Kapitel 5

Das mentale Ego

So muss also der egoistische Wille im Denken und Handeln, wie wir schon gesehen haben, völlig aufgegeben werden, wenn wir im Yoga der göttlichen Werke vollkommen werden wollen. Wir müssen ihm gleichfalls entsagen, wenn wir im Yoga des göttlichen Wissens die Vollkommenheit erlangen wollen. Der Eigenwille ist in Wirklichkeit ein Egoismus im Mental, das mit starker Bindung die Objekte seiner Vorliebe, seine Gepflogenheiten, seine vergangenen und gegenwärtigen Formationen des Denkens, Betrachtens und Wollens festhält, weil es sie für sein Wesen oder für seinen Besitz hält. Darum spinnt es um sie die zarten Fäden des „Ich“ und des „Mein“ und lebt in ihnen wie eine Spinne in ihrem Netz. Dieser Ego-Wille wird böse, wenn er gestört wird, so wie die Spinne den Angriff auf ihr Netz hasst. Er fühlt sich fremd und unglücklich, wenn er in ganz neue Betrachtungsweisen und Gestaltungen versetzt werden soll, genau so wie eine Spinne sich in einem anderen als ihrem eigenen Netz fremd fühlt. Diese lebhafte Bindung muss aus dem Mental völlig ausgemerzt werden. Wir müssen nicht nur die gewöhnliche Haltung der Welt und dem Leben gegenüber aufgeben, an die sich das unerwachte Mental als an sein natürliches Element klammert. Wir dürfen auch an keine eigene oder fremde mentale Konstruktion, an kein intellektuelles Denksystem, an kein Schema religiöser Dogmen, an keine logischen Schlussfolgerungen gebunden bleiben. Wir müssen nicht nur die Fallstricke des Mentals und der Sinne durchschneiden, sondern müssen auch von den Fallen frei werden, die unserer Seele durch den Denker, den Theologen und Kirchengründer gestellt werden. Wir müssen frei sein vom Netz des Wortes und von der Gebundenheit durch die Idee. Das alles ist darauf aus, in uns den Geist durch Formen einzumauern.

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