Kapitel 19

TUGEND, REINHEIT, FREIHEIT

Lache mit dem Herrn

Die Tugend hat ihre Zeit immer damit verbracht, auszumerzen, was immer sie am Leben für schlecht befand, und wenn alle Tugenden der verschiedenen Länder zusammengebracht worden wären, existierten sehr wenige Dinge weiter.

Die Tugend nimmt für sich in Anspruch, nach Vollkommenheit zu streben, aber Vollkommenheit ist eine Totalität. Deshalb widersprechen diese beiden Bewegungen einander. Eine Tugend, die beseitigt, reduziert, Grenzen festsetzt und eine Vollkommenheit, die alles annimmt, nichts zurückweist, sondern jedes Ding auf dessen Platz verweist, können offensichtlich nicht miteinander harmonieren.

Das Leben ernstzunehmen besteht im allgemeinen aus zwei Bewegungen: die erste besteht darin, Dingen Wichtigkeit zu verleihen, die wahrscheinlich keine haben, und die zweite will das Leben auf eine gewisse Anzahl von Eigenschaften reduzieren, die als rein und der Existenz für würdig erachtet werden. Bei einigen Menschen… wird diese Tugend dürr, trocken, grau, aggressiv und findet überall Makel, in allem, das frei, froh und glücklich ist.

Die einzige Methode, das Leben zu vervollkommnen – ich meine natürlich hier, das Leben auf Erden – ist die, aus einer Höhe herabzublicken, die es erlaubt, es als ein Ganzes zu sehen, nicht nur in seiner gegenwärtigen Gänze, sondern in seiner Gesamtheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: was es war, was es ist und was es sein wird – man muss fähig sein, alles zugleich zu erfassen. Denn das ist die einzige Möglichkeit, allem seinen Platz zuzuweisen. Nichts kann ausgeschlossen werden, nichts sollte ausgeschlossen werden, sondern jedes Ding muss an seinen Platz in einer allumfassenden Harmonie mit all dem Übrigen sein. Und dann wären alle diese Dinge, die dem puritanischen Geist so „schlecht“, so „tadelnswert“, so „unannehmbar“ erscheinen, Bewegungen der Freude und Freiheit in einem vollständig göttlichen Leben. Und dann hinderte uns nichts mehr daran, dieses wundervolle Lachen des Höchsten, der unendliche Freude daran findet, sich selbst unendlich leben zu sehen, zu kennen, zu verstehen, zu fühlen und zu erleben.

Dieses Entzücken, dieses wunderbare Lachen, das jeden Schatten, jeden Schmerz, jedes Leiden auflöst! Du musst nur tief genug in dich hineingehen, um die innere Sonne zu finden, dich von ihr durchfluten zu lassen. Und dann gibt es nur noch eine Kaskade harmonischen, lichtvollen, sonnenhellen Lachens, welches keinen Raum für irgend einen Schatten oder Schmerz mehr übrig lässt…

Und diese Sonne, diese Sonne göttlichen Lachens ist in der Mitte aller Dinge, die Wahrheit aller Dinge. Wir müssen lernen, sie zu sehen, zu fühlen, sie zu leben.

Und deshalb sollten wir die Menschen meiden, die das Leben ernst nehmen. Sie sind sehr langweilig.

Sobald die Atmosphäre gewichtig wird, kannst du sicher sein, dass irgend etwas nicht stimmt, dass ein störender Einfluss besteht, eine alte Gewohnheit versucht, sich wieder geltend zu machen, was nicht akzeptiert werden sollte. All dies Bedauern, all diese Reue, dieses Empfinden, unwert zu sein, schuldig zu sein – und dann, einen Schritt weiter, und du erlebst das Gefühl von Sünde. Oh! All das scheint mir einem anderen Zeitalter anzugehören, einem Zeitalter der Finsternis.

