Kapitel 3

Die Auslöschung des Egos – Einige Anleitungen

Die menschliche Natur ist in ihrem ganzen Stoff mit den Fäden des Egos durchwebt. Selbst wenn man versucht, sich davon zu befreien, steht es vor einem oder könnte wie ein Schatten hinter allen Gedanken und Tätigkeiten stehen. Das zu erkennen, ist der erste Schritt. Die Falschheit und Absurdität der Ego-Bewegungen wahrzunehmen, ist der zweite. Sie bei jedem Schritt zu entmutigen und zurückzuweisen, der dritte – doch verschwindet es erst dann gänzlich, wenn man den Einen in Allen und überall sieht, erfährt und lebt.

Ohne fortwährende Zurückweisung kann die Befreiung vom Ego nicht stattfinden. Die Erhebung in das Selbst befreit die höheren Teile, das Ego aber bleibt in den niederen Teilen bestehen. Die wirksamste Kraft für diese Befreiung ist die seelische Kontrolle, die mit einer steten Zurückweisung einhergeht.

Natürlich ist das menschliche Wesen egoistisch und egozentrisch – alles, was es tut, denkt und fühlt, ist vom Ego geprägt –, und das kann gar nicht anders sein, bis es gelernt hat, nicht das Ego, sondern das Göttliche zum Zentrum seines Daseins zu machen und nur für das Göttliche zu denken, zu handeln und zu fühlen, oder bis das menschliche Wesen in das höhere oder göttliche Bewusstsein oder das göttliche Bewusstsein in es eingetreten ist, denn im göttlichen Bewusstsein gibt es kein Ego.

Deine Natur ist, wie die von nahezu allen anderen, großenteils egozentrisch, und die ersten Stadien der Sadhana sind fast bei jedem Menschen egozentrisch. Die Hauptsache dabei ist immer die eigene Sadhana, das eigene Bemühen, die eigene Entwicklung, Vollendung, siddhi. Tatsächlich aber kann keines dieser Dinge – Entwicklung, Vollendung oder siddhi – irgendeinen Grad der Vollkommenheit oder klaren Endgültigkeit erreichen, solange sich diese egozentrierte Haltung nicht in die gottzentrierte Haltung gewandelt hat, solange sie nicht die Entwicklung, Vollendung und siddhi des Göttlichen Bewusstseins geworden ist, sein Wille und Instrument in diesem Körper. Das aber kann nur dann geschehen, wenn diese Dinge [die eigene Sadhana, das eigene Bemühen] zweitrangig werden und das alleinige Ziel in der bhakti für das Göttliche besteht, der Liebe zum Göttlichen, der Einung mit dem Göttlichen im Bewusstsein, Willen, Herzen und Körper – das Übrige ist dann nur noch die Erfüllung des Göttlichen Willens durch die Göttliche Macht.

Selbstgeben bedeutet in Wirklichkeit eine Wandlung der Zentrierung im Ego in die Zentrierung in Gott. Auch würde solch ein Selbstgeben zu einer Wandlung der ganzen Bewusstseins-Grundlage führen.

Die kleinen Dinge des täglichen Lebens müssen sich im Oberflächenbewusstsein abspielen und dürfen darin einen nicht zu großen Platz einnehmen, bis die Kraft und das Licht die Herrschaft übernommen haben und auch sie unmittelbar erfassen können. Es ist das Ego, das ihnen einen zu großen Platz einräumt – das Ego muss entmutigt werden, und die Devise des ganzen Bewusstseins, Denkens und Handelns sollte sein: „Nicht für mich, sondern für das Göttliche.“ Es kann durchgreifend nicht alles auf einmal geschehen, doch sollte es sobald wie möglich die vorherrschende Richtung im Mental werden.

Jeder hat ein Ego, und es ist nicht möglich, sich völlig davon zu befreien, außer durch zwei Dinge – durch das Sich-Öffnen der Seele im Inneren und die Herabkunft eines umfassenderen, egofreien Bewusstseins von oben. Das Sich-Öffnen des seelischen Wesens befreit nicht auf einmal vom Ego, sondern läutert es und bringt es mit allen Bewegungen der menschlichen Natur dem Göttlichen dar, so dass man durch Selbst-Geben und Überantwortung unegoistisch wird. Gleichzeitig öffnet sich die Natur nach oben, und das umfassendere egofreie Bewusstsein kommt herab, das Ego verschwindet, und durch die Macht der Seele erkennst du dein eigenes wahres Wesen, das ein Teil der Mutter ist. Das ist es, was geschehen muss, aber in so kurzer Zeit nicht geschehen kann. Denke nicht immer an die vitale Bewegung und das Ego. Du hast sie erkannt und weißt, dass sie vorhanden sind – das genügt. Konzentriere dich vielmehr auf das Sich-Öffnen im Herzen. Konzentriere dich beharrlich, strebe beharrlich und habe keine Bedenken, wenn es lange dauert. Rufe das Göttliche auf jede Weise, selbst wenn du noch nicht aus der Tiefe zu rufen vermagst – der Ruf aus der Tiefe wird kommen.

Ohne die Befreiung der Seele und die Verwirklichung des wahren Selbstes kann das Ego nicht verschwinden – beides ist notwendig. Wenn man sich des Selbstes nicht bewusst ist, wie soll dann das Ego verschwinden?

Wie kann ich wissen, was Gott von mir will? Ich muss allen Egoismus aus mir austreiben, ihn aus jedem Schlupfwinkel und Bau verjagen und meine geläuterte und nackte Seele in Gottes unendlichen Werken baden. Dann wird Er selbst mir Seinen Willen enthüllen.

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