Kapitel 21

DAS GÖTTLICHE, DIE WELT UND DER MENSCH

Verlasse dich allein auf das Göttliche

Es gibt etwas, was du lernen musst, verlasse dich niemals auf irgend jemanden oder irgend etwas, was immer das sein mag, außer auf das Göttliche. Denn wenn du dich auf irgend jemanden stützt, um Beistand zu erhalten, so wird diese Stütze brechen, dessen magst du sicher sein. Von dem Augenblick an, in dem du mit Yoga beginnst (ich spreche immer von denen, die Yoga praktizieren, nicht vom gewöhnlichen Leben), für jemanden, der Yoga übt, ist die Abhängigkeit von jemand anderem gleichbedeutend damit, diese Person in einen Vertreter der göttlichen Kraft verwandeln zu wollen. Du darfst nun sicher sein, es gibt nicht einen unter Hundertmillionen, der diese Last zu tragen imstande ist: er wird unmittelbar zerbrechen. Deshalb verfalle niemals in die Haltung, auf Unterstützung, Hilfe, Trost zu hoffen, außer vom Göttlichen. Das gilt uneingeschränkt. Ich bin niemals, nicht ein einziges Mal, jemandem begegnet, der versucht hätte, sich an etwas anzuklammern, um Halt zu finden (jemand, der Yoga macht oder mit Yoga in Berührung gekommen ist) und nicht getäuscht worden wäre – es bricht, es kommt zu einem Ende, man verliert den Rückhalt. Dann sagt man: „Das Leben ist schwer“ – es ist nicht schwer, aber man muss wissen, was man tut. Suche nirgendwo anders Hilfe als beim Göttlichen. Suche niemals Befriedigung anderswo als beim Göttlichen. Suche niemals die Befriedigung deiner Bedürfnisse bei irgend jemand anderem als beim Göttlichen – niemals und für gar nichts. Alle deine Bedürfnisse können nur vom Göttlichen erfüllt werden. Alle deine Schwächen können nur vom Göttlichen getragen und geheilt werden. Es allein ist fähig, dir zu geben, dessen du jeweils bedarfst, immer, und wenn du versuchst, irgend eine Befriedigung oder Unterstützung oder Hilfe oder Freude oder – der Himmel weiß was, bei irgend jemand anderem zu finden, wirst du immer eines Tages auf deine Nase fallen, und das schmerzt stets, manchmal sogar sehr.

Bitte das Göttliche

Wenn man zum Beispiel etwas wissen will oder Führung braucht oder irgend etwas anderes, wie kann man es entsprechend seines Bedürfnisses vom Göttlichen bekommen?

Indem man es darum bittet. Wenn du Ihn nicht darum bittest, wie kannst du es erhalten?

Wenn du dich dem Göttlichen zuwendest und volles Vertrauen zu Ihm hast und Ihn bittest, wirst du empfangen, was du benötigst – nicht notwendigerweise das, was du dir vorgestellt hast. Doch das, dessen du wirklich bedarfst. Aber du musst Ihn darum bitten.

Du musst diesen Versuch aufrichtig unternehmen. Du darfst dich nicht mit Hilfe aller möglicher äußeren Mittel darum bemühen und es dann vom Göttlichen erwarten, ohne dass du Ihn je darum gebeten hast. Wenn du möchtest, dass dir jemand etwas gibt, dann bittest du ihn doch darum, nicht wahr? Und wieso erwartest du vom Göttlichen, dass Er dir das Gewünschte gibt, ohne dass du Ihn darum gebeten hast?

Das Göttliche finden

Liebe Mutter, wie können wir das Göttliche, das in uns verborgen ist, finden?

Das haben wir viele, viele Male erklärt. Aber das erste ist, es zu wollen und genau zu wissen, dass es zuerst kommt, vor allen anderen Dingen, dass dies die wichtige Sache ist. Das ist die erste Bedingung. Das Übrige mag später folgen, dies ist die wesentliche Bedingung. Siehst du, wenn du dir hin und wieder, von Zeit zu Zeit, wenn du nichts zu tun hast und alles gut läuft und du unbeschäftigt bist, plötzlich sagst: „Ah, ich würde so gerne das Göttliche finden!“ – nun, dies – auf diese Weise kann es hunderttausend Jahre dauern.

