Kapitel 6
Das Aufsteigen des Opfers – 2
Die Werke der Liebe — Die Werke des Lebens
So kann also das Leben in seine eigene wahre spirituelle Gestalt durch das Opfer der Liebe, der Werke und des Wissens umgeformt werden, wobei das seelische Wesen der Leiter und Priester des Opfers ist. Wenn auch das richtig vollzogene Opfer des Wissens die umfassendste und reinste Darbringung ist, die wir dem Höchsten weihen können, so wird doch für unsere spirituelle Vollkommenheit das Opfer der Liebe nicht weniger von uns gefordert. Es ist in seiner Einzigartigkeit sogar intensiver und reicher und kann nicht weniger umfassend und lauter geleistet werden als jenes. Die reine große Weite des Opfers des Wissens wird zur Intensität des Opfers der Liebe dann hinzugefügt, wenn wir in unser Wirken den Geist und die Macht einer unendlichen göttlichen Freude einströmen lassen und wenn die ganze Atmosphäre unseres Lebens von einer immer tieferen Verehrung des Einen durchflutet wird, der das All und der Höchste ist. Das Opfer der Liebe erlangt erst dann seine äußerste Vollkommenheit, wenn es, dem göttlichen All dargebracht, integral, allumfassend und grenzenlos wird. Dann hört es, zu dem Höchsten emporgehoben, auf, jene schwache, oberflächliche und vorübergehende Regung zu sein, die die Menschen Liebe nennen, und wird zu einem reinen, großen, tiefen, vereinenden Ananda.
Obwohl unser spirituelles Dasein von einer göttlichen Liebe zum höchsten, universalen Göttlichen regiert sein soll, schließt das durchaus nicht alle Formen der individuellen Liebe oder jene Bindungen aus, welche die eine Seele zur anderen im manifestierten Dasein hinziehen. Gefordert wird eine seelische Wandlung: dass wir die Masken der Unwissenheit ablegen und uns von den egoistischen, mentalen, vitalen und physischen Regungen läutern, die das alte niedere Bewusstsein immer weiter fortdauern lassen. Wenn jede Regung der Liebe spiritualisiert ist, darf sie nicht mehr von einer mentalen Vorliebe, einer vitalen Leidenschaft oder einer physischen Begierde abhängig sein. Dann erkennt vielmehr die eine Seele die andere Seele. So wird die Liebe wieder zu ihrer grundlegenden spirituellen und seelischen Wesenhaftigkeit zurückgeführt, und das Mental, das Vital und der Körper werden zu den Instrumenten und Elementen, die jenes höhere Einssein offenbaren. Bei dieser Umwandlung wird die individuelle Liebe durch eine natürliche Erhöhung verwandelt in eine göttliche Liebe zu jenem Göttlichen Bewohner des Mentals, der Seele und des Körpers, deren Besitzer der Eine in allen Geschöpfen ist.
Hinter aller Liebe, die verehrungsvolle Hingabe ist, steht eigentlich eine spirituelle Kraft. Selbst wenn sie in Unwissenheit und an ein begrenztes Objekt verschenkt wird, leuchtet durch die Armut des Ritus und die Kleinheit ihres Anlasses etwas von jenem Glanz hindurch. Wenn Liebe eine Verehrung Gottes ist, wird sie zugleich zu einer Aspiration und eigenen Vorbereitung. Selbst innerhalb ihrer engen Grenzen in der Unwissenheit kann sie die Schau einer zwar noch mehr oder weniger blinden und unvollständigen, aber doch überraschenden Realisation gewähren. Es gibt jene Augenblicke, wo nicht wir es sind, die lieben; vielmehr ist es der Eine in uns, der liebt und geliebt wird. Dann kann selbst eine menschliche Leidenschaft durch ein unmittelbares Erleben dieser unendlichen Liebe und dieses Liebenden emporgehoben und verherrlicht werden. Aus diesem Grunde darf man die Verehrung eines Gottes, die Anbetung des Götterbildes, der anziehenden menschlichen Persönlichkeit oder des Ideals nicht verachten. Das sind die Stufen, auf denen die Menschheit emporsteigt zu jener seligen Leidenschaft und Entzückung angesichts des Unendlichen, den sie für unsere unvollkommene Sicht repräsentieren, selbst wenn sie ihn begrenzen. Wir müssen noch die niederen Stufen der Natur benutzen, die sie für unseren Gang ausgehauen hat, und uns darein fügen, dass unser Fortschritt nur stufenweise vor sich geht. Gewisse Formen der Abgötterei sind für die Entwicklung unseres Gefühlswesens unentbehrlich. Darum wird auch der Mensch, der zum Wissen gelangt ist, niemals voreilig das Abbild zerstören, bevor er es nicht im Herzen des Anbetenden durch jene Wirklichkeit ersetzen konnte, die es abbildet. Außerdem besitzen diese Darstellungen deshalb ihre große Macht, weil in ihnen immer das wirkt, was größer ist als ihre Formen. Das bleibt auch dann in ihnen, wenn wir die höchste Stufe der Anbetung erreicht haben; es verleiht ihnen ihre Dauer und wird zu einem Teil ihrer allumfassenden Ganzheit. Unser Wissen ist in uns immer noch unvollkommen, und unsere Liebe ist noch unvollständig – selbst wenn wir Jenes kennen, das über alle Formen und Manifestationen hinausgeht –, wenn wir das Göttliche noch nicht in der Kreatur und im Gegenstand, im Menschen, in der Sache, im Tier, im Baum, in der Blume, im Werk unserer Hände und in der Naturkraft erkennen und verehren können. Alles das ist dann für uns nicht mehr das blinde Wirken eines materiellen Mechanismus, sondern wir schauen in ihm ein Angesicht und eine Macht der universalen Shakti; in allen diesen Dingen lebt die Gegenwart des Ewigen.
Tiefste schweigende Verehrung, die wir dem Transzendenten, dem Höchsten, param bhāvam, und Unaussprechlichen darbringen, ist noch keine vollständige Anbetung, wenn sie ihm nicht überall dort dargebracht wird, wo er seine Göttlichkeit offenbart, oder auch dort, wo er sie verbirgt: im Menschen, mānusīm tanum āśritam, im Gegenstand und in der Kreatur. Dabei wirkt zweifellos Unwissenheit mit, die das Herz wie in einem Gefängnis einschließt, seine Gefühle entstellt und die Bedeutung seines Opfers verdunkelt. Jede nur partielle Gottesverehrung, jede Religion, die einen mentalen oder physischen Abgott aufrichtet, ist versucht, die in ihr lebende Wahrheit, um sie zu beschützen, durch einen Mantel der Unwissenheit zu verhüllen. Darum verliert sie leicht die Wahrheit, die in ihrem Abbild enthalten ist. Aber auch der Stolz darüber, dass man ein ausschließliches Wissen besitze, ist eine Begrenzung und Schranke. Hinter der Liebe des einzelnen verbirgt sich ein Geheimnis, das durch die unwissende menschliche Gestalt verdeckt wird und vom Mental nicht begriffen werden kann. Das ist das Mysterium des Leibes des Göttlichen, das Geheimnis der mystischen Gestalt des Unendlichen. Wir können ihr nur durch das Entzücken des Herzens und die Leidenschaft unserer geläuterten, sublimierten Sinne nahekommen. Ihren anziehenden Reiz, den lockenden Ruf des göttlichen Flötenspielers, den überwältigenden Zwang des All-Schönen können wir nur durch eine geheimnisvolle Liebe und Sehnsucht erfassen. Er kann uns nur ergreifen, wenn wir schließlich die Gestalt und das Gestaltlose als ein Einziges erleben und sehen, dass der Geist mit der Materie identisch ist. Dieses Einswerden sucht der Geist in der Liebe hier im Dunkeln der Unwissenheit zu erlangen. Dieses Einssein findet er, wenn sich die individuelle menschliche Liebe in die Liebe zum Immanenten Göttlichen umgewandelt hat, das im materiellen Universum inkarniert ist.
Wie bei der individuellen, so ist es auch bei der universalen Liebe. Alles muss mit in eine vereinigende Liebe zum universalen Göttlichen emporgenommen werden: jegliche Ausweitung des Egos durch Sympathie, guten Willen, universale Güte und Wohltätigkeit, die Liebe zur Menschheit und zu den Kreaturen, sowie die Anziehungskraft aller Formen und Vergegenwärtigungen Gottes, die uns umgeben und durch die der Mensch mental und emotional den anfänglichen Beschränkungen durch sein Ego entgeht. Wie die Gottesverehrung in der Liebe zu ihrer Erfüllung kommt, so die Liebe in Ananda: in der Liebe, die über alles hinausstrebt und sich in ihre Seligkeit einer überirdischen Freude am Transzendenten einhüllt, das am Ende des Pfades der Herzenshingabe auf uns wartet. So führt das individuelle Ananda uns zu einem höheren Ananda und schließlich zu einer universalen Liebe zu allen Wesen, zur seligen Freude an allem, was existiert. Dann nehmen wir hinter jeglichem Schleier das Göttliche wahr; wir umarmen im Geist den All-Schönen in allen Gestaltungen. Eine universale Seligkeit über Seine endlose Manifestation strömt durch uns hindurch. Sie trägt auf ihren Wogen jede Form und jede Regung. Sie ist aber an keine von ihnen gebunden und verharrt nicht statisch in einer einzigen, vielmehr drängt sie nach einem immer umfassenderen und vollkommeneren Ausdruck. Diese universale Liebe übt eine befreiende dynamische Wirkung auf unsere Transformation aus. Nun bedrängt die Disharmonie der Formen und Erscheinungen nicht länger unser Herz, das die alleinige Wahrheit hinter ihnen allen ebenso gefühlt wie es ihre Bedeutung vollkommen verstanden hat. Die unparteiische Ausgeglichenheit der Seele des von seinem Ego befreiten Wirkenden und Wissenden wird von der göttlichen Liebe angerührt und durch ihre Magie in eine allumfassende Wonne und unendlich vielgestaltige Seligkeit umgewandelt. So werden alle Dinge zu Leibern und alle Bewegungen zum Spiel des göttlichen Geliebten in seinem unendlichen Palast der Freude. Da wird selbst der Schmerz umgewandelt; die leidvollen Dinge verändern sich in ihrer Reaktion und sogar in ihrem Wesen. Die Formen des Schmerzes fallen weg; an ihrer Stelle werden die Formen des Ananda geschaffen.
Das ist im wesentlichen die Art, wie das Bewusstsein umgewandelt wird. Dadurch verändert sich das Dasein und wird nun zu einem herrlichen Feld einer Göttlichen Liebe und des Ananda. Für den Suchenden fängt das wesenhaft an, wenn er aus dem gewöhnlichen Bereich in die spirituelle Ebene übergeht und mit dem neuen Herzen eines erleuchteten Schauens und Fühlens die Welt, sich selbst und die anderen betrachtet. Die Umwandlung des Bewusstseins erreicht ihre volle Höhe, wenn das spirituelle Niveau zu dem des supramentalen Bewusstseins emporgehoben wird. Dort kann man dieses supramentale Bewusstsein nicht nur in seiner Essenz fühlen, man kann es dynamisch realisieren als eine Macht für die Transformation des gesamten inneren Lebens und des ganzen äußeren Daseins.
