Kapitel 5
Glaube an die Göttliche Shakti und den Ishwara
Der Glaube an die göttliche Shakti muss immer hinter unserer Stärke stehen, und wenn sie sich manifestiert, muss er vorbehaltlos und vollständig sein oder sich dazu entwickeln. Es gibt nichts, das ihr, die die bewusste Macht und seit Ewigkeit all-erschaffend und mit der Allmacht des Geistes ausgestattete universale Göttin ist, unmöglich wäre. Alles Wissen, alle Stärke, jeder Triumph und Sieg, alle Fähigkeiten und Arbeiten liegen in ihren Händen, und sie sind voll der Schätze des Geistes und aller Vollkommenheiten und Siddhis. Sie ist Maheshwari, Göttin des höchsten Wissens, und bringt uns ihre Vision aller Arten und Vielfältigkeiten der Wahrheit, ihre Geradheit des spirituellen Willens, die Ruhe und Leidenschaft ihrer supramentalen Größe, ihre Seligkeit der Erleuchtung: sie ist Mahakali, Göttin der höchsten Kraft, und zu ihr gehören alle Stärke, spirituelle Kraft und strengste Askese spirituellen Bemühens, Bereitschaft zu Kampf und Sieg und das Lachen, das attahāsya, welches Niederlage, Tod und die Mächte der Unwissenheit ertragen lässt: sie ist Mahalakshmi, die Göttin der höchsten Liebe und Freude, und ihre Gaben sind die Gnade des Geistes, der Zauber und die Schönheit des Ananda, Schutz und jeder göttliche und menschliche Segen: sie ist Mahasaraswati, die Göttin überragender Fertigkeiten und der Arbeiten des Geistes, und zu ihr gehören der Yoga der Geschicklichkeit bei der Arbeit, yogah karmasu kauśalam, die nützlichen Instrumente göttlichen Wissens, die Anwendung der Vorgehensweise des Geistes im Leben und das Glück seiner Harmonien. Und in all ihren Kräften und Formen ist ihr die Meisterhaftigkeit der ewigen Ishwari eigen: eine prompte und göttliche Befähigung zu allen Handlungsweisen, die vom Instrument gefordert sein mögen, eine teilnehmende Sympathie und eine freie Identität mit allen Energien in allen Wesen und deshalb eine spontane und fruchtbare Harmonie mit allem göttlichen Willen im Universum. Das innige Gefühl ihrer Gegenwart und ihrer Kräfte und die erfüllte Zustimmung unseres ganzen Wesens zu ihrem Wirken im Innen und Außen ist die letzte Vervollkommnung des Glaubens an die Shakti.
Und hinter ihr steht der Ishwara, und der Glaube an ihn ist die wichtigste Sache in dem śraddhā des Integralen Yoga. Wir müssen diesen Glauben besitzen und vervollkommnen: dass alle Dinge das Wirken unter den Bedingungen eines zentralen Selbst-Wissens und einer höchsten Weisheit sind; dass nichts, was in uns oder um uns herum getan wird, vergeblich und ohne seine rechte Bedeutung ist oder an falscher Stelle geschieht; dass alle Dinge möglich sind, wenn der Ishwara als unser höchstes Selbst und unser höchster Geist die Aktion aufnimmt, und dass alles, was bisher getan wurde und alles, was er danach tun wird, Teil seiner unfehlbaren und vorausschauenden Leitung war und ist und die Verwirklichung unseres Yoga, unserer Perfektion und Lebensarbeit beabsichtigt. Dieser Glaube wird sich immer mehr als gerechtfertigt erweisen, wenn sich das höhere Wissen eröffnet; wir werden langsam die großen und kleinen Bedeutungen sehen, die unserem begrenzten Mental entgangen sind, und Glaube wird in Wissen übergehen. Dann werden wir zweifelsfrei erkennen, das alles im Wirken des einen Willens geschieht und dass jener Wille auch Weisheit war, weil er im Leben immer das richtige Wirken im Selbst und in der Natur entwickelt. Die höchste Stufe der Zustimmung des Wesens, die śraddhā, tritt ein, wenn wir die Präsenz des Ishwara spüren und unsere Existenz, unser Bewusstsein, Denken, Wollen und Handeln völlig als in seinen Händen liegend empfinden und in allen Dingen und jedem Teil unseres Selbst und unserer Natur dem direkten, immanenten und fordernden Willen des Geistes zustimmen. Und die höchste Vollkommenheit des śraddhā wird auch die Möglichkeit zu einer göttlichen Stärke und ihre perfekte Grundlage sein: wenn sie vollständig ist, wird sie die Entwicklung, Manifestation und das Wirken der leuchtenden supramentalen Shakti begründen.
Glaube im Herzen ist die dunkle und oft verzerrte Reflektion eines verborgenen Wissens. Der Glaubende wird häufig mehr von Zweifeln geplagt als der hartnäckigste Skeptiker. Er hält daran fest, weil es etwas Unterbewusstes in ihm gibt, welches weiß. Dies toleriert beides, seinen blinden Glauben und halbdunkle Zweifel, und steuert auf die Enthüllung dessen zu, was es weiß.