Kapitel 4
Wie man den Gleichmut festigt – Mehr Details
Gleichmut hat zwei Seiten – die passive und die aktive
Es ist aus der Beschreibung des vollständigen, perfekten Gleichmuts ersichtlich, dass dieser Gleichmut zwei Seiten hat. Man muss ihn also durch zwei aufeinanderfolgende Schritte erreichen. Der eine wird uns vom Wirken der niederen Natur befreien und uns Zutritt zum ruhigen Frieden des göttlichen Wesens gewähren; der andere wird uns in das volle Sein und die Kraft der höheren Natur und uns zur gleichmütigen Haltung und Universalität eines göttlichen und unendlichen Wissens, Handlungswillens und Ananda führen. Den ersten kann man als passiven oder negativen Gleichmut beschreiben, als eine gleichmütige Akzeptanz, die den Einflüssen und Phänomenen des Seins passiv begegnet und die Dualität der Erscheinungen und Reaktionen, die sie uns auferlegen, negiert. Der zweite ist ein aktiver, ein positiver Gleichmut, der die Erscheinungen des Daseins akzeptiert – aber nur als Manifestationen des einen göttlichen Wesens – und mit einer Gelassenheit auf sie reagiert, die der göttlichen Natur in uns entspringt, und sie in ihre verborgenen Werte transformiert. Der erste lebt im Frieden des Brahman und legt die Natur der aktiven Unwissenheit ab. Der zweite lebt in diesem Frieden, aber ebenso im Ananda des Göttlichen, und erlegt dem Leben der Seele in der Natur die Zeichen göttlichen Wissens, göttlicher Macht und Seligkeit des Seins auf….
Drei mögliche Haltungen gegenüber einem passiven Gleichmut
Die Bemühung um einen passiven oder nur aufnahmebereiten Gleichmut kann von drei verschiedenen Prinzipien oder Haltungen ausgehen, die alle in letzter Konsequenz zum gleichen Ergebnis führen, – Ausdauer, Gleichmut und Ergebung.
Die Haltung der Ausdauer (Ein Weg des Willens)
Das Prinzip der Ausdauer baut auf die Stärke des inneren Geistes, alle Kontakte, Einwirkungen und Suggestionen dieser gewaltigen Natur, die uns von allen Seiten belagert, hinzunehmen, ohne von ihnen überwältigt und gezwungen zu sein, ihre emotionalen, sinnlichen, dynamischen und intellektuellen Reaktionen zu ertragen….
Die Seele, die Meisterschaft erstrebt, kann damit beginnen, diesen Reaktionen mit der Kraft eines starken und gleichmütigen Durchhaltevermögens entgegenzutreten. Statt zu versuchen, sich vor ihnen zu schützen oder die unangenehmen Einflüsse zu meiden oder zu sie fliehen, kann sie ihnen ins Auge sehen und sich darin schulen, sie mit Durchhaltewillen, Tapferkeit und einem wachsenden Gleichmut oder einer entsagenden oder ruhigen Akzeptanz zu ertragen. Diese Haltung, diese Disziplin bringt drei Ergebnisse hervor, drei Kräfte der Seele den Dingen gegenüber. Als Erstes zeigt sich, dass das vorher Unerträgliche leicht auszuhalten ist und das Maß der Kraft, die dem Einfluss entgegentritt, sich vergrößert. Der Einfluss oder seine zunehmende Häufigkeit braucht immer größere Kraft, um Probleme, Schmerz, Kummer, Abneigung oder irgendetwas aus dem Spektrum der unerfreulichen Reaktionen zu verursachen. Zweitens stellt man fest, dass die bewusste Natur sich in zwei Teile teilt, einen der normalen mentalen und emotionalen Natur, in dem die gewohnten Reaktionen fortlaufend stattfinden, und einen anderen des höheren Willens und der Vernunft, der beobachtet und von den Leidenschaften dieser niederen Natur nicht gestört oder