Kapitel 3

Anleitung für Aspiranten

Worte Sri Aurobindos

Deine Behauptung, die einzige Rechtfertigung der Werke in der Gita bestünde darin, dass sie ein unvermeidliches Übel seien und man daher das Beste daraus zu machen habe, ist ziemlich summarisch und grob. Wäre dies alles, dann wäre die Gita das Produkt eines Toren, und es gäbe kaum eine Rechtfertigung für mich, darüber zwei Bände zu schreiben, oder dafür, dass die Welt sie als eine der größten Schriften bewundert, und zwar besonders deshalb, weil sie die Notwendigkeit der Werke im spirituellen Bemühen darlegt. Natürlich ist noch mehr als das in ihr enthalten. Jedenfalls widerspricht dein Zweifel daran, dass Werke zur Verwirklichung führen können – oder vielmehr deine glatte, summarische Leugnung dieser Möglichkeit –, der Erfahrung jener, die diese vermeintliche Unmöglichkeit zustande brachten. Du sagst, Arbeit senke das Bewusstsein und bringe dich aus dem inneren in das äußere Bewusstsein – ja, wenn du zustimmst, dich in der Arbeit zu veräußerlichen, statt sie von innen her zu tun; doch dies ist es, was du lernen musst, nicht zu tun. Gedanke und Gefühl können dich in der gleichen Weise veräußerlichen; es hängt davon ab, ob man Gedanken, Gefühl und Tat fest an das innere Bewusstsein zu binden vermag, indem man in diesem lebt, und das Übrige zu seinem Instrument macht. Schwierig? Selbst Bhakti ist nicht einfach, und Nirvana ist für die meisten Menschen das schwierigste von allem…

Ich weiß nicht, warum du Menschenfreundlichkeit, Aktivismus, philanthropisches Dienen, seva usw. zur Debatte stellst. Nichts davon gehört zu meinem Yoga oder stimmt mit dem überein, was ich unter Werken verstehe – daher berührt mich das nicht. Ich war nie der Meinung, dass Politik oder die Armen zu speisen oder schöne Gedichte zu verfassen, einen geradewegs nach Vaikuntha oder zum Absoluten bringen würden. Wäre dies der Fall, dann wären Romesh Dutt auf der einen und Baudelaire auf der anderen Seite die ersten, die das Höchste erreicht und uns dort willkommen geheißen hätten. Nicht die Art der Arbeit als solche oder eine reine Aktivität, sondern das Bewusstsein und der auf Gott gerichtete Wille dahinter sind die Essenz des Karma-Yoga; die Arbeit ist lediglich die erforderliche Instrumentierung für die Einung mit dem Meister der Werke, der Übergang vom Willen und von der Macht der Unwissenheit zum reinen Willen und zur Macht des Lichtes.

Worte Sri Aurobindos

Es gibt kein Stadium der Sadhana, in dem die Werke unmöglich sind, und keine Wegstrecke auf dem Pfad, auf der man keinen Halt findet und die Tätigkeit als unvereinbar mit der Konzentration auf das Göttliche zurückgewiesen werden muss. Der Halt ist immer da; der Halt ist der Verlass auf das Göttliche, das Sich-Öffnen des Wesens, die Ausrichtung des Willens und der Energien auf das Göttliche, die Hingabe an das Göttliche. Alle Arbeit, die in dieser Einstellung geschieht, kann zu einem Hilfsmittel der Sadhana werden. Es mag für den Einzelnen hier und da notwendig sein zu meditieren und dann mit der Arbeit auszusetzen oder ihr einen untergeordneten Platz zuzuweisen; doch dies kann nur ein vereinzelter Fall und eine vorübergehende Zurückgezogenheit sein. Zudem ist ein völliges Aufgeben der Arbeit und ein gänzliches Zurückziehen in sich selbst selten ratsam; es kann einen einseitigen und visionären Zustand begünstigen, da man in einer Art Zwischenwelt der rein subjektiven Erfahrungen lebt ohne festen Halt, weder in der äußeren Wirklichkeit noch in der höchsten Wirklichkeit, und ohne richtige Anwendung der subjektiven Erfahrung, die ein festes Verbindungsglied und dann eine Einung zwischen der höchsten Wirklichkeit und der äußeren Verwirklichung im Leben bilden soll.

Worte Sri Aurobindos

Das Einbeziehen des äußeren Bewusstseins in die Umwandlung ist von höchster Wichtigkeit in diesem Yoga – die Meditation vermag dies nicht. Meditation kann nur das innere Wesen erfassen. Daher ist die Arbeit von vordringlicher Wichtigkeit – allein sie muss in der rechten Haltung und im rechten Bewusstsein getan werden, dann ist sie so fruchtbar wie jede Meditation es zu sein vermag.

