muss dir vollkommen gleichgültig sein und sollte dich nicht im Geringsten berühren. Deshalb ist es im Allgemeinen weitaus schwieriger, in seiner gewohnten Umgebung zu bleiben und Yoga zu praktizieren, als alles zu verlassen und in die Einsamkeit zu gehen. Es ist viel schwieriger, aber wir sind nicht hier, um einfache Dinge zu tun – die einfachen Dinge überlassen wir jenen, die anken sind absolut töricht. Jede Arbeit, die die Mutter zuteilt, ist Arbeit für die Mutter.
Worte Sri Aurobindos
Ich habe dir immer gesagt, du solltest nicht das, was Sadhaks sagen oder denken, als autorisiert oder als von der Mutter kommend betrachten. Selbst wenn sie sagen, es komme von mir oder ihr, kann es nicht akzeptiert werden, denn häufig ist es eine Vorstellung in ihrem eigenen Mental, die ihrer Meinung nach auch unsere sei, oder ein Missverständnis dessen, was wir in einem bestimmten Zusammenhang gesagt haben, aber was ihr Mental auf etwas bezieht, womit es keine Verbindung hatte, oder auf alle Dinge generell. Kein Sadhak, wer auch immer er sei, kann unseren Platz einnehmen oder für uns sprechen. Man muss davon ausgehen, dass jeder in eigener Verantwortung sein eigenes Denken oder Fühlen zum Ausdruck bringt.
Worte Sri Aurobindos
Du musst die Kraft und die Gewohnheit entwickeln, im Schutz von Mutter und von mir Zuflucht zu suchen. Aus diesem Grund muss die Gewohnheit verschwinden, mit dem äußeren Mental zu kritisieren und zu urteilen oder an seinen vorgefassten Vorstellungen und Formationen zu hängen. Du solltest stets dir selbst gegenüber, wenn sie sich zu erheben versucht, wiederholen: „Sri Aurobindo und die Mutter wissen es besser als ich selbst – sie haben die Erfahrung und das Wissen, das ich nicht habe –, sie handeln sicher zu meinem Besten und in einem größeren Licht als jenem der gewöhnlichen menschlichen Erkenntnis.“ Wenn du diesen Gedanken in dir befestigen kannst, so dass er selbst in dunklen Augenblicken gegenwärtig bleibt, wirst du in der Lage sein, viel leichter den Einflüsterungen der asurischen Maya zu begegnen.
Worte der Mutter
Man muss sich hüten, mit einem Bein hier und mit dem anderen dort zu stehen – oder auf zwei verschiedenen Booten zu segeln, wovon jedes seinen eigenen Kurs verfolgt. Das meinte Sri Aurobindo, als er davor warnte, ein „Doppelleben“ zu führen. Das eine oder das andere muss man lassen – beides zusammen geht nicht.
Allerdings heißt das nicht, dass man aus den Bedingungen seines Lebens heraustreten muss: Die innere Haltunnicht an Umwandlung denken.