Selbst wenn es für den menschlichen Willen mit seinen vielen Erdgebundenheiten schwer sein mag, bereitet es doch dem Mental keine Schwierigkeiten, anzunehmen und sich vorzustellen, dass der Geist und die Natur der Liebe aus einer vermischten und begrenzten menschlichen Emotion in eine höchste, allumfassende göttliche Leidenschaft umgewandelt werden können. Wenn wir aber nun zu den Werken der Liebe kommen, geraten wir recht eigentlich in eine gewisse Ratlosigkeit. Auch hier ist, wie bei einer gewissen extremen Befolgung des Pfades des Wissens, es möglich, den Knoten des Problems zu durchhauen und der Schwierigkeit, den Geist der Liebe mit den rauen Wirklichkeiten des Handelns in der Welt in Einklang zu bringen, dadurch zu entgehen, dass man dem Problem einfach ausweicht. Bleibt es uns doch immer offen, uns ganz aus dem äußeren Leben und Handeln zurückzuziehen und im Schweigen des Herzens allein mit unserer Anbetung des Göttlichen zu leben. Auch könnten wir nur solche Handlungen zulassen, die bereits an sich ein Ausdruck der Liebe zu Gott sind, das Gebet, den Lobpreis, symbolische Handlungen des Gottesdienstes oder die ihnen untergeordneten Betätigungen, die zu diesem Kultus gehören und an seinem Geist teilhaben; alles andere würden wir dann beiseite lassen. So wendet sich die Seele vom äußeren Leben weg, um ihr inneres Sehnen in dem völlig von Gott absorbierten oder in ihm zentrierten Leben des Heiligen und des Gottgeweihten zu befriedigen. Es ist aber auch möglich, dass wir die Tore des Lebens etwas weiter öffnen und unsere Liebe zu Gott in Handlungen des Dienens an den Menschen unserer Umgebung und an der Menschheit verzehren. In dieser Gesinnung kann man die Werke der Philanthropie, des Guten Willens und der Wohltätigkeit, der Barmherzigkeit und Hilfe für Mensch, Tier und jegliche Kreatur leisten. Durch eine spirituelle Leidenschaft wandelt man diese guten Werke um und bringt in ihre rein ethische Erscheinungsform die höhere Macht eines spirituellen Motivs. Das ist die Lösung, die heute allgemein von dem religiösen Mental bevorzugt wird. Sie wird, wie wir sahen, voller Zuversicht überall als das richtige Tätigkeitsfeld für den Gottsucher oder den Menschen empfohlen, der sein Leben auf ein göttliches Lieben und Wissen gründen will. Der Integrale Yoga aber, der nach einem völligen Einswerden des Göttlichen mit dem irdischen Leben drängt, kann bei einem so engen Bereich nicht haltmachen. Er darf dieses Einswerden mit Gott nicht auf die engeren Dimensionen eines sittlichen Gebotes der Philanthropie und Wohltätigkeit beschränken. In ihm soll alles Handeln zu einem Teil des Gottlebens gemacht werden: unsere Werke des Wissens, unsere machtvollen Handlungen in Produktion und Schöpfung, unser Wirken für Frohsinn, Schönheit und Freude der Seele, die Taten unseres Willens, unseres Mühens und unserer Kraft, mithin nicht allein die Liebeswerke und das wohltätige Dienen. In dem Vollzug dessen wird der Weg des Integralen Yoga nicht nur ein äußerlicher und mentaler, sondern ein innerlicher und spiritueller sein. Zu diesem Zweck wird er alle Betätigungen, welchen Charakter sie auch haben, mit dem Geist der göttlichen Liebe erfüllen, mit dem Geist der Gottesverehrung und Anbetung, der Freude am Göttlichen und seiner Schönheit, damit er so das ganze Leben zu einem Opfer der Werke macht, welche die Liebe der Seele dem Göttlichen darbringt und mit denen sie den Meister ihres Daseins verehrt.
So kann man das Leben durch den Geist, in dem man die Werke vollzieht, in einen Akt der Verehrung des Höchsten verwandeln. Die Gita lässt die Gottheit sprechen: „Wer mir mit einem Herzen voller Anbetung ein Blatt, eine Blüte, eine Frucht oder einen Becher Wasser darbringt, dessen Opfer seiner Ergebung nehme ich an und freue mich daran.“ Wir können nicht nur jede mit Liebe und frommer Ergebung dargebrachte äußere Gabe so opfern. Vielmehr können alle unsere Gedanken, Gefühle und Empfindungen, unsere äußeren Betätigungen mit ihren Formen und Zielen solche Opfergaben an den Ewigen sein. Es ist wahr, dass der besondere Akt oder die Form der Handlung ihre große Bedeutung haben können; doch der Geist in der Handlung ist der wesentliche Faktor. Der Geist, dessen Symbol oder materialisierter Ausdruck die Handlung ist, verleiht ihr den vollen Wert und die sie rechtfertigende Bedeutung. Man kann also sagen, ein vollkommener Akt göttlicher Liebe und Verehrung besteht aus drei Teilen, die der Ausdruck eines einzigen Ganzen sind: eine praktische Verehrung Gottes in der Handlung, ein Symbol der Verehrung in der Form des Aktes, das eine Schau Gottes, ein Suchen nach ihm oder eine Beziehung zu ihm ausdrückt, und schließlich eine innere Anbetung und ein Verlangen nach dem Einswerden mit ihm oder auch ein Fühlen des Einsseins im Herzen, in der Seele und im Geist. Auf diese Weise kann das Leben in einen Gottesdienst verwandelt werden, wenn wir es aus dem Geist einer transzendenten und einer universalen Liebe, aus dem Suchen nach dem Einswerden und aus dem Empfinden des Geeintseins leben. Dadurch wird aus jedem Akt des Lebens ein Symbol, ein Sinnbild und Ausdruck des gottwärts gerichteten Fühlens oder eine Beziehung zum Göttlichen. So verwandelt sich schließlich alles, was wir tun, in eine Handlung der Verehrung Gottes: in einen Akt der Kommunion der Seele mit ihm, in einen Akt des Mentals, das ihn versteht, des Lebens, das ihm gehorcht, des Herzens, das sich ihm völlig überantwortet.
Bei jedem religiösen Kultus bildet das Symbol, der bedeutungsvolle Ritus oder die ausdrucksstarke Form nicht nur ein das Gemüt rührendes und bereicherndes ästhetisches Element, sondern auch ein physisches Mittel, wodurch das menschliche Wesen die Gefühlsaufwallung und Aspiration seines Herzens zu etwas nach außen hin Definitivem macht, um so das innere Erlebnis zu bestätigen und mit Kraft zu erfüllen. Wenn eine Gottesverehrung ohne spirituelle Aspiration etwas Bedeutungsloses und Leeres ist, so ist die Aspiration ohne den Akt und die Form eine körperlose und für das Leben unvollständig wirksame Macht. Leider ist es aber das Schicksal aller Formen im menschlichen Leben, dass sie sich zu Kristallen verhärten, rein formal und dadurch kraftlos werden. Obwohl zwar die Form und der Kultus für jenen Menschen, der in ihre Bedeutung eindringen kann, immer noch ihre Macht behalten, so verwenden doch die meisten Menschen die Zeremonie mehr als einen mechanischen Ritus und das Symbol als ein lebloses Zeichen. Weil dieser Vorgang die Seele der Religion abtötet, müssen am Ende Kultus und Form umgewandelt oder völlig beseitigt werden. Darum gibt es Menschen, für die jeder Kultus und jede religiöse Form verdächtig und anstößig sind. Doch können nur wenige die Hilfe äußerer Sinnbilder entbehren, und ein gewisses göttliches Element in der menschlichen Natur verlangt um der völligen spirituellen Befriedigung willen immer wieder nach ihnen. Das Symbol ist berechtigt, soweit es wahr, aufrichtig, schön und beseligend ist. Man kann sogar sagen, ein spirituelles Bewusstsein ist ohne einen ästhetischen oder emotionalen Inhalt nicht völlig spirituell, jedenfalls nicht in einer integralen Weise. Im spirituellen Leben ist die Grundlage des Handelns ein spirituelles Bewusstsein, das überzeitlich ist und sich stets erneuert, das also dazu gedrängt wird, sich in immer neuen Formen darzustellen, oder das fähig ist, die Wahrheit einer Form durch den Strom des Geistes immer wieder neu zum Ausdruck zu bringen. So wollen es die wahre Natur der Seele, ihre schöpferische Vision und ihr schöpferischer Drang, dass sie jede Handlung zu einem lebendigen Sinnbild für eine Wahrheit der Seele machen. Der spirituell Suchende soll auf diese Weise mit dem Leben umgehen, seine Form umwandeln und es in sein wahres Wesen verherrlichen.
Eine so erhabene göttliche Liebe ist eine schöpferische Macht. Obwohl sie schweigend und unveränderlich in sich selbst bestehen kann, ist es doch ihre größte Freude, wenn sie sich in äußerer Form zum Ausdruck bringen darf und nicht dazu verurteilt ist, eine Gottheit ohne Sprache und Körper zu sein. Man hat sogar gesagt, die Schöpfung selbst sei ein Akt der Liebe gewesen. Mindestens habe sie ein Feld geschaffen, in dem die Göttliche Liebe ihre Symbole ersinnen und sich selbst im Wirken der Gegenseitigkeit und der Selbst-Hingabe zur Erfüllung bringen kann. Wenn das vielleicht auch nicht die ursprüngliche Natur der Schöpfung gewesen ist, so ist es doch wohl ihr letztes Ziel und Motiv. Das tritt jetzt nicht so in Erscheinung. Selbst wenn eine Göttliche Liebe in der Welt vorhanden ist, welche diese ganze Evolution der Kreaturen trägt und erhält, so besteht doch der Stoff des Lebens und seine Art zu wirken aus einer vom Ego bestimmten Formation, einer Zerteilung, einem Kampf des Lebens und Bewusstseins um Existenz und Überleben in einer, wie uns scheint, gleichgültigen, gnadenlosen oder sogar feindlichen Welt unbelebter und nichtbewusster Materie. In die Verwirrung und Finsternis dieses Kampfes werden alle gegeneinander gehetzt. Jeder hat den Willen, seine eigene Existenz zuerst und vor allem durchzusetzen. In zweiter Linie will er sich auch in den anderen bestätigen. Nur in sehr geringem Maße möchte er sich für die anderen einsetzen. Selbst der Altruismus des Menschen bleibt im wesentlichen egoistisch und muss das auch so lange bleiben, bis die Seele das Geheimnis des göttlichen Einsseins entdeckt. Das Bemühen des Yoga ist darauf gerichtet, dieses Einssein an seinem höchsten Ursprung zu entdecken, es von innen her nach außen zu bringen und es bis an die äußersten Grenzen des Lebens ausstrahlen zu lassen. Darum sollen wir alles Handeln und Erschaffen in eine Form, in ein Symbol der Verehrung, der Anbetung und des Opfers verwandeln. Es soll etwas in sich enthalten, das ihm das Gepräge einer Darbringung an das Göttliche Bewusstsein sowie seines Empfangens und einer Übertragung dieses Bewusstseins verleiht. So wird es zu einem Dienst an dem Geliebten, zu einer Hingabe des Selbst und zu einer Überantwortung an ihn. Das soll, wo immer möglich, in dem konkreten Körper und der Form der einzelnen Handlung geschehen. Immer sollen wir es in der innerlichen Kraft und Intensität des Fühlens tun, die zeigt, dass sich hierin die Seele zum Ewigen hin verströmt.
Die Verehrung Gottes durch solches Handeln ist an sich ein großes, vollständiges und machtvolles Opfer, das, sich selbst immer wiederholend, dahin führt, dass wir den Einen entdecken und die Einstrahlung des Göttlichen möglich machen. Dadurch, dass sich diese fromme Hingabe in Handlungen verkörpert, macht sie nicht nur ihr eigenes Wirken weit, inhaltsvoll und dynamisch, sondern sie bringt zugleich auch in die härtere Art des Wirkens in der Welt das göttliche Element einer leidenschaftlichen Freude und Liebe. Dieses fehlt oft am Anfang, wenn nur der strenge spirituelle Wille in einer ringenden, emporstrebenden Spannung den steilen Anstieg unternimmt, das Herz noch schläft oder in Schweigen verhüllt ist. Wenn aber der Geist der göttlichen Liebe eindringen kann, wird der Weg weniger hart, die Spannung gemildert, und eine gütige Milde und Freude entsteht selbst mitten in Schwierigkeit und Kampf. Die unentbehrliche Unterwerfung unseres gesamten Wollens, Wirkens und aller Betätigungen an den Höchsten ist erst dann vollkommen und effektiv, wenn sie eine Hingabe aus Liebe ist. Schließlich soll durch diese Liebe alles zu einem Teil des Integralen Yoga werden: wir verwandeln das ganze Leben in diese Gottesverehrung; alle unsere Handlungen geschehen in der Liebe zum Göttlichen und zur Welt; wir schauen und fühlen ihre Geschöpfe als das Göttliche, das sich in vielen Verkleidungen offenbart.
