Kapitel 3

Unerschöpfliche Energiequelle

Eine der mächtigsten Hilfen, die die Yogadisziplin dem Sportler geben kann, besteht darin, ihn zu lehren, seine Kräfte zu erneuern, indem er sie aus der nie versiegenden Quelle universaler Energie schöpft.

Die moderne Wissenschaft hat große Fortschritte in der Kunst der Ernährung gemacht, die das bekannteste Mittel für das Auffüllen der eigenen Energien ist. Aber dieser Prozess ist bestenfalls unsicher und allen Arten von Einschränkungen unterworfen. Wir werden jetzt nicht darüber sprechen, denn das Thema ist schon sehr ausgiebig diskutiert worden. Aber ganz offensichtlich ist Nahrung ein unverzichtbarer Faktor, so lange die Welt und die Menschen so sind, wie sie sind. Die Wissenschaft des Yoga kennt andere Wege des Auftankens von Energie, und wir werden zwei der Wichtigsten erwähnen.

Der erste besteht darin, sich mit den in der materiellen Welt gespeicherten Energien in Verbindung zu setzen und aus dieser unerschöpflichen Quelle zu schöpfen. Diese materiellen Energien sind dunkel und halbbewusst; sie ermutigen das Tierische im Menschen, aber gleichzeitig festigen sie eine harmonische Beziehung zwischen Mensch und materieller Natur. Diejenigen, die wissen, wie sie diese Energien empfangen und nutzen können, sind normalerweise im Leben erfolgreich und ihnen gelingt alles, was sie sich vornehmen. Doch sie sind noch in hohem Maße von ihren Lebensumständen und ihrem Gesundheitszustand abhängig. Die in ihnen geschaffene Harmonie ist nicht gegen alle Attacken immun; sie verschwindet, wenn die Umstände schlecht werden. Das Kind empfängt diese Energie aus der materiellen Natur spontan, weil es seine ganze Kraft ohne zu kalkulieren freudig und frei ausgibt. Aber bei den meisten Menschen ist diese Fähigkeit während des Aufwachsens durch die Sorgen des Lebens stumpf geworden, weil dann die geistigen Aktivitäten den größten Platz im Bewusstsein einnehmen.

Jedoch gibt es eine Kraftquelle, die, einmal entdeckt, nie versiegt, wie immer die äußeren Umstände und physischen Lebensbedingungen auch sind. Es ist die Kraft, die als spirituell beschrieben werden kann, und sie wird nicht länger von unten, von den unbewussten Tiefen, sondern von oben, vom höchsten Ursprung des Universums und des Menschen zuteil, von der allmächtigen und ewigen Pracht des Überbewussten. Sie ist da, überall um uns herum, und durchdringt alles; und um in Verbindung mit ihr zu kommen und sie zu empfangen, reicht es, aufrichtig nach ihr zu streben, sich ihr mit Glauben und Vertrauen zu öffnen, sein Bewusstsein zu weiten und es mit dem universalen Bewusstsein zu identifizieren.

Am Anfang mag das sehr schwierig, wenn nicht unmöglich erscheinen. Aber bei näherer Betrachtung dieses Phänomens kann man sehen, dass es nicht so fremdartig und dem normal entwickelten menschlichen Bewusstsein so fern ist. Tatsächlich gibt es nicht wenige Menschen, die wenigstens einmal in ihrem Leben sich wie über sich selbst hinausgehoben gefühlt haben, von einer unerwarteten und ungewöhnlichen Kraft, die sie für eine Weile befähigte, alle möglichen Dinge zu tun. In solchen Momenten scheint nichts zu schwierig, und das Wort „unmöglich“ verliert seine Bedeutung.

Diese Erfahrung, gleich wie flüchtig sie auch sein mag, vermittelt eine Art Kontakt mit der höheren Energie, den die yogische Disziplin sichern und erhalten kann.

Die Methode, um diesen Kontakt zu erlangen, kann hier kaum vermittelt werden. Außerdem ist sie individuell und einzigartig für jeden. Sie beginnt von seinem momentanen Stand, passt sich seinen persönlichen Bedürfnissen an und hilft ihm einen Schritt voran zu gehen. Der Weg ist manchmal weit und langwierig, aber das Ergebnis ist die Mühe wert, die man auf sich nimmt. Wir können uns die Konsequenzen dieser Macht, willentlich und in allen Situationen auf die grenzenlose Quelle einer Kraft, die allmächtig in ihrer leuchtenden Reinheit ist, leicht vorstellen. Müdigkeit, Erschöpfung, Krankheit, Alter und sogar Tod werden zu bloßen Hindernissen auf dem Weg, welche ein beständiger Wille mit Sicherheit überwindet.

Eigentlich hat das Vital drei Quellen für seinen Lebensunterhalt. Der eine, der am einfachsten zu erreichen ist, kommt von unten, von den körperlichen Energien, durch die Empfindungen.

Der zweite kommt von seiner eigenen Ebene, wenn sie ausreichend weit und empfänglich ist, durch Kontakt mit den universellen vitalen Kräften.

Der dritte, dem es sich gewöhnlich nur bei einem großen Streben nach Fortschritt öffnet, kommt zu ihm von oben durch die Infusion und Absorption spiritueller Kräfte und Inspiration.