Kapitel 9
Liebe für das Göttliche
Die uneigennützige Regung, ohne Berechnung, ist eine der schönsten Formen des seelischen Bewusstseins in der Welt. Je weiter man aber die Leiter der mentalen Tätigkeit hinaufklettert, umso seltener wird sie. Denn mit der Intelligenz kommt die ganze Gewandtheit und Geschicklichkeit, die Korruptheit, die Berechnung. Wenn sich zum Beispiel die Rose entfaltet, tut sie es spontan, aus Freude, schön zu sein, gut zu duften, ihre ganze Lebensfreude auszudrücken, und sie rechnet nicht, sie hat keinen Vorteil daraus zu ziehen. Sie tut es spontan in der Freude, da zu sein und zu leben. Nimm einen Menschen, nun, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen versucht er von dem Moment an, wo sein Verstand aktiv ist, sich seine Schönheit und seine Geschicklichkeit zunutze zu machen; er will, dass ihm das etwas einbringt, entweder die Bewunderung der Leute oder er stellt noch viel schmutzigere Berechnungen an. Folglich steht die Rose seelisch höher als die Menschen.
Nur, wenn man noch eine Stufe weiter nach oben geht und das bewusst tut, was die Rose unbewusst tut, dann ist es viel schöner. Aber es muss das Gleiche sein: eine spontane Entfaltung von Schönheit, ohne Berechnung, um der Daseinsfreude willen… Dieses Aufblühen ist ihr Ausdruck der Liebe. Wenn die Rose sich vor unseren Augen in der Sonne entfaltet, ist es sicher gleichsam ein Verlangen, ihre Schönheit zu verschenken. Nur ist es für uns fast nicht verständlich, weil sie nicht denken, was sie tun. Ein Mensch verbindet mit allem, was er tut, immer diese Fähigkeit, sich beim Tun zuzuschauen, das heißt, über sich selbst nachzudenken, zu denken, man sei der Handelnde. Man denkt, dass man eine Sache macht. Die Tiere denken nicht. Es ist überhaupt nicht die gleiche Form der Liebe. Und die Blumen sind sozusagen nicht bewusst: Es ist eine spontane Regung, nicht ein Bewusstsein, das sich seiner selbst bewusst wäre, überhaupt nicht. Aber durch das alles hindurch handelt eine große Kraft, das große universale Bewusstsein und die große Kraft der universalen Liebe, die der Grund dafür sind, dass sich alles in Schönheit entfaltet.
Lieben Blumen?
Dies ist ihre Art der Liebe, dieses Blühen. Wenn man eine Rose sieht, die sich der Sonne öffnet, so ist es im wesentlichen wie eine Notwendigkeit, ihre Schönheit zu geben. Nur ist es für uns fast unerkennbar, denn sie denken nicht über das nach, was sie tun. Ein Mensch assoziiert stets mit allem, was er tut, diese Fähigkeit, sich selbst als Wandelnden zu sehen, das heißt, an sich zu denken, an sich selbst zu denken als jemanden, der es tut. Der Mensch weiß, dass er etwas tut. Tiere denken nicht. Es ist keineswegs dieselbe Form von Liebe. Und Blumen sind sozusagen nicht bewusst: es ist eine spontane Bewegung, kein Bewusstsein, das seiner selbst bewusst ist, keineswegs. Aber es ist eine große Kraft, die durch all jenes wirkt, das große universale Bewusstsein und die große Kraft universaler Liebe, die alle Dinge in Schönheit aufblühen lässt.
Warum gibst du normalerweise Männern rote Rosen, Frauen helle Rosen und kleinen Jungen und Mädchen Rosen in verschiedenen Farben?
Das kommt daher, dass rote Rosen den Eindruck von Stärke geben und helle Rosen einen Eindruck von Charme und Süße.
Darf ich fragen, mit welcher Absicht du mir eine rote und eine helle Rose gibst?
Das menschliche Wesen wandelt all seine Verlangen in Liebe zum Göttlichen um, und das Göttliche erwidert dies mit Seiner unvergleichlichen Liebe.
[Rosen:] Das Pflanzenreich entfaltet seine schönsten Möglichkeiten, um sie dem Göttlichen darzubringen.