Das wahre Leben des Opfers ist die innere Darbringung der Herzensfrömmigkeit; seine Seele offenbart sich im Symbol und sein Geist im Handeln. Wenn diese Darbringung vollständig und universal sein soll, ist es unerlässlich, dass sich alle unsere Gefühle dem Göttlichen zuwenden. Das ist die intensivste Art, das menschliche Herz zu läutern. Diese Katharsis ist machtvoller als es, wegen ihrer halben Kraft und ihres nur oberflächlichen Druckes, irgendeine ethische oder ästhetische Läuterung je sein könnten. Wir müssen in unserem Inneren ein seelisches Feuer entfachen, in das wir alles im Namen des Göttlichen hineinwerfen. Alle unsere Gefühle sollen sich in diesem Feuer von ihren gröberen Elementen freimachen; alle Verkehrtheiten ungöttlicher Art sollen hier weggebrannt werden; was unzulänglich ist, wird abgelegt, bis der Geist einer weiten großen Liebe und einer makellosen Seligkeit aus Flamme, Qualm und Weihrauch emporsteigt. Dann erhebt sich die göttliche Liebe. Sie wendet sich in ihrem inneren Fühlen mit einem aktiven universalen Gleichmut dem Göttlichen im Menschen und in allen Geschöpfen zu. Darum wird sie für die Vervollkommnung des Lebens ein machtvolleres und realeres Instrument sein, als es das unwirksame mentale Ideal der Brüderlichkeit je sein kann. Nur wenn dieses Fühlen in unsere Handlungen ergossen würde, könnte es in der Welt eine Harmonie und ein wahres Geeintsein zwischen allen ihren Geschöpfen erschaffen. Was sonst unternommen wird, ringt vergebens nach diesem Ziel, solange sich nicht die Göttliche Liebe als das Herz der erlösten Schöpfung in der irdischen Natur enthüllt hat.
An diesem Punkt wird es äußerst wichtig, dass das seelische Wesen in uns aus seiner Verborgenheit hervortritt und Leiter des Opfers wird. Denn nur dieses innerliche Wesen kann die volle Macht des Geistes in der Handlung und die Kraft der Seele im Symbol durch sich zur Geltung bringen. Es allein kann, selbst wenn das spirituelle Bewusstsein noch unvollkommen ist, die ewige Frische, Echtheit und Schönheit des Symbols gewährleisten und es davor bewahren, dass es zu einer toten Form oder einer verdorbenen oder verderblichen Magie wird. Das seelische Wesen allein kann dem Handeln seine Macht und seine wahre Bedeutung bewahren. Alle anderen Seiten unseres Wesens, das Mental, die Lebenskraft und das physische oder körperliche Bewusstsein stehen zu stark unter der Herrschaft der Unwissenheit, als dass sie eine sichere Instrumentation für den Geist, geschweige denn Führer oder Ursprung eines irrtumslosen Impulses sein könnten. Immer klammert sich der größere Teil des Motivs und des Wirkens dieser Mächte an das alte Gesetz mit seinen trügerischen Tafeln und an die bevorzugten niederen Regungen der Natur. Sie antworten nur mit Widerstreben, Angst, Empörung oder mit einer lähmenden Trägheit auf die Stimmen und Kräfte, die uns auffordern und nötigen, über uns selbst hinauszukommen und uns in ein höheres Wesen und in eine umfassendere Natur umzuwandeln. So ist ihre Reaktion zumeist entweder ein Widerstand oder eine bedingte Zustimmung, um Zeit zu gewinnen. Denn selbst wenn sie dem Ruf folgen, wollen sie doch immer – wenn nicht bewusst, so automatisch aus Gewohnheit – in das spirituelle Wirken ihre eigenen natürlichen Unfähigkeiten und Irrtümer hineintragen. Jeden Augenblick folgen sie ihrem Drang, aus den seelischen und spirituellen Einflüssen einen egoistischen Vorteil zu ziehen. Man kann sie immer dabei ertappen, wie sie die Macht, die Freude und das Licht, das diese in uns einströmen lassen, für ein niederes Lebensmotiv verwenden. Auch später, wenn der Suchende sich schon für die Göttliche transzendente, universale oder immanente Liebe geöffnet hat und versucht, diese in das Leben einfließen zu lassen, begegnet er gerade hier der Macht der Verdunkelung und Verfälschung durch diese niederen Naturkräfte. Sie locken ihn in ihre Fallen, flößen ihre herabmindernden Elemente in jene höhere Intensität ein, suchen die herniederkommende Macht für sich und ihre Interessen einzufangen und degradieren sie zu einer vergrößerten mentalen, vitalen oder physischen Instrumentation für das Begehren und das Ego. Statt dass die Göttliche Liebe zum Schöpfer eines neuen Himmels und einer neuen Erde der Wahrheit und des Lichtes wird, wollen sie diese Liebe hier als ihren Gefangenen festhalten und ihr mit Gewalt eine Sanktion und verherrlichende Kraft der Sublimierung abnötigen, die den Schlamm der alten Erde vergoldet und die alten trüben unwirklichen Himmel einer sentimentalen und vitalen Fantasie und einer mentalen idealisierten Einbildung in ihren Farben von Rosarot und Saphir leuchten lässt. Wenn aber eine solche Verfälschung geduldet wird, zieht sich das höhere Licht mit seiner Macht und Seligkeit zurück. Dann fällt alles wieder in den niedrigen Zustand zurück, oder die Realisation bleibt unsicher auf halbem Wege und in einer Vermischung stecken. Vielleicht wird sie dann sogar durch eine minderwertige Verzückung, die nicht das wahre Ananda ist, überdeckt oder darin ertränkt. Obwohl die Göttliche Liebe das Herz aller Schöpfung und die machtvollste aller erlösenden und schöpferischen Kräfte ist, steht sie doch heute als wirkende Gegenwart am wenigsten Im Vordergrund des irdischen Lebens und hat darum auch die geringsten Erfolge als eine erlösende und schöpferische Macht. Die menschliche Natur konnte sie in ihrer Reinheit deshalb nicht ertragen, weil sie die machtvollste, reinste, seltenste und intensivste aller göttlichen Energien ist. Das wenige, das man von ihr erfassen konnte, wurde sofort in eine vitale pietistische Glut, in eine schwächliche religiöse oder ethische Sentimentalität, in einen sinnenfrohen oder sogar sinnlichen erotischen Mystizismus des rosenrot gefärbten Mentals oder in den leidenschaftlichen trüben Lebensdrang verderbt. Mit diesen Verfälschungen kompensierte die menschliche Natur ihre Unfähigkeit, die Mystische Flamme in sich zu beherbergen, die mit ihren Feuerzungen des Opfers die Welt wieder erneuern könnte. Nur wenn das innerste seelische Wesen enthüllt ist und in seiner vollen Macht auftaucht, kann es das Opfer des Pilgers unversehrt durch diese Hinterhalte und Fallen hindurchführen. Es fängt dann in jedem Augenblick die Verfälschungen des Mentals und des Lebens ab, entlarvt sie und weist sie zurück. Es ergreift mit Kraft die Wahrheit der Göttlichen Liebe und des Ananda. Es trennt sie von den Erregungen der mentalen Begeisterung und von dem blinden Enthusiasmus irreführender Lebenskraft. Alles jedoch, was im Mental, im Leben und im Physischen in seinem Wesenskern wahr ist, macht es von solchen Entstellungen frei und nimmt es auf seinem Weg in die Höhe mit sich, bis es dort oben dasteht, erneuert im Geist und erhaben in der Gestalt.
Dennoch zeigt sich, dass die Führung durch das innerste seelische Wesen erst dann voll wirksam wird, wenn es ihm gelungen ist, sich aus der Masse der niederen Natur zu den höchsten Höhen des Geistes emporzuheben, und wenn der Funke und die Flamme des Göttlichen, die herniederkamen, sich mit ihm wieder zu ihrem ursprünglichen Feuer-Äther vereint haben. Dann haben wir hier nicht mehr ein unvollkommenes spirituelles Bewusstsein, das sich seinem Selbst gegenüber in den dichten Umhüllungen des menschlichen Mentals, Lebens und Körpers halb verloren hat, sondern das voll entfaltete spirituelle Bewusstsein in seiner Reinheit, Freiheit und Weite. So wie der ewige Wissende hier zu dem Wissenden in uns wird und alles Wissen anregt und verwendet, so geht auch der Ewige All-Selige, der von uns Angebetete, der in uns den ewigen göttlichen Teil seines eigenen Wesens und seiner Freude zu sich hinzieht, in das Spiel des Universums ein und verströmt sich als der unendliche Liebende in einem frohen Geeintsein in die vielfältigen Formen seines geoffenbarten Selbst. Alle Schönheit in der Welt ist nun die Schönheit des Geliebten, und alle Formen der Schönheit müssen unter dem Licht jener ewigen Schönheit stehen und sich der sublimierenden und umgestaltenden Macht der enthüllten Göttlichen Vollkommenheit unterziehen. Alle Seligkeit und alle Freude haben ihren Ursprung in dem All-Seligen. Alle minderen Formen von Genuss, Glück oder Vergnügen werden dem starken intensiven Druck der Fluten oder Ströme dieser göttlichen Vollkommenheit ausgesetzt. Unter ihrem souveränen Gericht werden sie entweder als unzulängliche Dinge in Stücke zerbrochen oder gezwungen, sich in die Formen des Göttlichen Ananda umzuwandeln. So wird dem individuellen Bewusstsein eine Kraft geoffenbart, die souverän mit den Herabminderungen und Abwertungen der Werte durch die Unwissenheit umgehen kann. Am Ende wird es dann möglich sein, dass wir in das Leben die ungeheure Wirklichkeit und intensive Konkretheit der Liebe und Freude herniederbringen, die dem Ewigen eigen sind. Jedenfalls kann sich nun unser spirituelles Bewusstsein aus dem Mental in das Licht, die Kraft und die ungeheure Weite des Supramentals erheben. Dort, in dem Licht und in der Machtfülle der supramentalen Gnosis wirkt der Glanz und die Freude einer Kraft, in der sich das Göttliche selbst zum Ausdruck bringt und organisiert, die allein diese Welt der Unwissenheit zu erretten und in seine Gestalt der Wahrheit des Geistes umzuwandeln vermag.
In jener supramentalen Gnosis sind es die Erfüllung, die allumfassende Höhe und Ausweitung der inneren Anbetung, das tiefe integrale Geeintsein und die flammenden Schwingen der Liebe, welche die Macht und Freude eines erhabenen Wissens zur Gipfelhöhe emportragen. Denn die supramentale Liebe bringt eine aktive Verzückung mit sich, die höher ist als der leere passive Friede und jene Stille, die den Himmel des befreiten Mentals bildet, aber nicht jene tiefere, größere Ruhe beeinträchtigt, mit der das supramentale Schweigen anfängt. Das Geeintsein in einer Liebe, die alle Differenzen in sich zusammenfassen kann, ohne dadurch herabgemindert oder durch deren jetzige Begrenztheiten und offenkundige Dissonanzen aufgehoben zu werden, wird nun zur vollen Entfaltung aller ihrer Möglichkeiten auf die supramentale Ebene emporgehoben. Denn dort kann ein intensives Geeintsein mit allen Geschöpfen, das sich auf eine tiefe Einung der Seele mit dem Göttlichen gründet, in Einklang kommen mit einem Spiel von Beziehungen, das dieses Einssein nur noch vollkommener und absoluter macht. Die Macht der supramentalisierten Liebe kann nun ohne Zögern oder Gefahr alle lebendigen Beziehungen in ihren Besitz nehmen und sie zu Gott hinwenden, befreit von ihren unvollkommenen, vermischten und kleinlichen menschlichen Umständen und sublimiert in das glückliche Material für ein göttliches Leben, für ein Leben aus Göttlichem Wesen. Das ist die wahre Natur der supramentalen Erfahrung, dass sie das Spiel der Verschiedenartigkeit fortsetzen kann, ohne dabei im mindesten das göttliche Geeintsein oder die unendliche Einheit zu verlieren. Für ein supramentales Bewusstsein wäre es also durchaus möglich, alle Kontakte mit den Menschen und der Welt in einer geläuterten Flammenkraft und in einer umgewandelten Bedeutung zu pflegen, da die Seele dabei immer den Einen Ewigen als den Inbegriff alles Fühlens und Suchens nach Liebe und Schönheit wahrnimmt und einen erweiterten, befreiten Lebensdrang spirituell dazu verwenden könnte, um diesem Einen Göttlichen in allen Dingen und in allen Geschöpfen zu begegnen und sich mit ihm zu vereinigen.