Aber wenn es die wichtige Angelegenheit ist, die einzige Sache, die zählt, und alles andere danach kommt und du nichts anderes als das willst, dann – das ist die erste Bedingung. Du musst dies erst fest begründen, später können wir über das sprechen, was folgt. Zuerst nur dies, dass alles andere nicht zählt, dass nur dies zählt, dass man bereit ist, alles aufzugeben, um das zu erhalten, dass dies die einzige Sache von Bedeutung im Leben ist. Dann versetzt man sich selbst in die Lage, einen Schritt vorangehen zu können.

Das Göttliche kennenlernen

Verstehst du, der einzige Weg, das Göttliche kennenzulernen, besteht darin, sich mit Ihm zu identifizieren. Es gibt keinen anderen, es gibt nur diesen, diesen einzigen Weg. Daher, sobald du Meister dieser Methode bist, vermagst du dich zu identifizieren. Dann wählst du dir den Gegenstand der Identifikation. Du möchtest dich mit dem Göttlichen identifizieren. Aber solange du nicht weißt, wie, werden ständig hundert und eine Sache deinen Pfad kreuzen, die dich hierhin und dorthin zerren und dich zerstreuen, und du wirst es nicht fertigbringen, dich mit Ihm zu identifizieren. Aber wenn du gelernt hast, das zu tun, dann brauchst du nur noch die Identifikation auf etwas zu richten, sie dort festzumachen, wo du sie wünschst und sie dort zu halten, bis du ein Ergebnis erzielst. Es wird sehr schnell eintreten, wenn du deine Kraft zur Identifikation meisterst. Ja, das wird sehr schnell gehen. Ramakrishna pflegte festzustellen, die Zeit könne sich zwischen drei Tagen, drei Stunden und drei Minuten bewegen. Drei Tage für sehr langsame Leute, drei Stunden für die, die ein wenig schneller sind, drei Minuten für jene, denen es eine Gewohnheit ist.

Gott hat Sinn für Humor

Jemand hat mich gefragt: „Wie ist es Gott möglich, sich einem Ungläubigen zu offenbaren?“ Das ist sehr komisch. Denn wenn es Gott gefällt, sich einem Ungläubigen zu offenbaren, sehe ich nicht, was ihn davon abhalten würde!

Im Gegenteil, Er hat Sinn für Humor – das hat uns Sri Aurobindo schon viele Male gesagt, dass der Höchste Sinn für Humor hat, dass wir diejenigen sind, die Ihn zu einem düsteren und unveränderlich ernsten Charakter machen wollen – und er mag es sehr unterhaltend finden, zu erscheinen und einen Ungläubigen zu umarmen. Jemanden, der nur einen Tag vorher erklärte: „Gott existiert nicht. Ich glaube nicht an Ihn. All das ist Torheit und Unwissenheit…“ Er zieht ihn in seine Arme, Er presst ihn an sein Herz – und Er lacht ihm ins Gesicht.

Alles ist möglich, selbst Dinge, die unserer kleinen und beschränkten Intelligenz absurd erscheinen.

Der Atheist und der Gläubige

„Der Atheist ist Gott, der mit sich selbst Versteck spielt; aber ist der Theist ein irgendwie anderer? Nun, vielleicht; denn er hat den Schatten Gottes gesehen und klammert sich daran.“ (Sri Aurobindo, Thoughts and Aphorisms)

Was bedeutet das, „Gott, der mit sich selbst Versteck spielt“?

Beim Versteckspiel verbirgt sich eine Person und die andere sucht. Auf diese Weise verbirgt sich Gott vor dem Atheisten, der sagt: „Gott? Ich sehe ihn nicht, ich weiß nicht, wer er ist; deshalb gibt es ihn nicht.“ Aber der Atheist weiß nicht, dass Gott auch in ihm ist. Und daher ist es Gott, der seine eigene Existenz verleugnet. Ist das nicht ein Spiel? Und dennoch wird ein Tag kommen, an dem er von Angesicht zu Angesicht sich selbst gegenübergestellt sieht und gezwungen ist, seine Existenz anzuerkennen.

