Kapitel 20

BEMÜHUNG, GEDULD, FORTSCHRITT

Gehe weiter

Immer nimmt der Mensch eine unbegrenzte Last auf seine Schultern. Er möchte nichts von seiner Vergangenheit fallen lassen, und unter dem Gewicht des nutzlos Angehäuften wird er mehr und mehr niedergedrückt.

Du hast einen Führer für einen Teil des Weges, aber wenn du ihn gegangen bist, verlasse die Straße und den Führer und gehe weiter! Das ist etwas, was Menschen schwierig finden. Wenn sie etwas, das ihnen hilft, zu fassen bekommen haben, klammern sie sich daran, sie wollen sich nicht mehr bewegen. Diejenigen, die mit Hilfe des Christentums Fortschritte gemacht haben, wollen es nicht aufgeben, und sie tragen es auf ihren Schultern. Diejenigen, die mit Hilfe des Buddhismus vorangekommen sind, wollen ihn nicht lassen, und sie tragen ihn auf ihren Schultern. Das hemmt den Fortschritt, und du wirst endlos aufgehalten.

Sobald du eine Stufe überschritten hast, lass los, lass es fallen. Gehe weiter!

Befreie dich von allen Fesseln

Wenn es dein Ziel ist, frei zu sein in der Freiheit des Spirits, musst du dich von allen Fesseln losmachen, die nicht die innere Wahrheit deines Wesens sind, sondern von unbewussten Gewohnheiten stammen. Wenn du es wünschst, dich selbst vollkommen, unumschränkt und ausschließlich dem Göttlichen zu weihen, musst du das in aller Vollständigkeit vollziehen. Du darfst nicht Teile deiner selbst hier und dort gebunden sein lassen…

Wenn du zum Yoga kommst, musst du bereit sein, all deine mentalen Gebäude und vitalen Gerüste zu Bruch gehen zu lassen. Du musst darauf eingerichtet sein, in der Luft zu hängen mit nichts anderem zu deiner Unterstützung als deinem Glauben. Du wirst dein vergangenes Selbst und seine Verhaftungen ganz und gar vergessen, es aus deinem Bewusstsein herausreißen und neu geboren werden müssen, frei von jeder Art von Knechtschaft. Denk nicht daran, was du warst, sondern wonach es dich sehnt zu sein. Sei ganz und gar in dem, was du werden möchtest. Wende dich von deiner toten Vergangenheit ab und schaue geradewegs in die Zukunft. Deine Religion, dein Land, deine Familie liegen dort; es ist das GÖTTLICHE.

Mentale Strukturen und Fortschritt

Ich glaube ganz und gar nicht an Grenzen, die nicht überschritten werden können.

Ich erkenne jedoch die mentalen Strukturen der Menschen sehr deutlich und eine Art Faulheit angesichts der notwendigen Bemühung. Und diese Faulheit und diese Beschränkungen sind wie Krankheiten. Doch sind es heilbare Krankheiten… Wenn du ein normaler Mensch bist, nun, vorausgesetzt, du nimmst die Mühe auf dich und weißt über die Methode Bescheid, ist deine Fähigkeit zum wachsen beinahe unbegrenzt.

Es gibt die Idee, dass jeder einem bestimmten Typ angehört, dass zum Beispiel die Pinie niemals eine Eiche wird und die Palme niemals Weizen. Das ist offenkundig. Es ist aber etwas anderes: es bedeutet, die Wahrheit deines Wesens ist nicht die deines Nachbarn. Doch in der Wahrheit deines Wesens, entsprechend deiner eigenen Gestaltung, sind deinem Fortschritt fast keine Schranken gesetzt. Er ist begrenzt nur durch deine Überzeugung, dass er begrenzt sei und durch deine Unkenntnis des wahren Vorgangs, sonst…

Es gibt nichts, das man nicht zu leisten imstande wäre, vorausgesetzt, man weiß, wie.