In die dritte und letzte Kategorie der Werke des Opfers können wir all das zusammenfassen, was direkt zum Yoga des Wirkens gehört. Hier ist sein Feld der effektiven Verwirklichung und sein hauptsächliches Gebiet. Er umfasst den ganzen Bereich der sichtbar hervortretenden Aktivitäten des Lebens. Darunter fallen die vielfältigen Energien des Willens-zum-Leben, die sich nach außen hin durchsetzen und das meiste des materiellen Daseins darstellen. Eine asketische oder auf eine jenseitige Welt gerichtete Spiritualität fühlt darum gerade hier, dass die Wahrheit, nach der sie sucht, verleugnet wird und sich nicht durchsetzen kann. Sie sieht sich gezwungen, sich von der irdischen Existenz abzukehren und diese zu verwerfen, da sie unabänderlich der finstere Tummelplatz einer heillosen Unwissenheit sei. Gerade diese Aktivitäten werden aber vom Integralen Yoga für eine spirituelle Eroberung und göttliche Umwandlung beansprucht. Dieses Dasein, das von den überwiegend asketischen Disziplinen vollständig preisgegeben und von anderen nur als das Feld einer zeitlichen Prüfung oder als das augenblickliche, oberflächliche, zweideutige Spiel des verborgenen Geistes angenommen wird, bejaht der Suchende des Integralen Yoga voll und ganz. Er begrüßt es als ein Feld, auf dem er sich vollkommen entfalten, göttlich wirken und durch sein Selbst den verborgen innewohnenden Geist ganz entdecken kann. Sein erstes Ziel ist es, das Göttliche im eigenen Selbst zu enthüllen. Dann will er die Gottheit in der Welt hinter jenem Vordergrund entdecken, der sie durch das Schema dieser Welt und durch ihre Gestaltungen scheinbar bestreitet. Schließlich will er auch die dynamischen Gesetze eines transzendenten Ewigen völlig begreifen. Weil dieses Ewige nach hier herabkommt, werden diese Welt und dieses Selbst dazu ermächtigt, die Umhüllungen, die sie vermummen, zu zerreißen. Welt und Selbst werden dann in einer das Göttliche offenbarenden Form und in einem es manifestierenden Prozess selbst göttlich werden, da sie jetzt schon insgeheim in ihrem verborgenen Wesen göttlich sind.
Dieses Ziel des Integralen Yoga muss von allen, die ihn befolgen, ganz und gar bejaht werden. Die Zustimmung darf aber nicht in Unkenntnis der ungeheuren Hindernisse geschehen, die auf dem Weg zum Erfolg liegen. Man soll sich im Gegenteil genau über den zwingenden Grund im klaren sein, warum so viele andere Disziplinen es ablehnen, auch nur die Möglichkeit dieses Yoga als die Erfüllung des wahren irdischen Daseinszwecks ins Auge zu fassen, geschweige denn, seinen zwingenden Charakter anzuerkennen. Denn hier, in den praktischen Werken des Lebens in der Erden-Natur, liegt der wirkliche Kern der Schwierigkeit, welche die Philosophie zu ihren Höhen der Weltflucht empor trieb und den forschenden Blick der Religion von der „Krankheit der Geburt in einem sterblichen Leib“ abkehrte zum Suchen nach einem fernen Paradies oder einem schweigenden Frieden im Nirvana. Für den Gang des Suchenden ist ein Weg des reinen Wissens verhältnismäßig gerade und leicht, trotz unserer sterblichen Einschränkungen und den Fallen der Unwissenheit. Ein Weg der reinen Liebe hat zwar seine Hindernisse, Leiden und Prüfungen; im Vergleich zum Weg des Handelns kann er aber so leicht sein, wie wenn sich ein Vogel durch den weiten blauen Himmel emporschwingt. Das Wissen und die Liebe sind in ihrem Wesen rein. Sie werden erst dann vermischt, behindert, verdorben und degradiert, wenn sie in die zweideutigen Abläufe der Lebenskräfte hineingeraten und von diesen für die groben Regungen und widerspenstigen niederen Motive des äußeren Lebens verwendet werden. Von diesen Mächten erscheint allein das Leben, oder mindestens ein gewisser vorherrschender Wille-im-Leben, etwas in seinem eigentlichen Wesen Unreines, Verfluchtes oder Gefallenes zu sein. Kommen die göttlichen Mächte mit ihm in Berührung und werden sie in seinen düsteren Hüllen gefangen oder in seine schillernden Sümpfe hinabgezogen, dann werden auch sie gemein und schmutzig. Sie können kaum dem entgehen, dass sie in die Missgestaltungen des Lebens hineingezogen und dem Dämon und asura verhängnisvoll ähnlich gemacht werden. Ein Prinzip dunkler dumpfer Trägheit liegt dem Leben zugrunde. Alle Geschöpfe sind durch den Körper mit seinen Bedürfnissen und Begehren an ein triviales Mental, an kleinliche Begierden und Gefühle und an eine sinnlose Wiederholung niedriger, wertloser Funktionen, Notwendigkeiten, Sorgen, Beschäftigungen, Schmerzen und Vergnügungen gebunden. Diese führen zu nichts empor, was jenseits von ihnen liegt, und tragen nur den Stempel einer Unwissenheit an sich, die ihr eigenes Warum und Wohin nicht kennt. Dieses physische Mental der Trägheit glaubt an keine andere Göttlichkeit als an seine kleinen Erdengötter. Vielleicht strebt es nach einer größeren Bequemlichkeit, nach Ordnung und Vergnügen. Es hat aber kein Verlangen danach, emporgehoben und spirituell erlöst zu werden. Im Zentrum des Lebens treffen wir auf einen kraftvolleren Willen mit einer stärkeren Liebe zum Lebensgenuss. Das ist ein blinder Dämon, ein ins Bösartige verkehrter Geist, der sich gerade an den Elementen ergötzt, die aus dem Leben ein dauernd kampferfülltes Durcheinander und einen unglückseligen Wirrwarr machen. Das ist die Seele eines menschlichen oder titanischen Begehrens, die an der grellen Farbe, an unordentlicher Dichtung, an der Tragödie der Gewalt und an dem ganzen aufregenden Melodrama des Lebens hängt, an seinem vermischten Ablauf von Gut und Böse, Freude und Leid, Licht und Finsternis, ungestümer Lust und bitterer Qual. Die Begehrensseele liebt diese Dinge und möchte immer mehr von ihnen haben. Selbst wenn sie unter ihnen leidet und sich gegen sie aufbäumt, wünscht sie sich doch nichts anderes für ihre Lust. Sie hasst die höheren Dinge und lehnt sich gegen sie auf. In ihrer Wut möchte sie jede göttliche Macht niedertrampeln, zerreißen oder kreuzigen, die anmaßend genug ist, das Leben reiner, leuchtender und glücklicher machen und von seinen Lippen das feurige Gebräu dieses aufregenden Mischtrankes wegreißen zu wollen. Es gibt aber noch einen anderen Willen-im-Leben, der gern dem idealen Mental in seinem Streben nach Verbesserung folgt und von seinem Angebot begeistert ist, aus dem Leben eine Harmonie und Schönheit, ein Licht und eine edlere Ordnung herauszuholen. Das ist ein kleinerer Teil der vitalen Natur. Er kann leicht von seinen gewalttätigeren, finsteren und stumpferen Jochgenossen im gleichen Gespann überwältigt werden. Auch horcht dieser Teil nicht gern auf einen höheren Ruf als den des Mentals, es müsste denn sein, dass sich dieser Ruf, wie es die Religion gewöhnlich tut, dadurch selbst unwirksam macht, dass er seine Forderung auf Bedingungen herab schraubt, die unserer dunklen vitalen Natur besser einleuchten. Der spirituell Suchende wird all dieser Kräfte in seinem Inneren gewahr und findet sie auch in seiner Umgebung. Unablässig muss er mit ihnen ringen und kämpfen, um sich ihrem Würgegriff zu entwinden und ihre so lange gefestigte Herrschaft, die sie über sein eigenes Wesen und über das menschliche Dasein seiner Umgebung ausüben, los zu werden. Die Schwierigkeit ist groß. Ihre Gewalt ist stark und scheinbar so unüberwindlich, dass der verächtliche Ausspruch gerechtfertigt erscheint, der die menschliche Natur mit einem Hundeschwanz vergleicht: So sehr du auch versuchst, diese Natur durch die Kraft der Ethik, der Religion, der Vernunft oder durch irgendein anderes erlösendes Bemühen geradezubiegen, sie kehrt am Ende immer wieder zur krummen Windung zurück. Die Gewalt und der Zugriff des heftigeren Lebenswillens sind so stark, die Gefahr seiner Leidenschaften und Irrtümer ist so gewaltig, die Wut seiner Angriffe oder seine lästige Widersetzlichkeit so subtil beharrlich und dauernd anstürmend, ja er verfolgt hartnäckig selbst den Heiligen und den Yogin bis an die Tore des Himmels, dass diese ihrer erlösten Lauterkeit und ihrer trainierten Selbstbeherrschung seinen Intrigen oder seiner Gewalt gegenüber nicht sicher sein können. Alles Bemühen des ringenden Willens, diese angeborene krumme Falschheit gerade und recht zu machen, endet stets mit einem Fehlschlag. So finden dann Flucht und Rückkehr in einen seligen Himmel oder eine friedvolle Auflösung den Glauben, das sei die einzige Weisheit. Einen Weg zu entdecken, dass man nicht mehr wiedergeboren wird, steht dann immer mehr als die einzige Abhilfe fest, um der dumpfen Gebundenheit, dem armseligen jämmerlichen Delirium oder dem verblendeten und stets bedrohten Glück und Erfolg des Daseins auf der Erde zu entkommen.