Der Gläubige wähnt sich dem Atheisten überlegen, aber alles, was er von Gott zu erhaschen vermochte, war Sein Schatten, und er hält an diesem Schatten mit der Vorstellung fest, es wäre Gott selbst. Besäße er ein wahres Wissen von Gott, dann wüsste er, dass Gott alle Dinge und in allem ist. Dann ließe er davon ab, sich irgend jemandem überlegen zu fühlen.

Die materielle Welt

Ist nicht diese unsere materielle Welt auf einer sehr niederen Stufe auf der Leiter der Weltsysteme, die die Schöpfung begründen?

Unsere ist die am meisten materielle Welt, aber nicht notwendigerweise „nieder“, mindestens nicht aus diesem Grund. Wenn sie tief unten steht, dann deshalb, weil sie finster und unwissend, nicht weil sie materiell ist. Es ist ein Fehler, „Materie“ als ein Synonym für Dunkelheit und Unwissenheit zu setzen. Und die materielle Welt ist nicht die einzige, in der wir leben: sie ist vielmehr eine von vielen, in denen wir gleichzeitig existieren, und in einer Beziehung die wichtigste von allen. Denn diese Welt der Materie ist der Konzentrationspunkt aller Welten. Sie ist das Feld der Gestaltwerdung aller Welten. Sie ist der Ort, wo alle Welten sich manifestieren müssen. Gegenwärtig ist sie disharmonisch und verdunkelt. Aber das ist nur eine Störung, ein falscher Start. Eines Tages wird sie schön werden, rhythmisch, von Licht erfüllt; denn das ist die Bestimmung, für die sie erschaffen wurde.

Das Göttliche ist kein Fremder

Aber warum will sich das Göttliche in diesem Chaos auf der Erde manifestieren?

Weil Er genau deshalb die Erde erschaffen hat, aus keinem anderen Beweggrund. Die Erde ist Er Selbst in entstellter Form, und Er möchte sie in ihrer Wahrheit wiedererrichten. Die Erde ist nicht etwas von Ihm Getrenntes und Ihm fremd. Sie ist eine verzerrte Form Seiner Selbst, welche wieder zu dem werden muss, was sie ihrem Wesen nach war, das heißt, das Göttliche.

Warum ist Er uns dann ein Fremder?

Aber er ist kein Fremder, mein Kind. Du hältst Ihn dafür, aber Er ist es nicht, nicht im geringsten. Er ist der Kern deines Wesens – ganz und gar nicht fremd. Du magst Ihn nicht kennen, aber Er ist kein Fremder. Er ist der wahre Kern deines Wesens. Ohne das Göttliche würdest du nicht existieren. Ohne das Göttliche könntest du nicht einmal den millionenstel Bruchteil einer Sekunde existieren.

Gott und seine Schöpfung

Menschen sind von der christlichen Vorstellung eines „Schöpfergottes“ so tief geprägt – der Schöpfung auf der einen Seite und Gott auf der anderen. Wenn du darüber nachdenkst, weist du es zurück, aber es hat deine Empfindungen und Gefühle durchtränkt. Deshalb schreibst du spontan, instinktiv, beinahe unbewusst, alles Gott zu, was du als das Beste und Schönste erachtest und vor allem das, was du erreichen, verwirklichen möchtest. Natürlich passt jeder seinen Gottesbegriff an sein Bewusstsein an, aber der entspricht immer seiner Auffassung vom Besten. Und das ist auch der Grund, warum du instinktiv, spontan, unbewusst entsetzt bist von der Idee, dass Gott Dinge sein kann, die du nicht magst, denen du deine Zustimmung versagst oder die du nicht für das Beste hältst.

Ich beschreibe das absichtlich ziemlich kindlich, damit ihr das richtig verstehen könnt. Aber es ist so – ich bin sicher, weil ich es ziemlich lange an mir selbst beobachtet habe, wegen der unbewussten Strukturen der Kindheit, der Umgebung, der Erziehung, etc. Du musst fähig sein, das Bewusstsein des Einsseins in den Körper zu pressen, das absolute, ausschließliche Einssein des Göttlichen – ausschließlich in dem Sinne, dass nichts existiert außer in diesem Einssein, selbst die Dinge, die wir äußerst abstoßend finden…

Aber es ist Er. Es gibt nichts außer Ihm. Das ist es, was wir uns von morgens bis abends und von abends bis morgens wiederholen sollten, weil wir es jeden Augenblick vergessen.