beeinträchtigt ist, sie nicht als zu sich gehörig empfindet, sie nicht akzeptiert, duldet oder sich an ihnen beteiligt. Dann beginnen die Reaktionen der niederen Natur ihre Kraft und Macht zu verlieren, sich den Einflüssen von Ruhe und Stärke der höheren Vernunft und des Willens zu unterwerfen, und allmählich nehmen diese Ruhe und Stärke das mentale, emotionale Wesen und sogar die Sinne, das Vital und den Körper in Besitz. Dies bringt die dritte Kraft hervor, die durch das Erdulden und die Beherrschung, Abtrennung und Zurückweisung der niederen Natur die normalen Reaktionen ablegt und sogar – wenn wir wollen – alle unsere Formen der Erfahrung durch die Stärke des Geistes umgestaltet. Diese Methode wird nicht nur bei den unerfreulichen, sondern auch den erfreulichen Reaktionen angewandt; die Seele weigert sich, sich ihnen zu überlassen oder von ihnen mitgerissen zu werden. Sie erträgt mit Ruhe die Einflüsse, welche Freude und Vergnügen bereiten, lehnt es ab, von ihnen aufgewühlt zu werden und ersetzt die Freude und das erwartungsvolle Suchen des Mentals nach angenehmen Dingen durch die Ruhe des Geistes. Diese Methode kann auch auf das denkende Mental angewendet werden und ein ruhiges Annehmen des Wissens und der Grenzen des Wissens bewirken. Es weigert sich, von der Faszination attraktiver gedanklicher Suggestionen hinweggetragen oder von ungewohnten oder unangenehmen gedanklichen Einflüsterungen abgestoßen zu werden. Sie erwartet mit unvoreingenommenem Beobachten die Wahrheit, was ihr erlaubt, einen starken, selbstlosen und überwindenden Willen und Verstand auszubilden. So wird die Seele allmählich in allen Dingen gleichmütig, selbstbeherrscht und fähig, der Welt mit einem starken gewappneten Mental und einer ungestörten Gelassenheit entgegenzutreten.
Die Haltung der Interesselosigkeit (Ein Weg des Wissens)
Der zweite Weg ist eine Haltung unparteiischer Interesselosigkeit. Seine Methode besteht darin, die Anziehungskräfte oder Abstoßungskräfte der Dinge sofort zurückzuweisen, ihnen gegenüber eine leuchtende Passivität zu kultivieren, eine bremsende Zurückweisung, eine Gewohnheit der Distanzierung und des Nichtbenötigens. Diese Haltung beruht weniger auf Willen – obschon der Wille immer notwendig ist – als auf Wissen. Es ist eine Haltung, die diese Leidenschaften des Mentals als Illusionen betrachtet, die durch den äußeren mentalen Geist oder die minderen Regungen, die der ruhigen Wahrheit des einen und gelassenen Geistes nicht wert sind, oder durch eine vitale oder emotionale Verstörung verursacht worden sind, und vom ruhigen, beobachtenden Willen und der leidenschaftslosen Intelligenz des Weisen zurückgewiesen werden müssen. Sie befreit das Mental von Begehren, legt das Ego ab, das den Dingen diese zweifachen Werte zuschreibt (Attraktion und Abstoßung), und ersetzt das Begehren durch einen unparteiischen und gleichmütigen Frieden und das Ego durch das reine Selbst, welches von den Einflüssen der Welt nicht gestört, erregt oder behindert ist. Und nicht nur das emotionale Mental ist beruhigt, sondern auch das intellektuelle Wesen weist die Gedanken der Unwissenheit zurück und erhebt sich über die Interessen eines niederen Wissens zu der einen Wahrheit, die ewig und unwandelbar ist. Auch dieser Weg entwickelt drei Resultate oder Kräfte, durch die er zum Frieden führt.
