Kapitel 4
Menschliche Beziehungen im Yoga
Worte Sri Aurobindos
Persönliche Beziehungen gehören nicht zu diesem Yoga. Erst wenn man die Einung mit dem Göttlichen erlangt hat, kann man eine wahre spirituelle Beziehung zu anderen aufnehmen.
Worte Sri Aurobindos
Das innere Wesen, das dem Göttlichen zugewandt ist, zieht sich natürlich von den alten vitalen Beziehungen, von äußeren Bewegungen und Kontakten zurück, bis es auch in das äußere Wesen ein neues Bewusstsein bringen kann.
Worte Sri Aurobindos
In dem Maße wie die Liebe zum Göttlichen wächst, hören die anderen Dinge auf, das Mental zu beunruhigen.
Worte Sri Aurobindos
Wenn die Liebe zum Göttlichen von einem Wesensteil Besitz ergreift, beeinflusst sie diesen sich dem Göttlichen zuzuwenden – wie du es als „Konzentration auf die Mutter“ beschreibst –, und am Ende ist das ganze Wesen um diese zentrale Wende versammelt und harmonisiert. Schwierigkeiten bereiten nur die mechanischen Wesensteile, in denen die alten Gedanken gewohnheitsmäßig weiterhin ablaufen. Wenn aber die Konzentration fortwährend wächst, wird dies zu etwas Bedeutungslosem an der Peripherie des Mentals und hört schließlich auf zu bestehen, um durch Dinge ersetzt zu werden, die dem neuen Bewusstsein angehören.
Worte Sri Aurobindos
Es gibt eine Liebe, in der die Emotion in einer zunehmenden Empfangsbereitschaft und in wachsendem Einssein die Hinwendung zum Göttlichen vollzieht. Was sie vom Göttlichen empfängt, strömt sie auf andere aus, doch frei, ohne etwas zurückzufordern – wenn du hierzu fähig bist, dann ist das der höchste und befriedigendste Weg der Liebe.
Worte Sri Aurobindos
Jede Veränderung muss von innen her durch die fühlbare oder verborgene Unterstützung der Göttlichen Macht stattfinden; nur indem man sich ihr innerlich öffnet, kann man Hilfe empfangen und nicht durch mentalen, vitalen oder physischen Kontakt mit anderen.
Worte Sri Aurobindos
Es stimmt, ein zu enger Verkehr mit anderen, wenn sie nicht die richtige Einstellung haben und zu sehr im Vital leben, trägt dazu bei, den Bewusstseins-Zustand zu senken. Bei all deinen Kontakten ist in erster Linie wichtig, in dir zu bleiben, eine distanzierte Haltung zu bewahren und dir nicht zu erlauben, dich durch die Schwierigkeiten in der Arbeit und in den Begegnungen mit Menschen beunruhigen zu lassen, sondern in dir selbst die wahre Einstellung zu bewahren. Lass dich nicht von dem Wunsch verleiten, anderen zu „helfen“, sondern tue und sage das Richtige in innerer Ausgewogenheit; überlasse es dem Göttlichen, ihnen zu helfen. Niemand vermag wahrhaft zu helfen – nur die Göttliche Gnade vermag es.
Worte Sri Aurobindos
Ja, deine guten und schlechten Gedanken können eine gute oder schlechte Auswirkung auf andere haben; sie haben das zwar nicht immer, da sie nicht immer kraftvoll genug sind – es ist aber die allgemeine Tendenz. Daher wird von jenen, die dieses Wissen haben, immer betont, dass wir uns schlechter Gedanken über andere enthalten sollen. Es ist richtig, dass zu dem Mental in seinem gewöhnlichen Zustand beide Arten von Gedanken [gute und böse] in gleicher Weise kommen; wenn aber der mentale Geist und der mentale Wille gut entwickelt sind, kann man seine Gedanken, genau wie die Taten, kontrollieren und die schlechten an ihrem Spiel hindern. Diese mentale Kontrolle ist aber für den Sadhak nicht genug. Er muss einen ruhigen mentalen Geist erlangen und darf in der Stille des Mentals nur göttliche Gedankenkräfte oder andere göttliche Kräfte empfangen und sich zu ihrem Wirkungsbereich und Instrument machen.
Um den mentalen Geist zum Schweigen zu bringen, genügt es nicht, jeden aufkommenden Gedanken abzuweisen – das kann nur eine untergeordnete Bewegung sein. Man muss von allem Denken zurückstehen, sich davon ablösen und ein schweigendes Bewusstsein entwickeln, das die Gedanken, wenn sie kommen, beobachtet, das aber nicht selbst denkt oder sich mit den Gedanken identifiziert. Gedanken müssen völlig als äußere Dinge angesehen werden. Es ist dann leichter, sie zurückzuweisen oder vorbeiziehen zu lassen, ohne dass sie die Stille des Mentals stören.
Sich nicht beeinflussen zu lassen, weder durch Freude oder Schmerz, noch durch Gefallen oder Missfallen, noch durch das, was die Leute sagen oder tun, noch durch irgendwelche anderen äußeren Dinge, wird im Yoga als Zustand des samata, des Gleichmuts gegenüber allen Dingen, bezeichnet. Es ist von ungeheurer Wichtigkeit, diesen Zustand in der Sadhana zu erreichen. Er fördert das Eintreten der mentalen und vitalen Ruhe und des mentalen und vitalen Schweigens. Tatsächlich bedeutet es, dass das Vital selbst und das vitale Mental bereits zum Schweigen gelangen und ruhig werden. Das denkende Mental wird mit Sicherheit folgen.