Es gibt nur Ihn. Es gibt nichts außer Ihm. Er allein existiert, es gibt keine Existenz außer Ihm, es gibt nur Ihn!

Gott und das Universum

Es gibt nur eine einzige Lösung für dieses Problem – keine Unterscheidung zwischen Gott und dem Universum zu machen. Das Universum ist das in den Raum projizierte Göttliche, und Gott ist das Universum in dessen Ursprung. Es ist dasselbe Ding unter dem einen oder dem anderen Aspekt. Und du kannst sie nicht trennen. Es ist das Gegenkonzept zu dem des „Schöpfers“ und seines „Werkes“. Nur, es ist sehr bequem, vom Schöpfer und seinem Werk zu sprechen, es erleichtert die Erklärung und macht die Lehre sehr einfach. Aber es ist nicht die Wahrheit. Und dann sagst du: „Wie kann es sein, dass Gott, der allmächtig ist, es zulässt, dass die Welt so ist?“ Das ist jedoch deine eigene Vorstellung! Das ist so, weil du dich selbst mitten in einem Feld von Umständen befindest, die dir sehr unangenehm erscheinen, deshalb projizierst du sie auf das Göttliche und sagst ihm: „Warum hast du eine solche Welt erschaffen?“ – „Ich habe sie nicht gemacht. Das hast du selbst getan. Und wenn du wieder Ich-selbst wirst, wirst du es so nicht länger empfinden. Was dich so fühlen lässt, ist die Tatsache, dass du nicht mehr Ich-selbst bist.“ Das ist es, was er dir zur Antwort geben könnte. Und es ist Tatsache, dass kein Problem übrig bleibt, wenn es dir gelingt, dein Bewusstsein mit dem göttlichen Bewusstsein zu einen. Alles erscheint ganz natürlich und einfach und in Ordnung und genau so, wie es sein sollte.

Der Herr veranstaltet ein Schauspiel

Wenn man aufmerksam hinschaut, muss man annehmen, dass der Herr ein phantastisches Schauspiel für sich Selbst veranstaltet! Dass die Manifestation ein Schauspiel ist, dass Er für sich Selbst und mit sich Selbst in Szene setzt.

Er nimmt den Standort des Betrachters ein, und Er schaut auf sich Selbst. Und um sich Selbst beobachten zu können, muss Er das Konzept von Raum und Zeit akzeptieren, sonst kann Er das nicht! Und unmittelbar beginnt die ganze Komödie. Aber es ist eine Komödie, nichts anderes.

Doch wir nehmen sie sehr ernst, weil wir Marionetten sind! Sobald wir jedoch aufhören, welche zu sein, können wir recht klar erkennen, dass es sich um eine Komödie handelt.

Für einige Menschen ist es auch eine echte Tragödie.

Ja, wir sind diejenigen, die es tragisch machen. Wir sind diejenigen, die es tragisch machen…

Verstehst du, nur der, der dem Spiel zusieht, ist nicht beunruhigt, weil er alles kennt, was geschehen wird, und er besitzt ein umfassendes Wissen von allem – allem, was geschieht, geschehen ist und geschehen wird – und es ist alles da, als eine Gegenwart für ihn. Und so sind es die anderen, die armen Schauspieler, die nicht einmal wissen, nicht einmal ihre Rolle kennen! Und sie sorgen sich in großem Maße, denn sie werden dazu veranlasst, etwas darzustellen und wissen nicht, was es ist. Das ist etwas, was ich gerade sehr stark empfunden habe: wir alle führen ein Stück auf, aber wir wissen nichts darüber, weder wo es hinführt oder herkommt, noch, was es als Ganzes bedeutet. Wir wissen kaum – unvollkommen – was wir von Augenblick zu Augenblick tun sollen. Unser Wissen ist unvollkommen. Und deshalb sorgen wir uns! Aber wenn man alles weiß, kann man nicht länger beunruhigt sein, man lächelt. Er muss großen Spaß haben, aber wir… Und dennoch ist uns die volle Macht gegeben, uns in gleicher Weise zu vergnügen wie Er.