Worte Sri Aurobindos

Ein viel einfacherer Weg ist karma, die Arbeit, vorausgesetzt das eigene Mental ist auf das karma nicht bis zum Ausschluss des Göttlichen fixiert. Das Ziel ist das Göttliche, und die Arbeit kann nur ein Instrument sein. Zu dichten usw. bedeutet, die Verbindung mit dem inneren Wesen aufrechtzuerhalten, und weiterhin die Vorbereitung des direkten Kontaktes mit dem innersten Wesen zu fördern; doch darf man hier nicht haltmachen, sondern muss zur eigentlichen Sache fortschreiten. Zu glauben, ein Literat, ein Dichter oder Maler zu sein, sei etwas, das um seiner selbst willen wertvoll ist, hat nichts mehr mit yogischem Geist zu tun. Daher muss ich manchmal betonen, dass wir Yogis sind und nicht etwa Maler oder Dichter usw..

Worte Sri Aurobindos

Ich habe immer gesagt, dass Arbeit, die als Sadhana verrichtet wird – das heißt als ein Hervorströmen von Energie aus dem Göttlichen und als Darbringung an das Göttliche, oder Arbeit, die um des Göttlichen willen getan wird, oder Arbeit, die in einem Geist der Weihung geschieht –, ein machtvolles Mittel der Sadhana ist, und dass solche Arbeit in diesem Yoga besonders notwendig ist. Werke, Bhakti und Meditation sind die drei Stützen des Yoga. Man kann alle drei oder nur zwei oder eines ausüben. Es gibt Menschen, die in der festgelegten Weise nicht meditieren können, doch mit Hilfe von Arbeit oder Bhakti oder beiden vorankommen. Durch Arbeit und Bhakti kann man ein Bewusstsein entwickeln, in dem zu gegebener Zeit eine natürliche Meditation und Verwirklichung möglich werden.

Worte Sri Aurobindos

Vermag man sich durch Arbeit zu weihen, ist das eines der mächtigsten Mittel auf dem Weg zur Selbsthingabe, die ihrerseits das mächtigste und unverzichtbare Element der Sadhana ist.

Worte Sri Aurobindos

Das einzige, was ich ihm vorschlagen kann, ist, eine Art Karma-Yoga auszuüben: in all seinen Taten, von der kleinsten bis zur größten, sich des Höchsten zu erinnern, sie mit einem ruhigen Mental zu tun, ohne Egoismus und Verhaftetsein, und Ihm als Opfer darzubringen. Er kann auch versuchen oder sich bemühen, die Gegenwart der Göttlichen Shakti hinter der Welt und ihren Kräften zu fühlen und zu unterscheiden zwischen der niederen Natur der Unwissenheit und der höheren, göttlichen Natur, deren Kennzeichen vollkommene Stille, Friede, Macht, Licht und Seligkeit sind; und er kann danach streben, aufgerichtet und langsam vom Niederen zum Höheren geführt zu werden.

Wenn er dies zu tun vermag, wird er zur rechten Zeit bereit sein, sich dem Göttlichen zu weihen und ein vollkommen spirituelles Leben zu führen.

Worte Sri Aurobindos

Du brauchst nicht das zu tun, was dir missfällt, sondern musst aufhören Missfallen zu empfinden. Nur das zu tun, was dir gefällt, heißt dem Vital nachzugeben und dessen Herrschaft über die Natur aufrechtzuerhalten – das ist das eigentliche Prinzip der ungewandelten Natur, von ihren Neigungen und Abneigungen beherrscht zu werden. Das Prinzip des Karma-Yoga ist, alles mit Gleichmut zu tun, und in diesem Yoga ist der wahre seelische und vitale Zustand der, alles freudig zu tun, da man es für die Mutter tut.

Worte Sri Aurobindos

Beinahe jeder Künstler – es mag seltene Ausnahmen geben – hat in seinen vital-physischen Teilen etwas von einem Menschen der Öffentlichkeit an sich, das ihn nach dem Anreiz eines Publikums, nach gesellschaftlichem Beifall, nach der Befriedigung der Eitelkeit, nach Anerkennung und Ruhm verlangen lässt. Das muss vollkommen verschwinden, wenn du ein Yogi sein willst – deine Kunst muss Dienst sein, und zwar weder an deinem Ego noch an irgend jemand oder irgend etwas, sondern allein am Göttlichen.

Worte Sri Aurobindos

Was du erhalten und bei der Arbeit beibehalten hast, ist in der Tat das wahre, grundlegende Bewusstsein von Karma-Yoga – das stille, unterstützende Bewusstsein von oben, und von oben die Kraft, welche die Arbeit tut, mit ihr die Bhakti, die fühlt, dass es das Bewusstsein der Mutter ist, das gegenwärtig und am Werk ist. Nun weißt du aus Erfahrung, was das Geheimnis des Karma-Yoga ist.

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