Vorgefasste Vorstellungen

Das Beste, was man tun kann, ist, nicht Partei zu ergreifen, keine vorgefassten Vorstellungen oder Prinzipien zu pflegen – oh! Die moralischen Prinzipien, die festen Regeln für das Benehmen, was man tun muss und nicht tun darf, und die Vorurteile aus moralischer Sicht und der des Fortschritts und all die sozialen und mentalen Konventionen… kein schlimmeres Hindernis als das. Es gibt Leute, ich kenne Leute, die Jahrzehnte verloren haben beim Überwinden einer solchen mentalen Konstruktion!… Wenn man einfach offen sein könnte, so – wirklich in Einfachheit offen, nun, diese Einfachheit, die weiß, dass sie unwissend ist – so (Geste, nach oben gerichtet, der Selbstaufgabe), bereit, was auch immer zu empfangen. Dann kann etwas geschehen.

Und natürlich, die Sehnsucht nach Fortschritt, die Sehnsucht nach Wissen, die Sehnsucht nach Umwandlung und vor allem, die Sehnsucht nach Liebe und Wahrheit – wenn man das bewahrt, dann geht es schneller. Wahrlich, ein Verlangen, ein Bedürfnis, ein Bedürfnis.

Das Übrige besitzt keine Bedeutung. Das ist es, dessen man bedarf.

Die Freude am Fortschritt

Es ist der Wille zum Fortschritt und zur Selbstläuterung, welcher das [psychische] Feuer entfacht. Der Wille zum Fortschritt. Diejenigen, die über einen starken Willen verfügen, entzünden, wenn sie ihn dem spirituellen Fortschritt und der Läuterung zuwenden, automatisch das Feuer in sich selbst.

Und jeder Fehler, den man beseitigen oder jeder Fortschritt, den man erreichen will – wenn all das ins Feuer geworfen wird, entbrennt es mit neuer Heftigkeit. Und das ist kein Bild, es ist eine Tatsache im Feinstofflichen. Man kann die Wärme der Flamme spüren, man kann im Feinstofflichen ihr Licht erkennen. Und wenn es etwas in der Natur gibt, was uns am Vorwärtsschreiten hindert und man es in dieses Feuer wirft, beginnt es zu lodern, und die Flamme wird stärker…

Wie kann man Süße und Freude fühlen, wenn man sich in Schwierigkeiten befindet?

Wenn die Schwierigkeit egoistisch oder persönlich ist, wenn man daraus eine Gabe macht und sie in das Feuer der Läuterung wirft, empfindet man unmittelbar die Freude des Fortschritts. Tut man das aufrichtig, gibt es sofort ein Aufwallen von Freude.

Das ist offenkundig das, was getan werden sollte anstelle von Verzweifeln und Klagen. Bringt man es dar und strebt aufrichtig nach Umwandlung und Läuterung, spürt man augenblicklich eine Freude, die aus den Tiefen des Herzens aufspringt. Selbst wenn die Schwierigkeit ein großer Kummer ist, kann man dies mit viel Erfolg vollziehen. Man erkennt, dass hinter diesem Schmerz, ganz gleich wie heftig er sein mag, eine göttliche Freude lebt.

Strebe ohne Ungeduld

Strebe intensiv, aber ohne Ungeduld… Der Unterschied zwischen Intensität und Ungeduld ist sehr fein – es ist ein Unterschied der Schwingung. Sie ist subtil, aber darin liegt der ganze Unterschied.

Intensiv, aber ohne Ungeduld. Das ist es. Man muss in dieser Verfassung sein.

Und für eine sehr lange Zeit, eine sehr lange Zeit, muss man mit inneren Resultaten zufrieden sein, das heißt Resultaten in seinen persönlichen und individuellen Reaktionen, seiner inneren Beziehung zur übrigen Welt – man darf nicht erwarten oder vorzeitig wollen, dass sich Dinge erfüllen. Denn unsere Hast verzögert die Dinge gewöhnlich.

