Kapitel 6
Die richtige Lehrmethode
Worte Sri Aurobindos
Jedes Kind liebt die interessante Erzählung, verehrt Helden und ist ein Patriot. Sprich diese Eigenschaften in ihm an und führe das Kind, ohne dass es dies merkt, zur Beherrschung der lebendigen Abschnitte der Geschichte seiner Nation. Jedes Kind neigt zum Fragen, Forschen, Untersuchen, Analysieren und ist ein schonungsloser Anatom. Sprich diese Eigenschaften in ihm an und lass es, ohne dass es ihm bewusst wird, den richtigen Geist und das notwendige Grundwissen des Wissenschaftlers erlangen. Jedes Kind hat eine unstillbare intellektuelle Wissbegierde und Neigung zu metaphysischer Forschung. Gebrauche diese, um es langsam zu einem Verständnis der Welt und seiner selbst zu führen. Jedes Kind hat die Gabe der Nachahmung und ein wenig Vorstellungskraft. Gebrauche diese, um ihm die Grundlage der Befähigung zum Künstler zu geben.
Worte der Mutter
Die meisten Lehrer wollen gute Schüler haben: Schüler, die lerneifrig und aufmerksam sind, die viele Dinge verstehen und wissen, die gut Fragen beantworten – gute Schüler. Das verdirbt alles. Die Studenten beginnen, Bücher zu konsultieren, zu studieren, zu lernen. Dann stützen sie sich bloß auf Bücher, auf das, was andere sagen oder schreiben, und sie verlieren den Kontakt mit dem überbewussten Teil, der Wissen durch Intuition empfängt. Dieser Kontakt existiert oft in einem kleinen Kind, aber er verliert sich im Laufe der Erziehung.
Worte der Mutter
Eines muss ich hervorheben. Versucht nicht dem zu folgen, was man draußen auf den Universitäten tut. Versucht nicht, die Studenten mit bloßen Daten und Informationen vollzustopfen. Gebt ihnen nicht so viel Arbeit, dass sie keine Zeit für irgend etwas anderes finden können. Es ist nicht so, dass ihr einem davonfahrenden Zug nachlaufen müsst. Die Schüler sollen verstehen, was sie lernen. Sie sollen es assimilieren. Den Kurs zu Ende zu bringen, sollte nicht euer Ziel sein. Ihr solltet das Programm so gestalten, dass die Schüler Zeit finden, sich den Themen zu widmen, die sie lernen wollen. Sie sollten genügend Zeit für ihre Körperübungen haben. Ich will nicht, dass sie sehr gute Schüler, aber blass, dünn und anämisch sind. Vielleicht werdet ihr sagen, dass sie dann nicht genügend Zeit für ihre Studien haben werden, aber das kann man dadurch ausgleichen, dass man den Kurs über einen längeren Zeitraum ausdehnt. Anstatt einen Kurs in vier Jahren abzuschließen, kann man sechs Jahre ansetzen. Das wäre besser für sie; sie werden mehr von der Atmosphäre assimilieren können und ihr Fortschritt wird nicht einseitig in einer Richtung auf Kosten alles anderen erfolgen. Es wird ein allseitiger Fortschritt in allen Richtungen sein.
Worte der Mutter
Ihr solltet den Kindern beibringen, sich für das zu interessieren, was sie tun – das ist nicht dasselbe, wie die Schüler zu interessieren! Ihr müsst in ihnen das Verlangen nach Erkenntnis, nach Fortschritt erwecken. Man kann an allem Interesse finden – am Fegen eines Zimmers, zum Beispiel – wenn man es mit Konzentration tut, um eine Erfahrung zu machen, um einen Fortschritt zu machen, um bewusster zu werden. Ich sage dies oft den Schülern, die klagen, dass sie einen schlechten Lehrer haben. Selbst wenn sie den Lehrer nicht mögen, selbst wenn er ihnen nutzlose Dinge erzählt oder wenn er mit seinem Wissen nicht auf der Höhe ist, können sie immer etwas Nutzen ziehen aus ihrem Klassenunterricht, können sie etwas von großem Interesse lernen und im Bewusstsein wachsen.