Doch all das, was fortbestehen will, was versucht, sich festzuhalten und auszuharren, all diese Verbote und die Gewohnheit, das Leben in zwei Teile zu zerschneiden – in kleine und große Dinge, das Heilige und das Profane.… „Was!“ sagen die Leute, die vorgeben, ein spirituelles Leben zu führen, „wie kannst du solch kleine Dinge, solche unbedeutenden Dinge zum Gegenstand spiritueller Erfahrung machen?“ Und dennoch ist dies eine Erfahrung, die immer konkreter und realer wird, selbst auf materieller Ebene: Es ist nicht so, als gäbe es „einige Dinge“, wo Gott ist und „andere Dinge“, wo er nicht ist. Der Herr ist immer da. Nichts nimmt Er ernst, alles erfreut Ihn, und Er spielt mit dir, falls du zu spielen verstehst. Du vermagst das nicht, Leute können nicht spielen. Aber wie gut Er das kann! Wie gut spielt Er! Mit allem, mit den kleinsten Dingen: du musst etwas auf den Tisch legen? Glaube nicht, du müsstest denken, arrangieren, nein, lass uns spielen: lass uns dieses hier, jenes dort hinlegen, und dieses so. Und ein anderes Mal ist es wieder anders… Welch ein Spiel und welch ein Spaß!

So sind wir also übereingekommen, dass wir versuchen werden zu lernen, mit dem Herrn lachen zu können.

Das Bedürfnis, tugendhaft zu sein

Im Grunde ist dieser Wille im Menschen nach Reinheit, nach dem Guten – welcher sich in der gewöhnlichen Mentalität als das Bedürfnis, tugendhaft zu sein, ausdrückt – das große Hindernis für wahres Selbst-Geben. Das ist der Ursprung der Falschheit und darüber hinaus die eigentliche Quelle der Heuchelei – die Weigerung, den eigenen Anteil der Bürde der Schwierigkeiten auf sich zu nehmen…

Versuche nicht, tugendhaft zu erscheinen. Erkenne, wie weit du geeint bist, eins mit allem, was anti-göttlich ist. Nimm deinen Teil der Last, akzeptiere, dass du selbst unrein und falsch bist, und auf diese Weise wirst du imstande sein, den Schatten anzunehmen und ihn darzubieten. Und so weit, wie du dazu fähig bist, werden sich die Dinge ändern.

Bemühe dich nicht darum, unter den Reinen zu sein. Akzeptiere es, bei jenen zu sein, die sich in der Dunkelheit befinden und gib es alles hin in vollständiger Liebe.

Vollständige Reinheit

Liebe Mutter, rein zu sein – was heißt das?

Rein zu sein, was heißt das? Man ist nur dann wahrhaft rein, wenn das ganze Wesen in all seinen Elementen und all seinen Bewegungen voll und ausschließlich am göttlichen Willen festhält. Das ist in der Tat totale Reinheit. Sie hängt nicht ab von irgendeinem moralischen oder sozialen Gesetz, irgendeiner mentalen Übereinkunft. Es hängt allein davon ab: wenn alle Elemente und alle Bewegungen des Wesens ausschließlich und uneingeschränkt am Göttlichen Willen festhalten.

…Sobald du von Reinheit sprichst, entsteht vor dir ein moralisches Monument, welches deinen Begriff vollständig verfälscht. Und merke: es ist unendlich viel leichter, aus sozialer Sicht moralisch zu sein als aus spiritueller. Vom sozialen Standpunkt aus moralisch zu sein, verlangt nur achtzugeben, nichts zu tun, dem andere nicht zustimmen. Das mag in gewisser Hinsicht schwierig sein, aber es ist dennoch nicht unmöglich. Und es mag einer, wie ich bereits sagte, ein Denkmal von Unaufrichtigkeit und Unreinheit sein und sich dennoch so verhalten. Währenddessen rein zu sein in spiritueller Sicht bedeutet Wachsamkeit, Bewusstsein und eine Aufrichtigkeit, die aller Prüfung standhält.

