Kapitel 4
Sich niemals hinsetzen
Dies ist tatsächlich ein bürgerliches Ideal, welches die Menschheit betäubt und den Menschen zu dem gemacht hat, was er jetzt ist: „Arbeite, wenn du jung bist, sammle Reichtum an, Ehre und Position; sei vorsorglich, schaue ein bisschen voraus, lege etwas beiseite, schaffe ein Kapital, werde ein Beamter, – damit du später, wenn du vierzig bist, „dich setzen kannst“, dein Einkommen und später deine Pension und, wie man sagt, eine wohlverdiente Ruhe genießen kannst.“ – Sich hinsetzen, auf dem Weg anhalten, sich nicht vorwärts bewegen, schlafen gehen, sich vor der Zeit abwärts auf das Grab zu bewegen und aufhören, den Sinn des Lebens zu leben – sich hinsetzen!
In der Minute, in der man aufhört voranzugehen, fällt man zurück. Im Moment, wenn man zufrieden ist und nicht mehr vorwärts strebt, fängt man an zu sterben. Das Leben ist Bewegung, es ist ein Sich-Anstrengen, es ist ein Marsch nach vorn, das Erklimmen eines Berges und ein Sich-Aufmachen zu neuen Entdeckungen und zukünftigen Verwirklichungen. Nichts ist gefährlicher als der Wunsch, sich auszuruhen. Im Handeln, im Bemühen und im Marsch nach vorn muss die Erholung gefunden werden, die wahre Ruhe des vollkommenen Vertrauens in die göttliche Gnade, des Fehlens von Begehren und des Sieges über den Egoismus.
Wahre Ruhe kommt vom Weiten, der Universalisierung des Bewusstseins. Werde so weit wie die Welt und du wirst immer zur Ruhe kommen. Mitten im Geschehen, mitten in der Schlacht, der Anstrengung, wirst du die Ruhe der Unendlichkeit und Ewigkeit spüren.
Nur die Bemühung, in welchem Bereich auch immer – materielles Bemühen, moralisches oder intellektuelles Bemühen, – ermöglicht es dir, dich mit den universellen Schwingungen zu verbinden; und das ist es, was dir Freude bereitet. Es ist eine Anstrengung, die dich aus der Trägheit herauszieht; es ist die Anstrengung, die dich für die universellen Kräfte empfänglich macht. Und das eine – vor allem anderen, – was ganz spontan Freude macht, sogar denen, die nicht Yoga praktizieren, die kein spirituelles Streben haben und ein ganz gewöhnliches Leben führen, ist der Austausch von Kräften mit den universalen Kräften. Die Menschen wissen das nicht, sie könnten dir nicht sagen, dass es daran liegt, aber so ist es.
Nur die Jahre, die ungenutzt verbracht werden, lassen dich alt werden. Ein Jahr, nutzlos verbracht, ist ein Jahr, in welchem kein Fortschritt gemacht, keine Bewusstseinsentwicklung erfolgt ist und keine Bemühung um Perfektion gemacht wurde.
Widme dein Leben der Verwirklichung von etwas Höherem und Größerem als du selbst, und du wirst niemals die Last der vergehenden Jahre spüren.
Wenn die Entwicklung des Bewusstseins als das Hauptziel des Lebens gesehen würde, fänden viele Schwierigkeiten ihre Lösung.