Kapitel 4

Glaube an sich selbst

Der von uns in seinem allgemeinen Prinzip und seiner ständigen besonderen Anwendung geforderte Glaube bedeutet eine weite und immer größere, reinere, umfassendere und stärkere Einwilligung aller Teile des ganzen Wesens in die Gegenwart und Führung Gottes und seiner Shakti. Dem Glauben an die Shakti – solange wir uns ihrer Gegenwart nicht bewusst und von ihr erfüllt sind – muss notwendigerweise ein fester und ganz lebendiger Glaube an unseren eigenen spirituellen Willen und unsere Energie und Kraft, uns erfolgreich auf Einheit, Freiheit und Perfektion zu zubewegen, vorangestellt oder wenigstens davon begleitet werden. Dem Menschen ist der Glaube an sich selbst, seine Ideen und Kräfte gegeben, damit er arbeiten, erschaffen und sich zu größeren Dingen erheben und schließlich seine Stärke als wertvolle Gabe auf den Altar des Geistes legen kann. Dieser Geist, sagt die Schrift, wird nicht von den Schwachen, nāyam ātmā balahīnena labhyah, erobert. Jedes selbstzerstörerische Selbstmisstrauen, jeder Zweifel an unserer Kraft Dinge zu erreichen, muss verhindert werden, denn das ist eine falsche Akzeptanz von Ohnmacht, eine Einbildung von Schwäche und eine Verneinung der Allmacht des Geistes. Eine gegenwärtige Unfähigkeit, wie schwer sie auch belasten mag, ist nur ein Test des Glaubens und eine temporäre Schwierigkeit. Und dem Gefühl der Unfähigkeit nachzugeben ist für den Suchenden des Integralen Yoga ein Unsinn, denn sein Ziel ist die Entwicklung einer Vervollkommnung, die schon latent im Wesen vorhanden ist, weil der Mensch den Samen des göttlichen Lebens in sich, in seinem Geist trägt. Die Möglichkeit des Erfolges ist in der Bemühung schon inhärent und impliziert, und Sieg ist sicher, weil der Ruf und die Führung einer allmächtigen Kraft dahinter stehen. Gleichzeitig muss dieser Glaube von allem rajasischen Egoismus und spirituellen Stolz gereinigt werden. Der Sadhak sollte immer so intensiv wie möglich daran denken, dass seine Stärke nicht die eigene im egoistischen Sinne ist, sondern die der göttlichen universalen Shakti. Und wenn immer sie egoistisch gebraucht wird, wird dies zu Einschränkungen führen und letztendlich ein Hindernis sein. Die Macht der hinter unserem Streben stehenden universalen Shakti ist unermesslich, und wenn sie zu Recht angerufen wird, kann sie sich nur in uns verströmen und jedes Unvermögen und Hindernis beseitigen, jetzt oder später; denn die Zeiten und Dauer unserer Anstrengungen, die anfangs instrumentell und teilweise von der Stärke unseres Glaubens und unseres Bemühens abhängig sind, liegen doch in den Händen des weise entscheidenden verborgenen Geistes, des alleinigen Meisters des Yoga, des Ishwara.

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