Kapitel 5
Der Unterschied zwischen Konzentration und Meditation
Worte Sri Aurobindos
Konzentration heißt, das Bewusstsein auf eine Stelle oder ein Objekt oder auf einen einzigen Zustand zu fixieren. Meditation kann weitläufig sein, zum Beispiel das Nachdenken über das Göttliche, das Empfangen und Unterscheiden von Eindrücken, das Beobachten, was in der menschlichen Natur vorgeht, das Einwirken darauf usw.
Worte Sri Aurobindos
In der Meditation ist es nicht unerlässlich, sich derart zu sammeln, sondern man verharrt einfach mit ruhigem Mental, denkt an etwas Bestimmtes oder beobachtet, was in das Bewusstsein eintritt, und setzt sich damit auseinander.
Worte Sri Aurobindos
Konzentration bedeutet in unserem Yoga, wenn sich das Bewusstsein in einem bestimmten Zustand (zum Beispiel im Frieden) oder in einer Bewegung (zum Beispiel im sehnsuchtsvollen Streben, im Willen oder darin, die Verbindung mit der Mutter aufzunehmen oder ihren Namen zu benutzen) festigt. Meditation dagegen ist, wenn das innere Mental die Dinge betrachtet, um das rechte Wissen zu erlangen.
Worte Sri Aurobindos
Meditation ist ein Vorgang, der zum und durch das Wissen führt, sie ist eine Sache des Kopfes und nicht des Herzens. Wenn du also dhyana willst, darfst du keine Abneigung gegen das Wissen haben. Die Konzentration im Herzen ist nicht Meditation. Sie ist ein Ruf nach dem Göttlichen, dem Geliebten.
Worte der Mutter
Die Meditation ist eine rein mentale Aktivität, interessant nur für das mentale Wesen. Man kann sich zwar während der Meditation konzentrieren, jedoch handelt es sich dabei um eine mentale Konzentration. Man kann eine Stille erlangen, aber nur eine rein mentale Stille, während die anderen Teile des Wesens unbeweglich und inaktiv gehalten werden, damit sie die Meditation nicht stören. Man kann zwanzig Stunden am Tag meditierend verbringen, dennoch wird man die restlichen vier Stunden ein ganz gewöhnlicher Mensch sein, da nur das Mental beschäftigt war – die anderen Teile des Wesens, das Vital und das Physische, werden unter Druck gesetzt, damit sie nicht stören. Für diese anderen Teile des Wesens wird in der Meditation direkt nichts getan.
Natürlich kann auch dieses indirekte Einwirken einen Effekt haben, aber… Ich habe in meinem Leben Menschen kennengelernt, die zwar eine beachtliche Gabe zur Meditation besaßen, jedoch außerhalb der Meditation ganz normale Menschen waren, bisweilen sogar übel gelaunte Menschen, die sich fürchterlich aufregten, wenn man ihre Meditation störte. Diese Menschen hatten nur gelernt, ihr Mental zu beherrschen, nicht jedoch den Rest ihres Wesens.
Bei der Konzentration hingegen handelt es sich um einen aktiveren Zustand. Man kann sich mental konzentrieren, man kann sich vital, seelisch oder physisch konzentrieren, und man kann sich ganzheitlich konzentrieren. Konzentration bzw. die Fähigkeit, sich in einem Punkt zu sammeln, ist schwieriger als Meditation. Man kann einen Teil seines Wesens oder seines Bewusstseins zusammenführen, oder man kann sein Bewusstsein in seiner Gesamtheit zusammenführen oder auch nur Bruchstücke davon, das heißt die Konzentration kann entweder partiell, allumfassend oder ganzheitlich sein, wobei man abhängig von der Art der Konzentration jeweils unterschiedliche Ergebnisse erzielen wird.
Wer die Gabe zur Konzentration hat, wird eine interessantere und leichtere Meditation erleben. Aber man kann auch ohne Konzentration meditieren. Viele folgen in ihrer Meditation einer Reihe aufeinanderfolgender Ideen – das ist dann Meditation, nicht Konzentration.