Wir geben uns einfach keine Mühe.

Der Herr spielt mit all diesem

Wenn man die positive Erfahrung der einen und einzigen Existenz des Höchsten gewonnen hat und dass es nur der Höchste ist, der mit sich selbst spielt, anstatt etwas Beunruhigendem und Unangenehmem oder Besorgniserregendem, dann erlebt man ganz im Gegenteil eine Art uneingeschränkter Sicherheit.

Die einzige Wirklichkeit ist der Höchste. Und all das ist ein Spiel, das er für sich selbst spielt. Ich empfinde das als viel tröstlicher als den entgegengesetzten Standpunkt.

Und schließlich ist das die einzige Gewissheit, dass all dies etwas Wunderbares werden kann…

Du wirst sehen, es gibt einen Augenblick, in dem man sich selbst oder das Leben nicht mehr ertragen kann, es sei denn, man nimmt die Haltung an, dass es der Herr ist, der alles ist. Siehst du, dieser Herr, wie viele Dinge besitzt Er, Er spielt mit all diesem – Er beschäftigt sich damit, die Positionen zu wechseln. Und deshalb, wenn man dies, dies Ganze sieht, fühlt man das unermessliche Wunder, und dass all unsere wundervollsten Sehnsüchte durchaus möglich sind und sogar übertroffen werden. Dann ist man getröstet. Sonst ist die Existenz… es ist ganz trostlos…

Die gegenwärtige Seinsweise ist eine Vergangenheit, welche wahrlich nicht länger bestehen sollte. Wohl aber die andere: „Ah! Endlich! Endlich! Das ist es, wozu es eine Welt gibt!“

Und alles andere bleibt ganz genau so konkret und real – es wird nichts Nebelhaftes! Es ist genau so konkret und real, aber… aber es wird göttlich, weil… weil es das Göttliche ist. Es ist das Göttliche, das spielt.

Erlaube dem Herrn, alles zu tun

Nun, wenn ich beginne, auf diese Weise zu schauen (die Mutter. schließt die Augen), dann sind da zwei Dinge zur gleichen Zeit: dieses Lächeln, diese Freude, dieses Lachen sind da und solcher Frieden! Solch voller, lichterfüllter, allumfassender Frieden, in welchem es keine Konflikte, keine Widersprüche mehr gibt. Es bestehen keine Konflikte mehr. Es ist eine einzige, lichtvolle Harmonie – und dennoch existiert alles, was wir Irrtum, Leiden, Elend nennen, alles ist da. Es eliminiert nichts. Es ist eine andere Weise zu sehen.

(Langes Schweigen)

Es kann keinen Zweifel geben, dass es schließlich nicht so schwierig ist, wenn du aufrichtig daraus herauskommen willst: Du brauchst nichts zu tun, du musst nur dem Herrn gestatten, alles zu tun. Und Er macht alles. Er macht alles. Es ist so wunderbar, so wunderbar!

Er nimmt alles an, selbst das, was wir eine gewöhnliche Intelligenz nennen, und Er lehrt dich, sie beiseite zu legen, zur Ruhe zu bringen: „Nun ist es genug, sei still, rühre dich nicht, belästige mich nicht, ich brauche dich nicht.“ Dann geht eine Tür auf – du empfindest nicht einmal, dass du sie öffnen musst, sie steht weit offen, du wirst zur anderen Seite hinübergebracht. All das wird von jemand anderem getan, nicht von dir. Und dann wird die andere Methode unmöglich.

All das… oh, diese gewaltige Mühsal des Mentals, das darum kämpft zu verstehen, das sich abrackert und sich selbst Kopfschmerzen verschafft!… Es ist absolut nutzlos, absolut nutzlos, es hat keinen Sinn, es steigert nur die Verwirrung.