Worte der Mutter
Es wäre interessant, eine neue Lehrmethode für Kinder zu formulieren oder auszuarbeiten, die Kinder sehr jung aufzunehmen. Es ist leicht, wenn sie sehr jung sind. Wir brauchen Leute – oh! wir würden sehr gute Lehrer brauchen – die erstens ein hinreichend weites Sachwissen haben, damit sie jede Frage beantworten können, und gleichzeitig zumindest das Wissen, wenn nicht die Erfahrung – die Erfahrung wäre besser – der wahren intuitiven intellektuellen Einstellung, und zumindest die Erkenntnis – natürlich wäre die Fähigkeit noch besser –, dass der wahre Weg zu wissen, mentale Stille ist, eine aufmerksame Stille, die auf das wahrere Bewusstsein gerichtet ist, und die Fähigkeit zu empfangen, was von dorther kommt. Das beste wäre, diese Fähigkeit zu haben; zumindest sollte erklärt werden, dass dies die wahre Sache ist – eine Art Demonstration –, und dass es nicht nur vom Standpunkt des zu erwerbenden Wissens gilt, des gesamten Wissensbereiches, sondern auch des gesamten Bereiches dessen, was getan werden sollte: Die Fähigkeit, den exakten Hinweis dessen zu bekommen, wie man es tut; und indem du weiter voran kommst, geht es über in eine sehr deutliche Wahrnehmung dessen, was zu tun ist und einen genauen Hinweis, wann es zu tun ist. Zumindest sollten die Kinder, sobald sie die Fähigkeit zum Denken haben – sie beginnt im Alter von sieben, aber mit etwa vierzehn oder fünfzehn ist sie sehr klar –, sollten die Kinder mit sieben Jahren kleine Hinweise bekommen und mit vierzehn eine vollständige Erklärung, wie man es tut, und dass dies der einzige Weg ist, um mit der tieferen Wahrheit der Dinge in Kontakt zu sein, und dass alles Übrige eine mehr oder minder unbeholfene Annäherung an etwas ist, was direkt gewusst werden kann.
Worte der Mutter
Wenn man die Kinder sehr jung aufnimmt, ist es wunderbar. Es ist so wenig zu tun: Es genügt, zu sein.
Mache nie einen Fehler.
Verliere nie deine Selbstbeherrschung.
Sei immer verständig.
Und man muss wissen und deutlich sehen, warum diese Bewegung da war, warum dieser Impuls kam, welches die innere Konstitution des Kindes ist, was in ihm gestärkt und herausgebracht werden muss –, das ist das einzige, was man tun muss; und sie für sich lassen, sie sich entfalten lassen; ihnen einfach die Gelegenheit geben, viele Dinge zu sehen, viele Dinge zu berühren, so viele Dinge wie möglich zu tun. Das macht viel Freude, Und vor allem nicht versuchen, ihnen aufzuzwingen, was du zu wissen glaubst.
Schimpfe nie mit ihnen. Sei immer verständig und bereit zum Erklären, wenn das Kind aufnahmebereit ist; wenn es für eine Erklärung nicht aufnahmebereit ist – wenn du selbst aber bereit bist –, ersetze die falsche Schwingung durch eine wahre. Doch dies … dies heißt, von den Lehrern eine Vollkommenheit zu erwarten, die sie selten haben:
Doch es wäre sehr interessant, von Grund auf ein Programm für die Lehrer und das wahre Studienprogramm zu entwerfen – das plastisch ist und Eindrücke tief aufnimmt. Wenn man Kindern in jungem Alter ein paar Tropfen Wahrheit gäbe, so würden sie ganz natürlich aufblühen, wenn sie heranwachsen. Es wäre eine schöne Arbeit.