Teil 3 PRAKTISCHE ANLEITUNG
Kapitel 1
Orientierungshilfen
Worte Sri Aurobindos
Für konzentriertes Meditieren ist bewegungsloses Sitzen die natürliche Haltung. Gehen, Stehen und andere Tätigkeiten hingegen sind aktive Zustände, in denen man erst dann konzentrations- und aufnahmefähig ist, wenn das Bewusstsein einen Zustand der nachhaltigen Ruhe und Passivität erreicht hat. Am zuträglichsten für die Konzentration ist ein passives, in sich ruhendes Bewusstsein. Um diesen Zustand zu erreichen, nimmt man am besten eine bewegungslose, in sich ruhende Sitzhaltung ein. Alternativ kann man sich auch hinlegen, aber das ist zu passiv, und man neigt dann eher zu Trägheit, als dass man in sich ruht. Aus diesem Grund sitzen Yogis immer in einem Asana [einer bestimmten Körperhaltung]. Mit etwas Übung kann man auch im Laufen, Stehen oder Liegen meditieren, aber Sitzen ist die natürlichste Haltung.
Worte Sri Aurobindos
Zu Beginn ist auf längere Zeit die Konzentration erforderlich – man muss sich zu ihr sogar unter Umständen zwingen –, da die menschliche Natur und das Bewusstsein noch nicht bereit sind. Trotzdem ist die Konzentration umso besser, je natürlicher und ruhiger sie ist. Wenn jedoch das Bewusstsein und die Natur dann einmal so weit sind, muss die Konzentration zu jeder Zeit ohne Anstrengung spontan und leicht möglich sein. Zuletzt wird sie zum natürlichen und bleibenden Zustand des Wesens – sie ist dann nicht mehr Konzentration, sondern die gefestigte Gelassenheit der Seele im Göttlichen.
Worte Sri Aurobindos
Es ist wahr, konzentriert zu sein und gleichzeitig eine äußere Arbeit zu verrichten, ist zu Beginn nicht möglich. Es wird jedoch möglich werden. Entweder teilt sich das Bewusstsein in zwei Teile, wobei der eine, innere Teil im Göttlichen ruht und der andere, äußere die äußerliche Arbeit verrichtet, oder aber das ganze System ist derart ausgeglichen, dass die Kraft durch das passive Instrument die Arbeit tut.
Worte Sri Aurobindos
Du musst die Furcht vor der Konzentration ablegen. Die Leere, die du über dich kommen fühlst, ist das Schweigen des großen Friedens, in dem du dein Selbst wahrnimmst, nicht als das kleine Ego, das im Körper eingeschlossen ist, sondern als das spirituelle Selbst, so weit wie das Universum. Bewusstsein wird nicht aufgelöst, es sind die Grenzen des Bewusstseins, die aufgelöst werden. In diesem Schweigen mögen die Gedanken eine Zeitlang aufhören, es mag nichts als eine große, grenzenlose Freiheit und Weite bestehen, in dieses Schweigen aber, in diese leere Weite kommt von oben der unermessliche Friede herab, das Licht, die Seligkeit, das Wissen, das höhere Bewusstsein, in denen du das Einssein mit dem Göttlichen fühlst. Es ist der Beginn der Umwandlung, und nichts gibt es dabei zu fürchten.
Worte Sri Aurobindos
Die meisten Menschen verbinden Bewusstsein mit dem Gehirn oder Mental, da dies das Zentrum für intellektuelles Denken und mentale Schau ist, doch ist Bewusstsein nicht auf diese Art des Denkens oder der Schau begrenzt. Es ist überall im menschlichen System und hat verschiedene Zentren. So ist zum Beispiel das Zentrum für die innere Konzentration nicht im Gehirn, sondern im Herzen, und das Zentrum, das vitales Begehren verursacht, befindet sich noch weiter unten.