Nun möchte ich euch wachsam machen gegenüber… Leuten, die in ihrem vitalen Bewusstsein leben und sagen: „Ich stehe tatsächlich über allen moralischen Gesetzen, ich folge einem höheren Gesetz, ich bin frei von allen moralischen Gesetzen.“ Und das behaupten sie, weil sie ihrem liederlichen Lebenswandel frönen wollen. Diese Leute unterliegen einer doppelten Unreinheit: einer spirituellen und zusätzlich einer sozialen. Und diese sind für gewöhnlich sehr von sich eingenommen, und sie bestehen auf ihrem Wunsch, ihr Leben in beispielloser Schamlosigkeit zu verbringen. Aber solche Leute wollen wir nicht.

Dennoch sind die, die ich am schwierigsten zu bekehren fand, die besonders respektablen Leute. Es tut mir leid, aber mit respektablen Leuten habe ich viel mehr Mühe gehabt als mit denen, die es nicht waren, weil sie sich selbst derartig hochschätzten, dass es unmöglich war, sie zu öffnen. Aber die wahre Sache ist schwierig. Das bedeutet, man muss sehr wachsam und sehr selbstkontrolliert, sehr geduldig sein und über einen nie versagenden guten Willen verfügen. Man darf es nie versäumen, einen kleinen Anteil Demut zu entwickeln, einen ausreichenden, und man darf sich niemals mit dem Maß an Aufrichtigkeit, das man besitzt, zufriedengeben. Man muss immer mehr wollen.

Das Recht, frei zu sein

Viele Male warnt uns Sri Aurobindo in seinen Schriften, vor allem in Die Synthese des Yoga, vor den Vorstellungen jener, die glauben, sie könnten die Sadhana ohne strikte Selbstkontrolle üben und die allen Arten von Inspirationen Aufmerksamkeit schenken, welche sie in ein gefährliches Ungleichgewicht führen, wo all ihre unterdrückten, geheimen Begierden nach außen drängen unter dem Vorwand der Befreiung von gewöhnlichen Konventionen und gewöhnlicher Vernunft.

Man kann nur frei werden, indem man zu den Höhen hoch über den menschlichen Leidenschaften emporstrebt. Nur wenn man eine höhere, selbstlose Freiheit erreicht und alle Begierden und Impulse abgeworfen hat, hat man das Recht, frei zu sein. Doch sollten sich Leute, die sehr vernünftig, sehr moralisch gemäß gewöhnlicher sozialer Gesetze sind, nicht selbst für weise halten, denn ihre Weisheit ist eine Illusion und enthält keine tiefe Wahrheit.

Jemand, der das Gesetz bricht, muss über dem Gesetz stehen. Jemand, der Konventionen ignoriert, muss über Konventionen stehen. Jemand, der alle Regeln verachtet, muss über allen Regeln stehen. Und der Beweggrund dieser Befreiung sollte niemals ein persönlicher, ichbezogener sein: der Wunsch, einen Ehrgeiz zu befriedigen, seine Persönlichkeit zu erhöhen durch ein Gefühl der Überlegenheit, und aus Verachtung für andere sich selbst an die Spitze der Herde zu setzen und sie mit Herablassung zu betrachten. Sei auf der Hut, wenn du dich überlegen fühlst und ironisch auf andere herabblickst, als wolltest du sagen: „Aus diesem Stoff bin ich nicht mehr gemacht!“ Das ist der Augenblick, in dem du vom Pfade abweichst und in Gefahr bist, in einen Abgrund zu stürzen.

Freiheit: kein Befriedigen

Sollte sich irgend einer vorstellen, er könne zur anderen Seite hinübergehen, ohne durch dieses Stadium [moralischer Vollkommenheit] hindurchzugehen, würde er Gefahr laufen, einen großen Fehler zu begehen und vollkommene Freiheit mit vollkommener Schwäche hinsichtlich seiner niederen Natur verwechseln.

