Kapitel 7
Lesen als Hilfe für die Sadhana
Worte Sri Aurobindos
Das Lesen von guten Büchern kann im frühen mentalen Stadium eine Hilfe sein – es bereitet das Mental vor, versetzt es in die rechte Schwingung, kann sogar, wenn man sehr sensitiv ist, einen kurzen Einblick in die Verwirklichung auf der mentalen Ebene gewähren. Später verringert sich der Nutzen – alles Wissen und jede Erfahrung musst du in dir selbst finden.
Worte Sri Aurobindos
Es hängt von der Art des Buches ab [ob es schädlich oder nützlich ist]. Philosophie verfeinert das Mental in bestimmten Richtungen – oder sollte es tun. Der einzige Schaden, der entstehen kann, ist, wenn das Mental sich an Ideen zu klammern beginnt, anstatt zur direkten Erfahrung voranzuschreiten.
Worte Sri Aurobindos
Intelligenz hängt nicht von der Menge ab, die man gelesen hat, sie ist vielmehr eine Eigenschaft des Mentals. Das Studium verschafft ihr lediglich Substanz für ihre Betätigung – genauso wie das Leben.
Worte Sri Aurobindos
Es ist durchaus natürlich, dass man meditieren will, wenn man yogische Literatur liest – das ist nicht Faulheit.
Die Faulheit des Mentals besteht darin, nicht zu meditieren, wenn das Bewusstsein den Wunsch danach hat.
Worte Sri Aurobindos
Alles sollte ruhig von innen her geschehen – Arbeiten, Sprechen, Lesen, Schreiben – als Teil des wirklichen Bewusstseins und nicht mit der zerstreuten, unruhigen Bewegung des gewöhnlichen Bewusstseins.
Worte Sri Aurobindos
So ist es, wenn die Leidenschaft zu lesen und zu lernen das Mental erfasst: man will die ganze Zeit damit zubringen. Es ist eine Kraft, die sich befriedigen will – wie andere Kräfte auch – und die das Bewusstsein für ihren Zweck in Beschlag nimmt. Man muss diese Kräfte gebrauchen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen; denn das zentrale Wesen sollte immer über die Kräfte der Natur, die auf es einwirken, die Kontrolle bewahren; es sollte selbst die Wahl treffen, was anzunehmen und wie das Wirken der Kräfte zu nützen und zu ordnen ist. Andernfalls würde sich jegliche Kraft eines Teils der Person (sei es des Lernenden, des geselligen oder des erotischen Menschen oder des Kämpfers) bemächtigen, sich des Wesens bedienen und es antreiben, statt von ihm beherrscht und benutzt zu werden.
Worte Sri Aurobindos
Es ist ganz klar, dass Poesie zu schreiben kein Ersatz für die Sadhana, sondern nur eine Begleiterscheinung sein kann. Eine Empfindung der Weihung oder Hingabe in dir kann durch Dichtung ausgedrückt und bestätigt werden; auch eine Erfahrung kann durch sie zum Ausdruck gebracht werden und die Kraft der Erfahrung stärken. So wie das Lesen von Büchern – der Upanishaden oder der Gita – oder das Singen von weihevollen Gesängen in dem einen oder anderen Stadium hilfreich sein kann, so kann auch das hilfreich sein. Hierdurch wird auch eine Verbindung zwischen dem äußeren Bewusstsein und dem inneren Mental oder Vital hergestellt. Wenn man aber hier Halt macht, ist nicht viel gewonnen. Die Sadhana muss die Hauptsache sein, und Sadhana bedeutet die Läuterung der Natur, die Weihung des Wesens, das Sich-Öffnen der Seele und des inneren Mentals und Vitals, die Fühlungnahme mit dem Göttlichen und seiner Gegenwart, die Verwirklichung des Göttlichen in allen Dingen, Hingabe, Weihung, das Weiten des Bewusstseins in das kosmische Bewusstsein, in das Selbst, das eins in allen ist, die seelische und spirituelle Umwandlung der Wesensart.
Worte Sri Aurobindos
Lies, was dem Yoga dient oder für die Arbeit nützlich ist oder die Fähigkeiten für das Göttliche Ziel entwickelt. Lies nicht wertlosen Kram oder zur reinen Unterhaltung oder wie ein mentaler Zechbruder, zur Befriedigung einer dilettantischen mentalen Neugier. Wenn man im höchsten Bewusstsein gefestigt ist, kann man nichts oder alles lesen; es spielt dann keine Rolle – aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.
Worte Sri Aurobindos
Du kannst zu Beginn an das Göttliche denken und dein Lesen darbringen und zum Schluss nochmals.
Worte der Mutter
Glaubst Du, dass das Studieren mir in meiner Sadhana hilfreich ist?
Es ist eine gute Disziplin sowohl für das Mental als auch für das Vital.
Worte der Mutter
Studien stärken den mentalen Geist und wenden seine Konzentration von den Impulsen und Wünschen des Vitals ab. Die Konzentration auf das Studium ist eine der mächtigsten Möglichkeiten, den mentalen Geist und das vitale Wesen zu kontrollieren; deshalb ist es so wichtig, zu studieren.
Worte Sri Aurobindos
Eine Konzentration, die in einer lebendigen Verwirklichung und dem ständigen Gefühl der Gegenwart des Einen in uns selbst und in allem, dessen wir uns bewusst sind, gipfelt, ist das, was wir im Yoga mit Wissen und dem Streben nach Wissen meinen.