Kapitel 3

Handbuch des Glaubens im Yoga

(Der fundamentale Glaube, den der Aspirant des Yoga haben muss)

Der fundamentale, der Seele innewohnende Glaube im Yoga beinhaltet Folgendes: Glaube, dass das Göttliche existiert, und dass das Göttliche das einzige ist, dem man folgen muss, – im Vergleich dazu ist nichts anderes im Leben wert besessen zu werden. So lange der Mensch diesen Glauben hat, ist er für das spirituelle Leben vorgesehen, und ich sage, dass, auch wenn seine Natur mit Hindernissen, Weigerungen und Problemen vollgepackt ist, und sogar wenn er viele Jahre kämpfen muss, er doch für ein erfolgreiches spirituelles Leben geeignet ist.

Du musst diesen Glauben entwickeln, – einen Glauben, der mit Vernunft und gesundem Menschenverstand übereinstimmt, – dass, wenn das Göttliche existiert und dich auf diesen Weg gerufen hat (wie offenkundig ist), es eine Göttliche Führung dahinter geben muss, und du ungeachtet aller Schwierigkeiten ans Ziel gelangen wirst. Nicht den feindlichen Kräften glauben, die Scheitern suggerieren, oder den Stimmen ungeduldiger vitaler Eile, welche jene zitieren; nicht glauben, dass es wegen großer Schwierigkeiten keinen Erfolg geben kann oder dass das Göttliche sich niemals zeigen wird, weil es sich bis jetzt nicht gezeigt hat, sondern die Haltung einnehmen, die jeder einnimmt, wenn er seinen Geist auf ein großes und schwieriges Ziel richtet: „Ich werde weitermachen, bis ich Erfolg habe – trotz aller Schwierigkeiten.“ Der an das Göttliche Glaubende fügt dem hinzu: „Das Göttliche existiert. Wenn ich dem Göttlichen folge, kann ich nicht scheitern. Ich werde weitermachen, bis ich es finde.“

Es gibt einen Glauben, der im integralen Yoga als unerlässlich angesehen wird, und er mag beschrieben werden als Glaube an Gott und die Shakti, als Glaube an die Gegenwart und Macht des Göttlichen in uns und in der Welt, als Glaube, dass alles in der Welt das Wirken der einen göttlichen Shakti ist, dass alle Schritte des Yoga, seine Bemühungen und Leiden und Fehlschläge ebenso wie seine Erfolge, Erfüllungen und Siege nützlich und notwendig in ihrem Wirken sind, und dass wir mit einer festen und starken Bindung und einer vollkommenen Selbsthingabe an das Göttliche und seine Shakti in uns Einheit und Freiheit und Sieg und Vollkommenheit erlangen können.

Es gibt zwei Arten des Glaubens:

Den Glauben, der Gleichmut herabruft und den Glauben, der Verwirklichung herabruft.

Diese beiden Arten des Glaubens korrespondieren mit zwei verschiedenen Aspekten des Göttlichen.

Es gibt das Transzendente Göttliche und das Kosmische Göttliche.

Der Wille zur Verwirklichung ist jener des Transzendenten Göttlichen.

Das Kosmische Göttliche ist mit dem aktuellen Ausarbeiten der Dinge unter den gegebenen Umständen befasst. Es ist der Wille jenes Kosmischen Göttlichen, der in jedem Umstand, jeder Bewegung dieser Welt manifestiert ist.

Für unser gewöhnliches Bewusstsein ist der Kosmische Wille nicht etwas, das als unabhängige Macht handelt und tut, was immer es wählt; er wirkt durch alle diese Wesen, durch die in der Welt spielenden Kräfte und das Gesetz dieser Kräfte und deren Resultate. – Nur wenn wir uns öffnen und aus dem normalen Bewusstsein heraustreten, können wir spüren, dass er als unabhängige Macht eingreift und sich über das gewöhnliche Kräftespiel hinwegsetzt.

Dann können wir auch sehen, dass der Göttliche Wille sogar im Spiel der Kräfte und trotz ihrer Entstellungen auf die letztliche Verwirklichung des Willens des Transzendenten Göttlichen hinarbeitet.

Die supramentale Verwirklichung ist der Wille des Transzendenten Göttlichen, den wir ausarbeiten müssen. Die Umstände, unter denen wir ihn ausarbeiten sollen, sind jene eines niedrigeren Bewusstseins, in welchem Dinge durch unsere Unwissenheit, Schwächen und Fehler und durch das Aufeinanderprallen widersprüchlicher Kräfte verfälscht werden können. Aus diesem Grund sind Glaube und Gleichmut unerlässlich.

Wir müssen den Glauben haben, dass trotz unserer Unwissenheit, Irrtümer und Schwächen, trotz der Angriffe feindlicher Kräfte und trotz jeden Anscheins unmittelbaren Scheiterns der Göttliche Wille uns durch alle Gegebenheiten zur letztlichen Verwirklichung führt. Dieser Glaube wird uns Gelassenheit geben; es ist ein Glaube, der das akzeptiert, was geschieht – nicht als etwas Endgültiges, sondern als etwas, durch das man auf dem Weg gehen muss. Ist Gleichmut einmal gefestigt, kann – durch ihn unterstützt – auch eine andere Art Glaube etabliert werden, welcher durch einen Einfluss des supramentalen Bewusstsein dynamisiert werden kann und die gegenwärtigen Umstände überwinden und zukünftiges Geschehen bestimmen und helfen kann, die Verwirklichung des Willens des Transzendenten Göttlichen herabzubringen.

Der auf das Kosmische Göttliche gerichtete Glaube ist in der Kraft seines Wirkens durch die Notwendigkeiten des Spiels begrenzt.

Um von diesen Einschränkungen absolut frei zu werden, muss man das Transzendente Göttliche erreichen.

Es gibt einen höheren verborgenen transzendenten Willen hinter dem Spiel und Willen der kosmischen Kräfte – einem Spiel, das immer eine Mischung aus günstigen und widrigen Dingen ist, – und es ist jener Wille, den man beachten und an den man glauben muss…

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