Wenn es so ist, dann ist es so.

Wir, ich meine die Menschen, führen ein aufreibendes Leben. Es ist eine Art Halbbewusstheit von der Kürze ihres Lebens. Sie denken nicht daran, aber sie fühlen es halbbewusst. Und deshalb wollen sie immer – schnell, schnell. schnell – von einer Sache zur anderen eilen, eine Angelegenheit schnell erledigen und die nächste angehen, anstatt jedes Ding in seiner eigenen Ewigkeit leben zu lassen. Sie wollen immer: vorwärts, vorwärts, vorwärts… Und die Arbeit ist verdorben.

Lebe in der Ewigkeit

Im menschlichen Bewusstsein ist alles sehr langsam. Wenn wir die Zeit, die notwendig ist, etwas zu verwirklichen, vergleichen mit der durchschnittlichen Lebensspanne eines Menschen, scheint es endlos. Aber glücklicherweise kommt eine Zeit, in der man dieser Auffassung entrinnt, in der man nicht länger entsprechend menschlicher Maßstäbe empfindet. Sobald man wahrhaft mit dem Psychischen in Kontakt ist, verliert man diese Art Enge und auch Qual, diese Qual, die so schrecklich ist: „Ich muss schnell, ich muss schnell sein, es ist nicht viel Zeit, ich muss mich beeilen, es ist nicht viel Zeit.“ Man erledigt Dinge sehr schlecht oder überhaupt nicht mehr. Aber sobald eine Berührung mit dem Psychischen besteht, verschwindet das tatsächlich. Man beginnt, ein wenig weiter und ruhiger und friedvoller zu sein und in der Ewigkeit zu leben.

Zeit: Freund oder Feind?

Wie ist die Zeit ein Freund?

Das hängt davon ab, wie du sie betrachtest. Alles hängt von der Beziehung ab, die du zu ihr hast. Nimmst du sie als einen Freund, so wird sie einer. Siehst du sie als einen Feind an, so wird sie dein Feind.

Aber das ist es nicht, was du fragst. Wonach du fragst ist, wie man fühlt, wann sie ein Freund und wann sie ein Feind ist. Nun, wenn du ungeduldig wirst und dir selbst sagst: „Oh, ich muss es schaffen, dies zu tun, und warum gelingt es mir nicht?“ und du nicht augenblicklich Erfolg hast und in Verzweiflung gerätst, dann ist sie dein Feind. Aber wenn du dir sagst: „Es ist in Ordnung, dieses Mal hat es nicht geklappt, aber nächstes Mal wird es gelingen, und ich bin sicher, irgend wann wird es mir glücken“, dann wird sie dein Freund.

Die Bemühung um Fortschritt

Liebe Mutter, wenn wir eine Anstrengung machen, um es besser zu machen, aber keinen Fortschritt sehen, fühlen wir uns entmutigt. Was können wir am besten tun?

Nicht entmutigt sein! Verzagtheit führt zu nichts. Zunächst einmal ist es das Wichtigste, dass du dir sagst, dass es dir fast vollkommen unmöglich ist zu wissen, ob du einen Fortschritt machst oder nicht, denn sehr oft ist das, was uns als ein Zustand der Stagnation erscheint, eine lange – manchmal lange, aber in jedem Fall nicht endlose – Vorbereitung für einen Sprung nach vorne. Manchmal scheinen wir für Wochen oder Monate auf der Stelle zu treten, und dann taucht plötzlich etwas, das sich vorbereitete, an der Oberfläche auf, und wir erkennen, es gibt eine ganz beachtliche Veränderung und an mehreren Punkten gleichzeitig.