Kapitel 2
Zwei Fragen und Antworten
Worte der Mutter
Liebe Mutter, wenn du sagst: „Konzentriert euch im Herzen“, bedeutet das: „Konzentriert euch mit dem Mental“?
Das Bewusstsein, nicht das Mental, das Bewusstsein!
Ich sage nicht, denke im Herzen, ich sage konzentrieren, die Energie konzentrieren, das Bewusstsein konzentrieren, die Aspiration konzentrieren, den Willen konzentrieren. Konzentrieren. Man kann eine äußerst starke Konzentration haben ohne einen einzigen Gedanken, und in Wirklichkeit ist sie meistens viel stärker, wenn man nicht denkt. (Schweigen). Eines der unerlässlichsten Dinge, die man tun muss, wenn man eine Kontrolle über sich und eine – wenn auch nur begrenzte – Kenntnis seiner selbst erreichen will, ist, sein Bewusstsein zu lokalisieren und es in den verschiedenen Wesensteilen umhergehen zu lassen, so dass man sein Bewusstsein von seinem Denken, von seinen Gefühlen, von seinen Impulsen unterscheiden kann, sich klar zu machen, was das Bewusstsein an sich ist. Und so kann man lernen, es von einer Stelle zur anderen zu bewegen: Man kann das Bewusstsein in den Körper legen, man kann das Bewusstsein ins Vital legen, man kann das Bewusstsein in das Seelische legen (das ist der beste Platz dafür), man kann das Bewusstsein ins Mental legen, man kann sein Bewusstsein über das Mental hinausheben, und mit seinem Bewusstsein kann man in alle Bereiche des Universums gehen.
Doch zunächst muss man wissen, was das Bewusstsein ist, das heißt sich seines Bewusstseins bewusst werden, es lokalisieren. Und dafür gibt es viele Übungen. Doch eine ist sehr bekannt, nämlich sich zu beobachten und sich beim Leben zuzuschauen und dann nachzusehen, ob wirklich der Körper das Bewusstsein des Wesens ist, was man „ich“ nennt. Und wenn man dann gemerkt hat, dass es der Körper überhaupt nicht ist, dass der Körper etwas anderes überträgt, dann sucht man in seinen Impulsen, in seinen Emotionen, um zu sehen, ob es das ist, und dann merkt man ebenfalls, dass es das nicht ist. Dann sucht man in seinen Gedanken, ob das Denken wirklich das ist, was man „ich“ nennt, und nach ganz kurzer Zeit merkt man: „Nein, ich denke, folglich bin ,ich‘ etwas anderes als meine Gedanken.“ Und so kommt man dann durch fortschreitende Eliminierung in Berührung mit etwas, etwas, das einem das Gefühl gibt, zu sein: „Ja, das bin ,ich‘. Und dieses Etwas kann ich umhergehen lassen, ich kann es von meinem Körper in mein Vital, in mein Mental führen, ich kann es sogar, wenn ich sehr … wie soll man sagen … sehr daran gewöhnt bin, es spazieren zu führen, ich kann es in andere Leute hineinführen, und so kann ich mich mit Dingen und Menschen identifizieren. Mit Hilfe meiner Aspiration kann ich es aus meiner menschlichen Form herausgehen lassen, es aufsteigen lassen in Bereiche, die überhaupt nicht mehr dieser kleine Körper sind und was er enthält.“
Und da fängt man an zu verstehen, was Bewusstsein ist. Und danach kann man dann sagen: „Gut, ich werde mein Bewusstsein mit meinem seelischen Wesen vereinigen und lasse es dort, damit es in Harmonie mit dem Göttlichen ist und sich dem Göttlichen ganz hingeben kann.“ Oder dann: „Wenn ich durch diese Übung des Aufsteigens über meine Denkfähigkeiten und meinen Intellekt in einen Bereich reinen Lichts, reinen Wissens eingehen kann…“, dann kann man sein Bewusstsein dort hineinlegen und so in einem strahlenden Glanz leben, der sich über der physischen Form befindet.
