Kapitel 4

Kriege – ihre Notwendigkeit

Warum kämpfen die Menschen miteinander?

Es ist vielleicht ihre Art Fortschritte zu machen! (Gelächter) Man entwickelt sich nicht immer auf scheinbar harmonische Weise. Alle, die Yoga machen, wissen, dass es keine immer friedlich und harmonisch verlaufende Sache ist, dass es manchmal innere Kämpfe gibt. Man muss Feinden im Inneren ins Auge sehen, die einen hindern wollen voranzuschreiten. Das bedeutet Krieg. Nun, wenn es die ganze Erde ist, die sich entwickelt, und es Dinge gibt, die sich dagegen sträuben und sich nicht bewegen wollen, muss man manchmal kämpfen, und das bedeutet Krieg. Ihr müsst nicht denken, dass Fortschritt darin besteht sich hinzusetzen und zu meditieren!…

Sind alle diese Kriege für die Evolution der Erde notwendig?

Zu einem bestimmten Zeitpunkt in der menschlichen Entwicklung sind Kriege unvermeidlich. In prähistorischen Zeiten war das ganze Leben ein Krieg; und bis zum heutigen Tag ist die Geschichte des Menschen eine lange Geschichte des Krieges. Kriege sind das natürliche Resultat eines vom Lebenskampf und egoistischer Aggressivität geprägten Bewusstseins. Und zur jetzigen Zeit gibt es trotz einiger menschlicher Bemühungen um Frieden nichts, was uns versichert, dass Krieg keine unvermeidliche Katastrophe mehr ist. Existiert der Kriegszustand – offen oder verdeckt – augenblicklich nicht tatsächlich in vielen Teilen der Welt?

Außerdem führt alles, was auf der Erde geschieht, zwangsläufig zu ihrer Entwicklung. Daher sind Kriege Schulen des Mutes, Durchhaltevermögens und der Furchtlosigkeit; sie können dazu dienen, eine Vergangenheit zu vernichten, die sich weigert zu verschwinden, obwohl ihre Zeit vorbei ist, und sie machen Platz für neue Dinge. Kriege können wie Kurukshetra1 ein Weg sein, die Erde von einer dominanten oder destruktiven Spezies zu befreien, damit Gerechtigkeit und Recht herrschen können. Sie können durch die Anwesenheit von Gefahr die Apathie eines zu tamasischen2 Bewusstseins erschüttern und schlummernde Energien wecken. Letztendlich können sie im Gegensatz und wegen der Schrecken, die sie begleiten und auf sie folgen, die Menschen dazu bringen einen wirksamen Weg zu suchen, um solche barbarischen und gewalttätigen Formen von Transformation unnötig zu machen.

Denn alles, was für die Evolution der Erde unnötig ist, hört automatisch auf zu existieren.

Du hast geschrieben: „Sie [Kriege] mögen dazu dienen eine Vergangenheit zu vernichten, die sich weigert zu verschwinden, obwohl ihre Zeit vorbei ist, und sie können Platz für neue Dinge schaffen.“ Wird nun, da das Supramental auf die Erde herabgestiegen ist, Krieg notwendig sein, um den gegenwärtigen Zustand der Welt zu ändern?

Alles wird von der Empfänglichkeit der Nationen abhängen. Wenn sie sich dem Einfluss der neuen Kräfte weit und zügig öffnen und wenn sie schnell genug ihre Auffassungen und Taten ändern, kann Krieg verhindert werden. Aber er droht immer und bleibt in Wartestellung; jeder Irrtum, jede Verdunkelung des Bewusstseins vergrößert diese Gefahr.

Und trotzdem hängt letztlich alles wirklich von der Göttlichen Gnade ab, und wir sollten mit Zuversicht und Gelassenheit in die Zukunft blicken und gleichzeitig so schnell wir können Fortschritte machen.

1 In der Bhagavad Gita, dem legendären Schlachtfeld, auf dem sich die Pandavas, angeführt von Sri Krishna, und die Kauravas gegenüberstanden.

2 Beherrscht von Tamas, dem Prinzip der Trägheit und Unklarheit.