Wie mit allem im Yoga muss die Bemühung um Fortschritt um ihrer selbst willen geleistet werden. Die Freude am Fortschritt, die Sehnsucht danach, müssen in sich selbst genug sein, ganz unabhängig vom Ergebnis. Alles im Yoga muss der Freude am Tun wegen getan werden, und nicht wegen des Resultates, das man erzielen möchte… Tatsächlich gehören im Leben immer in allen Dingen die Resultate nicht uns. Und wenn wir die rechte Haltung wahren wollen, müssen wir spontan handeln, fühlen, denken, streben, denn das ist es, was wir tun müssen und nicht im Hinblick auf den zu erreichenden Erfolg.

Sobald wir an das Resultat denken, beginnen wir zu feilschen, und das nimmt der Bemühung alle Aufrichtigkeit. Du bemühst dich um Fortschritt, weil du in dir das Bedürfnis verspürst, das zwingende Bedürfnis nach Bemühung und Fortschritt. Und diese Bemühung ist das Geschenk, das du dem göttlichen Bewusstsein in dir darbringst, dem göttlichen Bewusstsein im Universum, es ist deine Art, deine Dankbarkeit auszudrücken, dich selbst darzubringen. Und ob das in einem Fortschritt gipfelt oder nicht, ist von keiner Bedeutung. Du wirst fortschreiten, wenn beschlossen ist, dass die Zeit dazu gekommen ist und nicht, wenn du danach verlangst.

Horizontaler und vertikaler Fortschritt

Es gibt ein horizontales Vorwärtskommen zwischen abrupten Aufstiegen. Es ist der Augenblick des abrupten Aufstieges, welcher dir den Eindruck einer Art Offenbarung vermittelt, einer großen inneren Freude. Aber sobald du diese Stufe erklommen hast, müsstest du sie wieder heruntersteigen, falls du sie noch einmal erreichen wolltest. Auf dieser Ebene musst du fortfahren, dich zu rüsten, um die nächste, höhere Stufe zu ersteigen. Diese Dinge, die dir plötzlich eine große Freude verschaffen, sind immer Aufstiege. Aber sie sind immer vorbereitet durch eine langsame Arbeit horizontalen Fortschritts, das heißt man muss immer bewusster werden, sich als der, der man ist, immer vollkommener begründen und daraus all die inneren psychologischen und auch handlungsbezogenen Konsequenzen ziehen. Es ist ein langwährendes Nutzbarmachen eines abrupten Aufstieges, und, wie ich sagte, es gibt zwei Arten von Fortschritt. Aber der horizontale ist unverzichtbar.

Du darfst nicht aufhören, du darfst dich nicht auf diese Weise an den vertikalen Fortschritt klammern und dich nicht mehr bewegen wollen, weil er dir eine Offenbarung geschenkt hat. Du musst ihn hinter dir lassen können, um dich für einen weiteren vorzubereiten.

Wahrer Fortschritt

Wir sind auf der Erde. Der Zeitraum, den wir hier verleben, ist der, in welchem wir einen Fortschritt vollbringen können. Außerhalb des irdischen Lebens vollzieht sich kein Fortschritt. Die irdische, materielle Existenz ist im wesentlichen das Leben des Fortschritts, hier wird er geleistet. Außerhalb ruht man sich aus, oder ist unbewusst oder man kann Phasen der Assimilation, der Rast oder des Unbewusstseins durchlaufen. Aber was die Perioden des Fortschritts betrifft, sie finden auf Erden und im Körper statt. Wenn du also einen Körper annimmst, dann deshalb, um einen Fortschritt zu machen und wenn du ihn verlässt, ist dieser Abschnitt des Fortschreitens vorüber.

Und wahrer Fortschritt ist Sadhana; das heißt es ist der am stärksten bewusste und rascheste Fortschritt. Im anderen Fall schreitet man voran im Rhythmus der Natur, was bedeutet, es kann Jahrhunderte und Jahrhunderte und Jahrhunderte und Jahrtausende dauern, um nur das kleinste Stück fortzuschreiten. Doch wahrer Fortschritt findet durch die Sadhana statt. Im Yoga kann man in kurzer Zeit leisten, was sonst eine Endlosigkeit in Anspruch nimmt. Das vollzieht sich jedoch immer im Körper und immer auf der Erde, nirgendwo anders. Das ist der Grund, weshalb man aus seinem körperlichen Dasein Nutzen ziehen muss und seine Zeit nicht verschwenden, nicht sagen darf: „Ein wenig später, ein wenig später.“ Es ist besser, es sofort zu tun. All die Jahre, die du ohne Fortschritt lebst, sind verschwendet, was du mit Sicherheit später bedauerst.