Es ist fast unmöglich, sich vom mentalen – das gilt selbst für das vollkommenste und bemerkenswerteste Wesen – zu einem wahren spirituellen Leben zu entwickeln, ohne für einen gewissen Zeitraum, wie kurz er auch immer sein mag, dieses Ideal moralischer Vollkommenheit verwirklicht zu haben. Viele Menschen versuchen, eine Abkürzung zu benutzen und wollen ihre innere Freiheit geltend machen, bevor sie all die Schwächen der äußeren Natur überwunden haben. Sie sind in großer Gefahr, sich selbst etwas vorzumachen. Das wahre spirituelle Leben, vollkommene Freiheit, ist etwas viel Höheres als die höchsten moralischen Verwirklichungen, aber man muss achtgeben, dass diese sogenannte Freiheit nicht Nachsicht [gegenüber sich selbst] und ein Verachten aller Regeln ist.

Man muss höher gehen, immer höher, höher. Um nichts weniger, als was die Höchsten der Menschheit erreicht haben.

Man muss fähig sein, spontan all das zu werden, von dem die Menschheit sich vorstellt, es wäre das Höchste, Schönste, Vollkommenste, Selbstloseste, Umfassendste, Beste, bevor man seine spirituellen Schwingen öffnet und auf all das von oben herabblickt als etwas, das immer noch zum individuellen Selbst gehört, um dann in eine wahre Spiritualität einzugehen, welche keine Grenzen kennt, welche in integraler Weise Unendlichkeit und Ewigkeit lebt.

Freiheit und Askese

Frei zu sein von aller Bindung bedeutet nicht, vor jeglicher Gelegenheit zur Bindung davonzulaufen. All diese Leute, die auf ihrer Askese bestehen, rennen nicht nur davon, sondern warnen andere, es nicht zu versuchen!

Das scheint mir so offenkundig. Wenn du es nötig hast, vor einer Sache zu fliehen, um sie nicht zu erfahren, heißt das, du stehst nicht über ihr, du befindest dich noch auf derselben Ebene.

Alles, was unterdrückt, schwächt oder schmälert, kann keine Freiheit bringen. Freiheit muss in der Ganzheit des Lebens und in allen Empfindungen erfahren werden.

Tatsächlich habe ich mich ausgiebig mit diesem Thema befasst, auf der rein physischen Ebene… Um jenseits jeglichen möglichen Irrtums zu gelangen, neigen wir dazu, jede Gelegenheit zum Irren auszuschließen. Du hörst zum Beispiel zu sprechen auf, wenn du keine nutzlosen Worte sprechen willst. Menschen, die ein Schweigegelübde ablegen, halten dies für Kontrolle des Sprechens – das ist nicht wahr! Es heißt nur, die Gelegenheit zum Sprechen und daher nutzlose Dinge zu sagen auszuschalten. Das gilt auch für die Nahrungsaufnahme: nur das essen, was notwendig ist.… Aber die natürliche Neigung ist zu fasten – es ist ein Fehler!

Aus Angst, in unserem Handeln Fehler zu begehen, hören wir auf, überhaupt irgend etwas zu tun. Aus Angst in unseren Reden zu irren, hören wir auf zu sprechen. Aus Angst zu essen um der Freude des Essens willen, essen wir gar nicht – das ist keine Freiheit, es heißt einfach, die Manifestation auf ein Minimum zu reduzieren. Die natürliche Folge ist das Nirwana. Doch wenn der Herr nur das Nirwana wollte, existierte nur das Nirwana! Es ist offenkundig, dass Er sich die Koexistenz aller Gegensätze vorstellt und dass dies für Ihn der Beginn einer Totalität sein muss. Wenn man fühlt, man sei dazu bestimmt, kann man offensichtlich nur eine seiner Manifestationen wählen, das heißt die Abwesenheit von Manifestation. Aber es ist dennoch eine Beschränkung. Und es ist nicht der einzige Weg, Ihn zu finden, weit gefehlt!