Dennoch sollte es eine Abhilfe geben. Und es ist auch ein Weg zur Heilung dieser verworrenen vitalen Natur und eine Aussicht auf ihre Umwandlung vorhanden. Dazu muss aber die Ursache der Fehlentwicklung gefunden und im Herzen des Lebens selbst und in seinem eigentlichen Prinzip geheilt werden, da auch das Leben eine Macht des Göttlichen und – wie finster und verkehrt seine tatsächliche Erscheinung auch sein mag – keine Schöpfung eines böswilligen Zufalls oder eines finsteren titanischen Impulses ist. Im Leben selbst liegt der Keim für seine Erlösung. Aus der Lebensenergie müssen wir unsere Hebelkraft zu seiner Aufhebung gewinnen. Wenn es auch im Wissen ein rettendes Licht und in der Liebe eine erlösende und umwandelnde Energie gibt, so können diese doch so lange nicht wirkungsstark werden, als sie sich nicht die Zustimmung des Lebens sichern und nicht die Instrumentation einer in seiner Mitte befreiten Energie dazu benutzen können, die irrende menschliche in göttliche Lebenskraft zu sublimieren. Man kann den Knoten der Schwierigkeit nicht durchhauen, indem man die Werke des Opfers aufspaltet. Wir können ihr nicht dadurch entkommen, dass wir uns dafür entscheiden, nur die Werke der Liebe und des Wissens zu tun, jedoch abzusehen von den Werken des Willens und der Macht, des Besitzens und Erwerbens, der Produktion und des ertragreichen Einsatzes unserer Befähigung, des Kampfes, des Sieges und der Meisterschaft. Wir dürfen nicht den überwiegenden Teil unseres Lebens deshalb abstreichen, weil er offenbar gerade aus dem Stoff des Begehrens und des Egos gemacht und darum verurteilt ist, ein Feld der Disharmonie, des dauernden Konflikts und der Unordnung zu sein. Eine solche Teilung könnten wir in Wirklichkeit auch gar nicht durchführen. Versuchte man sie trotzdem, so müsste sie in ihrer eigentlichen Absicht fehlschlagen, da sie uns von den totalen Energien der Weltmacht isolieren und einen wichtigen Teil der integralen Natur lahmlegen würde. Diese ist aber jene einzige Kraft in ihr, die für jeden schöpferischen Zweck in der Welt ein notwendiges Instrument ist. Die Lebenskraft ist eine unentbehrliche Vermittlerin, da sie hier das Element in der Natur ist, das alles bewirkt. Das Mental braucht sie als Bundesgenossen, wenn die Werke des Mentals nicht nur leuchtende innere Gestaltungen ohne Körper bleiben sollen. Der Geist braucht das Leben, um seinen geoffenbarten Möglichkeiten äußere Kraft und Form zu verleihen und zu einem vollständigen Ausdruck seines Selbst kommen zu können, wenn es sich in der Materie verkörpert. Wenn das Leben den anderen Wirkensweisen des Geistes die Hilfe seiner vermittelnden Energie verweigert oder wenn diese von ihnen zurückgewiesen wird, werden sie wahrscheinlich statt all der Wirkung, die sie hier haben könnten, auf eine statische Abgesondertheit oder goldene Machtlosigkeit zurückgedrängt werden. Wird dennoch irgendetwas getan, dann wird das nur eine teilweise, mehr subjektive als objektive Einstrahlung in unser Handeln sein, die vielleicht etwas an unserem Dasein verändert, aber keine Kraft besitzt, es umzuwandeln. Würde aber das Leben, solange es noch nicht regeneriert ist, dem Geist seine Kräfte leihen, dann könnte ein noch schlimmeres Ergebnis herauskommen, da es dann das spirituelle Wirken der Liebe oder des Wissens auf mindere, verderbte Triebe herabdrücken würde. Das Leben würde die Triebe zu den Helfershelfern seiner niederen oder verkehrten Wirkensweisen machen. Für die Vollständigkeit der schöpferischen spirituellen Realisation ist das Leben unentbehrlich. Es muss aber ein befreites, umgewandeltes und emporgehobenes Leben sein, weder das gewöhnliche mentalisierte menschlich-tierhafte noch das dämonische oder titanische Leben. In ihm darf das Göttliche nicht mit dem Ungöttlichen vermischt sein. Was andere Yoga-Disziplinen, die die Welt verachten oder nur den Himmel suchen, auch tun mögen, so bleibt dieses doch die schwierige, aber unausweichliche Aufgabe des Integralen Yoga. Er kann es sich nicht leisten, das Problem der äußeren Werke des Lebens ungelöst zu lassen. Er muss in ihnen selbst ihre ursprüngliche Göttlichkeit finden und sie stark und für immer mit den göttlichen Mächten der Liebe und des Wissens verbünden.
Auch das ist keine Lösung, dass man sich erst dann mit den Werken des Lebens befasst, wenn die Liebe und das Wissen so weit entwickelt sind, dass sie die Lebenskraft souverän und mit Sicherheit in die Hand nehmen und regenerieren können. Wir haben gesehen, dass sie sich erst selbst zu ungeheuren Höhen erheben müssen, bevor sie vor der Verderbnis durch das Vital, das ihre Erlösungsmacht behindert oder lähmt, sicher sein können. Wenn einmal unser Bewusstsein die Höhen einer supramentalen Natur erreicht, würden diese Unzulänglichkeiten gewiss verschwinden. Hier besteht aber das Dilemma, dass wir die supramentalen Höhen unmöglich mit der Last einer nicht regenerierten Lebenskraft auf unseren Schultern erklimmen können und dass es ebenso unmöglich ist, den Willen-im-Leben radikal zu regenerieren, ohne dass wir das unfehlbare Licht und die unbesiegbare Macht herniederbringen, die zu den spirituellen und supramentalen Ebenen gehört. Das Supramental-Bewusstsein ist nicht nur ein Wissen, eine Seligkeit, eine innige Liebe und Einheit; es ist auch ein Wille, ein Prinzip der Macht und der Kraft. Es kann erst dann herniederkommen, wenn das Element des Willens, der Macht und der Kraft in der manifestierten Natur stark genug entwickelt und verfeinert ist, dass es das Supramental in sich aufnehmen und aushalten kann. Nun sind aber Wille, Macht und Kraft die ursprüngliche Substanz der Lebensenergie. Darin liegt die Berechtigung dafür, dass das Leben die Vorherrschaft des Wissens und der Liebe nicht anerkennen will und danach drängt, eine Kraft zufriedenzustellen, die weit weniger reflektiert, die hartnäckiger und gefährlicher ist, jedoch auf ihre eigene kühne und feurige Art den Aufschwung zum Göttlichen und Absoluten wagen kann. Liebe und Weisheit sind nicht die einzigen Aspekte des Göttlichen. In ihm ist auch der Aspekt der Macht. So wie das Mental nach dem Wissen tastet und wie das Herz sein Fühlen auf die Liebe richtet, so sucht die Lebenskraft, wenn auch linkisch und ängstlich, nach Macht und nach der Herrschaft, die die Macht verleiht. Es ist ein Fehler des religiösen Mentals, wenn es die Macht als etwas an sich Unannehmbares verurteilt und betont, man dürfe nach ihr nicht streben, da sie ihrer Natur nach verderbt und böse sei. Das ist im Kern ein blindes, unvernünftiges Vorurteil, auch wenn es durch eine Mehrzahl von Beispielen gerechtfertigt erscheint. Auch wenn die Macht verdorben und missbraucht wurde – wie die Liebe und das Wissen ebenfalls verderbt und missbraucht worden sind –, so bleibt sie doch etwas Göttliches und ist uns hier zu einer göttlichen Verwendung gegeben. Shakti, der Wille, die Macht, ist die Antriebskraft der Welten. Jede Macht ist in ihrem Ursprung spirituell und in ihrem Charakter göttlich: die Wissenskraft, die Liebeskraft, die Lebenskraft, die Wirkenskraft oder Körperkraft. Wir sollen nur die Art ihrer Verwendung in der Unwissenheit durch den Rohling, ob Mensch oder Titan, abschaffen und durch ihre größere natürliche – wenn auch für uns jetzt noch übernormale – Wirkensweise ersetzen. Diese wird durch das Licht von einem inneren Bewusstsein gelenkt, das sich im Einklang mit dem Unendlichen und Ewigen befindet. Der Integrale Yoga darf die Werke des Lebens nicht verwerfen, um sich nur mit einer inneren Erfahrung zu begnügen. Er soll nach innen gehen, um das Äußere umzuwandeln. Er soll die Lebenskraft zu einem Teil und zu einer Wirkensweise einer Yoga-Energie machen, die mit dem Göttlichen in Verbindung steht und durch dessen Lenkung göttlich ist.
Die ganze Schwierigkeit bei der spirituellen Einwirkung auf die Werke des Lebens entsteht dadurch, dass der Wille-im-Leben für seine Zwecke in der Unwissenheit eine falsche Begehrensseele erschuf und durch sie jenen Funken des Göttlichen ersetzte, der die wahre Seele ist. Gegenwärtig sind oder scheinen alle oder die meisten Werke des Lebens durch diese Begehrensseele angetrieben oder beeinträchtigt zu sein. Selbst durch die Handlungen, die ethisch oder religiös sind, ja sogar durch die im Gewand des Altruismus, der Philanthropie, Selbstaufopferung und Selbstentäußerung auftretenden, ziehen sich die Fäden, welche diese Begehrensseele webt. Sie ist eine sich absondernde Seele des Egos; alle ihre Antriebe streben nach separativer Selbstbehauptung. Offen oder unter mehr oder weniger glänzenden Masken drängt sie immer nach ihrem eigenen Wachsen, nach Besitz, Lebensgenuss, Eroberung und Herrschaft. Wenn der Fluch der Unruhe, der Disharmonie und Verfälschung vom Leben weggenommen werden soll, muss der wahren Seele, dem seelischen Wesen, seine leitende Stellung eingeräumt und die falsche Seele des Begehrens und des Egos aufgelöst werden. Das bedeutet aber nicht, dass man das Leben selbst unter einem Zwang halten und ihm die natürliche Art seiner Erfüllung verweigern darf. Hinter der äußeren Begehrensseele steht in uns ein inneres wahres vitales Wesen, das wir nicht auflösen dürfen. Vielmehr müssen wir es in seine führende Bedeutung einsetzen und so befreien, dass es in Wahrheit als eine Macht der Göttlichen Natur wirken kann. Die Bedingung für die göttliche Erfüllung der Ziele der Lebenskraft ist, dass wir dieses wahre vitale Wesen unter der Leitung der innersten Seele in uns klar hervortreten lassen. Jene Ziele der Lebensmacht werden sogar im wesentlichen dieselben bleiben; sie werden jedoch in ihrem inneren Motiv und äußeren Charakter umgewandelt. Auch die Göttliche Lebensmacht wird ein Wille zum Wachsen und eine Kraft der Selbstbehauptung sein, jedoch zur Durchsetzung des Göttlichen in unserem Inneren und nicht unserer kleinen, vorübergehenden, äußerlichen Personalität der Außenseite. Wir sollen in unser wahres göttliches Individuelles Wesen, das zentrale Wesen, emporwachsen und unsere wahre Mitte, unsere geheime unzerstörbare Person gewinnen, die nur dann hervortreten kann, wenn das Ego unterworfen ist und verschwindet. Das Wachsen ist das wahre Ziel des Lebens. Es muss aber ein Wachsen des Geistes in der Natur sein, der sich im Mental, im Leben und im Körper durchsetzt und entfaltet. Auch das Besitzen gehört zum wahren Leben. Das Göttliche soll aber der Besitzer sein, der das in allen Dingen enthaltene Göttliche in seinen Besitz nimmt; wir sollen die Dinge nicht um ihrer selbst willen durch das Begehren des Egos an uns nehmen. Auch die Freude gehört zum Leben. Jedoch soll das eine Freude am göttlichen Ananda im Universum sein. Kampf, Eroberung und Herrschaft sind berechtigt, wenn es sich um den Sieg im Konflikt mit den Mächten der Finsternis handelt, um eine völlige spirituelle Herrschaft des Selbst und um Meisterschaft über die innere und äußere Natur, um einen Sieg durch das Wissen, die Liebe und den Göttlichen Willen über die Bereiche der Unwissenheit.
Das sind die Bedingungen für das dritte Element des dreifachen Opfers, und das sollen die Ziele sein, wenn wir die Werke des Lebens in göttlicher Weise wirksam machen und ihre fortschreitende Transformation erreichen wollen. Das Ziel des Yoga ist nicht, das Leben zu rationalisieren, sondern es zu supramentalisieren; wir wollen es nicht moralisieren, sondern spiritualisieren. Seine Hauptabsicht ist nicht, die äußeren oberflächlichen psychologischen Motive zu beeinflussen, sondern: das Leben und sein aktives Wirken auf das in diesen Motiven verborgene göttliche Element zu gründen. Das Leben kann nur dann, wenn es auf eine solche neue Grundlage gestellt wird, deutlich machen, dass es durch eine geheime Göttliche Macht über uns regiert und in einen offenbaren Ausdruck der Gottheit umgestaltet wird, so dass es nicht mehr, wie bisher, eine Verhüllung und entstellende Maske des ewigen Bewirkers ist. Nur eine spirituelle wesenhafte Transformation des Bewusstseins – nicht nur eine oberflächliche Manipulation, wie es die Methode des Mentals und der Vernunft ist – kann das Leben zu etwas anderem machen und aus seiner jetzigen elenden zweideutigen Gestalt erretten.