Doch zuerst muss dieses Bewusstsein beweglich sein, und man muss es von den anderen Wesensteilen unterscheiden können, die in Wirklichkeit seine Instrumente, seine Ausdrucksweisen sind. Das Bewusstsein muss diese Dinge gebrauchen, aber du darfst das Bewusstsein nicht etwa mit diesen Dingen verwechseln. Du legst das Bewusstsein in diese Dinge, dann wirst du deines Körpers bewusst, dir wird dein Vital bewusst, dir wird dein Mental bewusst, dir werden durch deinen Willen zur Identifikation alle deine Tätigkeiten bewusst…
Worte der Mutter
Muss man sich jedes Mal konzentrieren, wenn man diese Erfahrung [über das gewöhnliche Bewusstsein hinauszugehen] machen möchte?
Am Anfang ja, denn da bist du noch nicht in der Lage, das bereits Erlangte zu bewahren, deine Konzentration auf dem höchsten Punkt zu halten. Du machst immer wieder Rückschritte und vergisst sogar frühere Erfahrungen. Aber das ist, wie wenn man einen bestimmten Weg geht, wenn man ihn einmal gelaufen ist, findet man ihn beim zweiten Mal leichter und so weiter. Die zweite Konzentrationsübung wird dir daher leichter fallen als die erste. Du musst deine Konzentration so lange beharrlich aufrechterhalten, bis du einen Punkt erreichst, an dem du den inneren Kontakt nicht mehr verlierst.
Von da an musst du in diesem inneren und höheren Bewusstsein verbleiben. Von hier aus kannst du alles tun. Du wirst deinen Körper sehen und die materielle Welt, und du wirst wissen, was zu tun ist und wie es zu tun ist.
Darin besteht das erste Ziel der Konzentration, aber natürlich ist das nicht das letzte.
Diese Konzentration zu erreichen, erfordert große Mühen. Ein unmittelbares oder gar schnelles Ergebnis lässt sich nur selten erzielen. Wurde die innere Tür aber erst einmal geöffnet, so kannst du dir sicher sein, dass sie sich wieder öffnen wird, solange du es verstehst, deine Beharrlichkeit aufrechtzuerhalten.
Solange die Tür verschlossen bleibt, zweifelst du vielleicht an deinen Fähigkeiten, aber wurde sie erst einmal geöffnet, ist kein Zweifel mehr möglich, sofern du mit Willenskraft und Bestreben weiter voranschreitest.
Kapitel 3
Wie man Konzentration entwickelt
Worte der Mutter
Konzentration kann genauso wie Muskeln entwickelt werden. Man kann verschiedene Systeme anwenden, verschiedene Trainingsmethoden. Wir wissen heute, dass zum Beispiel der bemitleidenswerteste Schwächling durch Disziplin so stark wie jeder andere werden kann. Man sollte keinen Willen haben, der wie eine Kerze flackert.
Der Wille, die Konzentration müssen gepflegt werden. Es ist eine Frage der Methode, der regelmäßigen Übung. Wenn du willst, kannst du.
Doch der Gedanke: „Was nutzt das alles?“ sollte nicht dazwischenkommen und den Willen schwächen. Die Idee, dass man mit einem bestimmten Charakter geboren wurde und daran nichts ändern kann, ist eine Dummheit.
Worte der Mutter
Wie steigert man die Konzentration und Willenskraft? Sie sind so nötig für alles.
Durch regelmäßige, ausdauernde, hartnäckige und beharrliche Übung. Ich meine das Trainieren von Konzentration und Willen.
Worte der Mutter
Setze dir für jeden Tag einen zeitlichen Rahmen, an dem du zur Ruhe kommen kannst.
Nimm eines der Bücher Sri Aurobindos. Lies einen oder zwei Sätze. Dann verharre in Ruhe und konzentriere dich, um die tiefere Bedeutung zu erfassen. Versuche dich tief genug zu konzentrieren, um mentale Stille zu erlangen, und versuche es täglich immer wieder, bis sich ein Ergebnis einstellt.