Es ist eine sehr verbreitete Neigung, welche wahrscheinlich von einer Anregung aus dem Altertum herrührt oder von einem Mangel oder einer Unfähigkeit – reduzieren, reduzieren, die eigenen Bedürfnisse reduzieren, die Aktivitäten, die Worte, die Nahrung, das tätige Leben – und all das wird so eng. In seinem Bestreben, keinen Fehler mehr zu begehen, meidet man jede Gelegenheit, in der das geschehen kann. Es ist keine Heilung.

Aber der andere Weg ist sehr, sehr viel schwieriger.

(Schweigen)

Nein, die Lösung ist, nur unter göttlichem Impuls zu handeln, nur unter göttlichem Impuls zu sprechen, nur unter göttlichem Impuls zu essen. Das ist die Schwierigkeit, denn natürlich verwechselst du unmittelbar den göttlichen Impuls mit deinen persönlichen Regungen.

Ich nehme an, dies war die Vorstellung all der Verfechter des Verzichts: alles von außen oder von unten Kommende zu eliminieren, so dass man, falls sich etwas von oben manifestieren sollte, in der Verfassung wäre, es zu empfangen. Aber kollektiv gesehen, könnte dieser Prozess Tausende von Jahren dauern. Aus individueller Sicht ist es möglich. Doch dann muss man die Sehnsucht nach dem wahren Impuls intakt halten – nicht die nach „vollständiger Befreiung“, sondern die nach aktiver Identifikation mit dem Höchsten, das heißt nur zu wollen, was Er will, nur zu tun, was Er möchte: zu existieren durch und in Ihm allein. Man kann es mit der Methode des Verzichts versuchen, sie ist jedoch für jemanden, der sich selbst von anderen abtrennen will. Kann es aber in diesem Fall irgendeine Ganzheit geben? Das scheint mir unmöglich.

Öffentlich kundzutun, was man tun möchte, ist eine beträchtliche Hilfe. Es mag Widerspruch, Hohn, Konflikte herausfordern, aber das wird weitgehend ausgeglichen durch die öffentliche „Erwartung“, sozusagen dadurch, was andere Leute von dir erwarten. Das war sicherlich der Grund für jene Roben (die ockerfarbigen Roben der Sannyasins): die Menschen wissen zu lassen. Natürlich, das kann dir die Verachtung, den schlechten Willen einiger Menschen einbringen, aber dann gibt es all jene, die fühlen, sie dürften nicht eingreifen oder sich nicht einmischen, dass es nicht ihre Angelegenheit ist.

Ich weiß nicht warum, aber mir schien es immer wie ein Sich-Brüsten – es mag nicht so sein und in einigen Fällen ist es nicht so, aber dennoch ist es eine Art, den Leuten zu sagen: „Schau, so bin ich.“ Und, wie ich sagte, das hilft vielleicht, aber es hat seine Schattenseiten. Es ist ein weiteres kindisches Verhalten. All diese Dinge sind Mittel, Stufen, Schritte, aber… wahre Freiheit heißt frei sein von allem – auch von allen Hilfsmitteln.

(Schweigen)

Es ist eine Einschränkung, Einengung, während die wahre Sache ein Sich-Öffnen, Weiten, ein Identifizieren mit dem Ganzen bedeutet.

Wenn du reduzierst, reduzierst, dich selbst reduzierst, dann erlebst du nicht das Gefühl, dich selbst zu verlieren, es nimmt dir die Angst davor, dich zu verlieren – du wirst etwas Festes und Kompaktes. Aber wenn du die Methode des Sich-Weitens wählst – das größtmögliche Weiten – darfst du keine Angst davor haben, dich selbst zu verlieren.

Es ist sehr viel schwieriger.