Zuerst sieht man, dass das Mental aus freien Stücken an die kleinen Freuden und Leiden des Lebens gebunden ist, und dass es in Wirklichkeit aber von ihnen nicht festgehalten werden kann, wenn die Seele es einfach vorzieht, ihre Gewohnheit abzulegen, hilflos von äußeren und vergänglichen Dingen bestimmt zu werden. Zweitens zeigt sich, dass auch hier eine Trennung, eine psychologische Scheidewand errichtet werden kann zwischen dem niederen oder äußeren Mental, das noch den alten gewohnten Kontakten untertan ist, und dem höheren Verstand und Willen, der von ihnen Abstand nimmt, um in der gleichmütigen Ruhe des Geistes zu leben. Anders ausgedrückt: es überkommt uns dann eine innere, abgesonderte Stille, die den Tumult der niederen Anteile beobachtet, ohne daran teilzunehmen oder sie zu unterstützen. Zuerst mag der höhere Verstand und Wille oft bewölkt und beeinflusst und das Mental vom Aufstacheln der niederen Anteile mitgerissen sein, aber schließlich wird diese Stille unbezwingbar und dauerhaft und kann von den stürmischsten Berührungen nicht mehr erschüttert werden, na duhkhena gurunapi vicalyate. Die innere ruhige Seele betrachtet den Aufruhr des äußeren Mentals mit einer losgelösten Überlegenheit oder einer vorübergehenden unbetroffenen Nachgiebigkeit, mit der man den kleinen Freuden und Kümmernissen eines Kindes begegnen kann. Sie sieht sie als nicht zu sich gehörig oder als auf irgendeiner dauerhaften Wirklichkeit beruhend an. Und schließlich akzeptiert auch das äußere Mental allmählich diese ruhige und gleichmütige Gelassenheit. Es hört auf, von diesen Dingen, die es verlockten, angezogen oder von Kummer und Schmerzen, denen es vorher gewohnheitsmäßig eine irreale Wichtigkeit zumaß, verstört zu sein. So entwickelt sich die dritte Kraft, eine alles durchdringende Kraft weiter Ruhe und Frieden, eine Seligkeit des Befreitseins vom Ansturm unserer aufgezwungenen fantastischen selbstquälerischen Natur, ein tiefes ungestörtes außerordentliches Glück über die Berührung durch das Ewige und Unendliche, das den Unfrieden und Tumult vergänglicher Dinge durch seine Beständigkeit ersetzt, brahmasamsparsam atyantam sukham asnute. Die Seele ruht in der Freude des Selbst, atmaratih, in dem einzigen und unendlichen Ananda des Geistes, und jagt nicht mehr den äußeren Berührungen mit ihren Kümmernissen und Freuden nach. Sie beobachtet die Welt nur wie der Zuschauer eines Spiels oder einer Handlung, an der sie nicht mehr teilnehmen muss.
Die Haltung der Ergebung in Gottes Willen (Ein Weg des Herzens)
Der dritte Weg ist der des Gehorsams, der die christliche Ergebung, gegründet auf Unterwerfung unter den Willen Gottes, oder ein uneigennütziges Annehmen der Dinge und Ereignisse als Manifestationen des universalen Willens in der Zeit sein mag. Er kann auch in einer vollständigen Hingabe der Person an das Göttliche, den höchsten Purusha, bestehen. Wie der erste ein Weg des Willens und der zweite ein Weg des Wissens, der verstehenden Vernunft ist, so ist dies ein Weg des Temperaments und Herzens und sehr innig mit dem Prinzip der Bhakti verbunden. Geht man ihn bis zum Ende, führt er zum gleichen Ergebnis perfekter Gelassenheit. Denn der Knoten des Egos ist gelöst und der persönliche Anspruch beginnt zu schwinden. Wir bemerken, dass wir nicht länger an Freude über angenehme oder an Kummer über unerfreuliche Dinge gebunden sind. Wir ertragen beide ohne ungeduldiges Entgegennehmen oder beunruhigte Ablehnung. Wir verweisen alles an den Herrn unseres Wesens, befassen uns immer weniger mit seinen Auswirkungen auf uns und halten nur an etwas Wichtigem fest: uns Gott zu nähern oder in Kontakt und auf gleicher Wellenlänge mit der universalen und unendlichen Existenz oder mit dem Göttlichen vereint zu sein als sein Kanal, Instrument, Diener, Geliebter, der sich an ihm und der Beziehung zu ihm als alleinigem Objekt seiner Freude oder Sorge erfreut. Auch hier mag es für einige Zeit zwischen dem niederen Mental mit seinen gewohnten Emotionen und dem höheren seelischen Mental der Liebe und Selbsthingabe eine Trennung geben, aber schließlich gibt das niedere nach, wandelt und transformiert sich, wird überwältigt von der Liebe, Freude und Seligkeit des Göttlichen und hat keine anderen Interessen oder Anziehungspunkte. Dann ist innen alles gleichmütiger Frieden und Wonne dieses Einsseins, eine stille Seligkeit, die alles Verstehen übersteigt, ein vom Drängen niederer Dinge unberührter Frieden, welcher in den Tiefen unserer spirituellen Existenz wohnt.