Du musst dich entscheiden

Du musst dich entscheiden. Es gibt nicht „diese Kraft“, die für dich die Wahl trifft, oder Zufall oder Glück oder Schicksal – das ist nicht wahr. Dein Wille ist frei, er ist mit Vorsatz freigelassen, und du musst dich entscheiden. Du selbst entschließt dich dazu, entweder das Licht zu suchen, oder es nicht zu tun, der Diener der Wahrheit zu sein oder nicht – du selbst. Oder ob du eine Aspiration empfindest oder nicht, du bist es, der die Entscheidung fällt. Und selbst wenn man dir sagt: „Mache deine Hingabe vollständig, und das Werk wird für dich getan“, dann ist das schon in Ordnung, aber um deine Hingabe vollständig zu machen, musst du dich jeden Tag und in jedem Augenblick dazu entscheiden, sonst wirst du es nicht tun, es wird sich nicht von selbst erledigen. Du bist es, der es wollen muss. Geschieht das, läuft alles gut, auch wenn du das Wissen hast, läuft alles gut, und bist du mit dem Göttlichen identifiziert, läuft alles sogar besser, aber bis dahin musst du es wollen, wählen und entscheiden. Lege dich nicht faul mit den Worten schlafen: „Oh, die Arbeit wird für mich getan werden, ich habe nichts anderes zu tun, als mich mit dem Strom dahintreiben zu lassen.“ Außerdem ist es nicht wahr, die Arbeit erledigt sich nicht von selbst, denn wenn die geringste Kleinigkeit die Absichten deines kleinen Willens durchkreuzt, sagt er: „Nein, das nicht!“.… Und dann?

Nichts ist getan, bis alles getan ist

In der alten chaldäischen Tradition gab man den jungen Novizen bei ihrer Einkleidung in die weiße Robe oft ein Bild. Man sagte ihnen: „Versuche nicht, die Flecken einen nach dem anderen zu entfernen, das ganze Gewand muss gereinigt werden.“ Versuche nicht, Fehler um Fehler zu korrigieren, Schwäche um Schwäche zu überwinden, das bringt dich nicht weit. Das gesamte Bewusstsein muss sich wandeln, eine Bewusstseinswende muss sich vollziehen, ein Emporheben aus dem Zustand, in dem man sich befindet, in Richtung auf einen höheren, von welchem aus man alle Schwächen, die man heilen möchte, meistert, und von dem aus man eine volle Schau über das zu vollendende Werk besitzt.

Ich glaube, es war Sri Aurobindo, der Folgendes sagte: Die Dinge liegen so, dass man behaupten kann, nichts ist getan, bis alles getan ist. Ein Schritt voran ist nicht genug, eine vollständige Umwandlung ist notwendig.

Wie oft habe ich Menschen, die sich bemühten, sagen hören: „Ich strenge mich an, aber welchen Nutzen hat das? Jedes Mal, wenn ich glaube, etwas erreicht zu haben, entdecke ich, dass ich wieder ganz von vorne anfangen muss.“ Das geschieht, weil sie versuchen vorwärtszukommen, während sie stillstehen, sie bemühen sich um Fortschritt, ohne ihr Bewusstsein zu verändern. Die gesamte Betrachtungsweise muss umgestellt werden, das ganze Bewusstsein muss aus den alten Geleisen heraus, in welchen es festgefahren ist, um aufzusteigen und die Dinge von oben zu schauen. Nur auf diese Weise werden sich Siege nicht in Niederlagen verwandeln.

