Kapitel 3

Sünden – Keine Ursache von Katastrophen

Unfälle ereignen sich aus vielerlei Gründen; tatsächlich sind sie die Folge eines Konflikts der Kräfte in der Natur, eines Konflikts von Wachstum und Fortschritt und den Kräften der Zerstörung. Wenn es einen Unfall gibt, einen Unfall mit langfristigen Folgen, ist es immer das Resultat eines mehr oder weniger teilweisen Sieges der widrigen Kräfte, das heißt, der Kräfte der Desintegration und Desorganisation.…

Es gibt Lehren wie die der Theosophie zum Beispiel, die Karma in einem völlig oberflächlichen und menschlichen Sinn interpretieren und dir sagen: „Oh, du hast diesen Unfall gehabt, weil du in einem früheren Leben etwas Schlechtes getan hast; deshalb fällt das in Form eine Unfalls auf dich zurück.“ Das ist nicht wahr, ganz und gar nicht wahr. Das ist nichts als Menschen–Gerechtigkeit, es ist weder Gerechtigkeit der Natur noch Gerechtigkeit des Göttlichen.

Dies erinnert mich an etwas, was in Paris geschah, als ich sechzehn oder siebzehn Jahre alt war. Es gab einen „Wohltätigkeitsbasar“. Dieser Wohltätigkeitsbasar war ein Ort, zu dem Menschen aus aller Welt kamen um alle Arten von Dingen zu kaufen und zu verkaufen, und der Verkaufserlös wurde für wohltätige Zwecke verwendet (es war mehr als Vergnügen denn als gute Tat gedacht, aber dennoch profitierten wohltätige Zwecke davon.) Die ganze Eleganz und Vornehmheit war dort versammelt. Nun war der Basar sehr schön, aber unsolide gebaut, weil er nur zwei oder drei Tage dauern sollte. Das Dach bestand aus bemalter Zeltplane, die zurückgeschoben worden war. Alles war elektrisch beleuchtet; die Arbeit war mehr oder weniger ordentlich erledigt worden, aber natürlich mit der Idee, dass es nur für wenige Tage war. Es gab einen Kurzschluss, alles ging in Flammen auf; das Dach fing Feuer und brach plötzlich über den Leuten zusammen. Wie ich sagte, war die ganze gesellschaftliche Elite dort, – für sie war es vom menschlichen Standpunkt aus gesehen eine Katastrophe. Es gab Leute nahe beim Eingang, die zu entkommen versuchten; andere, die ganz in Flammen standen, versuchten ebenfalls die Tür zu erreichen und wegzulaufen. Es war ein wahres Handgemenge! Alle diese eleganten, vornehmen Leute, die sonst so wohlerzogen waren, fingen wie Straßenrowdys zu kämpfen an. Es gab sogar einen Grafen Sowieso, einen sehr bekannten Mann, ein Dichter, ein Mann von perfekter Eleganz, der einen Stock mit Silberknauf trug, und er wurde dabei überrascht, wie er Frauen mit seinem Stock auf den Kopf schlug und voranzutreiben versuchte! Wirklich, es war ein schöner Anblick, etwas äußerst Elegantes! Hinterher, Klagen in der Gesellschaft, große Begräbnisse und viele Geschichten… Nun wurde ein Dominikaner, ein bekannter Redner, gebeten, an den Gräbern der Unglücklichen, die im Feuer umgekommen waren, eine Ansprache zu halten. Er sagte etwas in dem Sinne: „Das ist euch recht geschehen. Ihr habt nicht nach Gottes Gesetz gelebt, und Er hat euch durch das Verbrennen gestraft.“

Und jedes Mal, wenn diese Geschichte wiederholt wurde, gab es ein Desaster. Natürlich protestierten viele Leute und sagten: „Das ist ein Gott, den wir nicht haben wollen!“ Aber diese Vorstellungen sind für die gewöhnliche Menschheit ganz typisch.

Die „sündige“ Menschheit ist ganz und gar eine christliche Idee, die unsere Vorstellung vom Göttlichen verfälscht; – ein Göttliches, das die armen Menschen bestraft, weil sie unglücklicherweise geborene „Sünder“ sind, würde nicht sehr großmütig sein!

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