Du wirst einem sogenannten Problem gegenübergestellt: was solltest du sagen, tun, wie solltest du handeln? Es gibt nichts zu tun, nichts, du musst dem Herrn nur sagen: „Da, siehst du, so ist es“, das ist alles. Und dann bleibst du sehr ruhig. Und dann, ganz spontan, ohne darüber nachzudenken, ohne Reflexion, ohne Berechnung, nichts, nichts, ohne die leiseste Anstrengung – tust du, was getan werden muss. Das heißt, der Herr tut es. Er arrangiert die Umstände, Er arrangiert die Leute. Er legt die Worte in deinen Mund oder deine Feder. – Er tut alles, alles, alles, alles. Du brauchst nichts mehr zu tun, als dir zu gestatten, froh zu leben.

Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass die Menschen es nicht wirklich wollen.

Aber den Grund vorher freizuräumen, die Arbeit, vorher den Grund freizuräumen, ist schwierig.

Nicht einmal das brauchst du zu tun! Er tut das für dich.

Aber sie brechen beständig ein: das alte Bewusstsein, die alten Gedanken…

Ja, sie versuchen, wieder einzudringen, gewohnheitsmäßig. Du brauchst nur zu sagen: „Herr, siehst du, siehst du, so ist es“ – das ist alles. „Herr, siehst du, siehst du dies, siehst du das, sieh diesen Dummkopf hier“ – und es ist unmittelbar vorbei. Und es ändert sich von selbst, mein Kind, ohne die geringste Mühe. Einfach aufrichtig zu sein, das heißt wahrhaft zu wollen, dass die Dinge recht sind. Dir ist vollkommen bewusst, dass du nichts daran ändern kannst, dass du die Fähigkeit nicht hast… Aber es gibt immer etwas, das es selbst tun möchte. Das ist das Problem, ansonsten…

Nein, du magst von einem ausgezeichneten guten Willen erfüllt sein, und dann möchtest du es tun. Das kompliziert alles. Oder aber du besitzt keinen Glauben, du glaubst, Gott wird nicht fähig dazu sein, es zu tun und dass du es selbst tun musst, weil Er es nicht kann! (Die Mutter lacht) Diese, diese Art Dummheit ist sehr verbreitet. „Wie kann Er die Dinge sehen? Wir leben in einer Welt der Falschheit, wie kann Er Falschheit sehen und…“. Aber Er sieht das Ding, wie es ist! Genau so, wie es ist!

Ich spreche nicht von Menschen ohne Intelligenz. Ich spreche von Leuten, die intelligent sind und sich bemühen – es gibt eine Art der Überzeugung wie dieser, selbst bei denen, die wissen, dass wir in einer Welt von Unwissenheit und Falschheit leben und dass es einen Gott gibt, der All-Wahrheit ist. Sie sagen: „Genau deshalb, weil Er All-Wahrheit ist, versteht Er nicht. (Die Mutter lacht) Er versteht unsere Falschheit nicht, ich muss selber damit fertig werden.“ Das ist sehr stark, sehr weit verbreitet. Ah, wir komplizieren alles für nichts und wieder nichts.

Lass das All-Bewusstsein entscheiden

Ich bin vollständig davon überzeugt, dass die Verwirrung in der Welt deshalb besteht, um uns die Fähigkeit zu lehren, von Tag zu Tag zu leben, das heißt nicht mehr damit beschäftigt zu sein, was vielleicht passiert, was passieren wird, sondern sich nur Tag für Tag mit dem auseinanderzusetzen, was man tun muss. Alles Denken, alles Vorplanen, alle Arrangements und all das begünstigen große Unordnung sehr.

Beinahe Minute um Minute zu leben, so zu sein (aufwärtsgerichtete Geste), aufmerksam zu sein nur gegenüber der Sache, die im Augenblick getan werden soll, und dann das All-Bewusstsein entscheiden lassen… Wir sind nie imstande, selbst mit dem größten Weitblick nicht, die Dinge zu erkennen: wir können von den Dingen nur sehr partiell wissen – sehr partiell. Deshalb wird unsere Aufmerksamkeit hierhin und dorthin gezogen, und immer noch gibt es andere Dinge. Indem wir gefährlichen und schädlichen Dingen große Bedeutung beimessen, verstärken wir sie nur (die Mutter versenkt sich in Kontemplation).