Diese drei Wege fließen zusammen trotz ihrer verschiedenen Ausgangspunkte: erstens durch ihr Unterbinden der normalen Reaktionen des Mentals auf die Kontakte mit äußeren Dingen, bahya-sparsan, zweitens durch ihre Trennung des Selbst oder Geistes von der äußeren Aktion der Natur.
Der positive und aktive Gleichmut
…es ist offensichtlich, dass unsere Vervollkommnung größer und umfassender ist, wenn wir einen aktiveren Gleichmut haben können, der uns befähigt, uns nicht nur von der Welt abzuwenden oder ihr mit einer losgelösten und zurückgezogenen Ruhe gegenüberzutreten, sondern zu ihr zurück zu kommen und sie in der Macht des stillen und gleichmütigen Geistes zu besitzen. Dies ist möglich, weil die Welt, die Natur und das Handeln in der Tat keine voneinander getrennten Dinge sind, sondern eine Manifestation des Selbst, der All-Seele, des Göttlichen. Die Reaktionen des normalen Mentals sind eine Degradierung der göttlichen Werte, die uns – ohne die Herabwürdigung – diese Wahrheit sichtbar machen würden: eine Verfälschung, eine Unwissenheit, die ihr Wirken verändert, eine Unwissenheit, die bei der Involution des Selbst in ein blindes materielles Nicht-Wissen beginnt. Wenn wir einmal zum vollen Bewusstsein des Selbst, Gottes, zurückkehren, dann können wir den Dingen einen wahren göttlichen Wert geben und sie mit der Ruhe, Freude, dem Wissen und sehenden Willen des Geistes empfangen und auf sie einwirken. Wenn wir anfangen, das zu tun, beginnt die Seele, eine gelassene Freude am Universum, einen geduldigen Willen im Handeln mit allen Energien und ein ruhiges Wissen zu haben, das die spirituelle Wahrheit hinter allen Phänomenen dieser göttlichen Manifestation begreift. Es besitzt die Welt, so wie das Göttliche sie besitzt, in einer Fülle des unendlichen Lichts, der Macht und des Ananda.
Der ganzen Existenz kann man deshalb durch einen Yoga positiven und aktiven, statt negativen und passiven Gleichmuts begegnen.