Der Integrale Yoga will also das Leben durch eine Transformation in seinem eigentlichen Prinzip und nicht nur durch ein äußerliches Zurechtbiegen seiner Erscheinungsformen von einer verworrenen und unwissenden Bewegung der Natur in eine erleuchtete und harmonische umwandeln. Dazu müssen unbedingt drei Bedingungen erfüllt werden, wenn eine solche zentrale innere Umwälzung und Neugestaltung Zustandekommen soll. Keine von ihnen reicht allein für sich schon dazu aus. Durch ihre vereinte dreifache Macht jedoch kann das Leben auf eine höhere Stufe emporgehoben, kann seine Umkehr geleistet und vervollständigt werden. – Zunächst wird das Leben so, wie es ist, durch das Begehren bewegt. Als seinen Mittelpunkt hat es in uns die Begehrensseele erschaffen, die alle Antriebe des Lebens auf sich hin dirigiert. Sie verfärbt diese mit ihren eigenen Verwirrungen und lässt sie unter einem unwissenden, halberleuchteten, gehemmten Ringen leiden. Damit wir ein Leben aus göttlichem Wesen leben können, muss das Begehren beseitigt und durch eine reinere, stärkere Motivmacht ersetzt werden. Die gequälte Begehrensseele soll aufgelöst werden. An ihrer Stelle soll ein wahres vitales, jetzt in unserem Inneren verborgenes Wesen mit seiner Ruhe, Stärke und Freude hervortreten. – Ferner wird das Leben so, wie es ist, zum Teil durch den Impuls der Lebenskraft, zum Teil durch ein Mental angetrieben, das zumeist ein Diener und Helfer des unwissenden Lebensimpulses, jedoch auch dessen unsicherer, nicht allzu erleuchteter oder sachverständiger Führer und Berater ist. Bei einem Leben aus göttlichem Wesen dürfen das Mental und der Lebensimpuls nur noch Instrumente sein. Ihre Stelle als Lenker auf dem Pfad und als Wegweiser einer göttlichen Führung muss das innerste seelische Wesen einnehmen. — Schließlich ist das Leben, so wie es ist, auf die Befriedigung des sich absondernden Ego gerichtet. Dieses Ego muss verschwinden und durch die wahre spirituelle Person, durch unser wahres zentrales Wesen, ersetzt werden. Das Leben selbst muss sich auf die Erfüllung des Göttlichen im irdischen Dasein einstellen. Es soll fühlen, wie die Göttliche Kraft in ihm erwacht, und es soll zu einer fügsamen Instrumentation für deren Absicht werden.
In der ersten dieser drei umwandelnden inneren Bewegungen findet sich nichts, was nicht alt und bekannt wäre. Das war immer eines der Hauptziele einer spirituellen Disziplin. Am besten wurde es in der Lehre der Gita formuliert, die den normalen Zustand eines spirituellen Menschen so beschreibt: Er verzichtet völlig auf das Verlangen nach den Früchten seines Handelns als dessen Motivierung; er hat das Begehren überwunden, ist am Ziel vollkommener Gelassenheit angelangt. Das wahre, unfehlbare Zeichen für das Aufhören des Begehrens ist vollkommene spirituelle Gelassenheit. Die Seele steht allen Dingen gleichmütig gegenüber. Sie bleibt unbewegt durch Freude und Kummer, durch das Angenehme und das Unangenehme, durch Erfolg und Misserfolg. Sie schaut mit gleichmütigem Blick auf das Hohe und Niedrige, auf Freund und Feind, auf den Tugendhaften und auf den Sünder. Sie erkennt in allen Wesen die vielfältige Manifestation des Einen und in allen Dingen das unermessliche Spiel oder die langsame, verhüllte Evolution des verkörperten Geistes. Der hier dargestellte Zustand ist keine mentale Ruhe, keine mentale Erhabenheit und Gleichgültigkeit, keine träge vitale Teilnahmslosigkeit, auch keine Passivität des physischen Bewusstseins, das entweder gar keiner oder überhaupt jeder Bewegung zustimmt; irrtümlich werden diese Dinge manchmal für einen solchen spirituellen Zustand gehalten. Vielmehr ist das Ziel eine weit umfassende unerschütterliche Universalität, wie sie dem Geist eigen ist, der als der Beobachter und Zeuge hinter der Natur steht. Im Vordergrund erscheint alles als eine halbgeordnete und halb verworrene Organisation der Kräfte in dauernder Bewegung. Man kann aber dahinter einen sie tragenden und fördernden Frieden verspüren, ein Schweigen und eine Weite, die nicht träge sondern still, nicht ohnmächtig sondern potenziell allmächtig ist. Dieser Friede ist fähig, mit einer konzentrierten, stabilen, unbeweglichen Energie alle Bewegungen des Universums in sich zu tragen. Diese Gegenwart im Hintergrund wendet ihre Seele gleichmütig allen Dingen zu. Sie kann die in ihr konzentrierte Energie für jede Aktion einsetzen. Der Zeugen-Geist erwählt jedoch kein Wirken aus irgendeinem Begehren. Hier handelt eine Wahrheit, die jenseits steht und größer ist als das Wirken selbst oder als dessen sichtbar werdende Formen und Impulse. Sie ist überragender und größer als das Mental, die Lebenskraft oder der Körper, wenn sie auch für ihren unmittelbaren Zweck in einer mentalen, vitalen oder körperlichen Form erscheinen kann. Erst wenn es überall zu diesem Sterben des Begehrens und zu dieser stillen ausgeglichenen Weite im Bewusstsein gekommen ist, tritt unser inneres wahres vitales Wesen aus seiner Verhüllung hervor und offenbart seine eigene stille, intensive und machtvolle Gegenwart. Von dieser Art ist die wahre Natur des vitalen Wesens, prānamaya purusa. Sie ist eine Projektion des Göttlichen Purusha in das Leben: ruhig, stark, lichtvoll, reich an vielfachen Energien, dem Göttlichen Willen gehorsam und egolos. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist sie zu jedem Handeln, Erfolg und dem höchsten, umfassendsten Unternehmen befähigt. So offenbart sich die wahre Lebenskraft. Nun ist sie nicht mehr diese verworrene, gequälte, in sich zerspaltene, ringende Energie der Oberfläche, sondern eine große, strahlende Göttliche Macht, erfüllt von Frieden, Stärke und Seligkeit. Sie ist ein Engel des Lebens, der mit seinen weiten Flügeln der Macht das Universum entfaltet.
Diese Transformation in Stärke und Gleichmut ist aber noch nicht ausreichend. Wenn sie uns auch die Instrumentation für ein Göttliches Leben verschafft, so befähigt sie uns doch noch nicht, dieses selbst zu lenken und aus eigener Initiative zu führen. Hier tritt die Gegenwart des befreiten seelischen Wesens helfend ein. Zwar verleiht auch es nicht die vollkommene Herrschaft und Lenkung, da das nicht seine Funktion ist. Es schenkt uns aber während des Übergangs aus der Unwissenheit in göttliches Wissen eine fortschreitend bessere Führung für das innere und äußere Leben und Handeln. In jedem Augenblick weist es auf die Methode, den Weg und die Stufen hin, die zu jenem vollkommenen spirituellen Zustand führen, in dem uns ständig eine höchste dynamische Initiative zu Gebote stehen wird, die die Aktivitäten einer vergöttlichten Lebenskraft lenkt. Das Licht, das dieses Wissen ausstrahlt, erleuchtet die anderen Teile der Natur, die, aus Mangel an besserer Führung als der durch ihre eigenen konfusen und tastenden Befähigungen, in den Runden der Unwissenheit herumgeirrt sind. Es verleiht dem Mental das echte wahre Erfühlen der Gedanken und Wahrnehmungen und dem Leben den unfehlbaren Sinn der Unterscheidung zwischen jenen Regungen, die irregeführt oder irreführend, und jenen, die richtig inspiriert sind. Etwas wie ein stilles Orakel aus unserem Inneren offenbart uns die Ursachen für unser Straucheln und warnt uns zur rechten Zelt vor ihrer Wiederholung. Es folgert aus Erfahrung und Intuition das Gesetz – das aber nicht starr sondern elastisch ist – für eine rechte Lenkung unseres Wirkens, für einen sicheren Gang und einen genauen Impuls. Dadurch wird ein Wille erschaffen, der mehr in Einklang mit der sich entwickelnden Wahrheit steht als mit den immer im Kreise verlaufenden, am Ziel vorbeiführenden Irrwegen. Die oberflächliche Schärfe eines mentalen Urteilens und die übereifrigen Eingriffe der Lebenskraft werden ersetzt durch eine entschlossene Orientierung auf das größere aufgehende Licht, auf einen Seeleninstinkt, einen seelischen Takt und eine Einsicht in die wahre Substanz, die Motive und die Absicht, die den Vorkommnissen zugrunde liegen. Dadurch kommen wir immer näher an ein spirituelles Schauen, an ein Wissen durch inneren Kontakt, an ein inneres Wahrnehmen, ja sogar an die Identität mit der Wahrheit heran. Die Werke des Lebens bringen sich selbst zurecht. Sie kommen aus der Konfusion heraus und ersetzen die künstliche oder legale Ordnung, die ihnen durch den Intellekt auferlegt war, und das willkürliche Regiment des Begehrens durch die Führung aus innerer Einsicht der Seele. So betreten sie die tiefsinnigen Wege des Geistes. Vor allem legt das seelische Wesen dem Leben das Gesetz des Opfers auf, das alle Werke des Lebens dem Göttlichen und dem Ewigen, darbringt. Das Leben wird zu einer Berufung hin zu dem, was jenseits des Lebens ist. Auch sein kleinstes Wirken weitet sich aus mit dem Gefühl des Unendlichen.
