Kapitel 1
Ist die Natur blind und gewalttätig?
Die Natur ist eine bewusste Kraft, die weiß, was sie will, es auf ihre eigene Art tut, weiß, wohin sie geht und ihre Wege kennt: sie wählt sie selbst. Dem Menschen erscheint dies zusammenhanglos, denn sein eigenes Bewusstsein ist zu eng (er kann nicht gut genug das Ganze sehen. Wenn man nur die kleinen Details oder Fragmente der Dinge sieht, kann man überhaupt nichts verstehen). Doch die Natur hat einen Plan, sie hat einen bewussten Willen, sie ist eine ganz und gar bewusste Wesenheit – sie kann nicht ´Wesen` genannt werden, weil sie nicht dieselben Proportionen hat. Wenn wir von einem Wesen mit unserem menschlichen Bewusstsein sprechen, stellen wir uns sofort ein menschliches Wesen vor, vielleicht ein etwas oder viel größeres, aber ein immer noch auf die gleiche Art funktionierendes. Das ist der Grund, warum ich sie nicht ´Wesen` nenne, doch sie ist eine bewusste Wesenheit, ein bewusster Wille, der Dinge bewusst, absichtlich tut und beeindruckende Kräfte zu seiner Verfügung hat.
Es wird auch gesagt, dass die Kräfte der Natur blind und gewalttätig sind. Aber das ist in keiner Weise der Fall! Es ist der Mensch in seinem Verhältnis zur Natur, der so urteilt. Wartet ein bisschen, lasst uns dieses Beispiel nehmen. Wenn es ein Erdbeben gibt, werden viele Inseln verschlungen und Millionen Menschen getötet. Die Leute sagen: „Diese Natur ist monströs.“ Aus der Sicht des Menschen ist diese Natur monströs. Was hat sie getan? Sie hat eine Katastrophe angerichtet. Aber denkt einmal, wie ihr beim Springen oder Laufen oder irgendetwas anderem einen kräftigen Schlag abbekommt und grün und blau werdet. Für unsere Zellen ist es das Gleiche wie ein Erdbeben; du zerstörst eine enorme Anzahl von Zellen! Es ist eine Frage des Verhältnisses. Für uns, unser Bewusstsein, das so klein ist, erscheint dies so gewaltig, aber im Grunde ist es ganz einfach nur eine Verwirrung irgendwo auf der Erde (nicht einmal im Universum). Wir sprechen nur von der Erde. Was ist sie? Gar nichts, einfach ein kleines Spielzeug im Universum. Wenn wir von diesem Universum sprechen, dann ist das Verschwinden der Welten… – Es sind nur Verwirrungen. Das ist nichts.
Man muss, wenn man kann, sein Bewusstsein weiten.
Ich kannte jemanden, der sein Bewusstsein weiten wollte; er sagte, er habe einen Weg gefunden: man müsse nachts flach auf dem Rücken liegen, im Freien, die Sterne anschauen und versuchen, sich mit ihnen zu identifizieren, tief in eine immense Welt hinüber gehen und so jedes Gefühl für Proportion – die Ordnung der Erde mit ihren vielen kleinen Dingen – verlieren und weit wie der Himmel werden. – Du kannst nicht sagen: so weit wie die Erde, denn wir sehen nur ein kleines bisschen davon, aber weit wie der Himmel mit all seinen Sternen. Und so, weißt Du, fallen die kleinen Unreinheiten für den Moment ab, und man versteht die Dinge viel umfassender. Es ist eine gute Übung.
Beides sind gute Übungen. Versuche sie zu vergleichen, du wirst sehen: du gehst auf einer Straße, es gibt dort eine Ameisen–Armee, die von einem Nest zum anderen wandert (du schaust nicht nach unten, du unterhältst dich mit jemandem); ganz fahrlässig trittst du mit einem Fuß und dann mit dem anderen auf sie und zerquetschst Hunderte Ameisen ohne es überhaupt zu merken. Wenn du eine Ameise wärst, würdest du sagen: „Was für eine böse und abscheuliche Kraft!“ Du gehst einfach so. Du hast nicht aufgepasst. Aber nimm einmal an, es gibt Wesen, für die wir bloß winzig kleine Ameisen sind. Sie setzen einen Fuß auf uns und dann den anderen, und Millionen Menschen sind getötet worden. Sie sind sich dessen nicht einmal bewusst! Sie haben es nicht absichtlich getan. Sie sind einfach nur daher gegangen, das ist alles.