Kapitel 4

Die zweite Voraussetzung – Integraler Glaube (Mentaler Vorsatz ist nicht genug)

Mutter, kann man es durch mentales Bemühen erreichen – zum Beispiel, den Entschluss bei Krankheit keine Medikamente einzunehmen – dies dem Körper verständlich zu machen?

Das genügt nicht. Ein mentaler Vorsatz reicht nicht aus, nein. In deinem Körper gibt es eine feine Reaktion, die dem mentalen Entschluss nicht gehorcht, – es ist nicht genug. Etwas anderes ist notwendig.

Andere Bereiche müssen angesprochen werden. Es braucht eine höhere Kraft als die des mentalen Geistes.

Und aus dieser Sicht ist alles, was es im Mental gibt, immer innerem Zweifel unterworfen. Du beschließt etwas, aber du kannst sicher sein, dass immer etwas dazwischen kommt, das diesen Vorsatz vielleicht nicht offen bekämpft, aber seine Wirksamkeit in Frage stellt. Weißt du, es genügt, den leisesten Zweifel zu haben, um den Entschluss nur noch halb so effektiv sein zu lassen. Wenn zur selben Zeit wie dein Wunsch etwas leise im Hintergrund lauert und sich fragt: „Wie wird das Ergebnis sein?“, reicht das, alles zu ruinieren.

Dieses Spiel der Funkionsweisen des Mentals ist extrem subtil, und kein menschliches Mittel kann es vollkommen beherrschen. Zum Beispiel ist das bei Menschen gut bekannt, die Yoga praktizieren und ihren Körper beherrschen wollen: wenn sie durch eine beharrliche yogische Anstrengung etwas in sich kontrollieren konnten – eine bestimmte körperliche Schwäche, ein Offensein für ein bestimmtes Ungleichgewicht, – wenn sie dies geschafft und etwas erreicht haben wie zum Beispiel das Verschwinden dieses Ungleichgewichts für lange Zeit, für Jahre…, nun, wenn eines Tages in einem bestimmten Moment plötzlich der Gedanke „Ah! Jetzt ist es geschafft“ in ihrem Geist auftaucht, ist das Problem in der nächsten Minute wieder da. Das reicht aus. Denn es beweist, dass sie mit den Schwingungen der Sache, die sie zurückgewiesen haben, auf einer Ebene, auf der sie verletzlich sind, der Ebene des Denkens, in Kontakt gekommen sind, und dass sie im Spiel der Kräfte aus diesem oder jenem Grund offen sind. Dann kommt es zurück.

Im Yoga ist das sehr bekannt. Die simple Tatsache des Beobachtens des erworbenen Sieges – des mentalen Beobachtens, weißt du, des Nachdenkens darüber – reicht aus, die Wirkung des Yoga, die vielleicht jahrelang bestanden hatte, auszulöschen.…

Nein, es ist nicht das mentale Feld, auf dem Siege errungen werden. Es ist unmöglich. Es ist allen Einflüssen, allen widersprüchlichen Strömungen gegenüber offen. All die mentalen Konstruktionen, die man macht, tragen ihren eigenen Widerspruch in sich. Man kann versuchen, ihn zu überstimmen, ihn so harmlos wie möglich zu machen, aber er existiert, er ist da, und bei der geringsten Schwäche oder mangelnder Umsicht oder Wachsamkeit zeigt er sich wieder und macht die ganze Arbeit zunichte. Mental erreicht man nur sehr wenige Resultate, und sie sind immer gemischt. Etwas anderes ist notwendig. Man muss vom Mental auf die Ebene des Glaubens oder eines höheren Bewusstseins gehen, damit man sicher handeln kann.

Es ist ganz offensichtlich, dass eines der mächtigsten Mittel, um auf den Körper einzuwirken, der Glaube ist. Menschen, die ein einfaches Herz haben, keinen sehr komplizierten Geist – einfache Leute, weißt du – die keine sehr große, sehr komplizierte mentale Entwicklung, aber einen sehr tiefen Glauben haben, können sehr machtvoll auf ihren Körper einwirken, sehr intensiv. Deshalb ist man manchmal ziemlich überrascht: „Hier ist ein sehr verwirklichter Mann, eine außergewöhnliche Person, und er ist ein Sklave der allerkleinsten körperlichen Dinge, während dieser Mann, nun, der so einfach ist und so ungehobelt aussieht, aber einen großen Glauben hat, durch Schwierigkeiten und Hindernisse wie ein Sieger hindurchgeht!“

Ich sage nicht, dass ein sehr kultivierter Mensch keinen Glauben haben kann, aber es ist schwieriger, weil es immer dieses mentale Element gibt, das widerspricht, argumentiert und zu verstehen sucht, das schwer zu überzeugen ist, das Beweise fordert. Sein Glaube ist weniger rein. Dann ist es notwendig, in der evolutionären Spirale einen höheren Grad zu erklimmen, vom mentalen zum spirituellen. Dann bekommt der Glaube natürlich eine sehr hohe Qualität. Aber ich will sagen, das im täglichen Leben, gewöhnlichen Leben, ein sehr einfacher Mensch, der einen sehr glühenden Glauben hat, eine Meisterschaft über seinen Körper erlangen kann, – ohne dass dies wirkliche eine „Meisterschaft“ ist. Es ist einfach eine spontane Bewegung – eine Kontrolle über seinen Körper, die weit größer ist als bei jemandem, der eine viel höhere Entwicklung erreicht hat.

Kann bloßer Glaube alles erschaffen, alles besiegen?

Ja, aber es muss ein integraler Glaube sein, und er muss absolut sein. Und er muss von der richtigen Art sein, nicht nur eine Kraft mentalen Denkens oder Wollens, sondern etwas mehr und etwas Tieferes. Der vom Mental hervorgebrachte Wille setzt gegenteilige Reaktionen in Gang und schafft eine Abwehr. Du musst etwas von Coués Heilmethoden gehört haben. Er kannte irgendein Geheimnis dieser Kraft und nutzte sie mit beträchtlichem Erfolg; aber er nannte sie Vorstellungskraft, und seine Methode gab dem Glauben, den er erweckte, auch eine mentale Form. Mentaler Glaube genügt nicht; er muss durch einen vitalen und sogar physischen Glauben vervollständigt und durchgesetzt werden, einem Glauben des Körpers. Wenn du in dir in deinem ganzen Wesen eine integrale Kraft dieser Art erschaffen kannst, dann kann ihr nichts widerstehen; aber du musst bis in das Allerunbewussteste hinabgehen, du musst den Glauben in den Zellen des Körpers etablieren.

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