Natürlich sollst du dabei nicht in den Schlaf sinken.
Worte der Mutter
Mutter, in den Freitagsstunden liest du uns oft einen Satz vor und bittest uns, über diesen Satz zu meditieren. Aber wie soll man über einen Satz meditieren? Bedeutet das, dass man über diesen Gedanken nachdenken, meditieren muss oder… Was muss man tun?
Der Satz ist ja bereits eine mentale Funktion, die mentale Gestaltung ist fertig. Der Satz ist die formulierte mentale Gestaltung. Wenn man nun über einen Satz meditiert, gibt es zwei Methoden. Eine aktive, gewöhnlich äußere Methode, die darin besteht, dass man darüber nachdenkt und zu verstehen versucht, was diese Worte bedeuten, intellektuell zu verstehen, was dieser Satz genau bedeutet. Das ist eine aktive Meditation. Man konzentriert sich auf diese Worte, man nimmt den darin ausgedrückten Gedanken auf und versucht, durch Überlegung, durch Deduktion und Analyse zu verstehen, was er bedeutet.
Es gibt noch eine andere Methode, die direkter und gründlicher ist, nämlich diese mentale Formation, diese Kombination von Wörtern mit dem Gedanken, den sie darstellt, aufzugreifen und die ganze Aufmerksamkeit darauf zu sammeln, sich zu zwingen, seine ganze Kraft auf diese Formation zu konzentrieren. Anstatt zum Beispiel all seine Energien auf etwas Physisches, das man sieht, zu konzentrieren, nimmt man diesen Gedanken und konzentriert all seine Energien darauf – im Mental natürlich.
Und dann, wenn es einem gelingt, das Denken genügend zu konzentrieren und es am Schwanken zu hindern, geht man ganz natürlich von dem durch Worte ausgedrückten Gedanken zur Idee, die dahintersteht und die mit anderen Worten, anderen Formen ausgedrückt werden könnte. Es gehört zum Wesen der Idee, dass sie sich in viele verschiedene Gedanken kleiden kann. Und wenn man das erreicht hat, ist man schon viel tiefer eingedrungen als durch das bloße Verstehen von Wörtern. Wenn man sich weiter konzentriert und weiß, wie man es macht, kann man natürlich von der Idee zur leuchtenden Kraft dahinter weitergehen. Da kommst du dann in einen viel tieferen und weiteren Bereich. Doch das erfordert eine Ausbildung. Aber das ist kurz gesagt genau das Prinzip der Meditation.
Wenn es einem gelingt, ziemlich tief einzudringen, findet man das Prinzip und die Kraft hinter der Idee, und das gibt einem die Kraft zur Verwirklichung. So gelingt es denen, die die Meditation als spirituelle Entwicklungsmöglichkeit benutzen, auf das Prinzip hinter den Dingen zu stoßen und die Macht zu erlangen, auf diese Dinge von oben einzuwirken.
Aber auch wenn man nicht so weit eindringt – das setzt eine recht große Disziplin voraus, eine starke Gewohnheit –, kann man schon vom Gedanken zur Idee weitergehen, und das beschert einem dann ein Licht und ein Verstehen im mentalen Bewusstsein, wodurch man seinerseits die Idee in irgendeiner Form auszudrücken vermag. Eine Idee kann sich in vielen verschiedenen Formen, in vielen verschiedenen Gedanken ausdrücken, ebenso wie der Gedanke sich durch viele verschiedene Worte ausdrücken kann, wenn man auf ein materielleres Niveau hinuntergeht. Und wenn man nach unten geht, zum Ausdruck, das heißt zum gesprochenen oder geschriebenen Ausdruck, trifft man auf viele verschiedene Worte und viele verschiedene Formeln, die als Ausdruck für einen Gedanken dienen können, aber dieser Gedanke ist nur eine der Gedankenformen, die die Idee, das dahinterstehende Prinzip, ausdrücken können, und diese Idee selbst hat, wenn man ihr gründlich nachgeht, ein Prinzip spirituellen Wissens und der Macht hinter sich, das sich dann ausbreiten und auf die Manifestation einwirken kann.