„Andere tun es nicht“

Was mich davon abhält, mich dem (göttlichen) Einfluss zu öffnen, ist diese Einflüsterung: „Wozu Eile, warum so bald, da die anderen es nicht tun?“

Das ist eine erschreckende Plattheit!

Und selbst wenn du das alleinige und einzige Wesen in der ganzen Schöpfung sein müsstest, das sich selbst vollständig in aller Reinheit dem Göttlichen darbrächte, und wenn du der einzige wärst, natürlich von jedem absolut missverstanden, verspottet, lächerlich gemacht, gehasst, selbst wenn dir das geschähe, gäbe es keinen Grund, es nicht zu tun. Man muss entweder ein Scheinkünstler oder ein Dummkopf sein. Weil andere es nicht tun? Was macht es aus, ob sie es tun oder nicht? „Nun gut, die ganze Welt mag den falschen Pfad beschreiten, mich interessiert das nicht. Es gibt nur eine Sache, mit der ich befasst bin, den rechten Weg zu gehen. Was andere tun, wie könnte mich das betreffen? Es ist ihre Angelegenheit, nicht meine.“

Das ist die schlimmste aller Sklavereien!

Dein bester Freund

Dein bester Freund ist nicht derjenige, der dich darin bestärkt, auf deine niederste Stufe herabzusinken, dich ermuntert, törichte Dinge mit ihm zu unternehmen oder mit ihm in schlechte Umgangsweisen zu verfallen oder der, der dich für all die hässlichen Dinge, die du tust, rühmt, das ist ganz klar.

Wir mögen die Gesellschaft eines Menschen nicht, der von einer ansteckenden Krankheit befallen ist und meiden ihn mit Bedacht. Im allgemeinen wird er isoliert, damit sich die Krankheit nicht ausbreitet. Aber die Ansteckung durch Laster und schlechtes Benehmen, die Ansteckung durch Verworfenheit, Falschheit und das, was minderwertig ist, ist unendlich viel gefährlicher, als die durch irgendeine Krankheit, und genau das muss sorgfältig verhindert werden. Du musst den als deinen besten Freund ansehen, der dir mitteilt, er wünsche nicht an irgend einer schlechten oder gemeinen Tat teilzunehmen, denjenigen, der dir den Mut gibt, niedrigen Versuchungen zu widerstehen. Er ist dein Freund. Er ist derjenige, dem du dich anschließen musst und nicht jemandem, mit dem du Spaß hast und der deine üblen Neigungen stärkt.

Das ist alles.

Nun, wir wollen auf diesen Punkt nicht zu ausführlich eingehen, und ich hoffe, dass diejenigen, die ich im Sinn habe, verstehen, was ich gesagt habe.

Tatsächlich solltest du dir nur solche zu Freunden wählen, die weiser sind als du selbst, solche, deren Gesellschaft dich adelt und dir hilft, dich zu meistern, fortzuschreiten, in besserer Weise zu handeln und klarer zu sehen. Und schließlich, der beste Freund, den man haben kann – ist das nicht das Göttliche, dem man alles sagen, alles offenbaren kann? Denn dort ist die wirkliche Quelle allen Mitgefühls, aller Macht, jeglichen Irrtum zu tilgen, wenn er nicht wiederholt wird, den Weg zu wahrer Verwirklichung zu öffnen. Er ist es, der alles verstehen, alles heilen und dir auf dem Pfade immer helfen kann, dir helfen kann, nicht zu versagen, nicht zu wanken, nicht zu fallen, sondern geradewegs auf das Ziel zuzugehen. Er ist der wahre Freund in guten und in schlechten Tagen, der eine, der dich verstehen, heilen kann und immer da ist, wenn du ihn brauchst. Wenn du ihn aufrichtig rufst, ist er immer da, dich zu führen und dir Mut zu machen – und dich in der wahren Weise zu lieben.

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