Kapitel 5
Praktische Anleitung
Je ruhiger ihr seid, umso stärker werdet ihr. Die feste Grundlage jeder spirituellen Kraft ist Gelassenheit. Ihr dürft nichts erlauben, eure Haltung zu stören: dann könnt ihr jeder Art von Angriff widerstehen. Wenn ihr zudem genügend Unterscheidungskraft besitzt und die bösen Suggestionen sehen und abhalten könnt, wenn sie kommen, wird es umso leichter für euch, sie wegzuschieben; doch manchmal kommen sie unbemerkt, und dann ist es schwieriger, sie zu bekämpfen. Wenn das geschieht, müsst ihr ruhig sitzen und Frieden und eine tiefe innere Stille herabrufen. Bleibt innerlich fest und ruft mit Vertrauen und Glauben: wenn eure Bemühung rein und stetig ist, erhaltet ihr mit Sicherheit Hilfe.
Attacken von feindseligen Kräften sind unvermeidbar: ihr müsst sie als Test auf eurem Weg ansehen und mutig durch diese Prüfung gehen. Der Kampf kann hart sein, aber wenn ihr ihn überstanden habt, habt ihr etwas gewonnen, ihr seid einen Schritt weitergekommen. Es besteht für die Existenz der feindlichen Kräfte sogar eine Notwendigkeit. Sie stärken eure Entschlossenheit und machen euer Bemühen klarer.
Es ist aber wirklich so: sie existieren, weil ihr ihnen einen Grund dazu gegeben habt. So lange es etwas in euch gibt, das auf sie reagiert, ist ihre Einmischung völlig legitim…
Jedenfalls ist es am klügsten, die Attacke, wenn sie kommt, als etwas von außen Angreifendes zu sehen und zu sagen: „Das bin ich nicht und ich will nichts damit zu tun haben.“ Ihr müsst mit allen niederen Impulsen, Wünschen, Zweifeln und mit mentalem Infragestellen auf die gleiche Art umgehen. Wenn ihr euch damit identifiziert, wird die Schwierigkeit sie zu bekämpfen umso größer; denn dann habt ihr das Gefühl, dass ihr mit der niemals leichten Aufgabe, eure Natur zu überwinden, konfrontiert seid. Aber wenn es euch einmal gelingt zu sagen: „Nein, das bin ich nicht, ich will nichts damit zu tun haben“, wird es viel einfacher, sie zu vertreiben.
Die gesamte mentale Welt, in der ihr lebt, ist begrenzt, auch wenn ihr ihre Grenzen nicht spürt oder kennt; und es muss etwas kommen und dieses Konstrukt niederreißen, in welchen euer Mental sich eingeschlossen hat, und es befreien. Zum Beispiel habt ihr einige feste Regeln, Ideen oder Prinzipien, denen ihr eine absolute Wichtigkeit zumesst. Sehr oft ist dies ein Hängen an bestimmten moralischen Prinzipien oder Geboten wie zum Beispiel „Du sollst Vater und Mutter ehren“ oder „Du sollst nicht töten“ und so fort. Jeder Mensch hat eine Marotte oder einen bevorzugten Slogan oder etwas Ähnliches; jeder denkt, dass er von diesem oder jenem Vorurteil, dem andere unterliegen, frei ist, und ist bereit, solche Dinge als ziemlich falsch anzusehen. Doch er bildet sich ein, dass seines nicht wie ihres ist, – für ihn ist es Wahrheit, die wirkliche Wahrheit. An eine mentale Regel gebunden zu sein, ist Zeichen einer sich irgendwo noch versteckenden Blindheit.
Um die Gier nach Essen zu besiegen, muss man einen Gleichmut in sich entwickeln, so dass man völlig gleichgültig gegenüber Nahrung ist. Wenn sie euch gegeben wird, esst ihr sie; wenn nicht, bekümmert es euch nicht im Geringsten; vor allen Dingen denkt ihr nicht ständig ans Essen. Und das Denken darf aber auch nicht negativ sein. Wenn man in das Erfinden von Methoden und Mitteln der Abstinenz absorbiert ist, wie die sannyasis es sind, ist man fast genauso sehr mit dem Essen beschäftigt, als wenn man ständig gierig davon träumt. Habt ihm gegenüber eine gleichgültige Haltung; das ist das Wichtigste. Verbannt die Idee von Essen aus eurem Bewusstsein, messt ihm nicht die geringste Bedeutung bei.
Dies wird sehr einfach werden, wenn ihr einmal in Kontakt mit eurem seelischen Wesen kommt, mit der wahren Seele tief in euch. Dann werdet ihr sofort fühlen, wie unwichtig diese Dinge sind, und dass das Einzige, was zählt, das Göttliche ist.
Gleichmut der Seele ist ein Weg. Er ist eine Methode, ein Weg, – er kann auch ein Ziel sein. Aber er ist nicht die Vollendung.
Zum Beispiel gibt es jene, die sagen, die bekennen, dass alles, was passiert, der Ausdruck des göttlichen Willens ist (ich habe beim letzten Mal darüber gesprochen, glaube ich). Es gibt eine besondere Art, das Leben zu betrachten, es zu verstehen, die so ist, die sagt: „All dies, die Welt, so wie sie ist, alles was geschieht, ist der Ausdruck des göttlichen Willens; deshalb fordert uns die Weisheit auf, wenn wir in Verbindung mit dem Göttlichen sein wollen, alles was geschieht ohne zurückzuweichen und ohne die kleinste Emotion zu akzeptieren, weil es der Ausdruck des göttlichen Willens ist. Und es ist selbstverständlich, dass wir uns vor ihm verbeugen.“ Dies ist ein Konzept, das genau darauf abzielt, den Leuten zu helfen, diesen Gleichmut der Seele zu erreichen. Aber wenn du diese Idee annimmst, ohne auch ihr Gegenteil anzunehmen und ein Synthese der beiden herbeizuführen, nun, dann brauchst du nur das Leben aussitzen und nichts tun – oder auf jeden Fall niemals versuchen, die Welt voranzubringen.
Im Frieden und in der Stille offenbart sich der Ewige; erlaube nichts, dich zu stören, und der Ewige wird sich offenbaren; habe vollkommenen Gleichmut gegenüber allem, und der Ewige wird da sein… Ja, wir dürfen nicht zu viel Intensität, zu viel Anstrengung in unsere Suche nach Dir legen; Anstrengung und Intensität werden zu einem Schleier vor Dir; wir dürfen nicht wünschen, Dich zu sehen, denn das ist immer noch mentale Unruhe, die Deine Ewige Gegenwart verdunkelt; in vollkommenem Frieden, in vollkommener Gelassenheit und in vollkommenem Gleichmut ist alles Du, so wie Du alles bist, und die geringste Schwingung in dieser vollkommen reinen und ruhigen Atmosphäre ist ein Hindernis für Deine Offenbarung. Keine Eile, keine Unruhe, keine Anspannung, Du, nichts als Du, ohne jede Analyse oder Objektivierung, und Du bist ohne jeden Zweifel da, denn alles wird zu Heiligem Frieden und Heiliger Stille.
Und das ist besser als alle Meditation der Welt.