Wenn du von der Vorstellung solcher Unordnung und Verwirrung geplagt wirst, musst du nur eines tun, in das Bewusstsein eintreten, wo du nur ein Wesen, ein Bewusstsein, eine Macht siehst – es gibt nur eine einzige Einheit – und all dieses findet innerhalb dieser Einheit statt. Und all unsere unbedeutenden Einsichten und Klugheiten und Urteile und… all das ist ein bloßes Nichts, es ist mikroskopisch im Vergleich mit dem Bewusstsein, das über Allem steht. Deshalb, hätte man das geringste Gespür für den Grund, dessentwegen getrennte Individualitäten existieren, sähe man, dass es nur dazu dient, Aspiration zu ermöglichen, die Existenz der Sehnsucht, dieser Bewegung der Selbstdarbringung und Hingabe, des Vertrauens und des Glaubens. Und dies ist der wahre Grund, weshalb Individuen erschaffen wurden. Und dann, dass du das in aller Aufrichtigkeit und Inbrunst werden sollst… das ist alles, was erforderlich ist.

Es ist alles, was erforderlich ist, es ist das einzige, das einzige, was bleibt; alles Übrige… Truggebilde.

Und in jedem Fall ist es das einzig Gültige: wenn du etwas tun möchtest, wenn du etwas nicht tun kannst, wenn du dich bewegst, wenn der Körper nicht mehr fähig ist, sich zu bewegen… in jedem, jedem Fall, nur das, nur das: in bewussten Kontakt mit dem höchsten Bewusstsein zu kommen, mit ihm vereint zu sein; und… zu warten. So ist es!

Das ist der Zeitpunkt, in dem du den genauen Hinweis dafür bekommst, was du in jeder Minute tun sollst – tun oder nicht tun, handeln oder reglos zu verharren. Das ist alles. Und sogar zu sein oder nicht zu sein. Das ist die einzige Lösung. Stärker und stärker wird die Gewissheit: das ist die einzige Lösung. Alles Übrige ist bloße Torheit!

Dein Wille geschehe

Ist es genug, sich Davon erfüllen zu lassen, gibt es nichts anderes zu tun?

Ich glaube, ich glaube, das ist das einzige. Ich wiederhole immer: „Dein Wille geschehe, dein Wille geschehe, dein Wille geschehe… lass es so sein, wie du es willst, lass mich tun, was du willst, lass mich deines Willens bewusst sein.“

Und auch: „Ohne Dich ist es Tod; mit Dir ist es Leben.“ Mit „Tod“ meine ich nicht physischen Tod – das kann so sein. Es mag sein, dass, verlöre ich jetzt den Kontakt, es das Ende bedeutete, aber es ist unmöglich! Ich habe das Gefühl, dass es… dass ich Das bin – mit all den Störungen, die das gegenwärtige Bewusstsein noch aufweisen mag, das ist alles. Und dann, wenn ich jemanden sehe (die Mutter öffnet ihre Hände, als brächte sie die Person dem Licht dar), wer es auch immer sein mag: so (dieselbe Geste).

(Schweigen)

Die ganze Zeit, es ist lustig, die ganze Zeit habe ich das Gefühl. ich bin ein kleines Baby, das sich anschmiegt – anschmiegt in einem (wie soll ich es nennen?) Göttlichen Bewusstsein – allumfassend.

Der Druck des Bewusstseins

Ihr wisst, ich glaube nicht an äußere Entscheidungen. Ich glaube einfach nur an eine Sache: die Kraft des Bewusstseins, das einen Druck dieser Art hervorbringt (Geste des Drückens). Und dieser Druck steigert sich fortlaufend … was bedeutet, er wird die Leute durchdringen. Ich glaube nur daran – an den Druck des Bewusstseins. Alles Übrige sind Dinge, die der Mensch tut. Er tut sie mehr oder weniger gut, und dann lebt es, und dann stirbt es, und dann ändert es sich, und dann wird es verzerrt, und dann… so ist es mit allem, das er getan hat. Es lohnt die Mühe nicht. Die ausführende Macht muss von oben kommen, so, zwingend (Geste der Herabkunft)! Und was das betrifft, das (die Mutter weist auf ihre Stirn) muss ruhig bleiben. Nicht sagen: „Oh, das darf nicht sein, oh! Dies muss sein. oh! Wir sollten…“ Frieden, Frieden, Frieden. Er weiß besser als du, was erforderlich ist.

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