Die Methode des positiven Gleichmuts
Sie benötigt zuallererst ein neues Wissen, welches die Kenntnis der Einheit ist, – d.h. alle Dinge als das eigenen Selbst und in Gott zu sehen und Gott in allen Dingen zu erkennen. Dann ist ein Wille da, alle Phänomene, Vorfälle und Ereignisse, alle Personen und Kräfte als Masken des Selbst zu akzeptieren und als Bewegungen der einen Energie anzusehen, als Resultate der einen agierenden Macht, die von der einen göttlichen Weisheit beherrscht wird. Und auf der Grundlage dieses von größerem Wissen geleiteten Willens erwächst eine Stärke, allem mit ungestörter Seele und ruhigem Mental entgegenzutreten. Es muss eine Identifikation meiner selbst mit dem Selbst des Universums geben, eine Vision und ein Gefühl der Einheit mit allen Geschöpfen, ein Erkennen aller Kräfte, Energien und Resultate als Bewegung dieser Energie meines Selbst und deshalb ganz innig meine eigenen, – natürlich nicht meines Ego-Selbst, das stillgelegt, getilgt und weggeworfen werden muss, – sonst kann diese Vervollkommnung nicht kommen, – sondern eines größeren, unpersönlichen oder universalen Selbst, mit dem ich jetzt eins bin. Denn meine Persönlichkeit ist jetzt nur ein Handlungszentrum jenes universalen Selbst, doch ein Zentrum, das innig in Verbindung und Einheit mit allen anderen Persönlichkeiten und auch all jenen anderen Dingen steht, die für uns nur unpersönliche Objekte und Kräfte sind. Diese sind tatsächlich aber auch Kräfte der einen unpersönlichen Person (Purusha), Gottes, des Selbst und des Geistes. Meine Individualität ist seine und nicht länger etwas, das mit dem universalen Sein inkompatibel oder von ihm getrennt ist. Sie ist selbst universalisiert, eine Kennerin des universalen Ananda, eins mit allem und eine Liebhaberin all dessen, was sie kennt, genießt und auf was sie einwirkt. Denn zum gleichmütigen Kennen des Universums und dem gelassenen Willen, es zu akzeptieren, wird eine ebensolche Freude an allen kosmischen Manifestationen des Göttlichen hinzugefügt.
Drei Ergebnisse dieser Methode
Auch hier können wir drei Ergebnisse der Methode beschreiben. Erstens entwickeln wir diese Kraft gleichmütiger Akzeptanz im Geist, in der höheren Vernunft und im Willen, die auf das spirituelle Wissen antworten. Aber wir sehen auch, dass, obschon die Natur veranlasst werden kann, diese generelle Haltung anzunehmen, es doch noch ein Ringen zwischen dem höherem Verstand und Willen und dem niederen mentalen Wesen gibt, welches an der alten egoistischen Weltsicht hängt und auf ihre Einflüsse reagiert. Dann sehen wir, dass diese beiden – obschon zuerst verwirrt, miteinander vermischt, sich abwechselnd, aufeinander einwirkend und nach Vorherrschaft strebend – getrennt werden können: die höhere spirituelle von der niederen mentalen Natur. Aber auf dieser Stufe, während das Mental noch Reaktionen von Kummer, Ringen und geringerer Freude und Vergnügen unterworfen ist, gibt es eine größere Schwierigkeit, die in einem genau individualisierten Yoga nicht im selben Maß auftritt. Denn das Mental spürt nicht nur seine eigenen Kämpfe und Schwierigkeiten, sondern hat Teil an den Freuden und Leiden anderer. Es schwingt in einer ergreifenden Sympathie, fühlt ihre Schläge mit einer feinen Sensibilität und macht sie sich zu Eigen. Doch nicht nur das, – die Probleme anderer kommen zu den eigenen dazu, und die der Vervollkommnung entgegenstehenden Kräfte wirken mit größerer Beharrlichkeit, weil sie spüren, dass in diesem Moment ein Angriff auf ihr universalen Königreich und ein Versuch es zu besiegen stattfindet, und es nicht nur die Flucht einer isolierten Seele vor ihrem Imperium ist. Aber schließlich sehen wir auch, dass eine Kraft kommt, um diese Schwierigkeiten zu überwinden; der höhere Verstand und Wille verschaffen sich Einfluss auf das niedere Mental, das sich vernünftigerweise in die vielen Ausprägungen der spirituellen Natur verwandelt. Es freut sich sogar daran, alle Kämpfe, Hindernisse und Schwierigkeiten zu spüren, ihnen die Stirn zu bieten und sie zu überwinden, bis sie durch seine eigene Transformation beseitigt sind. Dann lebt das ganze Wesen in einer endgültigen Kraft, in der universalen Ruhe und Freude und dem erkennenden Entzücken und Willen des Geistes im Innern und in der Manifestation.