In dem Maße, wie die innere Ausgeglichenheit zunimmt, wie wir zugleich damit unser eigentliches vitales Wesen wahrnehmen, das auf die höhere Lenkung wartet, der es zu dienen hat, und wie sich in allen Seiten und Funktionen unserer Natur immer mehr das Verlangen des seelischen Wesens durchsetzt, offenbart sich Jenes, an das sich dieser Ruf richtet, immer deutlicher. Es kommt hernieder, um das Leben mit seinen Energien in Besitz zu nehmen. Es erfüllt sie mit der Erhabenheit, Innigkeit und ungeheuren Weite seiner Gegenwart und Absicht. Jenes höchste Wesen offenbart in vielen, wenn nicht in den meisten, schon vorher etwas von sich selbst, bevor jene vollkommene Gelassenheit und das deutliche Drängen oder die Lenkung des seelischen Wesens vorhanden sind. Nun kann es jenen „Verschluss“ durchbrechen, der diese Höhere Natur von dieser Niederen Natur trennt. Ein Verlangen des verhüllten seelischen Elements, das durch die Masse der äußeren Unwissenheit unterdrückt war und nach Befreiung ruft, oder der Druck einer konzentrierten Meditation und eines Suchens nach Wissen oder eine Sehnsucht des Herzens und ein leidenschaftlicher, noch unwissender jedoch aufrichtiger Wille dringen hindurch. Es öffnen sich die Schleusen: es offenbart sich etwa ein wenig von der Göttlichen Person oder ein Licht, eine Macht, eine Seligkeit und Liebe aus dem Unendlichen. Das kann eine augenblickliche Enthüllung, ein Aufblitzen oder ein vergänglicher Schimmer sein, der sich bald wieder zurückzieht und wartet, bis die Natur vorbereitet ist. Das kann sich aber auch wiederholen, wachsen und dauerhaft werden. Dann hat ein beständiger, weit umfassend wirkender Wille eingesetzt, manchmal hell aufleuchtend und intensiv, manchmal auch langsam und dunkel. Zu Zelten tritt eine Göttliche Macht hervor; sie führt und zwingt, oder sie belehrt und erleuchtet. Zu anderen Zeiten zieht sie sich in den Hintergrund zurück und überlässt das Wesen scheinbar sich selbst und seinen eigenen Hilfsmittel. Alles, was im Wesen unwissend, dunkel, verkehrt oder einfach noch unvollkommen und weniger wertvoll ist, wird emporgehoben. Es wird vielleicht bis zu seinem eigenen Höhepunkt entfaltet, behandelt, korrigiert und zuende gebracht. Die Göttliche Macht zeigt ihm seine eigenen unheilvollen Folgen und veranlasst es, darum zu bitten, dass das aufhört, indem es entweder umgewandelt oder als wertlos und unverbesserlich aus der Natur ausgemerzt wird. Das kann kein sanfter, glatter Prozess sein. Da gibt es den ständigen Wechsel von Tag und Nacht, von Erleuchtung und Finsternis, von aufbauender Ruhe und verheerendem Kampf. Die Gegenwart eines wachsenden Göttlichen Bewusstseins offenbart sich, um dann wieder völlig zurückzutreten. Die Höhen der Hoffnung wechseln mit den Abgründen der Verzweiflung. Die sanfte Hand des Geliebten beglückt und seine Verborgenheit ängstigt. Da kommen die feindlichen Mächte in einer überwältigenden Invasion mit zwingendem Trug, wütender Opposition und lähmendem Hohn. Aber es tröstet auch die Hilfe und die Gemeinschaft der Götter und Göttlichen Boten. Eine schwere lange Umwandlung wird dem Suchenden auferlegt. Er wird im Ozean des Lebens, aus dem aller Nektar und alles Gift emporsteigt, durchgequirlt, bis durch diese Gewalt alles zubereitet ist und in ihm die immer stärkere Herabkunft ein Wesen und eine Natur findet, die für die völlige Herrschaft und die alles durchdringende Gegenwart des Geistes bereit und befähigt sind. Wenn bei diesem Prozess die Ausgeglichenheit, das Licht und der Wille des seelischen Wesens schon vorhanden sind, kann er, auch wenn er nicht völlig entbehrlich ist, doch sehr erleichtert und beschleunigt werden. Er wird seine schlimmsten Gefahren verlieren. Durch alle Schwierigkeiten und Prüfungen der Transformation hindurch wird eine innere Ruhe, ein Glück und ein Vertrauen die Schritte des Suchenden unterstützen. Die wachsende Kraft wird die volle Zustimmung der Natur benutzen und rasch die Macht der widerstrebenden Kräfte vermindern und ausschalten. So wird eine sichere Lenkung und eine schützende Macht gegenwärtig sein, die manchmal offen hervortritt, manchmal hinter dem Schleier verborgen wirkt. Die gleiche Macht, die sich am Ende offenbart, wird schon am Anfang und während der langen mittleren Stufen des Ringens wirksam sein. Der Suchende wird nun zu allen Zeiten den Göttlichen Lenker und Beschützer oder das Wirken der Kraft der höchsten Mutterkraft wahrnehmen. Er wird wissen, dass alles zum Besten geschieht, dass sein Fortschritt gesichert und der Sieg unvermeidlich ist. In jedem Fall ist der Prozess derselbe und zwangsläufig: die ganze Natur, das innere und äußere Leben wird emporgehoben, damit unter der Einwirkung eines göttlicheren Lebens von oben her seine Kräfte und ihre Wirkungen sichtbar gemacht, verwendet und transformiert werden können, bis die höheren spirituellen Mächte alles hier unten in ihren Besitz genommen und zu einer Instrumentation für ein spirituelles Handeln und die Verwirklichung einer göttlichen Absicht gemacht haben.
In diesem Prozess wird uns schon auf einer seiner frühen Stufen deutlich, dass das, was wir von uns kennen, unser gegenwärtiges bewusstes Dasein, nur eine repräsentative Gestaltung, eine oberflächliche Aktivität und das sich wandelnde äußerliche Ergebnis einer riesigen Masse verborgenen Daseins ist. Unser sichtbares Leben und die Wirkensweisen dieses Lebens sind nichts anderes als eine Reihe bedeutungsvoller Ausdrucksformen von etwas ganz anderem. Was dieses Leben hier zum Ausdruck zu bringen sucht, liegt nicht an der Außenseite. Unsere Existenz ist etwas viel Umfassenderes als das sichtbare Vordergrundwesen, für das wir uns halten und das wir auch meist unserer Umwelt darbieten. Dieses äußerliche Wesen im Vordergrund ist ein verworrenes Gemisch von Mentalformationen, Lebensvorgängen und physischen Funktionen, deren Geheimnis selbst durch eine erschöpfende Analyse der sie zusammensetzenden Teile und ihres Mechanismus nicht geoffenbart werden kann. Nur wenn wir dahinter, in seine Tiefen und hoch über es hinaus in die verborgenen Bereiche unseres Wesens eindringen, können wir es erkennen. Selbst die gründlichste und scharfsinnigste Erforschung unserer Außenwelt und deren geschickte Handhabung kann uns nicht das wahre Verständnis oder die völlig wirksame Kontrolle über unser Leben, seine Zwecke und Wirkensweisen verschaffen. Dieses Unvermögen ist tatsächlich die Ursache dafür, dass die Vernunft, die Moralität und jede andere äußerliche Betätigung versagen, wenn sie das Leben der Menschheit kontrollieren, befreien und vervollkommnen wollen. Denn wir haben unterhalb selbst unseres dunkelsten physischen Bewusstseins noch ein unterbewusstes Wesen, in dem sich, wie unter der Decke eines nährenden Bodens, alle Arten verborgener Saaten befinden, die, für uns unerklärlich, in unserer äußeren Natur aufgehen. In diesen Boden säen wir ständig neuen Samen, der unsere Vergangenheit weiter fortdauern lässt und unsere Zukunft beeinflussen wird. Dieses unterbewusste Wesen, das dunkel, in seinen Regungen kleinlich, launisch und in beinahe fantastischem Grad unterrational ist, übt jedoch eine ungeheure Macht über das Erdenleben aus. Andererseits befindet sich hinter der Schwelle und oberhalb unseres Mentals, unseres Lebens und unseres bewussten physischen Wesens ein umfassendes subliminales Bewusstsein. Dort sind innere mentale, innere vitale und innere subtilere physische Bereiche, die durch eine innerste seelische Existenz getragen und genährt werden. Diese ist die alle Schichten unseres Wesens miteinander verbindende Seele. Auch in diesen verborgenen Bereichen liegt eine Masse zahlreicher präexistenter Personalitäten verborgen, die das Material, die Motivkräfte und Impulse für unsere sich an der Oberfläche entfaltende Existenz liefern. Zwar gibt es in jedem von uns hier eine einzige zentrale Person. Wir tragen aber auch eine Masse untergeordneter Personalitäten in uns, die durch die vergangene Geschichte der Manifestation dieser zentralen Person oder durch deren auf den inneren Ebenen hinterlassene Eindrücke geschaffen wurden. Sie alle unterstützen ihr gegenwärtiges Kräftespiel in diesem äußeren materiellen Kosmos. Während wir in unserem äußeren Dasein von unserer Umgebung abgeschlossen sind – denn ein äußerliches Mental und ein Sinnen- Kontakt vermitteln unserer Umwelt nur wenig von uns und uns nur wenig aus unserer Umwelt –, ist in jenen inneren Bereichen die Scheidewand zwischen uns und dem übrigen Dasein dünn und leicht zu durchbrechen. Dort können wir unmittelbar die Wirkensweisen der geheimen Weltkräfte, der Mentalkräfte, Lebenskräfte und subtilen physischen Kräfte spüren, die das universale und individuelle Dasein konstituieren. Wir brauchen sie nicht nur aus ihren Resultaten zu erschließen, sondern wir empfinden sie unmittelbar. Ja, wir werden, wenn wir uns dazu trainieren, diese Weltkräfte, die auf uns und unsere Umgebung eindringen, immer mehr in unsere Macht bekommen, sie immer besser beherrschen oder mindestens ihre Einwirkung auf uns und andere, ihre Gestaltungen und eigentlichen Abläufe stark umformen können. Oberhalb unseres menschlichen Mentals gibt es aber noch größere Bereiche, die für es überbewusst sind. Aus diesen kommen insgeheim Einflüsse, Mächte und Druckwirkungen, die eigentlich die bestimmenden Faktoren für die Dinge hier unten sind. Könnten wir sie in ihrer Fülle herniederrufen, dann würden sie die ganze Gestaltung und Ökonomie des Lebens im materiellen Universum verändern. Die Göttliche Kraft, die an uns arbeitet, offenbart uns diese latente Erfahrung und dieses verborgene Wissen in steigendem Maße, wenn wir uns im Integralen Yoga immer mehr für sie öffnen. Sie benutzt die Ergebnisse und verwendet sie als Mittel und Stufen für eine Transformation unseres Wesens und unserer Natur. Von nun ab ist unser Leben nicht mehr nur eine an der Oberfläche dahinströmende kleine Welle. Vielmehr durchdringt es sich gegenseitig mit dem kosmischen Leben, wenn es nicht sogar mit diesem zusammenfällt. Unser Geist und unser Selbst erhebt sich nicht nur zu innerer Identität mit einem weiten kosmischen Selbst, sondern es kommt auch in Kontakt mit dem, was zwar jenseits, aber dennoch der Aktion im Universum bewusst ist und über sie herrscht.
So kommt im Yoga die Göttliche Shakti durch eine Integralisierung unseres zertrennten Wesens zu ihrem Ziel. Unsere Befreiung, Vervollkommnung und Meisterschaft hängt von dieser Integralisierung ab, da die kleine Welle an der Oberfläche nicht einmal ihre eigene Bewegung kontrollieren und noch viel weniger eine wahre Herrschaft über das ungeheure Leben ihrer Umgebung auszuüben vermag. Shakti, die Macht des Unendlichen und Ewigen, kommt in unser Inneres herab. Sie arbeitet in uns, zerbricht unsere gegenwärtigen psychischen Formationen, zerstört jedwede Umwallung, weitet uns aus, befreit uns und schenkt uns immer mehr neue größere Kräfte der Vision, Ideenbildung und Wahrnehmung. Sie verleiht uns stets von neuem größere Lebensmotive. Sie weitet die Seele und ihre Instrumente aus und gestaltet sie immer neu um. Sie hält uns jede Unvollkommenheit vor, um diese zu richten und zu zerstören. Sie gibt uns den Zugang zu einer höheren Vollkommenheit und leistet in einer kurzen Periode das Werk vieler Lebensabläufe und Zeitalter. So vollziehen sich in uns ständig neue Geburten, und neue Ausblicke eröffnen sich. Expansiv in ihrem Wirken, befreit sie das Bewusstsein von seiner Gefangenschaft im Körper. Im Trancezustand, im Schlaf und sogar im Wachen kann es ihn verlassen. Es kann sich in andere Welten oder in andere Regionen dieser Welt versetzen, dort wirken und seine Erfahrung mit sich zurückbringen. Wenn es sich ausdehnt, fühlt es den Körper nur noch als einen kleinen Teil seiner selbst. Das Bewusstsein wird immer mehr zum Behältnis für den Körper, der es früher in sich eingeschlossen hatte. So erlangt es das kosmische Bewusstsein und dehnt sich so weit aus, dass es mit dem Universum gleichen Umfangs wird. Es erkennt jetzt die Kräfte, die sich hier in der Welt auswirken, direkt von innen her und nicht mehr lediglich durch äußere Beobachtung. Es fühlt ihre Bewegung, unterscheidet ihr Funktionieren und kann auf sie unmittelbar so einwirken wie der Naturwissenschaftler auf die physischen Kräfte. Es kann deren Einwirkung und deren Resultate auf unser Mental, unser Leben und unseren Körper akzeptieren oder zurückweisen. Es kann die Energien verändern, umwandeln und neu gestalten. Auch kann es ungeheure neue Mächte und Bewegungen anstelle der alten kleinen Funktionsabläufe der Natur erschaffen. Immer deutlicher nehmen wir das Wirken der Kräfte des universalen Mentals wahr. Wir wissen nun, wie unsere Gedanken durch jenes Wirken erschaffen werden. Wir können von Innen her die Wahrheit und das Falsche in unseren Wahrnehmungen voneinander unterscheiden, ihr Feld ausweiten sowie ihre Bedeutung ausdehnen und aufklären. Wir werden immer besser Herr über unser Mental und unser Handeln. Wir werden befähigt und aktiv, die Bewegungen des Mentals in unserer Umwelt zu gestalten. So nehmen wir auch den Strom und das Aufwallen der universalen Lebenskräfte wahr, entdecken Ursprung und Gesetz unserer Gefühle, Emotionen, Empfindungen und Leidenschaften und werden frei, sie zu akzeptieren oder zurückzuweisen, sie neu zu erschaffen und zu höheren Ebenen der Lebensmacht emporzuheben. Immer deutlicher gewahren wir den Schlüssel zur Lösung des Rätsels der Materie. Wir folgen dem Spiel des gegenseitigen Aufeinanderwirkens von Mental, Leben und Bewusstsein auf die Materie und entdecken immer besser ihre Funktion, Instrument zu sein und Ergebnisse hervorzubringen. So erschließt sich uns zuletzt das tiefste Geheimnis der Materie: sie ist nicht nur eine Form der Energie, sondern sie ist ein Bewusstsein, das involviert, zum Stillstand gebracht, instabil fixiert und eingeschränkt ist. Immer deutlicher erkennen wir, dass es möglich ist, dieses Bewusstsein zu befreien und es für ein Reagieren auf die höheren Mächte plastisch zu machen. So wird das in die Materie involvierte Bewusstsein fähig, immer besser die bewusste, nicht mehr nur die mehr als zur Hälfte nichtbewusste Inkarnation des Geistes und sein Selbst-Ausdruck zu werden. All das und vieles andere wird fortschreitend möglich, wenn das Wirken der Göttlichen Shakti in uns stärker wird und sich zu einer größeren Reinheit, Wahrheit, Höhe und Reichweite ausdehnt, allem starken Widerstand unseres noch dunklen Bewusstseins und seiner Abneigung zum Trotz, darauf zu reagieren. Das geht durch viel Ringen und einen Wechsel von Fortschritt, Rückschritt und erneutem Vorwärtsschreiten hindurch, weil das für das Werk einer intensiven Transformation einer halb-nichtbewussten in eine bewusste Substanz erforderlich ist. Alles hängt von dem seelischen Erwachen in uns ab, von der Vollkommenheit unserer Antwort auf die Shakti und von unserer immer größeren völligen Hingabe an sie.
