Kapitel 3
Anderen Menschen helfen
Worte der Mutter
Anderen zu helfen ist der beste Weg, sich selbst zu helfen. Denn wenn du aufrichtig bist, wirst du bald entdecken, dass alle ihre Schwierigkeiten und alle ihre Misserfolge die sicheren Zeichen für den gleichen entsprechenden Mangel in dir sind. Tatsächlich beweisen diese Mängel, dass etwas in dir nicht vollkommen genug ist, um allmächtig zu sein.
Worte der Mutter
Keine noch so gut ausgebaute materielle Organisation ist in der Lage, eine Lösung für das Elend des Menschen zu finden.
Der Mensch muss sich auf eine höhere Bewusstseinsstufe erheben und sich von seiner Unwissenheit, seiner Begrenztheit und seinem Egoismus befreien, um auch seine Leiden loszuwerden.
Worte der Mutter
Die Welt wird sich nur in dem Maße verbessern, wie wir uns selbst verbessern. Die vedantische Wahrheit, dass die Welt nur eine Projektion – eine Folge – unseres Bewusstseins ist, ist ebenso pragmatisch wie spirituell zutreffend. Die Übel, unter denen die Menschheit leidet – kollektiv und individuell – rühren von den Fehlern her, die unserer unwissenden Wesensart zugrunde liegen. Wir müssen von diesen Übeln geläutert werden – zuallererst jeder für sich –, wenn wir jemals hoffen wollen, eine reine äußere Welt zu sehen. Ein Yoga der Selbstläuterung ist die Vorbedingung für einen Yoga der Vollkommenheit.
Worte der Mutter
Wenn du wahrhaftig gewandelt bist, wird sich auch alles um dich herum verändern.
Worte der Mutter
Ich wollte fragen, welches ist die beste Einstellung? Eine des Eingreifens oder eine des Gehenlassens? Welche ist besser?
Ah, genau, um einzugreifen muss man sicher sein, dass man recht hat; man muss sicher sein, dass seine Schau der Dinge höher, besser oder wahrer ist als die der anderen. Es ist wohl immer weiser, nicht einzugreifen – die Leute greifen für nichts und wieder nichts ein, einfach weil sie gewohnt sind, ihre Meinung anderen zum besten zu geben.
Sogar wenn man die Schau vom Wahren hat, ist es selten weise einzugreifen. Das wird erst dann unumgänglich, wenn jemand etwas tun will, das notgedrungen mit einer Katastrophe enden würde. Und selbst dann (lächelnd) ist das Eingreifen nicht sehr erfolgreich.
Im Grunde ist es nur dann berechtigt einzugreifen, wenn man absolut sicher ist, die Wahrheitsschau zu haben. Und nicht bloß das, sondern auch die klare Schau der Folgen. Um in das Tun eines anderen einzugreifen, muss man ein Prophet sein – ein Prophet. Und zwar ein Prophet mit völligem Wohlwollen und Erbarmen. Man muss die Schau davon haben, was das Eingreifen im Schicksal des anderen bewirken würde. Die Leute sind ja ständig dabei, einander Ratschläge zu erteilen: „Tue dies, tue das nicht“; sie stellen sich nicht vor, in welchem Maße sie Verwirrung anrichten, die Verwirrung, die Unordnung vergrößern.
Und manchmal schaden sie der normalen Entwicklung. Ich erachte Meinungen für etwas, das in jedem Fall gefährlich ist und zumeist ohne den geringsten Wert.
Man dürfte sich in die Angelegenheiten eines anderen nur dann einmischen, wenn man unendlich viel weiser ist als der andere (natürlich hält man sich immer für weiser!), ich will aber sagen, nicht seiner eigenen Meinung nach, sondern objektiv; wenn man mehr sieht, besser sieht und selbst über den Leidenschaften, Begierden und blinden Reaktionen steht. Man muss selbst über alldem stehen, um das Recht zu haben, in das Leben eines anderen einzugreifen – sogar wenn er es von einem verlangt. Und wenn er es nicht verlangt, dann bedeutet es einfach, sich in etwas einzumischen, das einen nichts angeht.