Kapitel 2

Ursachen von Katastrophen

Liebe Mutter, hier steht geschrieben: „Die Methode der Göttlichen Manifestation besteht in einem Wirken in Ruhe und Harmonie, nicht in einer katastrophalen Umwälzung.“

Ja. Und? Weißt du das nicht? Du solltest es wissen.

Einige Leute stellen sich immer vor, dass Katastrophen das Ergebnis des göttlichen Willens sind. Es gibt andere, – sobald sie eine Kraft empfangen, sind sie schrecklich aufgeregt und sagen: „Ach, wenn das Göttliche handelt, bringt Es uns völlig durcheinander.“ Das ist absolut falsch. Es ist nicht das Göttliche, das dich verunsichert, es ist deine eigene Unvollkommenheit oder es kann einfach eine Attacke der Kräfte sein, über die er spricht – der negativen Kräfte. Aber wenn es keine Unzulänglichkeit in dir gibt, kannst du nicht verunsichert sein. Auf jeden Fall ist es nicht das Göttliche, das dich aus dem Gleichgewicht bringt. Es ist so wie im Folgenden, wo gesagt wird: Nicht die Mutter ist es, die dich prüft, es sind die äußeren Umstände. So gesehen ist es nicht sehr angenehm? (Mutter lacht) Dir scheint es Leid zu tun, dass es nicht das Göttliche ist, welches die Aufregungen verursacht.

Der Aufruhr wird immer von einem Widerstand hervorgerufen. Wenn es keinen Widerstand gäbe, würde es keine Störungen geben. Deshalb kann es ein Widerstand sein, der die Ursache von Katastrophen, Erdbeben, Wirbelstürmen, Flutwellen, Vulkanausbrüchen und dem Untergang von Kontinenten et cetera ist.

Der Widerstand der Trägheit, die es in jedem Bewusstsein und in der Materie gibt, bedeutet, dass dieses [Göttliche] Wirken, statt direkt und vollkommen harmonisch zu sein, voller Zusammenstöße ist, verworren, widersprüchlich und konfliktreich wird. Statt dass sich alles sozusagen „normal“ löst, sanft – wie es sein sollte, – lehnt sich die ganze widerstrebende, opponierende Trägheit auf und macht es zu einer verwickelten Bewegung, in der die Dinge kollidieren und es Unordnung und Zerstörung gibt, die nur aus dem Widerstand resultierten, aber nicht unvermeidlich waren, die es sonst nicht hätte gegeben hätte – die es wahrhaftig nicht hätte geben müssen. – Denn dieser Wille, diese Macht ist eine Macht perfekter Harmonie, in der alles an seinem Platz ist, und die die Dinge wunderbar organisiert. Sie kommt wie eine absolut leuchtende und perfekte Organisation, die man sehen kann, wenn man die Schau hat; aber wenn sie herabkommt und Druck auf die Materie ausübt, fängt alles an zu brodeln und sich zu widersetzen. Deshalb ist es eine andere menschliche Torheit, zu versuchen, das Chaos, die Verwirrungen und Zerstörungen dem göttlichen Wirken, der göttlichen Kraft anzudichten. Es ist die Trägheit – nicht zu erwähnen der böse Wille – welche die Katastrophe verursacht. Es ist nicht, dass die Katastrophe beabsichtigt war, nicht einmal vorhergesehen war, sie wird vom Widerstand verursacht.

Und dann gibt es … das Wirken der Gnade, die kommt, um die Folgen, wo immer möglich, das heißt, wo immer sie angenommen wird, zu mildern. Und dies erklärt, warum Aspiration, Glaube, vollkommenes Vertrauen seitens des irdischen menschlichen Elementes eine harmonisierende Kraft haben, weil sie der Gnade erlauben herabzukommen und die Folgen dieses blinden Widerstandes richtigzustellen.

Jemand hat gesagt, dass Unglücke und Katastrophen in der Natur, Erdbeben, Überschwemmungen und die Überflutung von Kontinenten die Folgen einer unharmonischen und sündigen Menschheit sind, und dass mit dem Fortschritt und der Entwicklung der menschlichen Spezies in der physischen Natur ein entsprechender Wandel eintreten wird. In wie weit stimmt das?

Vielleicht besteht die Wahrheit darin, dass es ein und dieselbe Bewusstseinsbewegung ist, die sich in einer von Schicksalsschlägen, Katastrophen und einer unharmonischen Menschheit geplagten Natur ausdrückt. Die zwei Dinge sind nicht Ursache und Wirkung, sondern stehen auf derselben Ebene. Über ihnen gibt es ein Bewusstsein, das versucht sich zu manifestieren und auf Erden zu verkörpern, und in seiner Herabkunft in die Materie trifft es überall auf den gleichen Widerstand – im Menschen und in der physischen Natur. Jede Unordnung und Disharmonie, die wir auf der Erde sehen, ist die Folge dieser Abwehrhaltung. Schicksalsschläge und Katastrophen, Konflikte und Gewalt, Unklarheit und Unwissenheit – alle Missstände kommen aus der gleichen Quelle. Weder der Mensch ist die Ursache der äußeren Natur, noch ist die Natur die Ursache des Menschen, sondern beide sind von derselben einen Sache abhängig, die hinter ihnen und größer als sie ist. Und beide sind Teil einer ständigen und voranschreitenden Bewegung der materiellen Welt, um jene zum Ausdruck zu bringen.

Du erinnerst dich an den großen Zyklon, bei dem es einen furchtbaren Lärm und am ganzen Ort Sturzregen gab. Ich wollte in Sri Aurobindos Zimmer gehen und ihm helfen, die Fenster zu schließen. Ich öffnete gerade die Tür und fand ihn ruhig an seinem Schreibtisch sitzen und schreiben. Da war so ein unerschütterlicher Frieden im Raum, dass sich keiner hätte träumen lassen, das draußen ein Sturm wütete. Alle Fenster waren weit geöffnet, nicht ein Regentropfen kam herein.

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