Das alles kann freilich bloß ein größeres inneres Leben und eine größere Möglichkeit für das äußere Wirken zustande bringen; es ist also lediglich eine Errungenschaft des Übergangs. Die volle Transformation kann erst dann eintreten, wenn unser Opfer bis zu seinen höchsten Höhen emporsteigt und wenn es auf unser Leben mit der Macht, dem Licht und der Seligkeit der göttlichen supramentalen Gnosis einwirkt. Dann erst werden alle die jetzt zerteilten Kräfte, die sich im Leben und seinen Werken nur unvollkommen zum Ausdruck bringen können, zu ihrer ursprünglichen Einheit und Harmonie, alleinigen Wahrheit, authentischen Absolutheit und völligen Bedeutsamkeit emporgehoben. Dort sind das Wissen und der Wille geeint, die Liebe und die Kraft eine einzige Bewegung. Die Gegensätzlichkeiten, die uns hier anfechten, werden in ihre miteinander versöhnte Einheit emporgehoben. Das Gute entfaltet sein Absolutes; das Böse entkleidet sich seines Irrtums und kehrt zu dem Guten, das hinter ihm steht, zurück. Sünde und Tugend lösen sich in göttlicher Reinheit und makelloser Wahrheitsbewegung auf. Die zweifelhafte Flüchtigkeit des Vergnügens geht in einer Seligkeit auf, die das Spiel einer ewigen, frohen spirituellen Gewissheit ist. Wenn der Schmerz vergeht, entdeckt man die unmittelbare Einwirkung des Ananda. Bisher war dieses um seinen Einfluss gebracht worden, weil das Bewusstsein es infolge einer finsteren Verkehrtheit und Unfähigkeit des Willens des Nichtbewussten nicht in sich aufnehmen konnte. All das, was für das Mental eine Einbildung oder ein Mysterium ist, wird nun offenbar und für die Erfahrung zugänglich, da das Bewusstsein aus seinem begrenzten, in der Materie verkörperten Mental in die Freiheit und Fülle der immer höheren Bereiche der Supra-Intelllgenz emporsteigt. Das kann aber erst dann völlig wahr und normal werden, wenn das Supramental zum Gesetz der Natur geworden ist.
Darum hängt die Rechtfertigung des Lebens, seine Erlösung und seine Transformation in ein Göttliches Leben innerhalb einer umgewandelten irdischen Natur davon ab, dass dieses Emporsteigen bis zur Vollendung gebracht und eine volle Entfaltung jener Kräfte möglich wird, die aus höchsten Ebenen in das Erdbewusstsein herniederkommen.
Wenn man das Wesen des Integralen Yoga und seine Bedingtheit so versteht, dass er durch die spirituellen Mittel vorwärtsgehen und sich der integralen Transformation der Natur widmen muss, wird seine Antwort auf die Frage nach den gewöhnlichen Aktivitäten des Lebens und nach ihrem Platz im Yoga von selbst deutlich.
Es gibt hier überhaupt keinen asketischen, kontemplativen oder mystischen Verzicht auf das Wirken und auf das Leben und kann es hier auch gar nicht geben. Es wird also kein Evangelium verkündigt, man solle ganz in der Meditation und Inaktivität aufgehen, die Lebenskraft und seine Betätigungen ausschalten, es verdammen oder seine Manifestation in der Erdnatur ablehnen. Für den Suchenden mag es zu gewissen Zeiten notwendig sein, dass er sich in sich selbst zurückzieht, in sein inneres Wesen versunken bleibt und den Lärm und Wirrwarr des Lebens der Unwissenheit von sich fernhält, bis er eine gewisse innere Umwandlung erlangt und etwas errungen hat, ohne das eine weitere starke Einwirkung auf das Leben schwierig oder unmöglich ist. Dabei kann es sich aber nur um eine zeitlich begrenzte Notwendigkeit oder um eine vorbereitende spirituelle Maßnahme handeln. Das kann nie die Regel seines Yoga oder dessen Prinzip sein.
Darum wäre es auch gegen den Geist des Integralen Yoga, wenn man die Tätigkeiten des menschlichen Daseins aufgrund eines religiösen oder eines ethischen Prinzips oder dieser beiden aufspalten und den Yoga auf die Werke der Gottesverehrung oder auf die der Philanthropie oder Wohltätigkeit allein beschränken würde. Jede rein mentale Regel oder die rein mentale Annahme oder Verwerfung einer Tätigkeit ist dem Zweck und der Methode seiner Disziplin fremd. Alles muss auf eine spirituelle Höhe emporgehoben und auf ein spirituelles Fundament gestellt werden. Das ganze Leben – und nicht nur ein Teil von ihm – soll genötigt werden, eine innere spirituelle Umwandlung und eine äußere Transformation gegenwärtig zu machen. Darum soll man alles annehmen, was für eine solche Transformation hilfreich ist oder sie erlaubt. Wir sollen jedoch alles zurückweisen, was unfähig, ungeeignet oder widerwillig ist, sich der transformierenden Bewegung zu unterziehen. Es darf kein inneres Gebundensein an irgendeine Form der Dinge oder des Lebens, an einen Gegenstand oder eine Aktivität geben. Wenn nötig, soll man auf alles verzichten; aber man soll auch alles bejahen, was das Göttliche selbst als sein Material für das göttliche Leben auswählt. Die Instanz aber, die akzeptiert oder zurückweist, darf weder das Mental noch der offene oder getarnte vitale Wille des Begehrens oder der ethische Sinn sein. Entscheiden kann hier nur das Drängen des seelischen Wesens, das Gebot des Göttlichen Lenkers unseres Yoga, die Schau des höheren Selbst oder des Geistes, die erleuchtete Führung des Meisters. Der Weg des Geistes ist kein mentaler Weg. Eine mentale Regel oder ein mentales Bewusstsein können nicht über den spirituellen Weg entscheiden oder auf ihm führen.
Gleichermaßen kann das Gesetz oder Ziel des Yoga keine Kombination und kein Kompromiss zwischen zwei Ordnungen des Bewusstseins, zwischen der spirituellen und der mentalen oder der spirituellen und der vitalen Ordnung sein; er will nicht das Leben bloß von innen her sublimieren, wobei das Äußere unverändert bliebe. Das ganze Leben muss angenommen, aber das ganze Leben muss transformiert werden. Alles soll zu einem Teil, einer Gestalt, einem angemessenen Ausdruck eines spirituellen Wesens in der supramentalen Natur werden. Das ist die Höhe und krönende Bewegung einer spirituellen Evolution in der materiellen Welt. So wie die Umwandlung vom vitalen Tier zum mentalen Menschen das Leben in seinem fundamentalen Bewusstsein, seinem Ausblick und seiner Bedeutung total verwandelte, so muss auch diese Umwandlung vom materialisierten mentalen zum spirituellen und supramentalen Wesen, das die Materie verwendet, von ihr aber nicht beherrscht wird, das Leben auf eine höhere Stufe erheben. Sie muss aus ihm etwas ganz anderes machen als dieses makelhafte, unvollkommene, begrenzte menschliche Dasein. Es muss in seinem fundamentalen Bewusstsein, in seinem Ausblick und in seiner Bedeutung gänzlich verändert werden. Alle Formen des Lebens, die diese Wandlung nicht ertragen können, müssen verschwinden. Was sich aber wandeln kann, wird überleben und in das Königreich des Geistes eingehen. Eine göttliche Kraft ist am Werk. Sie wird in jedem Augenblick das auswählen, was getan werden soll oder was zu unterlassen ist, was für den Augenblick oder auf Dauer angenommen oder für jetzt oder dauernd aufgegeben werden muss. Durch diese Kraft müssen wir unser Begehren und unser Ego ersetzen. Zu diesem Zweck muss unsere Seele Immer wach, immer auf der Hut und auf die göttliche Führung aufmerksam sein. Sie muss jeder ungöttlichen Irreführung innen oder außen widerstreben. Diese Kraft reicht aus und ist allein kompetent. Sie wird uns durch Mittel und auf Wegen zur Erfüllung führen, die zu weit, zu innerlich und zu komplex sind, als dass das Mental ihnen folgen, geschweige denn ihnen diktieren könnte. Das ist gewiss ein mühsamer, schwieriger und gefährlicher Weg; es gibt aber keinen anderen.
Zwei Regeln werden die Schwierigkeit vermindern und die Gefahr beseitigen. Wir sollen alles zurückweisen, was aus dem Ego, aus dem vitalen Begehren und dem bloßen Mental mit seiner anmaßenden, vernünftelnden Unzulänglichkeit herrührt, sowie alles, was diesen Agenten der Unwissenheit zu Diensten steht. Wir sollen lernen, auf die Stimme der innersten Seele zu hören und ihr zu folgen; wir sollen auf die Weisung des Guru, auf das Gebot des Meisters und auf die Einwirkung der Göttlichen Mutter achten. Das wahre innere Gesetz kann nicht finden, wer sich an die Begierden und Schwächen des Fleisches klammert, den Sehnsüchten und Leidenschaften des Vitals in seiner turbulenten Unwissenheit folgt und den Geboten seines persönlichen Mentals gehorcht, das nicht durch höheres Wissen zum Schweigen gebracht und erleuchtet wurde. Er häuft sich vielmehr Widerstände auf seinen Weg zur göttlichen Erfüllung. Wer aber diese verfinsternden Einflüsse erkennen, zurückweisen und den wahren Lenker innen und außen unterscheiden und ihm folgen kann, wird das spirituelle Gesetz entdecken und das Ziel des Yoga erreichen.
Eine radikale und totale Wandlung des Bewusstseins ist nicht nur der umfassende Sinn des Integralen Yoga, sondern auch mit zunehmender Kraft und stufenweisem Fortschritt seine Methode.