Die zweifache Orientierung der passiven und aktiven Gelassenheit
Der Integrale Yoga möchte beide Methoden, die passive und die aktive, entsprechend den Bedürfnissen der Natur und der Führung des inneren Geistes, des Antaryamin, nutzen. Er wird sich nicht durch den passiven Weg einschränken, denn das würde nur zu einem individuellen quietistischen Seelenheil oder zur Ablehnung eines aktiven und universalen spirituellen Wesens führen, was mit der Totalität seines Ziels nicht übereinstimmte.
Er wird die Methode des Durchhaltens anwenden, aber nicht bei einer losgelösten Stärke und Gelassenheit anhalten, sondern sich auf eine positive Stärke und Meisterschaft hin bewegen, bei der Erdulden nicht mehr notwendig ist, weil das Selbst dann auf spontane, ruhige und machtvolle Weise die universale Energie besitzt und in dem Einssein und Ananda alle ihre Reaktionen leicht und glücklich lenken kann….
Er wird die Methode unparteiischen Gleichmuts anwenden, aber nicht bei einer unnahbaren Interesselosigkeit allem gegenüber enden, sondern vielmehr auf eine hohe unparteiische Akzeptanz des Lebens hin arbeiten, die stark genug ist, alles Erleben in die größeren Werte des gleichmütigen Geistes zu verwandeln….
Er wird auch zeitweise Resignation und Unterwerfung nutzen, aber durch die volle Hingabe des persönlichen Wesens an das Göttliche den alles umfassenden Ananda erreichen, in dem Resignation nicht nötig ist. Und er wird zur vollkommenen Harmonie mit dem Universalen gelangen, die nicht bloß eine Inkaufnahme, sondern ein umarmendes Einssein ist, sowie zur perfekten Unterwerfung des natürlichen Selbst unter das Göttliche und zu dessen Nutzen, wodurch das Göttliche ebenfalls vom individuellen Geist verinnerlicht wird….
Er wird die positive Methode umfassend anwenden, aber über jedes individuelle Akzeptieren der Dinge hinausgehen, das die Wirkung einer Verwandlung der Existenz in ein Feld bloßen vervollkommneten individuellen Wissens, der Macht und des Ananda hätte. Er wird sie besitzen, aber auch das Einssein verwirklichen, durch das er im Sein anderer leben kann: für ihr Wohlergehen und nicht nur für das eigene, zu ihrer Unterstützung und als eines ihrer Handlungsmittel, als begleitende und helfende Kraft auf dem Weg zu der gleichen Vervollkommnung.
Er wird für das Göttliche leben, nicht das Leben in der Welt ablehnen, nicht an die Erde, die Himmel oder eine überkosmische Befreiung gebunden sein, sondern gleichermaßen eins sein mit dem Göttlichen auf allen seinen Ebenen und fähig, in ihm gleichermaßen im Selbst wie auch in der Manifestation zu leben.
Keine Freude, keine Energie. Ich mag weder lesen noch schreiben – als ob ein toter Mann herumlaufen würde. Könnt ihr die Lage verstehen? Habt ihr persönliche Erfahrungen gemacht?
Ich verstehe das: oft hatte ich selber sehr starke [Depressionen]. Darum rate ich Leuten, die sie haben, sich abzulenken und sich an die Arbeit zu machen.
Da man sich die Zeit irgendwie vertreiben muss, was soll man tun? Trübsinnig das Kreuz tragen und auf eine Auferstehung hoffen?
Wenn es dir gelingt dich aufzumuntern und zusammenzureißen et cetera, sage dir: „Rom wurde nicht in einem Tag erbaut“, – und wenn das nicht möglich ist, bleibe resigniert, bis die Sonne aufgeht und die kleinen Vögel zwitschern, – und alles ist gut.
Es sieht aber so aus, als ob du ein Training in Vairagya [Leidenschaftslosigkeit] machst. Ich selber kümmere mich nicht sehr um Vairagya, – habe diese gemeine Sache immer gemieden, musste aber teilweise doch hindurchgehen, bis ich auf Samata als den besseren Trick stieß. Aber Samata ist schwierig, Vairagya ist einfach, nur verdammt düster und ungemütlich.