Kapitel 1
Anumati und Smriti (Zustimmung und Erinnerung)
Dies sind also die drei Prozesse des Yoga: (1) die Entschlossenheit, sankalpa, des Willens, sich Gott darzubringen, atmasamarpana, (2) das Zurücktreten vom Adhar durch Selbst-Erkenntnis, (3) die Schau Gottes, der überall ist in allen Dingen und in allen Geschehnissen. Dazu kommt, dass du die Früchte deines Handelns und das Handeln selbst ganz in Gottes Hand legst… Sobald du aber einmal diesen festen Entschluss, sankalpa, zur Selbst-Darbringung gefasst hast, werden alle Prozesse des Yoga von Gottes Shakti durch einen mächtigen Prozess der Natur ausgearbeitet. Von deiner Seite ist dabei die bindende Zustimmung, anumati, und der Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Yoga, smriti, absolut unentbehrlich. Anumati bedeutet deine Einwilligung, dass du die Prozesse des Yoga eine Zeit lang bejahst und in alles einwilligst, was sich in deinem Inneren und von außen her als ein Teil der Vorgänge der Sadhana ereignet. Du darfst dabei nicht in Jubel ausbrechen über das Gute, und dich nicht grämen über das Böse. Du sollst dich in deinem Herzen nicht damit abmühen, das eine festzuhalten und das andere loszuwerden. Vielmehr sollst du in deinem mentalen Wesen immer nur das festhalten, was letztlich erzielt werden soll; und diesem Ziel musst du deine unwiderrufliche Zustimmung geben. Die zeitweilige Zustimmung besteht darin, dass du dich passiv den Methoden des Yoga unterwirfst, aber nicht die Resultate als etwas Positives annimmst. Mit deiner dauernden Zustimmung nimmst du gleichzeitig auch im voraus alle Ergebnisse an. Das ist eine Art von müheloser und wunschloser Verwendung des Willens. Die ständige Übung in diesem wunschlosen Willen, eine brennende Aspiration und ein stetiges Gedenken an den Pfad und an sein Ziel sind die erforderliche spirituelle Geduld, dhriti, und die Beharrlichkeit, utsāha, die nötige Ausdauer und der brennende Eifer des Sadhak… In deinem dauernden Gedenken, smarana, an die Gesetze des Yoga, smriti, sollst du frei von Nachlässigkeit sein, apramatta. Denn wenn der Yogin die Gesetze des Yoga, smriti, infolge des Ansturms und der Angriffe der gunas verliert, dann „fällt er von seinem festen Sitz herunter“, bhrasta, und irrt von seinem Pfad ab. Aber du brauchst nicht darüber betrübt zu sein, wenn bei dir ein Zustand der Verfinsterung eintritt, pramāda, auch wenn dieses Absinken und diese Umwölkung lange zu dauern scheinen. Denn du brauchst keine Furcht zu haben, dass du für immer fallen könntest. Gott selbst hat dich ja vollständig in seine Obhut genommen. Wenn du strauchelst, dann geschieht dies, weil das Straucheln für dich das Beste ist, so wie ein Kind erst dadurch laufen lernt, dass es häufig stolpert und hinfällt. Die Notwendigkeit dazu, dass du dich selbst am Zügel hältst, apramattatā, entfällt dann, wenn du das ständige Gedenken an den Yoga und an seine Ziele dadurch ersetzen kannst, dass du ununterbrochen in allen Dingen und Geschehnissen an Gott denkst. Darin besteht das „Gedenke stets Meiner und trage Mich stets im Herzen“, nitya anusmarana, wovon die Gita spricht. Wenn jemand von Anfang an diese vollständige Überantwortung vollziehen kann, dann gibt es keine Probleme mehr. Für solche Menschen ist dann der Aufstieg äußerst leicht und rasch.