Freiheit und Dienen

Äußerlich kann man sich nicht vorstellen, wie man sich gleichzeitig in Freiheit und Knechtschaft befinden kann, aber es gibt eine Haltung, die beides miteinander versöhnt und sie zu einem der glücklichsten Zustände materieller Existenz erhebt.

Freiheit ist eine Art instinktives Bedürfnis, eine Notwendigkeit für die integrale Entwicklung des Wesens. Ihrer Natur nach ist sie eine vollkommene Verwirklichung des höchsten Bewusstseins, sie ist der Ausdruck von Einheit und Einung mit dem Göttlichen, sie ist der wirkliche Sinn des Ursprungs und der Vollendung. Aber weil diese Einheit sich in den Vielen offenbart – in der Mannigfaltigkeit – muss etwas als Verbindungsglied zwischen dem Ursprung und der Manifestation dienen, und das vollendetste Glied, das man sich denken kann, ist Liebe. Und was ist die höchste Ausdrucksform der Liebe? Sich selbst zu geben, zu dienen. Welches ist ihre spontane, unmittelbare, unvermeidliche Bewegung? Zu dienen. In freudiger, vollständiger, allumfassender Hingabe zu dienen.

So ergänzen sich, weit davon entfernt, widersprüchlich zu sein, diese beiden Dinge – Freiheit und Dienen – in ihrer Reinheit und in ihrer Wahrheit. In vollkommener Einheit mit der höchsten Realität findet sich vollkommene Freiheit, denn alle Unwissenheit, alle Unbewusstheit ist eine Fessel, die dich untüchtig, machtlos macht, dich einschränkt. Die geringste Unwissenheit in uns ist eine Beschränkung, man ist nicht länger frei. Solange ein Element von Unbewusstheit im Wesen existiert, besteht eine Begrenzung, eine Knechtschaft. Nur in vollkommener Einheit mit der Höchsten Wirklichkeit kann vollkommene Freiheit bestehen. Und wie soll diese Einheit erreicht werden, wenn nicht durch spontane Selbsthingabe: das Geschenk der Liebe. Und wie ich sagte, der höchste Ausdruck von Freiheit, die höchste Geste der Liebe ist das Dienen.

…Es ist tatsächlich Liebe, welche zur Einheit führt, und Einheit ist der wahre Ausdruck von Freiheit. Und deshalb wenden sich jene, die im Namen des Rechtes auf Freiheit Unabhängigkeit fordern, vollständig von dieser wahren Freiheit ab, denn sie verleugnen die Liebe.

Freiheit und Hingabe

Das ist wirklich bemerkenswert: dass man vollkommen frei ist, wenn man dem Göttlichen vollkommen hingegeben ist, und dies ist die absolute Bedingung für Freiheit, allein dem Göttlichen zu gehören. Du bist frei von der ganzen Welt, weil du nur Ihm gehörst. Und diese Hingabe ist die höchste Befreiung, du bist auch von deinem kleinen persönlichen Ego frei, und von allen Dingen ist das das Schwierigste – und auch das Beglückendste, die einzige Sache, die dir beständigen Frieden, ununterbrochene Freude zu schenken vermag und das Gefühl einer unendlichen Freiheit von allem, das dich herabsetzt, verkümmert, verarmt; und von allem, das in dir die geringsten Sorgen, die geringste Angst zu verursachen imstande ist. Du bist vor nichts mehr bange, du fürchtest nichts mehr, du bist der höchste Meister deines Schicksals, denn es ist das Göttliche, dessen Wille in dir wirkt und dich führt. Doch geschieht das nicht über Nacht: ein wenig Zeit und ein großes Ausmaß an Leidenschaft des Willens, keine Anstrengung zu scheuen und das Herz nicht sinken zu lassen, wenn sich kein Erfolg einstellt, zu wissen, dass der Sieg gewiss ist und dass man ausharren muss, bis er eintritt. So ist das.

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