Wenn du einen Gedanken hast, suchst du weiter, nicht wahr, und dann versuchst du, diese Wörter zu ordnen, um deinen Gedanken auszudrücken. Du kannst viele Wörter benutzen, um einen Gedanken auszudrücken, du sagst dir: „Nein, also, wenn ich jenes Wort statt diesem schreibe, das würde meinen Gedanken besser ausdrücken.“ Das bringt man dir in der Stillehre bei, wenn man dich schreiben lehrt.
Aber wenn ich dir einen geschriebenen Satz gebe, der die Kraft hat, einen Gedanken auszudrücken, und wenn ich zu dir sage, du sollst dich darauf konzentrieren, dann kannst du durch diese Gedankenform auf die Idee dahinter zurückgehen, die sich durch viele verschiedene Gedanken hindurch ausdrücken kann. Das ist wie eine große Hierarchie: Es gibt ein Prinzip, das ganz oben ist, das selbst nicht einzig und allein da ist, denn man kann noch weiter zurückgehen. Aber dieses Prinzip kann sich in Ideen ausdrücken, und diese Ideen können sich in einer Vielzahl von Gedanken ausdrücken und diese Vielzahl von Gedanken kann eine Vielzahl von Sprachen und noch eine viel größere Zahl von Wörtern benutzen.
Wenn ich dir einen Gedanken gebe, geschieht es einfach deshalb, um dir zur Konzentration zu verhelfen… Manche Schulen stellen einen Gegenstand vor einen hin, eine Blume oder einen Stein oder irgendein Objekt, und dann setzt man sich darum herum und konzentriert sich darauf, und die Augen machen so (die Mutter fängt an zu schielen) …, bis man der Gegenstand wird. Das ist auch ein Hilfsmittel für die Konzentration. Wenn du so intensiv schaust, ohne dich zu rühren, gehst du schließlich in die Sache über, die du betrachtest. Aber man darf nicht anfangen, alles mögliche zu betrachten: nur das fixieren. Dadurch bekommst du so einen Blick … das lässt dich schielen.
Dies alles ist dazu da, um Konzentration zu lernen, weiter nichts. Manchmal drückt einer dieser Sätze eine sehr tiefe Wahrheit aus. Das ist einer jener glücklichen Sätze, die sehr ausdrucksvoll sind. Das hilft dir dann, die Wahrheit zu finden, die dahintersteckt.
Worte der Mutter
Man konzentriert sich auf etwas oder sammelt sich, soweit es einem möglich ist, und erreicht eine Art Vollkommenheit in der Konzentration. Wenn einem dies gelingt und man diese Vollkommenheit lange genug aufrechterhalten kann, öffnet sich eine Tür und man überschreitet die Grenzen seines normalen Bewusstseins – man dringt in ein tieferes und höheres Wissen ein. Oder man geht in sich. Dann erlebt man vielleicht eine Art blendendes Licht, etwas Wundersames im Inneren, eine Glückseligkeit, eine Allwissenheit, eine absolute Stille. Es gibt selbstverständlich viele Ausprägungen, aber das Phänomen ist immer das gleiche.
Ob man diese Erfahrung macht, hängt ganz davon ab, ob man in der Lage ist, seine Konzentration lange genug auf dem höchsten Punkt der Vollkommenheit zu halten.
Worte der Mutter
Es ist wirklich sehr praktisch, einen Punkt zu nehmen: Man fixiert den Punkt, und man fixiert ihn derart, dass man in einem bestimmten Augenblick der Punkt wird. Man ist nicht mehr etwas, das auf diesen Punkt schaut: Man ist der Punkt. Und wenn man dann mit genügender Kraft und Ruhe weitermacht, ohne dass man gestört wird, kann man sich plötzlich vor einer Tür befinden, die sich öffnet, und man geht auf die andere Seite. Und dann hat man die Offenbarung.