Kapitel 2

Was die Gita sagt

„Darum“, sagt der göttliche Lehrer, „gedenke Meiner zu allen Zeiten und kämpfe! Denn wenn dein Gemüt und dein Verstand immer fest auf Mich gerichtet und an Mich hingegeben sind, mayi arpita-mano-buddhih, wirst du sicher zu Mir gelangen. Denn wenn man immer seiner gedenkt mit einem Bewusstsein, das in einem unentwegten Yoga von ständiger Praxis mit ihm vereint ist, dann, O Partha, gelangt man zum göttlichen und erhabenen Purusha.“

…die wesentliche Voraussetzung ist das ständige, nicht abirrende Gedenken an das Göttliche im Leben, auch im Handeln, in der Schlacht – mam anusmara yudhya ca – und die Verwandlung des ganzen Lebensakts in einen ununterbrochenen Yoga, nitya-yoga.

Dies also ist der rascheste, umfassendste und großartigste Weg. Auf mich, sagt die Gottheit zur Seele des Menschen, lege dein gesamtes Gemüt und deinen ganzen Verstand in mir nieder: Ich werde sie in der himmlischen Glut der göttlichen Liebe, des göttlichen Willens und der göttlichen Erkenntnis zu mir emporheben, von dem diese Dinge ausströmen. Zweifle nicht daran, dass du in mir über diesem sterblichen Dasein wohnen sollst. Die Ketten der begrenzten irdischen Natur können den unsterblichen Geist nicht halten, der von der Leidenschaft, der Kraft und dem Licht der ewigen Liebe, des ewigen Willens und der ewigen Erkenntnis erhoben ist. Kein Zweifel, auch auf diesem Weg gibt es Schwierigkeiten. Denn auch hier zieht immer noch die niedere Natur mit ihrem wilden oder dumpfen Hang nach unten, mit dem sie der Bewegung des Aufstiegs Widerstand und Kampf bietet und die Flügel der Begeisterung und des Aufschwungs lähmt. Das göttliche Bewusstsein kann aber nicht sofort festgehalten oder willkürlich zurückgerufen werden, auch wenn es anfangs im Wunder erhabener Augenblicke oder in friedvoller und herrlicher Dauer gefunden worden ist. Oft fühlen wir unsere Unfähigkeit, unser persönliches Bewusstsein ständig im Göttlichen fest gegründet zu halten. Es gibt die Nächte langer Vertreibung aus dem Licht. Es gibt die Stunden oder Augenblicke der Revolte, des Zweifels und Versagens. Dennoch wächst durch die Praxis der Vereinigung und durch ständige Wiederholung der Erfahrung dieser höchste Geist in uns und ergreift dauerhaft Besitz von unserer Natur. Finden wir auch dies zu schwer angesichts der Macht und Hartnäckigkeit des nach außen strebenden Mentals, dann gibt es den einfachen Ausweg, dass wir alle Handlungen um des Herrn des Handelns willen vollbringen, so dass jede nach außen gerichtete Bewegung des Mentals eng verbunden ist mit der inneren spirituellen Wahrheit des Wesens und gerade bei dieser Bewegung in die ewige Wirklichkeit zurückgerufen und so wieder mit ihrem Ursprung verbunden wird. Dann wird die Anwesenheit des Purushottama im Menschen zunehmen, bis dieser davon erfüllt ist und zu etwas Göttlichem und Geist wird. Das gesamte Leben wird zu einem stetigen Gedenken an Gott und auch die Vollkommenheit wird wachsen und die Einheit des gesamten Seins der menschlichen Seele mit dem höchsten Sein.

Das begrenzte Mental wendet sich in seiner Vergesslichkeit immer wieder dem Wirken nach äußeren Zielen zu und denkt nicht daran, nach innen zu schauen und all unsere Regungen auf dem Altar des göttlichen Geistes darzubringen. Dann haben wir unser niederes Selbst im Handeln zu beherrschen und ohne Verlangen nach den Früchten zu wirken. Auf alle Frucht soll verzichtet werden, sie soll der Macht übergeben werden, die unser Werk lenkt, und doch soll das Werk, das durch Sie unserer Natur auferlegt ist, getan werden. Denn durch dieses Mittel wird das Hindernis ständig verkleinert, es verschwindet leicht. So wird das mentale Wesen frei, um des Herrn zu gedenken und sich selbst fest in der Freiheit des göttlichen Bewusstseins zu gründen. Hier bietet die Gita eine aufsteigende Skala machtvoller Möglichkeiten und verleiht die Palme der Auszeichnung diesem Yoga des Handelns, das frei ist von Verlangen. Abhyasa, das Praktizieren einer Methode, die Wiederholung eines Bemühens und die daraus gewonnene Erfahrung sind etwas Großes und Machtvolles. Besser als dies ist Wissen, die erfolgreiche und erleuchtete Hinwendung unseres Denkens zur Wahrheit hinter den Dingen. Diese Denk-Wissen wird aber übertroffen durch schweigende vollkommene Konzentration auf die Wahrheit, so dass unser Bewusstsein schließlich in ihr leben und immer eins mit ihr sein wird. Doch noch machtvoller ist es, wenn wir die Frucht unseres Wirkens ganz aufgeben, da dies sofort alle Ursachen von Unruhe vernichtet und automatisch innere Ruhe, inneren Frieden hervorbringt und bewahrt. Ruhe und Friede sind die Grundlage, auf der alles andere vollkommen und gesicherter Besitz wird durch den gelassenen Geist. Dann kann das Bewusstsein ruhig sein, sich beglückt auf das Göttliche festlegen und ungestört zur Vollendung emporsteigen. Dann können auch Wissen, Wille und liebende Hingabe ihre Gipfel vom festen Boden gewichtiger Stille aus in den Äther der Ewigkeit erheben.

Dies Geheimnis der Geheimnisse, diese höchste und unmittelbare Botschaft des Ishwara, lautet: „Sei Mir zugeneigt! Werde Mein Mich Liebender und Verehrender, ein Mir Opfernder! Verneige dich vor Mir! Dann wirst du zu Mir gelangen. Dies ist Mein Wort und Versprechen an dich, denn du bist Mir lieb. Gib alle Dharmas auf und nimm deine Zuflucht allein zu Mir! Ich werde dich von aller Sünde und allem Übel befreien, sei unbekümmert!“

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